CD-Review: Thyrfing - Hels Vite

Oktober 2008

Besetzung

Jens Rydén - Gesang
Patrik Lindgren - Gitarre
Kimmy Sjolund - Bass
Joakim "Jocke" Kristensson - Schlagzeug
Peter Lof - Synthesizer

Tracklist

01. En Sista Litania
02. Från Stormens Öga
03. Isolation
04. Hels Vite
05. Griftefrid
06. Becoming The Eye
07. Tre Vintrar – Två Solar

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Besetzungswechsel sind bekanntermaßen eines der am heißesten diskutierten Themen der Metal-Welt – insbesondere bei Sängerwechseln scheiden sich stets die Geister und teilen sich einst geeinte Fanscharen in Lager, die “Früher war alles besser”-Fraktion steht mit einem Mal den “Besser denn Je”-Vertretern gegenüber. Denn nur in den seltensten Fällen kann ein neuer Frontmann genau da anschließen, wo der alte aufgehört hat, und so, ohne irgend geartete Meinungsverschiedenheiten heraufzubeschwören, seine Arbeit verrichten.

Der hier verwickelten Person könnte nun aber das Husarenstück gelingen, in gewissem Maße beide Szenarien beispielhaft zu vereinen: Sein Weggang von NAGLFAR sorgte seinerzeit für einiges Aufsehen und Nachfolger Kris Olivius, der vom Bass in die Sängerrolle schlüpfte, hatte es nicht einfach, sich zu behaupten. Auch heute noch, zwei Alben später, wird er an seinem Vorgänger gemessen und böse Zungen behaupten, dass es mit den Mannen vom Totenschiff seit “Sheol” langsam aber stetig bergab ginge.
Nachdem er zwischendurch mit seinem Soloprojekt PROFUNDI ein durchaus beeindruckendes Album, “The Omega Rising”, veröffentlichte, wurde Jens Rydén zu THYRFING berufen, um auf deren sechstem Album und für die weitere Zukunft Thomas Väänänens Posten einzunehmen. Und hier setzt nun meine gewagte These an, in der ich behaupte, dass Rydén es mit seiner Gesangsleistung auf “Hels Vite” geschafft hat. den seltenen Fall eintreten lassen, dass alle zufrieden sind:Denn Rydén schafft es spielend – respektive: singend – , einerseits, wo angebracht, nahezu exakt wie sein Vorgänger zu klingen, andererseits, überall dort, wo sich ihm Freiräume bieten, seine eigenen Akzente zu setzen und dabei einen von ihm bisher so noch nicht gehörten Ton anzuschlagen, der vielleicht am ehesten an Niklas Kvarforth von Shining denken lässt.
Doch auch die Instrumentalisten haben ganze Arbeit geleistet: Waren THYRFING immer schon relativ eigenständig, geht man den Weg, den man mit “Farsotstider” eingeschlagen hatte, ein gutes Stück weiter, und erweist großes Geschick in Komposition und Arrangement. Mitreißende, schleppende Downtempo-Parts mit ausgefeiltem Drumming, geniale Melodieführungen und Riffs, die so einfach, wie genial sind und so vom ersten Hördurchgang an zu begeistern wissen, greifen auf so elegante Art und Weise ineinander, dass über die gesamte Spielzeit kein Durchhänger zu verzeichnen ist.
Pathetisch ist wohl der falsche Begriff, und doch auf eine Art auf “Hels Vite” passend, denn erhaben und stolz klingen die Lieder, die man hier zu hören bekommt – doch dabei stets filigran, progressiv und vor Allem: bescheiden. Zu keiner Zeit wirkt das Werk kitschig oder überladen; gekonnt geht man mit Zusatzinstrumentierungen um, nichts wirkt gezwungen oder aufdringlich. Als weiteren, sehr erfreulichen Aspekt kann man festhalten, dass das Album noch abwechslungsreicher geworden ist, als sein Vorgänger. Nahezu jeder Song hat einen ureigenen Charakter, doch stets mit der gewohnt hohen Eingängigkeit.

Was soll man noch groß sagen: THYRFING haben es geschafft, ihr durchaus herausragendes letztes Album nochmal zu toppen, was sie einerseits ihrem guten Händchen in Sachen Sängersuche, andererseits ihrem Mut und ihrer Offenheit gegenüber Weiterentwicklung zu verdanken haben.
Herausgekommen ist dabei ein großartiges Werk, das vor Allem durch seine Vielseitigkeit und Leichtigkeit zu überzeugen weiß. Dass dem ganzen dann noch ein nahezu perfekter Sound irgendwo zwischen druckvollem, rauem Klang und, wo angebracht, einer eleganten Transparenz und Klarheit zu Teil wurde, sorgt dafür, dass dieses Album wohl nicht nur alteingesessenen THYRFING-Fans Freude bereiten wird.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von

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