CD-Review: Korn - See You On The Other Side

Besetzung

Jonathan Davis – Gesang, Dudelsack
James "Munky" Shaffner – Gitarre
Reginald "Fieldy" Arvizu – Bass
David Silveria – Schlagzeug

Tracklist

01. Twisted Transistor
02. Politics
03. Hypocrites
04. Souvenir
05. 10 Or A 2-Way
06. Throw Me Away
07. Love Song
08. Open Up
09. Coming Undone
10. Getting Off
11. Liar
12. For No One
13. Seen It All
14. Tearjerker

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Korn stehen einerseits für eine großartige Karriere, gute Musik und geniale Live Gigs, doch das Ansehen der Band ließ in den letzten 4 Jahren kräftig nach, allerdings nicht zu Unrecht. Die zwei Alben „Untouchables“ und „Take A Look In The Mirror“ waren sehr enttäuschend, auch oder vorallem die Fangemeinde quittierte dies der Band. Auch der Ausstieg von Mastermind „Head“ (nun besser bekannt als Brian Welch) trug zum Misstrauen der Fans bei.
Zusammenfassend kann man ruhig behaupten, dass die Band während der ganzen Produktion des nun 7. Studioalbums unter Druck stand.

Mit „Twisted Transistor“ beginnt das Album mit der ersten Single Auskopplung, welche schon einen Monat vor dem Release des Albums erschien. Nicht unbedingt die Vorstellung der „besinnten“ Korn, sehr catchy und fröhlich gehen die Mannen ans Werk. Ich persönlich hätte mir an der Stelle des Openers ein anderes Lied gewünscht.
Mit Politics folgt ein Track den ich, hätte ich die Wahl, nicht auf die Scheibe gepresst hätte. Die Strophe ist einfach kitschig und schräg gesungen, die Gitarren sind einfach nicht fett wie man es gewohnt ist. Auffällig wieder die Freude, welche Jonathan so noch nie verbreitete. Aber ich kann eines vorweg nehmen, Track Nummer 2 ist der schwächste der Disc.

Denn mit „Hypocrites“ wird es dann endlich ernst. Harte, tiefe Gitarren, der Gesang ist mit Shouts versehen. Nein, nicht zu vergleichen mit „Blind“ oder „A.D.I.D.A.S.“, aber der frische Wind weht spürbar. Mit „Souvenir“ folgt ein eher ruhiges Stück, welches sehr melodisch gehalten ist. Auffällig hier die Drums die an Industrial Acts wie „NIN“ erinnern. Durchaus gut gelungen.
Und mit „10 Or A 2-Way“ wird der bisherige Eindruck weiter gestärkt. Drums begleitet mit einer fetten Bassline, dazu einige elektronische Spielereien, aber denkt dabei nicht an die Verbrechen der „Untouchables“, das hier spielt auf einem ganz anderen Level!„Throw Me Away“ schließt völlig passend an, wieder etwas ruhiger, aber äußerst gefällig. Endlich zeigt auch Jonathan wieder, dass er den hohen Gesang beherrscht. Etwa zur Hälfte des Tracks ziehen dann auch wieder dunkle Wolken auf, in Sachen Abwechslung bin ich im Moment wirklich positiv Überrascht. Und mit „Love Song“ dann die Bestätigung, Jonathan hat die böse Welt noch nicht ganz vergessen, düster schimpft er über Gott und die Welt. Aber umso länger ich den Track höre, umso besser gefällt er mir. Die Drums und der Bass spielen perfekt zusammen, Munky tobt sich dazu an diversen Effekten aus.„Open Up“ ist nur geringfügig anders, mehr freundlich und gut gelaunt kommt der Song daher, und auf die Elektronik will man auch nicht verzichten. Eines sei aber gesagt, im Vergleich zu „Untouchables“ wirken die Spielereien kein bisschen überladen, es ist einfach eine merkbare Stiländerung, doch dass tut Korn wirklich gut. Und bei Minute 3 trumpft der Track nochmal ordentlich auf, die gesummte Melodie treibt mir die Gänsehaut auf den Rücken.
Bei „Coming Undone“ hingegen sind wieder härtere Töne zu hören, hier setzen die Jungs wieder mehr auf laute Gitarren und typischen Korn-Gesang. Und das Schöne: zu keinem Zeitpunkt werde ich an alte, abgenützte Fragmente erinnert. Und das Album wird mit „Getting Off“ wieder härter. Jonathan shoutet wieder, die Gitarren (Munky spielte bis zu vier Spuren ein) sind dicht und fett, Fieldy spielt den für ihn so typischen Slap Bass.Dann Track Nr. 11, „Liar“, mein neuer Korn Favorit seit „Here to Stay“. Schnell, brutal, kompromisslos, aber gleichzeitig nicht zu gestüm. Ich bezeichne sowas gerne als „kontrollierte Härte“. Die größte Freude an diesem Lied bereitet mir die kurze Einlage ganz nach „Twist“ – endlich wieder Chaos-Lyrics! Und ein weiterer Hammer im Outro des Songs: Bagpipes. Zwar nicht viel und auch nicht wirklich Teil des Liedes, aber immerhin.„For No One“ erinnert dann wieder etwas mehr an die Melodien der Tracks 5 bis 8. Ruhiger Sprechgesang in den Strophen, cleaner Gesang im Refrain. Allerdings ist der Song etwas zu einfach gestrickt – leider, das Stück hätte durchaus Potenzial.
Aber diesen kleinen Ausrutscher macht für mich „Seen It All“ definitiv wieder gut, zwar braucht der Track eine Weile bis er zündet, aber in den 6 Minuten die er dauert baut er eine immense Stimmung auf, an manchen Stellen scheint mich die Dynamik zerdrücken zu wollen, die bedrückenden Gitarren begleitet von Strings beeindrucken mich sehr.Mit „Tearjerker“ schließt die CD ab, und hier scheiden sich wohl alle Geister. Manche würden es als „Gejammere“ oder „Gesülze“ bezeichnen, doch wer den Song „Daddy“ vom Debüt („Korn“) mag, und die Gefühle die Jonathan damals zum Ausdruck brachte schätzt, der wird an „Tearjerker“ seine Freude haben, ich jedenfalls gehöre zu dieser Gruppe.

„See You On The Other Side“ hat überwiegend gute Seiten, die schlechten halten sich in Grenzen. Um genau zu sein sind „Twisted Transistor“, „Politics“ und „For No One“ die einzigen Durchhänger. Mit „Liar“, „Hypocrites“, „Love Song“ und „Tearjerker“ sind aber auch wirklich starke Songs zu finden die ich nicht oft genug hören kann. Der eingeschlagenene Weg in Richtung Industrial ist gut gelungen, keine Sekunde musste ich an die misslungenen und völlig übertriebenen Effekte der „Untouchables“ denken.Korn, weiter so!

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Michael Hinterholzer

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