Interview mit Andy Schmidt von Disillusion

DISILLUSIONs aktuelles Album „Gloria“ ist eines der derzeit am heftigsten diskutierten Alben. So war es umso erfreulicher, dass wir die Möglichkeit hatten, uns mit Fronter Andy Schmidt zu unterhalten und ihm einige interessante Antworten zu entlocken.

Nach großen, wirklich sehr großen Umständen kam man am 27.10.2006 irgendwann doch im Stuttgarter Longhorn an und wie es das Schicksal wollte, spielten DISILLUSION gerade ihren letzten Song „Gloria“. Mehr als ärgerlich war schon diese Tatsache und als sich schlimmes anbahnte und das Interview mit den Leipzigern auszufallen drohte, wuchs meine Anspannung. Letztenendes klappte es dann doch undich sollte nicht umsonst gekommen sein.

Nachdem man ein ruhiges Plätzchen gefunden hatte, musste ich Sänger Andy Schmidt (auch bekannt als Vurtox) erstmal zu dem gratulieren, was ich von der Show mitbekommen hatte, denn selbiges klang ausgezeichnet. „Das Ende ging dann wieder, ja.“ Offensichtlich war es fast besser, den Anfang zu verpassen: „Naja, das Armageddon ist fast eingetreten, mir sind innerhalb von – glaube ich – vier Minuten zwei Saiten gerissen. Und bei vier Gitarren, also zwei Wechselgitarren, keine mehr übrig zu haben ist ist schon… Es durfte halt nix mehr passieren, was das Ganze ein bisschen überschattet hat.“ Das Konzert an diesem Tage fiel in gewisser Weise aus dem Rahmen, da es kein reguläres Tourkonzert war, auf der Disillusion praktisch den Hauptact darstellen, sondern eine Jubiläumsfeier von Metal.de, welche von Equilibrium angeführt und von weiteren Bands wie Neaera und eben Disillusion supportet wurde. Equilibrium und Disillusion ist ja nicht unbedingt die beste Mischung, doch ist es gar trotzdem eine Ehre für selbige eröffnen zu können? „Es sind im Prinzip ganz reguläre Wochenendmucken, die wir machen“, grinst der sympathische Sänger und Gitarrist, „und wir haben Bock zu spielen, wo’s nur geht. Das ist also nicht ansatzweise ein Problem, in dieser Position, wir sind im Gegenteil sogar froh, eingeladen worden zu sein. Das ist alles total konstant hier im Großraum Stuttgart, denn irgendwie läuft es verdammt gut für uns.“ Zum Zeitpunkt der Erscheinung von „Back To Times Of Splendor“ war der (jetzige) Dreier noch ein recht unbeschriebenes Blatt und fungierten unter anderem als Vorgruppe für Labelkollegen wie Amon Amarth, wurde aber zum Teil verschmäht, was sicher nicht zuletzt daran lag, dass die Band von kaum einem gekannt wurde. Heute aber gilt „Back To Times Of Splendor“ in gewissen kreisen bereits als Klassiker und auch Gloria könnte auf dem besten Weg sein. „Die spaltet gut, auf jeden Fall!“ Ein so steiler Aufstieg ist trotz allem etwas sehr Ungewöhnliches. „Also Aufstieg ist relativ. Ich muss dir ausweichend antworten, mir bleibt nichts anderes übrig, weil wir vordergründig überhaupt nicht darüber nachdenken. Klar, es passiert, aber es wäre natürlich falsch zu sagen, dass es uns überhaupt nicht interessiert. Wir sind natürlich vor allem froh, dass wir das weitermachen können, mehr Dinge machen, uns weiterentwickeln können und den Rahmen dafür bekommen. Aber die Tour mit Amon Amarth kann quasi nur ein Schritt gewesen sein, so ehrlich muss man’s auch betrachten. Das Experiment war einfach zu groß, haha. Wir sind am Ende natürlich immer noch klein, weil wirs selbstverständlich nicht hinkriegen, eine abendfüllende Dreimonatstour durch Europa hinzulegen. Also was ist Erfolg, was ist Großsein?“ Ein gutes Abschlusswort für diesen Teil und eine gute Überleitung indas Hauptthema des Interviews.

„Gloria“. Etwas, das man nach „Back To Times Of Splendor“ wohl am allerwenigsten erwartet hätte, der erste Kommentar der meisten Hörer ist ein schlichtes „Oh mein Gott!“… Sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne. Das Album stößt wahrhaftig auf zwei Fronten, die Meinungen spalten sich fast genau in der Mitte. Da liegt natürlich die Frage nahe, ob schon unmittelbar nach dem Vorgänger klar war, dass das Album möglicherweise eine völlig andere Zielgruppe ansprechen würde. „Die Zielgruppe ist ja praktisch der Umkehrschluss. Was uns klar war war, dass es kein ‚Back To Times Of Splendor 2‘ direkt geben wird, das war schon offensichtlich als der Mix damals noch lief und lag vordergründig daran, dass wir eben viel Energie und einen Teil unserer Seele in das Album gepackt hatten und das in ganzer emotionaler Breite bis zum Ende zu führen. Dass danach etwas anderes passieren musste, lag schon in der Natur der Sache, weil wir immer versuchen, alles zu geben. Und da bleibt nicht viel übrig für einen zweiten Teil. Zielgruppe? Natürlich war nicht klar, was genau passiert, das hat sich dann grob gesagt einfach entwickelt. Dass dadurch natürlich eine andere Zielgruppe entsteht… da wissen wir noch nicht so recht, ob man darüber weinen oder lachen soll“, lacht er. „Also niemand wollte jetzt irgendwem in den Arsch treten… Oder in die Eier, quasi. Wir machen einfach unser Ding.“ Na, gut zu wissen. Aber wohl das, was sich die meisten fragen ist, warum ein so extremer Stilwechsel über einen so kurzem Zeitraum? Das erweckt fast den Eindruck, als hätte man das Interesse, an extremen Metal-Elementen fast gänzlich verloren, da die Stellen, die noch auf diese Spielarten schließen lassen, kaum mehr vorhanden sind. Tatsächlich? „Also praktisch gesehen war das eine schrittweise Entwicklung. Niemand hat das komplett verneint oder wollte etwas konkretes rausschmeißen. Es hat sich einfach so ergeben, dass immer mehr Songs ziemlich schnell auf den Punkt kommen und das Gefühl schon da war, sodass großartige Arrangements und ein paar Stilistiken das Gefühl nicht gesteigert, sondern eher sinnlos relativiert hätten. Das wäre ja irgendwie albern und ein sinnloser politischer Konsens geworden.“ Aber wie verhält es sich mit den alten Wurzeln? „Wir hören immer noch die selben Sachen wie vorher, haben immer noch Spaß daran und spielen ach immer noch gerne alte Sachen. Das hast du leider nicht gesehen, da warst du ja noch nicht da. Daran lag’s also nicht.“ Sondern? „Es ist vielmehr immer wieder ein… Ich weiß nicht, ob man so weit gehen soll, aber am Ende versuchen wir immer einen Lebensabschnitt zu beenden, aber das ist auch schon zu viel Esoterik… Viel mehr, als würde man einen neuen Film machen. Da gibt’s auch ein anderes Drehbuch. Kurzum ist das eigentlich die beste Antwort, die ich dir geben kann, darauf konzentrieren wir uns. So schnell finde ich die Entwicklung übrigens gar nicht. ‚Back To Times Of Splendor‘ kam April 2004 raus, oder? Also das waren immerhin zwei Jahre.“ Was im Vergleich zu anderen Bands ja offengesagt trotzdem sehr wenig ist, manch andere bringen alle zehn Jahre ein Album heraus, das klingt wie das vorher. Aber trotzdem will man nicht lange auf dieser Frage herumreiten und so gehen wir über zu einer unglaublich nervigen: Mit welchem Stil würde der Gute das Album denn beschreiben, wenn er müsste? „Das muss ich ja ständig!“ War eh klar, so ist der Journalismus. „Ich kann aber auch keine Antwort geben. Ich weiß nur, dass ‚Gloria‘ ein wahnsinnig modernes Album geworden ist, welches meiner Meinung nach auch vehement über die Metalgrenzen – und das meine ich gar nicht böse, sondern einfach nur faktisch – hinausgeht und es tatsächlich schafft, ein paar Sachen zu kombinieren, die vorher noch nie kombiniert wurden. Die Platte hat eigentlich ein riesen Potential, wenn sich jetzt nicht alle auf die Hinterbeine stellen und sagen ‚Das ist mir zu sehr das, das ist mir zu sehr das!'“. Doch in einer Sache sind sich alle Kritiker einig: Bis man Zugang gefunden hat, braucht es eineWeile. „Ja, zugegeben.“

Auch der von vielen Seiten her kritisierte verzerrte (Sprech)Gesang ist so eine Sache für sich. Gibt es einen konkreten Grund dafür, dass er so oft zum Einsatz kommt? „Das hängt damit zusammen… Also ich entschuldige mich nicht dafür. Das ist eine Entwicklung gewesen, die passierte, während wir uns im Proberaum bzw. Studio eingeschlossen haben. Ich bin ja vordergründig Gitarrist und Songschreiber, das muss man ganz deutlich sagen, wollte aber viel eher den Gesang installieren und habe dann früh angefangen, zu experimentieren. Die Frage ist, warum er am Schluss so oft kam und die klare Antwort ist einfach, dass er ziemlich früh zu einem Stilmittel für dieses Gefühl, das schon die ersten Voraufnahmen mit diesem Gesang erzeugt haben wurde. Ich habe versucht, das zu reduzieren, aber nicht wegen dem, was die Leute denken, sondern ich dachte, dass es eher ein Effekt bleibt. Aber ist es halt nicht, und ist zentraler geworden, als wir vielleicht gedacht hätten. Schon wenn sich die Leute darüber streiten, ist das irgendwie ein Markenzeichen der Platte und schon alleine ein Statement. Und das finde ich gut.“ Aus dem furiosen Mix Disillusions sind mittlerweile Einflüsse schwer herauszuhören und man fragt sich, ob es überhaupt noch Bands gibt, die es vermögen, diese Truppe extrem zu beeinflussen. „Extrem sicherlich wenig. Aber ich mach jetzt keinen Hehl draus, letztens lief auf ARTE David Gilmore live… Alter, da war ich total platt. Dieses wahnsinnige Gespür, das haut mich immer wieder um und haut mich dadurch natürlich auch. Tool, bleibt dabei, logo. Also de facto hat sich nichts geändert, nur die Zeit wahrscheinlich ein bisschen, es ist ja jetzt 2006 und nicht mehr 1986. Da muss einfach irgendwie was passieren.“ Für den einen der Traum, für den anderen der absolute Horror, aber beim Hören von „Dreat It“ könnte man sich durchaus vorstellen, den Song eines Tages irgendwo in den Charts zu sehen. Doch ist die Vorstellung des „Rauskommens“ für die Band realistisch oder würden sie sich gar eher lieber bewusst im Untergrund halten? „Weder das eine, noch das andere, es passiert, was passiert. Es gab einige Dinge, die ‚Gloria‘ vorgeworfen wurden, einfach nur auf massentaugliche Beats getrimmt zu sein und so weiter. Auf der anderen Seite gab’s gleich wieder großes Händeüber dem Kopf Zusammenschlagen ‚Das ist ja kommerzieller Selbstmord!‘. Und so sehen wir das, es gibt diesen ‚Plan‘ einfach nicht. Es ist immer scheiße, wenn danach nichts passiert, keine Frage. Aber du fragst jetzt eher, was in der Zukunft geschieht und da sag ich schon knallhart, dass wir uns keinesfalls irgendwie der Funktionalität halber beschneiden werden.“ Gibt es dann auch schon einen kleinen Ausblick, wie die nächste Scheibe ausfallen könnte? „Nein.“ Dann ist wohl eher noch nichts in Planung? „Doch, aber ich mache jetzt keinen Auslbick, ‚Gloria‘ ist erst vorige Woche rausgekommen!“ erinnert mich Andy lachend. „Wir werden werden auf jeden Fall wieder versuchen, etwas konkurrentes zu schaffen, etwas, was einen Start hat, was ein Ende hat, ein koherentes Gesamtwerk. Was es am Ende dann ist, weiß ich nicht. Wir haben auf jeden Fall Ideen und noch viel Material, mal sehen, was wir damit machen.“ Das Album wird von der Band selbst als ‚David Lynch on Metal‘ beschrieben, der Begriff ist recht treffend und könnte eine Brücke zwischen Genialität und Verrücktheit schlagen. „Ne, das wäre ja arrogant, die Genialität war nicht das Vordergründige, es geht eher um das Bildwerk und ganz konkret um die Art der verschrobenen Dialoge und die krassen Wechsel, die dann am Ende doch ein Gesamtbild ergeben, gleichzeitig aber auch die vielen Fragezeichen der David Lynch Filme. Aber vor allen Dingen geht es um die BIlder, die stilistisch einwandfrei, bis in den Punkt genau ausgearbeitet werden, um sie dann aber gleichzeitig wieder zu zerstören, wenn im nächsten Moment das nächste kommt. Am Ende wird es dann absurd. Als klar wurde, dass ‚Gloria‘ wie ‚Back To Times Of Splendor‘ auch wieder Filmsoundtrackcharakter bekommen wird – was wir aber nicht vordergründig geplant hatten – haben wir uns überlegt, was es denn am ehesten wäre. Da es eben keinen Plan gab, mussten wir auf etwas anderes zurückgreifen. Und wer die David Lynch Filme kennt, könnte durchaus in den Punkten, die ich aufgezählt habe, starke Parallelen zum Album ziehen. Es ist halt ein Versuch – und vielleicht ein peinlicher, darüber kann man sich streiten und das Maul zerreißen – die Musik zu beschrieben, weil die Stilistikschublade einfach nicht passt. Man kann ‚The Black Sea‘ auseinandernehmen, danach kommt ‚Dread It‘ und was passiert jetzt? Dann kommt ‚Don’t Go Any Further‘, eher ein Industrialstampfer und so weiter… Es funktioniert so einfach nicht. Es ist etwas anderes.“ Hier bietet es sich dann auch gut an, anzuknüpfen, und zu fragen, ob es eine Erklärung dafür gibt, dass die Songs zum Teil klingen, als wären sie völlig unabhängig voneinander irgendwo und irgendwie entstanden, sie ähneln sich zum Teil nicht und schlagen völlig andere Stilrichtungen ein. „Sie sind am Ende eben alle verdammt schnell entstanden. Wir haben zwar verdammt lang daran rumgebastelt und es hat viel zu lange gedauert aber schließlich sind wir doch wieder auf die Voraufnahmen zurückgegangen, die Initialzündungen sozusagen. Am Ende war es der Spielspaß und das ist die Antwort. Lust an der Sache. In den ersten Monaten ist wahnsinnig viel passiert, und das zu verschenken wäre zu doof gewesen. Ich verstehe Disillusion auch nicht als Band, die ähliche oder gar schon gleiche Songs in einem anderen Format auf eine Platte packt. Es ist immer ein Versuch,über den Noten etwas zu erschaffen.

Freunde des Albums wüssten natürlich auch gerne über das Textkonzept und dessen Zusammenhang zum Motiv Bescheid. „Es gibt eigentlich kein Konzept. Ich gehe jetzt auch mal nicht ins Detail, aber es ist eigentlich ganz einfach. Ich war am Ende selbst überrascht, wie die Texte gewordens ind, weil ich auf die Voraufnahmen sehr spontane und sehr assoziative Dinge produziert habe. Ich habe mich dann entschieden, sie zu behalten und darauf den Text zu bauen. Sehr spontane Äußerungen über Dinge, die gerade in der Welt passierten, zum Beispiel Politisches und dergleichen, die in irgendeinem konkreten Zusammenhang zu der Zeit standen. Es geht viel um Schenken im Sinne von Vergeben, das angehend, was man nur selbständern kann oder niemand auffordern kann.“ Ein weiterer, heftig diskutierter Punkt ist das Artwork des Albums. Auch ich musste zuerst eher an Wandmalereien aus der Sowjetunion denken musste, vor allem wegen der Farbgebung und dem Schriftzug. Dementsprechend war ich natürlich auf die Antwort auf diese Frage gespannt. „Ja und nein. Ich bin in einem Interview mal so weit gegangen, dass ich das schon zu vordergründig geschildert habe. Es ist in der Tat so, dass es schon am Anfang und auch zwischendurch, obwohl wir uns geeinigt ha
ten, das nicht zu tun, es doch passiert ist, dass ‚Gloria‘ zum Teil … ist viel zu dick, was ich jetzt sage … eine Aufarbeitung unserer Vergangenheit als zwar junger DDR-Bürger aber doch DDR-Bürger, der Wendezeit und eben unserer jetzigen Heimat Ostdeutschland ist. Natürlich ist es hineingeflossen, auch wenn ich es nicht in den Vordergrund stellen will. Ein Teil davon ist natürlich diese Sowjetästhetik.
“ Auch die Trailer sind sehr interessant und ungewöhnlich. Andy gibt Auskunft, wie und wo sie entstanden sind, was sie aussagen sollen und klärt in dem Zuge auch die nächste Frage. „Es wird ja auch ein Video geben, nächste Woche geht’s los. Es bietet sich an, das jetzt so rum zu beantworten. Wir hatten die Gelegenheit und auch schon den Plan, sehr früh mit einem Filmteam – film-m.de – zusammenzuarbeiten, praktisch schon von Anfang an. Da hatten wir sehr viel wechselseitigen Kontakt und Bildwerk. Wir haben immer wieder versucht, etwas ganz konkretes rauszuholen, von den ersten Aufnahmen, einfach ein paar Bilder drauf und umgekehrt. Ein Teil dieser Mentalität waren die Trailer, diese kurzen Schnipsel, die wahnsinnig viel aufgebaut haben. Die Idee ist eigentlich aus dem geboren, was wir schon die ganze Zeit als Bildwerk für die Platte dahatten. Es ist nichts, was jetzt obendrauf gepackt wird, sondern parallel die ganze Zeit da war und letztendlich haben wir aus der Not eben eine Tugend gemacht. Wir dachte, das hat die ganze Zeit so gut gepasst, das knallen wir raus,das ist eine gute Promoidee.“

So frage ich auch mal nach anstehenden Liveterminen und zugesagten Festivals für die nächste Saison, da heißt es „Es wird auf jeden Fall zwei große geben, aber das kann ich noch nicht mit Bestimmtheit sagen.“ Einen Tag vorher wurde die Truppe jedoch schon für Wacken bestätigt. „Ja, das kannst jetzt aber nicht schreiben, da wurde noch nichts unterschrieben.“ Trotzdem findet sich die Band zu dem Zeitpunkt bereits im Billing auf der Wacken-Seite wieder. „Bei Wacken? Dann sind die aber schneller als wir.Ja also, das wird geil, da freuen wir uns drauf. Mal sehen wann, wahrscheinlich ganz früh. Aber muss ja nicht spät sein.“ Um trotzdem mal zum Anfang zurückzukehren, frage ich, ob es vielleicht wenigstens Spekulationen gibt WANN das nächste Album ansteht. „Ich denke, wir machen dieses Mal nicht so einen langen Break. ‚Gloria‘ war auch nicht so einfach, das wäre zu banal, da jetzt einfach dürber wegzuwischen und zu sagen ‚Wir haben uns eingeschlossen, was gemacht und das ist dabei rausgekommen‘, sondern es ist verdammt viel passiert und wir sind total heiß, das schon wieder in Musik zu packen. Ich glaube, wir machen das dieses Mal ziemlich schnell.“ Damit das Klischee auch nicht zurückbleibt, kommt auch noch die Frage, wie seine Musikalische Karriere denn begonnen hat, wie er zum Metal kam und sie dann schließlich zusammenfanden und so weiter. „Ach du Gott im Himmel. Ganz genau weiß ich das jetzt nicht. Eigentlich von hintenrum.“ War das in der DDR nicht so das Übliche? „Das hat schon alles gebrummt. Ich komme von ganz früher auf auf jeden Fall erstmal woanders her, aus dem HipHop und Techno, auch neuen, definitiv. Und letztendlich kam ich über so ein ganz beschissenes Lagerfeuer zum Gitarrespielen, das hat mich total weggefedert. Ich fand die Stimmung und das Instrument klasse. Und dann ging’s einfach wahnsinnig schnell, dann hab ich mir schon Guns’n’Roses Songs aufgedrückt, warum das gerade die waren, weiß ich im Nachhinein auch nicht mehr. Danach kam eins zum anderen, bin aber ziemlich spät dazugekommen und meine erste Metal-Platte, die mich total gekickt hat, war ‚Far Beyond Driven‘ von Pantera. Und dann auch mal wieder kurz gegangen… Und wieder dazugekommen. Naja, ich sitz ja nicht den ganzen Tag zuhause und hör mir Metal an, das wäre Unfug das jetzt zu behaupten und wenn es von mir verlangt würde, Position zu beziehen… Was bin ich dann jetzt? Ein Metaller, ein Popper, ein Musiker? Vor allem ein Mensch, oder? Und die Zwänge, die andere jetzt unbedingt brauchen für ihre Positionierung, bitte nicht auf mich übertragen. Es läuft alles zuhause, es gibt jetzt eigentlich nichts, was nicht läuft.“

Und bevor sich die Kassette verabschiedet, soll natürlich auch das Wortspiel nicht fehlen. Die hochkomplexen Regeln sind schnell erklärt und so geht es gleich los mit ‚Silent Hill‘, was einfach grinsend mit „Den Film fand ich Schrott“ beantwortet wird. Und wie sieht es mit dem derzeit so brisanten Begriff ‚Unterschicht‘ aus? „Ich hab Soziologie studiert, also… Es ist ein Begriff, es fühlen sich zwar viele davon angegriffen, aber es ist ein scheiß Begriff, der einfach völlig wertfrei ist.“ Beim folgenden Begriff ‚Necrophagist‘ äußert Vurtox zu meiner Freude sehr überraschend „Hammer! Einfach nur hammer! Die unästhetischste Liveband, die man sich vorstellen kann, die Anti-Entertainer, aber schon allein deswegen schon wieder genial. Einfach alles total geil!“ Und gleich weiter zum umstrittenen Label ‚Nuclear Blast‘: „Habe nie etwas mit Nuclear Blast zu tun gehabt, in keiner Form, außer, dass ich mal was aus dem Katalog bestellt habe. Und alles andere würde auf Gerüchten beruhen, wenn ich jetzt meine Meinung äußern müsste und das würde ich nicht tun. Weder gut, noch schlecht.“ Ein interessanter Begriff könnte da auch noch ‚Progressive Rock und Metal‘ sein. „Naja, ist nun das, was ich mache, wenn man das jetzt so einordnet, haha. Da komm ich aber her, wenn ich Gitarre spiele, von demher ist das meine prinzipielle Heimat.“ Wie steht’s mit ‚Alkohol, Zigaretten und Drogen‘? „Ohje… Außer letzteres leider viel zu viel. Zumindest Zigaretten, Alkohol habe ich mittlerweile wieder in den Griff gekriegt.“ Dann noch die Plattform No.1, das ‚Internet‘: „Ganz wichtig. Einfach nicht wegzudenken, alle wollten es und auch alle wollen es auch jetzt noch und es ist die Kommunikationsart von heute.“ und zu guter letzt das’Studium‘: „Naja, lange vorbei… Geschmissen.“

So beendet man dieses lange Interview mit einem äußerst sympathischen Andy Schmidt, bedankt sich Gegenseitig und stoppt das Diktiergerät, was noch mit einem grinsenden „Und klack!“ kommentiert wird.

Geschrieben am von Metal1.info

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