CD-Review: Fallen Tyrant - Usurpation

Besetzung

Mithras - Alle Instrumente und Gesang

Tracklist

01. The Axis Of None
02. Manifest
03. To Finnmarken
04. Remember The Fallen
05. Final Resistance
06. Hydra
07. To Dethrone A God
08. The End Of Innocence
09. Pestiferous Faith
10. Laudate Dominum

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Soloprojekte nötigen mir immer ein gewisses Maß an Respekt ab, zumindest dann, wenn was Anhörbares bei rum kommt. Ich meine, ein paar zufällig irgend welchen Kram daherspielenden Instrumente kann jeder übereinander klatschen, aber wenn eine Person tatsächlich ein komplettes Album im Alleingang einspielt und dabei wirklich Hand an jedes einzelne Instrument legt und sich was dabei denkt, was er spielt, dann ist das keine üble Sache. Mithras ist so ein Mensch, der sich mit Gitarre, Bass und Drumcomputer bewaffnet daran machte, seiner eigenen Vision vom modernen Black Metal nachzugehen und unter dem Namen FALLEN TYRANT von nun an Musik zu machen. Dabei rum kam der Langspieler “Usurpation”, dessen genauer Status mir nicht ganz klar ist, auf der Promo-CD-r, die er mir zukommen ließ, steht “Demo” drauf, aber die Länge von einer guten Stunde und 10 Tracks ist ziemlich viel Holz für eine Demoaufnahme. Wurscht, der Künstler weiß es am Besten.

Und wie man Instrumente spielt, das weiß er wohl auch. Geboten wird auf “Usurpation” ein gelungener Querschnitt durch die verschiedenen Manifestationen des Black Metals, mal eher rasend, dann wieder schleppend, hier und da verirrt sich mal ein militärischerer Rhythmus in Mithras’ Schaffen (dazu passend auch die Widmung im Coverblättchen: “Final Resistance is dedicated to the brave men and women who fought the Nazi occupation of their home countries in WWII.”… löblich) und von Zeit zu Zeit gibt’s sogar regelrecht melodische, wenn nicht sogar epische Einwürfe (wie bei “To Dethrone A God”). Auch eine akustische Klampfe darf sich hin und wieder hören lassen und lockert das Material merklich auf. An Abwechslung mangelt es auf “Usurpation” sichtlich nicht.

Hin und wieder aber an einer klaren Ausrichtung. Das Intro “The Axis Of None” ließ mich da beim ersten Mal schon schlimmes befürchten. Denn der zweieinhalb minütige Track plätschert irgendwie völlig kopflos dahin, Bass und Gitarre klimpern in der Landschaft herum und kommen irgendwie auf keinen grünen Zweig, es klingt einfach so, als ob man ein wenig Zeit totschlagen wollte, hier entwickelt sich nichts, hier gibt’s eigentlich sowieso nichts Bemerkenswertes zu hören. Solche Patzer umschifft Mithras im Folgenden glücklicherweise aber relativ konsequent, manchmal aber mit sehr merkwürdigen Methoden. So erklingt in den letzten Sekunden von “Manifest” zum Beispiel eine Leadgitarre, die nach dem klingt, was dabei rauskommt, wenn ich mal wieder versuche ein möglichst schnelles Solo zu improvisieren, sprich: nicht viel. Unsauber eingespielt, melodisch völlig daneben… Und plötzlich wird das Ding mitten drin abgewürgt, oder besser gesagt, kaum setzt die Gitarre ein, schon beginnt der Song auszufaden. Kurios.

Kommen wir zu dem, was bei solchen Eigenproduktionen immer eine Streitfrage ist: Wie klingt das Ding denn jetzt? Also… soundtechnisch. Erstaunlich gut. Zwar ist die Abmischung nicht ganz perfekt, Vocals und Schlagzeug sind etwas weit hinten im Soundbild gelandet, der Bass könnte genau so gut gar nicht spielen, trotzdem ist Druck da und Transparenz auch. Es rauscht hier und da ein wenig, aber da hab ich schon wesentlich schlimmeres gehört. Und mit fortlaufender Dauer gewöhnt man sich eh an den etwas rohen Sound, so dass man sich an guten Tracks wie “To Finnmarken” (der gegen Ende auch wieder mit der Sologitarre zu kämpfen hat), “To Dethrone A God” und “Pestiferous Faith” richtig erfreuen kann. Gerne hätte ich auch die Coverversion von Sodoms “Remember The Fallen” in Ohrenschein genommen, aber die konnte Mithras aus copyrighttechnischen Gründen auf der Promo nicht beifügen, also kann ich darüber nichts sagen.

Was ich aber definitiv sagen kann ist folgendes: “Usurpation” ist als Debutveröffentlichung von FALLEN TYRANT eine durchaus gelungene Sache. Ein paar Schwierigkeiten im Soundbild kann man verschmerzen, die gewisse Planlosigkeit, die das Material hier und da befällt, ist da schon schwerwiegender. Davon abgesehen ist die Musik aber mindestens mal grundsolide. Eine Band, die man in Zukunft im Auge behalten sollte und eine CD, die jeder Freund von undergroundigem Black Metal mal antesten sollte.

Bewertung: 7 / 10

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