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Entmetallisiert - Redakteure auf Abwegen (30.06.08) |

metal1.entmetallisiert - Redakteure auf Abwegen
Irgendwann ist es bei jedem so weit. Egal ob Goregrindfetischist, Schwarzwurzler, Proggie, klassischen Metaller oder Freizeitwikinger. Manchen Dingen kann man sich einfach nicht entziehen und trotzdem scheint man mit der Thematik ein gestörteres Verhältnis zu haben als die katholische Kirche zu Schwangerschaftsabbrüchen. Richtig wir sprechen von den Ausflügen in andere, nicht-metallische, musikalische Gefilde.
Warum sollte man sich auch die Mühe auch mal über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen, wenn doch Beispielsweise Epic Pagan Metal und Pagan Black Metal, nicht nur schon genug Abwechslung bietet, sondern auch für einen ganz eigenen Musikfaschismus reicht. Da hetzen die Black gegen die Death Metaller in Foren, Powermetal ist sowieso als Kastratenmusik nicht zu dulden - und Frauenstimmen? - Gott bewahre! Frauen haben die Aufgabe das Bier zu halten, während man sich im Moshpit vergnügt. Umgekehrt ist das natürlich kaum besser. Da wird technisches Gefrickel vom traditionellen Kuttenträger zu sinnlosem Gebolze und Lärm degradiert. Es ist traurig wie engstirning viele selbsternannte, achso „trve“ Metaller selbst in hartmetallischer Hinsicht sind, ohne sich wirklich jemals mit den entsprechenden, verachteten Stilen beschäftigt zu haben. Dies trifft fast eins zu eins auf die Beschäftigung mit einer ganzen Palette an Genres zu, die als „verpönt“, kitschig und im schlimmsten Fall „unmännlich“ gelten.
Freilich gibt es so manches, das akzeptiert ist, was vor allem an den Einflüssen bestimmter Spielrichtungen liegt. Viele, die gerne ihr Horn für Odin und Thor heben, dürften sich zumindest schon einmal mit ein paar (Neo-) Folk Bands beschäftigt haben. Warum auch nicht, denn wer als Musik mehr als Einheitsbrei fabrizieren möchte, der muss auch einmal seinen Horizont ein wenig erweitern. Was spricht dagegen, dass genau das auch auf den Hörer übertragbar ist. Kaum eine Szene ist so in ihrer Tradition verwurzelt, wie es die des Heavy Metals ist. Das ist zum einen gut, denn allzu sehr gehypte neue Bands haben es so schwerer und müssen erst eine Art Qualitätskontrolle durchlaufen. Zum anderen ist es aber auch sehr kompliziert für Neuerungen zu sorgen. Zum Glück hat es immer wieder kluge Köpfe gegeben, die genau ihr Ding durchgezogen haben, da sie es für absolut richtig gehalten haben. Bands wie Ulver haben sich weiterentwickelt, ohne es allen Recht machen zu wollen.
Trotzdem scheint man jede szenefremde Musik so zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Entziehen geht dabei sowieso nicht. Entweder hat man mal im Auto keine CD zur Hand, ist bei jemand anderen Eingeladen oder wird schlimmstenfalls sogar im Supermarkt bedudelt – solange das Ohrenkondom für Metaller noch nicht erfunden ist, kann sich wohl niemand dagegen wehren. Und schneller als man die Pommesgabel zücken kann dringt er dann ein. Der Ohrwurm. Das Gefallen daran wird natürlich nicht zugegeben, dafür kann man den Song ja zu Hause im stillen Kämmerlein hören.
Wir wollen unter unserer neuen Rubrik Metal1.Entmetallisiert jedoch nicht den täglichen Chartsabwasch vorstellen, sondern einen qualitativ möglichst hochwertigen Blick über die normalen metallischen Grenzen hinaus geben. Keineswegs soll Metal1 zu einer Seite für jede erdenkliche Art von Musik werden, jedoch haben wir festgestellt, dass es in der Redaktion zahlreiche Leute gibt, die einen nur schwer einzugrenzenden Musikgeschmack haben. Vorgestellt werden unter dieser Rubrik in loser Reihenfolge verschiedenste CDs von hörenswerten Künstlern, eventuell auch ganze Genres wie beim Post-Rock spezial oder Bands in Form von Portraits. Für Anregungen, fundamentierte Kritik und natürlich auch Lob sind wir immer dankbar.
Zu den entmetallisierten CD-Reviews...
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