Interview mit Beloved Enemy

Er war eines der Gründungsmitglieder von Fiddler’s Green, doch im Februar kündigte er nach über 1000 Konzerten seinen Ausstieg an, um sich mit seiner neuen Band Beloved Enemy den härteren Klängen zuzuwenden. Im Interview mit Metal1.info spricht Peter Pathos Klartext über Zukünftiges und Vergangenes.

Wie haben die einzelnen Mitglieder der Fiddlers auf deinen Ausstieg reagiert?
Geschockt, aber cool. Kein Wunder nach der langen Zeit. Ich hab es ihnen Anfang Januar mitgeteilt, so dass sie noch vier Monate Zeit hatten, um einen Nachfolger zu finden.

Wenn ein Songwriter eine Band verlässt, stellt das diese immer vor eine Bewährungsprobe. Wie ist dein erster Eindruck von deinem Nachfolger Pat? Und wer wird deinen Platz als Songwriter einnehmen?
Pat ist cool. Ich hab ihn schon bei seiner vorherigen Coverband „Revolution“ gesehen.
Der macht das schon. Das Songwriting werden wohl Fiddlers selbst übernehmen. Aber es gibt ja auch viele Traditionals, die man covern kann.

Hat sich dein Abgang schon länger angedeutet oder kam er dann doch plötzlich? In vergangenen Interviews hast du ja bereits angedeutet, dass du gern einmal etwas anderes machen willst nach all den Jahren…
Der hat sich sicherlich optisch und musikalisch schon länger angedeutet. Ich steh einfach auf laute Musik, die hart aber herzlich auf dich einbricht. Das war bei Fiddlers so nicht machbar.

Einige Fans waren sehr sauer darüber, dass dein Abschiedskonzert so kurzfristig angesetzt wurde und doch nicht im Sommer 2006 stattfand. War das Absicht oder Zufall? Und wie kam es dazu?
Es hat sich so ergeben, da die Fiddlers ziemlich schnell einen Nachfolger gefunden haben. Das konnte man natürlich vorher nicht so genau wissen.

Wie hast du deinen Abschied in Hettenrodt erlebt?
Ein komisches Gefühl – ganz klar nach der langen Zeit bei Fiddlers. Unglaublich, dass so viele liebe Fans extra angereist kamen, um noch einmal Party zu machen. Hier nochmals DANKE.

Wie schwer fiel dir dein Abschied wirklich? Nach über 1000 Fiddler’s Green Konzerten in über 10 Jahren und den immer gleichen Liedern könnte man auch auf die Idee kommen, dass du ganz froh bist nun einmal andere Gesichter zu sehen und andere Sachen zu spielen. Ist das so?
Das Ganze war wie eine große Familie. Es hat immer Spaß gemacht. Wir konnten unser Live-Programm ja aus unzähligen CDs von uns zusammenstellen. Andererseits ist es schon ein riesiges Wagnis, mit einer neuen Band bei Null anzufangen. Aber: Es gibt so Dinge im Leben, die du machen musst. No risk, no fun. Das hätte ich mir später immer vorgehalten.

Rein von deinem Outfit und deiner Optik allgemein bist du bei Fiddler’s Green stets hervorgestochen und eigentlich passte dein Look nicht wirklich zum Irish Independent Speedfolk. Repräsentiert Beloved Enemy 666 den echten Peter Pathos?
Voll und ganz! Es ist derzeit genau das, was ich machen will. Ich hab mich ganz einfach in den letzten zwei Jahren sehr verändert. Aber: Fiddlers ist nach wie vor ein Teil von mir; ich hab mich da ja nicht verstellt.

War es nicht möglich die Fiddlers und dein neues Projekt unter einen Hut zu bringen bzw. beides gleichzeitig zu machen?
Da wäre es sicherlich zu Überschneidungen gekommen. Fiddlers spielen wirklich sehr oft. Zudem musste ich ja noch die Produktion der Platten machen. Da bleibt nicht viel Zeit übrig.

Auf MySpace (www.myspace.com/belovedenemy666, Anm. d. Red.) kann sich ab sofort jeder einen Eindruck von Beloved Enemy machen. Wird man dich in anderen Tracks auch wieder an den Lead Vocals hören?
Es kann passieren, dass ich mal ein Lied singen werde. Aber mein eigentliches Steckenpferd ist das Sngwriting. Es ist auch gut, dass ich mich mal wieder an der E-Gitarre austoben kann.

Sind schon erste Liveauftritte geplant oder wo liegen derzeit eure Prioritäten (CD, Label)?
Ganz klar: Die CD-Produktion hat Vorrang. Da bin ich Pedant, da muss alles stimmen.
Live-Auftritte sind aber wichtig und werden im Herbst folgen. Das steht dann alles auf unserer Homepage www.belovedenemy.com

Hast du die Band so zusammengestellt oder hat sich dies anderweitig ergeben?
Das Wichtigste ist der Sänger SKI, der eigentlich aus Arizona kommt, aber seit 9 Jahren in Deutschland lebt. Wir beide sind das Herz der Band. Im Laufe meiner Musikerzeit hat man aber auch Lieblingsmusiker kennen gelernt, mit denen man schon immer einmal eine Band haben wollte. Da haben wir den DOG aus Berlin (Ex-H-Blockx, Abwärts, Diane und und und) und den Gitarrengott RON. Wir suchen derzeit noch einen Basser bzw. eine Bassistin. Also, wer sich berufen fühlt, soll sich unter peter_pathos@yahoo.com melden.

Welche Intention steht hinter Beloved Enemy?
Authentizität! Und Inhalte. Brachial, ungefiltert – aber dennoch melodiös. Keine gecastete Kacke, sondern bedingungslose Hingabe.

Beloved Enemy wird häufig in einem Atemzug mit X-rated genannt. Welche Parallelen siehst du selbst?
X-Rated war auch vollkommen unangepasst. Wir haben nur das gemacht, was uns Spaß machte. Und es war laut!

Könntest du dir vorstellen im Support von den Fiddlers zu spielen oder wäre das ein zu großer „Stilbruch“?
Das würde nicht passen. Es ist ein komplett anderer Film, auch wenn es ein zwei Fiddlers-Lieder von mir gibt, die man problemlos bei Beloved Enemy spielen könnte.
Vielleicht machen wir das live, mal sehen. Ich denke da an „Silence“ und „Hip-Hurray“, eventuell sogar “Part Of Me”.

Du hast nach deinem Ausstieg bei den Fiddlers sozusagen direkt weitergemacht. Wolltest du nicht erst einmal etwas Abstand gewinnen oder ganz einfach Pause machen, um dann völlig regeneriert und mit freiem Kopf an dein neues Projekt ranzugehen?
Nein. Die Songs für Beloved Enemy sind mir schon während der Fiddlerszeit eingefallen.
Es war aber ganz klar, dass sie nicht mit Fiddlers umsetzbar sind. Mit Ski, dem Sänger, ist dann alles ganz schnell in die Produktion übergegangen. Ich bin eh ein Workaholic.

Worin unterscheidet sich Beloved Enemy von seinen Vorbildern Type O Negative, Nine Inch Nails, Rob Zombie, etc.?
Ich hoffe und glaube, dass wir deren brachiale Authentizität auch haben. Anders ist natürlich Skis einzigartige Stimme und Erscheinung. Und die Mischungsverhältnisse sind ebenfalls anders: lautere Gitarren als bei NIN, aber mehr Industrial als bei Rob Zombie.

Wollt ihr eher auf Deutsch oder Englisch singen oder bei einem Mischmasch wie bei „Finden“ bleiben?
Nein, es ist zu 99% englisch. Es ist genial, einen Native Speaker zu haben.

Könntest du dir vorstellen noch einmal „One Night Only“ oder auch dauerhaft bei den Fiddlers zu spielen oder ist das Kapitel endgültig abgehakt?
Vielleicht ein Gastauftitt zum 25-jährigen Band-Jubiläum? Wer weiß? Dauerhaft wohl kaum, da ich nebenher noch andere Bands produziere.

Verbleibst du noch in Kontakt mit der Band oder geht ihr getrennte Wege?
Wir bleiben natürlich in Kontakt. Es war eine absolut faire Trennung, die mir auch nicht leicht gefallen ist – out of the green and into the black.

Vielen Dank für das Interview!


Geschrieben am 25. Mai 2006 von Sigi Maier

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