Review Saltatio Mortis – Erwachen

Schon zwei Jahre hat sie auf dem Buckel, die vierte CD aus dem Hause SALTATIO MORTIS und es war die Zweite (nach „Das zweite Gesicht“) mit rockigen Klängen.Aufgrund der im Vorhinein veröffentlichten Single „Falsche Freunde“ gab es gewisse Erwartungen an das Album, die aber – wie ich im Folgenden versuchen möchte klarzumachen – nur bedingt erfüllt wurden.

Gleich der erste Song „Hör Die Trommeln“ wartet mit einer Überraschung auf: Neben Alea nahm Falk jetzt erstmals eine größere Rolle beim Gesang ein, die er aufgrund seiner markanten Stimme auch solide erfüllt. Das Lied selber ist ein recht gelungener Einsteiger, der Lust auf mehr macht. Die Gitarre kommt schon gut zur Geltung, allerdings wirken manche Elektrospielereien einfach nervtötend. Wer braucht das? Hat das irgendeinen tieferen Sinn als irgendwelche Elektro- oder DarkWave-Freunde ruhig zu stellen? Fragen über Fragen.Darauf folgt schon das altbekannte „Falsche Freunde“. Hier warten die Jungs mit keinen besonderen Überraschungen auf, ziemlich glatt, trotzdem ein ganz ordentliches Stück Musik. Bis auf den Technobeat, aber den muss man bei SALTATIO MORTIS wohl einfach in Kauf nehmen. Bei „Lass Mich Los“, dem dritten Track auf der Scheibe, scheiden sich dann schon die Geister. Denn dieses Lied enttäuschte mich beim ersten Hören sofort mit seinen tierisch langweiligen Strophen, die mit nervigem Elektro-Geklimper unterlegt sind. Der Griff zur Skip-Taste war schon fast geschehen, da ertönte bei 0:45 der himmlische Refrain (mit genialer Melodie!), dem es gelingt „Lass mich Los“ noch auf die Wertung ‚durchschnittlich‘ anzuheben. Wie dieses Lied ohne die total verhunzten Strophen geworden wäre, male ich mir lieber nicht aus. Ein guter Refrain und nicht genutzter Ohrwurm reichen einfach nicht: Potential verschenkt.

Nach „Lass Mich Los“ tönen zwei absolut durchschnittliche Songs aus den Boxen: „Traumreise“ bietet einen lustigen Text (ansonsten hat man den Titel wohl zu ernst genommen: Ist wirklich zum Einschlafen) und „Erwachen“ – der Titelsong – versucht mit einem kurzen Dudelsacksolo besonders aufzufallen. Klappt leider nicht. Also weiter: „Am Scheideweg“ beginnt mit einem recht rockigen Riff, ist aber das ruhigste Lied auf der Scheibe. Hier gibt es fast nichts zu bemängeln. Gefühlvoll vorgetragen, leider etwas zu lieblich. Direkt danach kommt einer der schwierigsten Fälle dieser CD: „Dädalus“. Denn was SALTATIO MORTIS hier textlich gut machen verspielen sie gleichzeitig wieder durch die mangelhafte musikalische Umsetzung. Der Text ist hier deshalb so gelungen, da SALTATIO MORTIS wunderbar das Aufeinandertreffen zweier Lebensphilosophien anhand der alten Sage aufzeigen. Das immer gleiche – offenbar allgegenwärtige – elektronische „Saltatio-Mortis-Gepiepse“ (inklusive typischem Beat) hängt spätestens jetzt zum Halse raus, weshalb ich nur den dahingeplapperten Text positiv hervorheben kann. Schade, doch dies führt das Lied in das ganz schwache Mittelfeld und macht es zu einem der Tiefpunkte. Zur Freude meiner Ohren haben sich SALTATIO MORTIS „Tanz der Tänze“ aufgehoben. Die Gitarren dröhnen ordentlich fett aus den Boxen, die Melodie verführt einen sofort in eine andere Dimension, die Dudelsäcke tragen mit, so muss sich ein SALTATIO MORTIS Gute-Laune-Hit anhören: Sogar die Strophen sind endlich einigermaßen erträglich und die Synthesizerklänge passen gut rein.

Natürlich muss hier auch das Kiss-Cover „God Gave Rock’n’Roll To You“ zur Sprache kommen: Eine mutige Angelegenheit und toll umgesetzt, denn die verwendeten Dudelsäcke wirken keineswegs deplatziert. Es ist sicher nicht perfekt, aber ein guter Ansatz. Das kann man sich auch im Nachhinein ruhig noch mehrmals reinziehen. Gerade keimen wieder erste Hoffnungen auf, da sind bei Track 10 „Mein Weg“ schon wieder diese seltsamen Elektroklänge zu hören und danach ein absolut aufgesetztes, nicht sonderlich kreatives Riff. Ab hier geht’s abwärts, besser wird’s nicht. Leider. Ich hätte es mir so gewünscht.Zumindest ein letzter Lichtblick auf dem Album ist „Hafen der Stille“, wo zum ersten Mal eine ambitionierte Komposition festzustellen ist. Die Stille und Eintönigkeit kommt wunderbar zum Vorschein und der Song blüht im Refrain dann so richtig auf. Auch so könnten SALTATIO MORTIS funktionieren.

Zu welchem Schluss soll man bei dieser CD kommen? Man kann zumindest sagen, dass SALTATIO MORTIS kein schlechtes Album abgeliefert haben. Traurig ist, dass im Vergleich zum „Zweiten Gesicht“ absolut keine Innovation oder Weiterentwicklung zu finden ist – eher das Gegenteil – und das trotz Sympathiebonus. Man versucht hier einfach allen zu gefallen: Mittelalter- und Elektrofreunden, Rockern, Metallern. Und dabei noch soft genug zu sein, um bei der breiten Masse anzukommen. Das kann doch nur schiefgehen!Das Hauptproblem bei „Erwachen“ sehe ich in den Strophen und der mangelnden Kreativität. Die Liedstruktur ist bei beinahe allen Tracks gleich und kann sich absolut nicht mit Gruppen wie Subway to Sally oder Schandmaul messen. Denn dazu ist das Elektro-, Gitarren- oder Dudelsackgeklimper einfach viel zu nervig und der Gesang von Alea nicht vielseitig genug. Das Hauptaugenmerk lag wohl auf den Refrains, die zugegebenermaßen recht gut geworden sind, aber wer nur dämliche Ohrwürmer sucht, kann genauso gut Techno hören. Das ist auch der Punkt der zur Wertung führt, denn spätestens nach dem zehnten Durchlauf des Albums fangen gewisse Tracks tierisch an zu nerven und sind damit einfach nicht mehr zu ertragen.

Man kann also allen SALTATIO MORTIS-Interessierten höchstens vorschlagen das neueste Release („Des Königs Henker“) anzutesten, das härtere Töne anschlägt. Mit „Erwachen“ werden wohl die Wenigsten glücklich. Ansonsten möchte ich noch auf die guten Livequalitäten der Band verweisen. Denn dort gelingt es ihnen, selbst die nervigsten Stellen – mit der nötigen Euphorie – humorvoll ans Publikum zu bringen. Immerhin sollte man stets im Kopf behalten, dass dies erst das zweite Rockalbum dieser noch jungen Band war und sie noch einen einiges vor sich hatten.

Redakteur: Sebastian Döring

Wertung: 5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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