CD-Review: Fozzy - All That Remains

Besetzung

Chris Jericho – Vocals
Rich Ward – Guitars, Vocals, Keyboards
Frank Fontsere – Drums, Vocals
Ryan Mallam – Solo Guitars
Sean Delson – Bass

Tracklist

01. Namesless Faceless
02. Enemy
03. Wanderlust
04. All That Remains
05. The Test
06. It’s A Lie
07. Daze Of The Week
08. The Way I Am
09. Lazarus
10. Born Of Anger

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WHAT THE FUCK?! Wie allseits bekannt sein dürfte, begannen Fozzy als Coverband, bei der mehr der Spaß als Ernsthaftigkeit im Vordergrund stand. Auf dem zweiten Album bewies man dann neben den Coversongs auch, dass durchaus Potenzial zu Eigenkompositionen besteht. Was jetzt allerdings in Form der dritten Scheibe “All That Remains“ auf die Menschheit losgelassen wird, ist wohl eine der positivsten Überraschungen überhaupt. Wer Songs im Stile der Happenstance, sprich relativ langsam und soft, erwartet hat, Junger Vadder, ins Bein geschnitten ist die Untertreibung des Jahres. Wer “Crucify Yourself“ vom letzten Album mochte, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Mir fällt auch wirklich eine Kategorisierung sehr schwer, egal ob Heavy, Power, Speed, was weiss ich Metal, das trifft es alles nicht wirklich, die musikalische Bandbreite dieser Scheibe ist enorm.

Der Opener “Nameless Faceless“ ist ein schneller rockiger Song, dessen Refrain ein paar Durchläufe benötigt, bis er richtig zündet. Dafür bretzeln die Gitarren wunderschön aus den Boxen. Mit nachfolgendem “Enemy“ steht das erste Highlight des Albums an, zu welchem die Band ein Video gedreht hat und somit auch die erste Single darstellt. Einem langsamen und wahnsinnig gefühlvoll gesungenen Anfang folgt ein Refrain, bei dem einen die Gänsehaut nur so den Rücken runterbraust. Allein dieser Song rechtfertigt schon den Kauf des Albums, hammergeil. Bei “Wanderlust“ gibt es die erste prominente Unterstützung in Form von Gitarrero Zakk Wylde. Passend zum Gast ist dieses Lied sehr progressiv ausgefallen und auf den ersten Blick doch gewöhnungsbedürftig, dunkle Stampfpassagen wechseln sich mit genialen Gesangsparts ab. Dafür ist der Titeltrack dann wieder ein göttliches Stück Musik, welches etwas in die Richtung von “Enemy“ geht. Die gerade abgeklungene Gänsehaut stellt sich sofort wieder ein, wenn der Gesang beginnt, und der Refrain ist ein Ohrwurm sondergleichen. Bis urplötzlich zum Ende des Songs ein ultrafieses Gitarrenriff den Hörer überrennt, bis man überhaupt weiss, was einen jetzt da getroffen hat, hat schon wieder die Reprise des Refrains eingesetzt. “The Test“ erinnert mich aus irgendeinem Grund an Faith No More (vor allem bei eingestreuten Sprechgesangparts), auch hier sticht wieder die hervorragende Gesangsleistung von Chris Jericho heraus, gepaart mit dem einen oder anderen im Kontrast stehenden Brecherriff. Sehr abgespaced wird es bei “It’s A Lie“, inklusive Gastauftritt von Rapper Bonecrusher. Dieser Song steht in bester Stuck Mojo Tradition, aber wundert das jemand bei Rich Ward?! Hier ist aber wirklich alles vorhanden, Raps, wunderschöner Gesang, Crossover-mässige Riffs, Frauengesang, und das alles verpackt in eine homogene Mischung, für den nicht ganz engstirnigen Metaller ein toller Song. Mit “Daze Of The Weak“ wirds wieder schön metallisch, schneller Song mit mal wieder herrlichem Refrain, der geneigte Headbanger kommt definitiv auf seine Kosten. Einen Gastauftritt von Mark Tremonti von Alter Bridge gibts bei “The Way I Am“ zu bewundern. “Lazarus“ ist ein weiteres vieler Highlights, hammergeile Doppelgitarrenläufe, der Gesang mit einer Art Echo unterlegt, prescht der Song toll nach vorne. Was uns Fozzy dann mit dem abschliessendem “Born Of Anger“ um die Ohren hauen, könnte gut und gerne auf dem letzten SlipKnot Album gestanden haben. Rich Ward growlt was das Zeugs hält, und wenn dann Chris Jericho’s cleaner Gesang einsetzt, meint man wirklich, Corey Taylor habe einen Gastauftritt. Den gibts zum Ende auch noch, wenn Ex-Megadeth Klampfer Marty Friedman das Teil noch veredelt. Mit Klavierklängen wird man dann nach 42 Minuten entlassen.

Ich besitze ja auch die beiden anderen Fozzy-Alben, und wusste daher, dass sie eine gute Band sind und gute Songs schreiben können. Aber DAS hier hatte ich nie und immer erwartet! Kein Ausfall, das musikalische Spektrum ausgereizt, einfach das Überraschungsalbum des Jahres abgeliefert. Ich hab wirklich eine Bitte an alle potenziellen Hörer: Macht Euch frei vom Gedanken an Fozzy als Spaß-Coverband und dass ein Wrestler der Sänger ist (oder sind deshalb Filme mit The Rock schlecht?), geht unbedarft an diese Scheibe. Dann wird Euch aber sowas von der Arsch weggeblasen! Wenn diese Scheibe nicht der Durchbruch für Fozzy als ernstzunehmende Band ist, dann läuft aber was ganz falsch in der Musikwelt.

(Oli)

Bewertung: 9 / 10

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