CD-Review: Finsterforst - ... Zum Tode hin

Besetzung

Marco Schomas - Gesang
Simon Schillinger - Gitarre
David Schuldis - Gitarre
Tobias Weinreich - Bass
Cornelius "Wombo" Heck - Schlagzeug
Sebastian "AlleyJazz" Scherrer - Keyboard
Johannes Joseph - Akkordeon

Tracklist

01. Urquell
02. Das große Erwachen
03. Seines Glückes Schmied
04. Sturmes Ernte
05. Untergang

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Aus dem schönen Schwarzwald kommen die Pagan-Metaler FINSTERFORST und haben ihre Abstammung umschreibenderweise auch gleich im Bandnamen untergebracht. Hehe, Schwarzwald, der finstere Forst. Und auch ein bisschen von Tolkiens Düsterwald steckt im Namen. Allerdings hat sich Meister Tolkien bei der Bezeichnung seines düsteren Waldes wohl auch vom Schwarzwald inspirieren lassen.
Wie auch immer, FINSTERFORST wurden 2004 von Simon Schillinger, Marco Schomas, Tobias Weinrauch und Sebastian `AlleyJazz´ Scherrer gegründet. Da das Line-Up damals noch nicht vollständig war, hängte man sich vor allen Dingen ins Songwriting rein. Anfang 2005 stieß Akkordeonist Johannes Joseph zur Truppe. Trotz fehlendem zweiten Gitarristen und Schlagzeuger, wollte die Band nun endlich beginnen, die geschriebenen Stücke in die Tat umzusetzen.
Als 2006 mit David Schuldis der zweite Mann am Sechsaiter gefunden war, ging es ins Studio und die EP “Wiege Der Finsternis” wurde mithilfe eines Drumcomputers produziert. Ende 2006 fand man in Cornelius `Wombo´ Heck schließlich den geeigneten Mann für das Schlagzeug. Da zu diesem Zeitpunkt aber schon die Vorbereitungen für die Aufnahmen zum Debut “Weltenkraft” liefen, griff man hier ein letztes mal auf den Drumcomputer zurück – allerdings mit ausführlicher Nachbearbeitung. Beim nun erscheinenden Zweitwerk “…Zum Tode Hin” durfte sich Wombo persönlich an den Drumsticks austoben.

“…Zum Tode hin” hat eine Spielzeit von über 70 Minuten, die sich auf fünf Stücke verteilt, von denen wiederum keines kürzer als elf Minuten ist. Bei dieser Songlänge in dem Genre ist natürlich klar, dass es sich um sehr episch ausgerichtete Kompositionen handeln muss. Und diese müssen abwechslungsreich und vielschichtig sein, um den Hörer permanent bei Laune zu halten und auch seine Aufmerksamkeit zu fordern. Man kann ohne Zweifel sagen, in der Hinsicht machen FINSTERFORST alles richtig. Ich möchte gar nicht wissen, wie lange Hauptsongwriter Simon Schillinger an diesen Stücken gefeilt hat, bis es die kleinen Meisterwerke wurden, als die sie sich mir heute vorstellen.
Da sitzt jede Melodie. Alle Abschnitte sind gut aufeinander abgestimmt. Wenn es von einer epischen, getragenen Phase in eine brachiale Passage übergeht oder umgekehrt, dann hat das Hand und Fuß. Die einzelnen Elemente ergänzen sich prima. Es kommt auch durchaus vor, dass sich das schwarzmetallische Grundgerüst parallel mit der folkigen Seite bewegt. Double-Bass-Attacken und Keifgesang werden von einer harmonischen Keyboarduntermalung oder einer mitreißenden Akkordeonmelodie begleitet, und alles wirkt stimmig.

Die notwendige Vielfältigkeit ist immer vorhanden. Mal bringen die Gitarren eingängige Riffs in den Sound mit ein, mal sägen sie in einer wuchtigen Phase nach bester Black-Metal-Manier oder werfen auch mal akustische Klänge in die Runde. Die Rhythmusbasis agiert in gewaltigen Vormärschen genauso perfekt wie zur Fundamentierung einer besinnlichen Passage. Dabei ist Wombo mit seiner Drumsbearbeitung immer sehr präsent und kann sich auszeichnen.
Dem Keyboard unterliegt die Aufgabe der bombastischen Sounduntermalung. Es ergänzt sich mit dem typischen Pagan-Riffing einwandfrei. Für die Lead-Melodie ist oft das Akkordeon zuständig, dass auch zu einem Markenzeichen von FINSTERFORSTs Kompositionen geworden ist. Es ist dadurch manchmal eine musikalische Nähe zu Bands wie Finntroll, Korpiklaani oder auch Turisas gegeben, jedoch sind die Stücke der Schwarzwälder viel epischer arrangiert. Einige wenige Auftritte gibt es auch von der Flöte. Allen Instrumentalisten kann man makellose Arbeit bescheinigen.
Der Keifgesang wird vielleicht nicht jedem zusagen, hat aber auch einen gewisse Charakter und passt nicht nur zu den druckvolleren Passagen, sondern harmoniert auch ganz gut in den folkigen Phasen. Die besinnlichen Abschnitte sind zumeist rein instrumental gehalten. Cleangesang gibt es lediglich mal bei “Sturmes Ernte”, ich kann aber nicht sagen, dass ich ihn ansonsten vermisst habe. Pompöse Hintergrundchöre gehören dagegen zum Bild in den bombastisch angelegten Passagen und drücken den Kompositionen einen weiteren Stempel auf.

Von den fünf Stücken kann man eigentlich kaum eines hervorheben. Sie spielen sich nicht nur allesamt auf einem hohen Level ab, sondern bilden auch eine zusammenhängende Einheit. Bei allen regiert die epische Marschrichtung, die Vielfältigkeit, die Wechsel zwischen dynamischen, ruhigen und folkigen Phasen. Dabei unterscheiden sie sich in erster Linie durch die Melodien. Als winzigen Kritikpunkt könnte man einwerfen, dass die Unterscheidungsmerkmale vielleicht zu gering sind. Das trifft zu, wenn man das Album nur nebenher hört. Ich bin der Meinung “…Zum Tode Hin” ist eines der Werke, für die man sich einfach zurücklehnen und denen man sich sinnlich total hingeben muss. Erst dann entfalten die einzelnen Songs ihre Finessen und können sich die tollen und auch äußerst abwechslungsreichen Melodien richtig offenbaren. Mit jedem Hören wird man so unwillkürlich neue kompositorische Höhepunkte entdecken, die einem vorher nicht bewusst wurden. Letztendlich ist das 22-minütige Schlussstück “Untergang” aber wohl die songwriterische Krönung dieser Scheibe.
Bezogen auf die rein episch-bombastische Pagan-Seite ist “…Zum Tode Hin” von der Ausarbeitung, Arrangierung und Ausreifung der Stücke nur schwerlich zu übertreffen. Wer allerdings den Pagan Metal mit überwiegend Geknüppel und Gepolter bevorzugt, ist bei FINSTERFORST sicherlich verkehrt.

Ein exakter Vergleich von FINSTERFORSTs “…Zum Tode Hin” zu anderen Veröffentlichungen ist schwer zu finden. Ein bisschen was von Korpiklaani, Finntroll, Moonsorrow, Falkenbach und Sorgsvart schwingt in den Kompositionen mit, aber sie sind einfach noch viel epischer arrangiert. Genau genommen heben sich FINSTERFORST mit diesem Album einfach von der Masse ab und dulden keine wirkliche Analogie.
Wer sich gerne von ungeheuer epischen Pagan-Kompositionen bezaubern lässt, die so richtig majestätisch und langanhaltend die Gehörgänge für sich einnehmen, kommt an “…Zum Tode Hin” einfach nicht vorbei.

Bewertung: 9 / 10

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