CD-Review: Fluoryne - Dämmerung

Besetzung

Falk Wehmeier – Gesang, Gitarre, Synthesizer, Programming

Sessionmusiker:
Pariah – Gesang
Martin Wiese – Klargesang
Lykrates Vyron – Schlagzeug

Tracklist

01. Morgens
02. Fern
03. Unwetter
04. De Profundis
05. Klage

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Bei FLUORYNE handelt es sich um das Soloprojekt von Falk Wehmeier, welcher selbst auf Geists „Galeere“ am Synthesizer diente, begleitet von einer illustren Schar an Sessionmusikern: Lykrates Vyron aka. Cypher D. Rex, seines Zeichens Sänger bei Geist, am Schlagzeug, dazu Pariah G aka. Gravlagd von Stench Of Styx sowie Martin Wiese (Enid) am Mikrophon.
Eigentlich könnte man das Review zum ersten FLUORYNE-Album, „Dämmerung“, an dieser Stelle beenden, dem Album mit der Begründung „Was aus dem Geist-Dunstkreis kommt, wird schon nicht schlecht sein“ eine Punktzahl im oberen Bereich geben und sich freuen, wie einfach die Welt manchmal doch sein kann… Zwar läge man mit dieser Behauptung genauso wenig daneben wie mit der Bewertung im oberen Bereich, jedoch würde man damit dem Album in keiner Weise gerecht – deshalb wollen wir hier doch etwas weiter ins Detail gehen.

Mit „Dämmerung“ hält man ein schwer zu umreißendes und noch schwerer zu kategorisierendes Album in Händen – wird hier doch von Ambient-Klängen bis hin zu Avantgarde Black Metal so ziemlich alles abgedeckt. Nach einem kurzen Intro, das ein wenig an die Dialoge auf Nocte Obductas „Sequenzen einer Wanderung“ erinnert, beginnt das Werk schwarzmetallen: Fast zehn volle Minuten lang währt „Morgens“ und beinhaltet vom bösen Riff über ausladende Melodien bis hin zu progressiven, ein wenig an die ruhigeren Parts bei Dodheimsgard beziehungsweise mehr noch an Ved Buens Ende erinnernden Arrangements alles, was das avantgardistische Herz begehrt.
Wer darüber hinaus ein Faible für expressionistische Lyrik hat, kommt bei “Dämmerung” voll auf seine Kosten, handelt es sich bei den Texten nämlich um Vertonungen der gleichnamigen Gedichte von Georg Trakl, Jakob van Hoddis und Alfred Lichtenstein, und somit den Versuch, die Parallelen zwischen Expressionismus und Black Metal hinsichtlich ihrer Atmosphäre herauszuarbeiten.
Die Bedeutung der Lyrics für das Gesamtkonzept wird dabei durch die vielseitige und liebevoll arrangierte Darbietung derselben deutlich: Es wird gesprochen und geflüstert, harsches Geschrei wechselt sich mit eindrucksvollem Cleangesang. Das folgende „Fern“ bietet sowohl musikalisch als auch gesanglich gar noch eine Steigerung an Vielfältigkeit bevor des langsam heraufziehende „Unwetter“ zwischen Black Metal-Riffing und atmosphärischen Synthesizer-Passagen Zeit verschafft, das Gehörte zu verarbeiten. Wer sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dem Stil von FLUOYNE anfreunden kann, den werden wohl auch die beiden letzten Stücke nicht zu bekehren vermögen – alle Anderen aber erwarten mit Paradestück „De Profundis“ sowie dem finalen „Klage“ zwei weitere Höhepunkte.

Mit „Dämmerung“ präsentieren FLUOYNE ein durchgängig anspruchsvolles, durchdachtes Werk, das bei aller avantgardistischen Komposition nie zerfahren, chaotisch oder all zu verkopft wirkt – ganz im Gegenteil. Zwar sind die Songs, schon allein ihrer Länge wegen, nicht gerade das, was man gemeinhin als „eingängig“ bezeichnen würde, aber auch darin liegt hier der Reiz: Falk Wehmeier ist es gelungen, ein vielschichtiges und dennoch verhältnismäßig leicht zugängliches Werk zu kreieren, das schon beim ersten Durchlauf Freude bereitet und dennoch von Hördurchgang zu Hördurchgang wächst.
Sich treiben lassen ist hier das Stichwort…

Bewertung: 9 / 10

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