Interview mit Hannu von Goathemy

Hannu, Bandkopf der jungen norwegischen Black Metaller GOATHEMY, stand Patrick Rede und Antwort zu deren Debütalbum “Frostland”.

English original…

Grüße dich, Goath!

Ihr habt just euer Debutalbum “Frostland” veröffentlicht, erzähl doch mal ein wenig über die Aufnahmen und vielleicht auch ein wenig über GOATHEMY, viele dürften euch ja noch nicht kennen.
Hannu: Der Ursprung von GOATHEMY geht auf Mitte der 90er Jahre zurück, als wirkliche Band sind wir jedoch erst seit 2002 aktiv. Ich startete GOATHEMY als Solo-Projekt, weil ich so Dinge tun konnte, die ich in meinen anderen Bands nicht tun konnte. 2001-2002 starteten wir aber dann als Gruppe und spielten erstmal Cover und dergleichen bis wir dann anfingen, eigene Musik zu schreiben. 2004 veröffentlichten wir dann unser erstes Demo namens “Year666″, welches die Richtung, die wir einschlugen, sehr gut repräsentiert. Der Einfluss des Black Metals in unserer Musik ist sehr stark, jedoch kann man uns da nicht einordnen, weil unsere Ideologie in unseren Texten nicht die des Black Metals ist, sie ist nicht satanistisch. Wir sind eine antichristliche Gruppe, aber keine satanistische, da besteht ein großer Unterschied. Ein großer Teil unserer Lyrik behandelt Naturgewalten und eine antichristliche Lebensform in einem Land aus Frost, Finnland. Ein anderer Grund ist, dass wir nun sechs Leute mit sechs unterschiedlichen musikalischen Hintergründen sind, was man in “Frostland” auch gut hören kann. GOATHEMY wird also durch die Ideologie und die Musik ausgemacht. Unser Debut wurde 2005 aufgenommen und im Januar 2006 veröffentlicht. Da wir viele Probleme mit diversen Labels hatten, entschieden wir uns, ?Frostland? über RBR (ihr eigenes Label) herauszubringen.

Ich hab mir die Kritiken auf eurer Seite mal durchgelesen, scheinen ja recht unterscheidlich ausgefallen zu sein. Was sagst du denn dazu?
Hannu: Das ist richtig und es zeigt, wir die Leute unsere Musik auffassen, du liebst sie oder du hasst sie und so soll es auch sein, es gibt schon zuviele “oki-oki”-Typen. Aus irgendwelchen Gründen haben einige Leute Probleme damit, sich mit uns zu befassen. Ich denke, das liegt daran, dass wir danach handeln, was wir wollen und nicht was von anderen akzeptiert wird. Ich bin mit dem Album wirklich zufrieden, wie auch viele andere Personen aus den Medien.

Frauenstimmen im Black Metal werden ja von einigen Leuten belächelt und ich muss sagen, dass sie auch nicht immer gut sind. Deine Meinung?
Hannu: Sie können ihre Meinung gerne behalten, das interessiert mich nicht. Solangeich keine dieser Personen bin, interessiert mich auch nicht, was sie denken. Ich selber mochte weiblichen Gesang im Metal schon immer. Paradise Lost dürfte die erste Band gewesen sein, wo ich sowas hörte und ich war wirklich begeistert. Um ehrlich zu sein, es freut mich immer sehr, wenn einer über Darks Stimme weint und ich kann dir sicher sagen, dass ihre Stimme immer unser Markenzeichen sein wird, solange ich das entscheiden kann. Für mich ist es der Kontrast in unserer Musik und es ist ein wichtiger Bestandteil unserer Musik.

Ich finde zum Beispiel, dass Dark nicht wirklich durchgehend überzeugt, ihre Stimme hat teilweise nicht den gewünschten Effekt der Atmosphären-Erzeugung, das wirkt noch verbesserungswürdig.
Hannu: Die Musik selbst macht die Atmosphäre mit ihrer ungeschliffenen Erkenntnis aus und Dark unterstützt das nur mit ihrem Gesang. Sie ist nicht die treibende Kraft aber ein essentieller Bestandteil unserer Musik. Es ist lustig, dass sich jeder für Darks Stimme interessiert, für mich erschafft die Gitarrenarbeit die Atmosphäre; Rohheit zusammen mit Melodien.

Ansonsten ist “Frostland” für ein Debut gelungen nur manchmal sind die Kontraste zwischen den Stücken nicht klar genug, finde ich.
Hannu: Das stimmt. Ich habe bemerkt, dass die Stücke sich nicht direkt öffnen und du sie oft hören musst. Selbst ich ? der die Lieder komponiert und sehr oft gehört hat ? entdecke immer wieder Neues, wenn ich sie höre. Eigenartig.

Die Texte schreibst du ja selber, hast du irgendwelche Inspirationsquellen?
Hannu: Wie ich bereits bemerkte sind die grausamen Naturgewalten und mein persönlicher Hass und meine Abscheu gegenüber der Kirche und den Religionen in Finnland. Die Menschen beschweren sich über die Flüchtlinge obwohl die Kirche zur selben Zeit die Kultur und unsere Lebensformen vergewaltigt. Das hat sie die letzten 850 Jahre getan und die Leute regen sich darüber auf, wenn einer Geld vom Sozialamt bekommt. Es ist traurig, dass etwas wichtiger für die Menschen ist, als die widerliche Macht der Kirche, welche vom eigenen Staat abgesegnet ist.

Mitte der 90er wurden ja schon die ersten Grundsteine für GOATHEMY gelegt, wieso dauerte es solange, bis ihr was rausgebracht habt?
Hannu: Da war nichts zum veröffentlichen, haha! Wie ich dir sagte, diente GOATHEMY erst meinem eigenen Vergnügen und nur zwei Songs aus den 90ern sind auf diesem Album vertreten. Der Rest entstammt dieser Dekade. Das war einfach die richtige Zeit, “Frostland” herauszubringen.

Sag mal, so wirkliche Newcomer seid ihr ja aber nicht oder? Wenn ich mir eure Seite so anschaue, wird ja schon ein wenig Erfahrung mitgebracht…
Hannu: Ich begann meine “Musikkarriere” in den 80ern in lokalen Thrash/Speed Metal Bands und Anfang der 90er war meine musikalische Hauptausrichtung Death Metal. Die ernstzunehmendste Band war wohl Benefits Forgot zwischen 1990 bis 1994, es gab auch ein paar Demos.

Hat eurer Bandname GOATHEMY eigentlich einen speziellen Hintergrund oder einfach so in den Sinn gekommen?
Hannu: Es kam mir vor einiger Zeit einfach so in den Sinn. Ich nutzte GOATHEMY zuerst als Pseudonym in der Zwei-Mann Industrial-Kombo “The Gore Josefs”.

Wieso eigentlich ein eigenes Label?
Hannu: Nun, auf jeden Fall gibt es so keine Juden im Büro, hahaha! Wir hatten viele Probleme mit fremden Labels so dass die Gründung eines eigenen Labels der einzig vernünftige Schritt war. Ich bereue das nicht.

“True Finnish Pagan Fire”; so lautet ja der Untertitel eurer Homepage. Eure Lyrics sind ja nun auch paganistisch angehaucht. Inwieweit spielt das Heidentum denn eine Rolle in eurem Leben? Einfach nur so aus Interesse und weil es zur Musik passt oder steckt da bei euch wirklich was dahinter?
Hannu: Dieser Untertitel meint die Ehrung unserer Vorväter, welche lange vor dem Christentum hier waren. Ich mag diese neo-paganistischen Hypes nicht. Meine Texte erzählen von Menschen die hier lebten als das Christentum sich hier mit Schwertern und Lügen festsetzte. Die Menschen lebten einfach in den Wäldern und waren bäuerlich um zu überleben. Das war kein übermenschlicher Lebensstil aber es war ein simpler Weg um in dieser grausamen Umgebung zu überleben. So sollte es auch heutzutage sein und so lebe ich auch. Weit weg von den Städten und nur konzentriert auf meine Aufgaben. Ich rbauche ihren Gott nicht, damit er mich beschützt, ich brauche nur ein bisschen Feuerholz um Feuer zu machen und mich warm zu halten.

Ich las auf eurer Seite, dass du keine finnischen Bands derzeit wirklich gut findest. So einige Black Metal-Bands habt ihr da ja auch und das Genre an sich hörst ja auch. Wie steht es denn mit:

– Satanic Warmaster?
– Ajattara?
– Hin Onde?
– Wyrd?
– Impaled Nazarene?

Hannu: Ja, ich höre nicht wirklich viele finnische Bands aber das letzte Album einer finnischen Band, was in mienem CD-Player lief, war “Perimä Vihassa Ja Verikostossa” von Horna. Satanic Warmaster ist in meinen Augen auch gut genau wie die Demos und ersten Werke von Impaled Nazarene. Die neueren Alben haben mich nicht mehr begeistern können.

Wie siehst du die Zukunft von GOATHEMY? Was hofft ihr noch zu erreichen, was wird denn schon sicher passieren?
Hannu: Wir machen so weiter, wie wir begonnen haben. Ein paar neue Songs werden entstehen und ich hoffe, wir kriegen Material zum Veröffentlichen zusammen. Ich tue das nur für mich und es interessiert mich einen Scheiss, ob wir etwas erreichen oder nicht. Wir spielen vielleicht ein paar Gigs in diesem Jahr aber erwartet keine Touren in nächster Zeit.

Ihr habt euer Album zwar grade erst veröffentlicht, aber steht schon das nächste an? Werkelt ihr schon wieder?
Hannu: Ja, einige Lieder sind schon fertig und ein paar mehr werden folgen.

Spielt ihr demnächst irgendwo live? Wenn ja, auch in Deutschland, ist da was geplant?
Hannu: Wie ich schon sagte, wird es eventuell ein paar Auftritte in Finnland geben, ist aber noch nichts sicher. Was mit ausländischen Auftritten ist, da kann ich jetzt noch nichts zu sagen.

Das soll es auch schon gewesen sein, ich wünsche euch auf jeden Fall noch viel Erfolg.
Hannu: Danke!


Geschrieben am 27. Februar 2006 von Patrick


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