CD-Review: Fleshless - To Kill For Sin

Besetzung

Vladimir - Gesang
Michal - Gitarre
Ludek - Gitarre
Vitys - Schlagzeug

Tracklist

01. Intro
02. Contract Of Blood
03. Sanguinica
04. Ordo Verminosum
05. The Final Cut
06. Lifedrain
07. In Vitro / Dead End
08. The Grudge Gear
09. Amor In The Shards
10. To Kill For Skin
11. Outro

thumbnail

Osteuropa und Death Metal? Klar, Vader! Behemoth als Grenzgänger zwischen Schwarz- und Todesmetall, Decapitated vielleicht noch, und dann? Diese Frage könnten FLESHLESS aus unserem Nachbarland Tschechien vielleicht bald für immer mehr Leute beantworten, denn immerhin hat man nicht erst ein Konzert auf deutschem Boden gespielt. Zuletzt beim Up From The Ground in Gemünden konnte man zeigen, was man auf den Kasten hat und dürfte mit Sicherheit einige neue Fans dazu gewonnen haben. Nicht ohne Grund, denn zunächst nur als Underground-Geheimtipp bekannt, hat man sich mittlerweile einen recht guten Status erspielt. Ein guter Grund das letzte Album „To Kill For Skin“ einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ein erster Blick auf das Cover lässt den geneigten Todesbleifetischisten schon genüsslich das Wasser im Munde zusammenlaufen, was beim Lesen der Tracklist in heftiges Sabbern ausarten müsste. Keine Frage – hinter dem netten Herren auf dem Cover, der ein paar Fetzen Haut mit einer Nähmaschine zusammennäht, verbirgt sich ein ganz feines Scheibchen Death Metal mit einer schönen Gore-Note. Lyrische Glanzleistungen braucht man natürlich nicht erwarten, doch wer will das hier schon. Gewalt, Tod und herumfliegende Gedärme passen einfach perfekt zu dieser Art von Musik. Die Ausbildung zum angehenden Metzgermeister beginnt unter Anleitung von Frontsau Vladimir mit „Contract For Blood“. Sau ist hier absolut positiv gemeint, denn seine immer wieder und fast schon zum Markenzeichen gewordenen Pig-Squeels machen einfach Spaß. Alles ist das natürlich nicht, beim Gesang wird ausgiebigst zwischen den bekannten Gesangsstilen im Death Metal variiert. Dieses Stimmorgan sollte er sich versichern lassen, denn daran kommt eine nicht allzu große Anzahl anderer Sänger heran. Ähnliches kann man natürlich auch bei anderen Bands dieses Genres hören, doch trotzdem hat das Endprodukt seine ganz eigene Note für mich. Eine alleinige Lobrede auf Vladimir soll es aber trotzdem nicht werden; neben ihm stehen nämlich noch drei weitere, talentierte Persönlichkeiten auf der Bühne. Drummer Vitys zeigt, seit er vor einigen Jahren zu der Band gestoßen ist, dass es doch möglich ist, die Musik der Tschechen ohne Drumcomputer zu spielen, was dem ganzen bei weitem mehr Durchschlagskraft und Brachialität verleiht. Hart und effektiv – so könnte man seinen Stil, der ohne große Schnörkel auskommt, beschreiben. Ehe man sich versieht ist man mitten im Album, das, entgegen dem Vorurteil, beweist, dass brutaler Death Metal sehr wohl abwechslungsreich sein kann. Bei keinem Stück wird einfach nur stumpf und mit Highspeed losgelegt, sondern man versteht es sehr wohl hier und da ein feines Solo einzubauen, Grindcoreparts zu integrieren, die Geschwindigkeit mal rauszunehmen oder den Song mit einer sehr dezenten und umso wirkungsvolleren Melodie auszustatten. Nebenbei kreieren FLESHLESS so ihren eigenen Stil, der sie von vielen anderen Bands aus diesem Sektor abhebt. Beispiel gefällig? „Final Cut“ legt schleppend los, um sich in eine Highspeed-Granate zu verwandeln, die später wieder zum walzenden Panzer mit einigen Blasts mutiert. Trotz teilweise minimal vertrackter Songstrukturen vergisst man nie worauf es am meisten ankommt, nämlich die Köpfe der Zuhörer beim Kreisen zu halten. Keine Angst, eine stabile Umlaufbahn des Denkorgans ist stets gewährleistet.

Was will man noch viel der großen Worte verlieren über ein Album, das unverbraucht wirkt und absolut jedem bedenkenlos zu empfehlen ist, der brutalen und dennoch ein klein wenig melodischen Death Metal nicht abgeneigt ist. Kein Album, dass den Brutal Death Metal neu erfindet, aber ein positiv aus der Masser hervorstechendes auf jeden Fall. Wer den Namen FLESHLESS in nächster Zeit irgendwo auf einem Tourplakat sieht, der sollte definitiv diese Chance nutzen und sich obendrein deren noch aktuelles Album kaufen. Einen Nachfolger wird es hoffentlich bald geben, denn „To Kill For Skin“ macht Hunger auf mehr und mit einer guten halben Stunde ist es ein noch viel zu kleiner, aber wohlschmeckender Happen!

Bewertung: 8 / 10

Geschrieben am

Kommentieren

Kommentar-Feed abonnieren