(Singer/Songwriter)Allzu oft bekommt man als Redakteur eines auf Metal fokussierten Online-Magazins keine Singer/Songwriter-CDs auf den Tisch. Nun ist es doch mal so weit gekommen und mit „In voller Fahrt“ liegt eine Platte von CHRIS FRIEDRICH vor mir. Diese setzt sich zusammen aus „einem Haufen kreativem Abfall“, wie es der Künstler selbst auf seiner Homepage beschreibt. Meinerseits löst das erstmal gemischte Gefühle aus.
CHRIS FRIEDRICH bietet dem Hörer eine recht typische Mischung aus flotteren Nummern mit gekonnt inszenierter Laut-/Leise-Dynamik, vielen Uh-huhs, Ah-hahs etc. und langsameren Songs. Dabei liegt zumeist ein Fokus auf einprägsamen Textzeilen, die er (häufig zu) oft wiederholt. Der zweite Song „Sachen rein und weg“ beinhaltet lediglich sanft gezupfte Melodien – hier fällt allerdings schon auf, dass der Gesang sich manchmal nicht ganz stimmig im Einklang mit der Musik befindet und mitunter ganz schön weinerlich erscheint. Manchmal würde man sich von Herr Friedrich definitiv mehr Melodiegefühl wünschen, auch weil es ihm in „Treibsand“ nicht immer gelingt, die Töne zu halten.
Richtig gruselig wirds dann in „Partyboot“, in dem sich Friedrich und Gastsängerin Britta Hermanns in einer Art Dialog gegenseitig ansprechen (-singen!?!?) – das Ganze gipfelt letztendlich in einem merkwürdigen Bläser-lastigen Refrain, der wohl nach Ska klingen soll – das Lied klingt alles in allem deplatziert. Was Friedrich beim Schreiben dieses Liedes geritten hat, weiß er wohl nur selbst. Davon abgesehen regen die Texte so einiger Stücke doch ziemlich dazu an, sich ratlos am Kopf zu kratzen, so zum Beispiel im ziemlich missratenen „Was essen (ich rieche Kohlen)“. Die Sprachsamples beziehungsweise kompletten Tracks („Bitte, Herr Kapitän“), in denen sich einfach nur zwei Personen unterhalten, lassen einen dann nur noch den Kopf schütteln.
Überzeugender klingen da manche ruhigen Tracks auf der Platte: „Grünes Licht“ ist ein ziemlich cooler und einfühlsamer – hier fallen beide Vokalisten/-innen positiv auf, nicht negativ. „Mein Freund“ klingt ganz nett und der Rest der hier nicht negativ hervorgehobenen Songs lässt sich nebenbei ganz gut anhören.
CHRIS FRIEDRICH sollte auf dem nächsten Album getreu dem Motto „Weniger ist mehr“ aber eher drauf achten, durchweg überzeugende Lieder zu schreiben, anstatt mit aller Kraft 17 Songs in ein Konzept zu pressen, was zur Folge hat, dass dabei mehrere Rohrkrepierer rauskommen. Auch am Gesang kann man noch feilen. Aber wo ein Wille ist, da kommt man „In voller Fahrt“ vielleicht irgendwann hin.