Interview mit Marco von Creature

Alten Popp und Reiher sprachen mit Marco von Creature über die Neubesetzung in der Band, seine Abneigung gegenüber Humppagruppen und Kuchen und vor allem über den raueren Sound von “Kreuzlaub”

Grüße dich, Marco! Ihr habt euch nun mit “Kreuzlaub” zurückgemeldet, vergleiche das Album bitte mal mit dem Vorgänger “Der Ursprung”.
„Kreuzlaub“ ist die konsequente Fortführung des Weges, den wir mit „Der Ursprung“ eingeschlagen haben. Das Material ist ausgefeilter, räudiger und funktioniert einfach besser, doch das liegt im Auge des Betrachters. Wir wollten uns gegen den Trend auflehnen, der momentan im Pagan Metal herrscht, soll heißen das uns das ganze fröhliche Wikingergedudel mittlerweile auf die Eier geht, daher fiel „Kreuzlaub“ auch etwas räudiger aus und wartet nicht nur mit epischen Passagen auf (die aber nicht gänzlich gestrichen wurden). An sich ist das Album als ganzes betrachtet das stärkste, was wir bisher veröffentlicht haben, dazu trägt der verbesserte Klang, das gute Artwork und die weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten bei.

Vergleichend fällt mir auf, dass der Sound auf “Kreuzlaub” gelungener ist, das Album scheint besser in Szene gesetzt, nicht wahr?
Auch unser Aufnahmestudio macht Fortschritte, somit ist die Frage eigentlich schon geklärt! An sich wählten wir dieses mal einfach eine andere Aufnahmetechnik, um dem ganzen etwas mehr Druck zu verleihen, auch der Mann an den Reglern beherrscht mittlerweile sein Handwerk und somit sind wir vollstens zufrieden, nicht zu steril aber auch nicht gerade eine Keller-/Proberaumaufnahme. Leider wird das wohl das letzte Release bei ihm gewesen sein, da er sein Hobby an den Nagel hängt, doch auch hier wird guter Ersatz gefunden und wir stehen schon in Kontakt mit anderen Studios.

Tobias Rube verließ Creature nach dem Album. Kannst du uns genaueres dazu sagen?
Es spielten mehrere Faktoren eine Rolle, doch der größte war wohl die Zeit und dem damit verbundenen Engagement für die Band das er leider nicht mehr aufbringen konnte. In gegenseitigem Einverständnis haben wir uns dann letzlich entschieden, nach einem neuen Sänger zu suchen, da ich persönlich 100% Herzblut für die Band fordere und wer das nicht bringt, ist bei uns fehl am Platz. Es gab noch eine Hand voll anderer Gründe und es war schon seit längerer Zeit abzusehen das er uns verlassen wird, doch das ist privat und gehört nicht in die Öffentlichkeit, zumal es auch die wenigsten interessieren wird, schliesslich sind wir nicht Marduk!

Ihr habt fix Ersatz gefunden, Alex Barth heisst euer neuer Sänger. Vergleiche ihn bitte mal mit Tobias.
Vom Gesangstil ähneln sich die beiden, was für uns auch sehr wichtig war nicht komplett einen Stilbruch zu begehen. Man spürt und sieht, das jetzt jemand am Mikro ist, der 100% fühlt was die Musik transportiert und das war etwas, das Tobias R. jahrelang fehlte, das Gefühl für die Musik. Desweiteren ist sein Engagement sehr hervorzuheben, denn wer sich nach 6 Wochen ein komplettes Set reinpaukt und dann ein fast perfekten, ersten Live Auftritt hinlegt, verdient Respekt. Wir sind mit der Wahl des neuen Sängers vollsten zufrieden.

Wie seid ihr auf Alex gekommen? Spielte er vielleicht in einer anderen Band und ihr saht ihn zufällig?
Barth gehört schon jahrelang zu unserem näheren Umfeld und gehörte damit von anfang an zum Favoritenkreis um den freien Platz als Sänger. Wir wussten von vornherein, mit wem wir es zu tun bekommen und was für Fähigkeiten in ihm stecken. Er sang in diversen kleinen Projekten, wovon aber keines der Öffentlichkeit präsentiert wurde, von daher dürfte er niemanden bekannt sein. Ein großer Vorteil besteht darin, das er unmittelbar um die Ecke wohnt und wir spontan Proben einlegen können, was für uns ebenfalls sehr wichtig war.

Man sagt ja gerne mal, dass eine Band nicht mehr dieselbe Band ist, wenn keines der Gründungsmitglieder mehr dabei ist. Bei euch liegt der Fall ja aber ein wenig anders, da der Rest der Besetzung schon vor dem ersten Demo dabei war. Was hälst du allgemein von dieser These?
Kommt immer darauf an, wie die Band im Anfangsstadium klang und nach einer kompletten Umbesetzung klingt. Wenn es sich zum negativen entwickelt, würde ich dieser These recht geben, andernfalls nicht. Bei uns gab es einige Wechsel doch waren bei den Demo Aufnahmen schon alle jetzigen Mitglieder dabei, von daher denke ich das die alten Mitglieder keinerlei Erwähnung würdig sind, ausser Dirk S. der mit mir die Band im Jahre 1997 gründete. Durch alle Wechsel wurden wir ein Stück besser und stärker somit steht die Festung Creature wie ein Bollwerk.

Ihr habt antichristliche, heidnische Themen, spielt jedoch typischen Black Metal. Dieses Jahr stand dann das Ragnarök-Festival an, wo ihr etwas andere Musik geboten habt als der Rest. Wie saht ihr eure Rolle dort?
An sich passten wir von der textlichen Thematik sehr gut ins Billing, doch musikalisch waren wir einigen wohl zu ruppig. Doch wie schon oben erwähnt, stellen wir den Gegenpol der fröhlichen, Humppa und metsaufenden Bands dar, da uns diese Musik überhaupt nicht zusagt und wir hoffen, das dieser Trend irgendwann ein Ende nimmt und die ganzen lustigen Combos wieder in der Versenkung verschwinden. Ich denke das wir einen soliden Auftritt hingelegt haben und einige wohl auch sehr froh waren, das wir gespielt haben, was uns einige Reaktionen gezeigt haben. Lustig war zumindest, wie die anderen Bands schauten als wir uns das Corpsepaint auflegten, somit kann man schon sagen, dass uns eine Aussenseiterrolle zuteil war, doch wir sehr zufrieden mit ihr waren.

Hat euch das Festival überhaupt gefallen?
Absolut, wir waren sehr zufrieden mit dem Ablauf, der Location, der Verpflegung usw. Es gab ja auch Bands, die uns sehr zugesagt haben und wir stolz darauf sind, einmal mit jenen die Bühne geteilt zu haben. Desweiteren war es großartig, einmal vor solch einem Publikum zu spielen, schließlich kommt es nicht oft vor, dass ca. 1000 Leute vor Dir stehen.

Da wir nun bei den Auftritten sind: Stehen anlässlich des neuen Album ein paar Gigs an? Bestimmte Festivals oder eine Tour?
Wir haben unser CD-Release gebührend in unserer Heimat gefeiert und mit Hellsaw ein geniales Konzert gehabt. Dieses Jahr stehen noch so einige Termine an, vorwiegend in den neuen Ländern und auch das „Rock for Roots“ Festival im September gehört zu unseren Highlights dieses Jahr. Eine Tour steht nicht an und ich denke, dass dies auch finanziell nicht machbar wäre, da wir uns nicht in irgendeine Tour einkaufen, nur um dort spielen zu dürfen.

Auf eurem Demo “Heidenzorn” habt ihr ein Impaled Nazarene-Cover veröffentlicht. Inwieweit hat euch diese Band geprägt?
Ich bin großer Impaled Nazarene-Anhänger und kann somit nur von mir sprechen. Geprägt haben sie mich nicht in musikalischer Form, doch wollte ich schon immer dieses Stück covern und als ich es den anderen vorspielte, waren die Groschen gefallen. Auch wenn es nicht zur Platte passt, entschlossen wir uns, es als Bonus aufzunehmen. Auch Mika Luttinen gab sein einverständniss und somit stand dem nichts im Wege.

Wie gefällt euch ihr neustes Album “Pro Patria Finlandia”?
Das letzte Album was ihr mir von den Finnen zulegte war „Absence of War does not mean peace“ und dieses war genial. Von daher ist die Frage schon beantwortet.

Die Band musste eine Reihe von Auftritten absagen, da die jeweiligen Veranstalter von der Antifa über angeblich rechte Texte von der Band unterrichtet worden. Was haltet ihr davon und wie seht ihr es generell, dass die Antifa Konzerte von nicht eindeutig rechts-postierten Bands canceln lässt?
Der Antifa scheint momentan langweilig zu sein, von daher haben Sie in der Metal-Szene neue Feindbilder gesucht und gefunden. Ich persönlich halte das für überzogen und kann die Vorgehensweise der Antifa nicht gut heißen, zumal wir selbst schon Opfer dieser Aktionen wurden. Doch momentan scheint sich die ganze öffentliche Presse ebenfalls gegen die Black Metal-Szene verschworen zu haben. Ich begrüße, dass die Szene wieder dort hinkommt, wo sie hingehört, in den Underground, doch finde ich es auch zum kotzen, dass laut Presse überall der braune Teufel lauert und jeder Liebhaber dieser Musiksparte ein Nazi sein muss. Die Antifa sollte besser recherchieren und nicht jeden in einen Topf werfen, denn das kann auch schnell nach hinten losgehen.

Was haltet ihr privat vom Heidentum, glaubt ihr da richtig dran? Wie äußert sich das im Alltag?
Wir leben das Heidentum nicht als Religion, sondern ziehen die für uns interessanten Aspekte raus und leben nach diesen wie zum Beispiel Naturverbundenheit. Als Heiden würde ich uns nicht bezeichnen, das wäre auch nicht im Sinne gegenüber der richtigen Heiden, die strickt nach der alten Weise leben.

Mal interessehalber: Hast du eine Lieblingsstelle aus der Edda? Falls ja, welche?
Nicht wirklich, wozu auch. Man sollte die Edda mal gelesen haben, aber ich habe mir jetzt keine besonderen Stellen ausgesucht und diese als für mich wichtig ausgemacht, denn dann wäre ich nicht besser als diese verhurten Christen mit ihrer Bibel.

Jemand fragte mich letztens, ob ihr Kuchen in der Mitte oder am Rand anschneidet, oder gar am Ursprung, und ob das der Grund für die Albumbenennung damals war. Kannst du das aufklären?
Was ist das denn für eine bescheuerte Frage?? Wer sich mit dem Album befasst und den dazugehörigen Text gelesen und verstanden hat, kann sich diese Frage selbst beantworten.

Welche Kuchensorten bevorzugt ihr bandintern?
Interessiert niemanden und gehört mit sicherheit auch nicht in dieses Interview. Diese Frage kannst Du einer von den lustigen Humpa Combos stellen, da bekommst Du mit Sicherheit auch eine Antwort.

Das war es dann auch schon von meiner Seite. Vielen Dank, Marco!
Ich dank Dir für dieses Interview und verweise nochmals auf unsere Seite unter www.creature666.de auf der ihr unsere aktuellen Termine sowie Neuigkeiten entnehmen könnt.


Geschrieben am 15. Juli 2006 von Patrick, Stefan Popp


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