Interview mit Roman von Path Of Golconda

PATH OF GOLCONDA veröffentlichen kürzlich ihr zweites Gewaltwerk “The Threshold Diaries”. Schlagzeuger Roman erzählte uns alles wichtige zum Album, der anstenenden DVD, ein Übermaß an Penissen und warum immer noch kein Label anbeisst.

Hi Roman, alten Teufel! Seit einigen Wochen ist euer neues Album “The Threshold Diaries” endlich erhältlich. Wie fielen die ersten Reaktionen aus? Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie weniger euphorisch sind als die zur “Destination:Downfall”.
Hi Stefan! Ja, endlich ist die Scheibe draußen. Nachdem wir, bevor es ins Studio ging, zum Schluss doch etwas aufgeregt waren, sind wir alle nun heilfroh, dass alles noch hingehauen hat… Der Zeitdruck war enorm, und wir haben mehr als einmal gedacht, dass jetzt der Moment gekommen sei, an dem wir uns in einer blutigen Battle Royale die Eingeweide herausreißen… umso glücklicher sind wir, dass die Reaktionen tatsächlich sehr euphorisch ausfallen! Direkt nachdem wir die Vorbestellungen rausgeschickt haben, trafen die ersten Emails ein von Leuten, die einfach nur begeistert schreiben wollten, wie fett sie die Scheibe finden! Was uns besonders freut, ist, dass viele Fans jetzt vor allem nach Konzerten auf uns zukommen und uns sagen, wie gut die Stücke auch live funktionieren.

Wie zufrieden seid ihr selbst mit dem Album nach nun – vielleicht – ein bisschen Abstand dazu? Gibts auch die typischen “Das und das hätten wir noch gerne geändert”-Gedanken?
Natürlich gibt es die. Aber es wäre wohl ein schlechtes Zeichen, wenn man sich nach einer Produktion einfach nur zurücklehnt und zufrieden ist, oder? Unsicher waren wir eigentlich eher während der Aufnahmen, weil man nach einer Zeit einfach glaubt, den Überblick zu verlieren… Andy war diesmal deshalb eine noch größere Hilfe als bisher, weil er genau unsere Vorstellungen umsetzen konnte und uns versichern konnte, dass ihm das Material gefällt, so dass wir letztlich doch noch eine entspannte Zeit hatten.

Ihr habt nun bereits zum zweiten mal bei Andy Classen im Stage One aufgenommen. Könntet ihr euch überhaupt eine Alternative dazu vorstellen? Meiner Meinung nach ist der Sound jedenfalls wieder absolut perfekt für die Lieder. Wie war die Arbeit mit Andy, vor allem jetzt, da ihr euch ja schon ein bisschen von den ersten Aufnahmen her kennt?
Ehrlich gesagt können wir uns wirklich keine Alternative vorstellen! Beim letzten Mal war es schon ein tolles Erlebnis, mit ihm zu arbeiten – aber dieses Mal war noch besser! Natürlich kennen wir uns inzwischen besser, so dass wir viel entspannter miteinander umgehen konnten… wir haben direkt am ersten Abend erstmal was zusammen getrunken und über alles Mögliche gequatscht, so dass ziemlich schnell eine äußerst gute Atmosphäre herrschte. Es war danach toll zu sehen, wie sehr Andy bemüht war, den Sound der ersten Platte zu übertreffen… zu erweitern… uns schwebte direkt zu Anfang ein leicht thrashiger Sound vor, der einfach ins Gesicht schlägt, – und keine zwei Minuten, nachdem Andy in die Vorproduktion gehört hatte, sagte er, dass das genau das sei, was er auch wolle. Wir mussten also nicht mal unsere Vorstellungen erklären!

Insgesamt ist das Material komplexer und wirkt technisch anspruchsvoller und auch etwas weniger eingängig als “Destination:Downfall”. War das alles so beabsichtigt, oder entstand das einfach beim Songwritingrozess und ist mit längerem Zusammenspielen logisch, dass es sich so entwickelt?
Ich weiß nicht, ob es logisch ist – im Studio war es die Hölle! Andy ist absolut kompromisslos, wenn es darum geht, einen Part akkurat einzuspielen, so dass wir manchmal stundenlang an einem Song gesessen haben. Beim Schreiben haben wir uns darüber keine Gedanken gemacht… wir haben nach dem Release von “Destination:Downfall” erstmal sehr ausgiebig gefeiert, oft gespielt und recht spät mit dem neuen Songwriting angefangen. Was dann kam, war einfach nur natürlich… all jene Ideen eben, die die ganze Zeit vorher in uns geschlummert haben, konnten endlich raus!

Woher kommt euer Fablé für längere Songs? Vor allem im Deathmetal ist dies ja die Ausnahme, da sich oft Längen ergeben, was bei eueren Stücken aber zum Glück nicht der Fall ist.
Ich weiß nicht, manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die Stücke selbst schreiben… es passiert, dass jemand eine Riffidee hat und dann schreit der nächste auf und hat eine Idee und so geht es weiter… Niemand sitzt zuhause und plant einen Song oder so, sondern wir hocken immer zusammen im Proberaum, trinken etwas und schauen, was passiert. Ich bin froh, dass es so funktioniert – und dass niemand findet, dass die Längen stören, sondern eher eine Bereicherung sind! Andererseits haben wir ja mit „Another Hell Unearthed“ beispielsweise etwas Neues probiert und einen kurzen, reinen Thrash-Song geschrieben… es war der erste Track den wir für die Platte geschrieben haben und da war uns einfach nach einem deutlichen Statement… und einem Song, den man auch als betrunkener Kettenraucher ohne Hyperventilieren spielen kann.

Der Anteil an Thrash-Riffs ist diesmal allgemein ja erstaunlich hoch. Habt ihr im Proberaum dauernd Testament und Kreator gehört oder woher kommt das?
Nein, wie gesagt, es war einfach nur das, worauf wir Lust hatten. Vielleicht liegt es daran, dass wir inzwischen ekelhaft alt und unmodern sind, so dass Kreator und Co das Modernste ist, was wir hören, haha! In der Tat hören wir solche Musik bei Parties gern… es ist einfach eine Frage der Energie, die wir rüberbringen wollten.

Die kleinen Zwischenstücke auf dem neuen Album gefallen mir deutlich besser als die der Vorgänger. Wer ist für ihre Entstehung verantwortlich und wie entscheidet ihr wo eine kleine Verschnaufpause nötig ist?
Dankeschön! Auch dabei gibt es keinen Pläne im Vorfeld. Das Album ist ja wie ein Tagebuch aufgebaut; es gibt verschiedene… „Phasen“, die thematisiert werden. Es ist ja schon recht ungewöhnlich, nach zwei Songs die erste Verschnaufpause zu machen – obwohl es live recht dankbar ist, hehe – aber mit „Catafalque“ und „Promises in Stone and Fire“ wird ein neuer Abschnitt eingeläutet, den wir eben durch ein Instrumental abgrenzen wollten. Zu der Stimmung der Songs und vor allem der Lyrics fand ich so einen herbstlichen, melancholischen Auftakt ganz passend… und der Kontrast zu „Catafalque“ ist dann auch fett geworden, nicht wahr? Da „Between God and Gutter“ den Abschluss der Platte bildet und wohl zu dem melodischsten und bombastischsten gehört, was wir bisher gemacht haben, wollten wir das ebenfalls deutlich machen durch ein entsprechendes Instrumental. Dabei haben wir übrigens Samples von authentischen Geigen und einer authentischen U-Bahn benutzt, um diese Gott-Gosse-Sache zu betonen, haha, ganz schön tiefsinnig, was?

Ja, direkt poetisch! Wer ist für die netten Bezeichnungen der verschiedenen Instrumente verantwortlich? Bezeichnungen wie “Tones to slit the Veil of Faith” haben schon was.
Oh, das überlegen wir immer kurz vor dem Studio. Man merkt an diesen Bezeichnungen wohl ganz gut, dass wir über schwarzen Humor verfügen und wissen, dass wir uns nicht allzu ernst nehmen sollten. Wer uns kennt, weiß, dass diese Bezeichnungen nicht nur eine verdeckte Beschreibung des Instruments sind, die die einzelnen Bandmitglieder spielen, sondern immer eine etwas fiese Verarsche desjenigen… Diese „Tones…“- Sache war aber schon ernst gemeint, weil das mein erster Gedanke war, als ich die Soli von „Between God and Gutter“ gehört habe. Diese Richie-Sambora-haftigkeit hat mich schier umgehauen, haha!

Bei der Releaseparty zum neuen Album habt ihr für eine Live-DVD aufgezeichnet. Was kann man von der DVD erwarten, was wird da alles drauf sein? Nur das komplette neue Album oder auch “Destination:Downfall”-Material”?
Wir sind noch nicht sicher, was genau zu sehen sein wird. Ursprünglich machen wir diese ganze Sache nur, weil wir, seit ich irgendwann einmal so vorlaut war, zu behaupten, dass wir alle diese peinlichen, abartigen Backstage- Party-Szenen, die sich so angesammelt haben, veröffentlichen werden, ständig Mails und Anfragen bekommen, wann man das denn nun sehen könne. Die Leute können es also nicht erwarten, dass wir uns selbst demütigen! Wir haben dann überlegt, dass wir zumindest irgendetwas halbwegs Niveauvolles dazupacken sollten… auch, wenn bei der Aufzeichnung eine schöne Menge daneben gegangen ist… aber all die kleinen Fehler – und, dass ich am Ende von der Bühne gefallen bin! – gehören für mich einfach dazu, so dass wir den Teufel tun werden, das irgendwie nachträglich zu bearbeiten. Zu erwarten ist also eine Menge Path of Golconda – authentisch und ohne Rücksicht auf guten Geschmack! Um das alles auf die Spitze zu treiben, werden wir in der nächsten Woche noch einen Videoclip produzieren, so dass man durch die DVD letztendlich einen wirklich umfassenden Eindruck von uns haben kann. Oh Gott, ob die Leute das wirklich wollen?!

Auf jeden Fall wollen das die Leute! Werdet ihr wie Dark Age auf ihrer auch dauernd euere Penisse zeigen oder bleibt und das immerhin erspart? Zu welchem Lied soll denn der Videoclip gemacht werden?
Es tut mir leid, aber ich denke nicht, dass es ein Übermaß an Penissen geben wird. Mit Gemächt zu prahlen würde unserem Understatement widersprechen… Aber ich bin zuversichtlich, dass wir über ausreichend kindischen Scheiß auf Band verfügen, um dennoch jedwedes etwaige Image, das wir haben mögen, zerstören zu können! Ich glaube, es sind inzwischen 30 Stunden an sinnlosen Partyaufzeichnungen und genügend Szenen, mit denen der ein oder andere von uns ernsthafte Probleme im sonstigen Leben bekommen könnte! Wir werden sehen, was es letztlich auf die DVD schafft. Den Clip machen wir voraussichtlich zu „Foul Winds through Utopia“.

Im Vorfeld lief das Eröffnungsspiel zur Fußball-WM. War die Stimmung beim Konzert nach dem Auftaktsieg gleich noch ein Stückchen besser?
Nun ja, Fußball hat ja den Vorteil, dass man einfach immer saufen kann: Ob die Mannschaft nun verliert oder gewinnt, einen Grund gibt\’s immer. Eigentlich war das aber eher der Versuch, aus einer Not eine Tugend zu machen, da wir nun mal an diesem Termin das Konzert hatten und den Leuten einen Anreiz bieten mussten, ihre Couch zu verlassen. Ich fand es sehr deprimierend, auf die Bühne zu gehen, nachdem sich die Leute vorher anderthalb Stunden lang wenigstens halbwegs fitte Menschen angesehen haben, haha!

Da das Album nun im Kasten ist, habt ihr jetzt ja wieder Zeit für Konzerte. Bis zum Zabbaduschder ist es ja nun nicht mehr weit, nach dem Up From The Ground 2005 immerhin noch ein Festival, dass sich inzwischen einen guten Namen gemacht hat und ein paar große Bands aufbietet. In einem älteren Interview habe ich gelesen, dass ihr mal auf der Wacken Mainstage spielen wollt, steht das noch immer als Ziel?
Ehrlich gesagt war das nie mein erklärtes Ziel. Wichtig ist, gute Stimmung zu haben auf Konzerten, bei denen die Leute was geboten kriegen. Daher war es eine besondere Ehre für uns, auf dem Up From The Ground spielen zu können, was meiner Meinung nach wirklich ein Musterbeispiel für ein geiles, fanfreundliches Festival ist. Wir hoffen jetzt, dass das ein Zabbaduschder vergleichbar cooles Festival ist… auch, wenn es mir immer noch sehr schwer fällt, den Namen dieses Festivals richtig zu schreiben…

Die Frage muss einfach sein: Melden sich wirklich keine gescheiten Labels bei euch? Mir ist das unverständlich. Der einzige Grund kann ja beinahe nur sein, dass euere Musik nicht in drei Worten zu beschreiben ist.
Nein, tun sie nicht! Ich habe keine Ahnung, warum, und es ist schon ätzend, dermaßen ignoriert zu werden. Aber ich maße mir nicht an, die Beweggründe der Labels verstehen zu wollen… scheinbar sind wir nicht in das aktuelle Programm zu integrieren… wir sind wohl die Schmuddelkinder des Metal. Was soll\’s? Wir werden sehen, ob die neue Scheibe für mehr Reaktionen sorgt.

Geniest ihr die labellose Zeit immerhin in der Hinsicht, dass ihr so auf nichts und niemanden in Sachen Songwriting Rücksicht nehmen müsst? Würdet ihr euch von einem Label gewisse Vorgaben machen lassen?
Wenn wir bei einem Label unterschreiben würden, dann nur, wenn klar ist, dass wir weiterhin so arbeiten können, wie wir es für richtig halten. Ich wüsste auch nicht, was ein Label dagegen haben sollte. Was die wirtschaftliche Seite angeht kann ich mir schon vorstellen, dass es einige nervige Kompromisse geben würde – aber die müssen wir jetzt auch schon machen, nur eben selbst.

Was ist aus dem hübschen Arbeitstitel “The Blood Of Pingu” geworden?
Haha, wir haben uns im letzten Moment gegen den Titel entschieden, obwohl ich nach wir vor überzeugt bin, dass er, was poetisch-bewegende Dramatik anbetrifft, sicher eine unserer stärksten Ideen war! Wir haben uns dann doch – langweilig wie wir sind – für einen Allgemeinplatz wie „Metropolis Rotting“ entschieden. DAS wird der Grund sein, warum wir auch diesmal labeltechnisch ignoriert werden, haha!

Freust du dich, dass ich nicht nach der Bedeutung des Bandnamens frage, weil man das eh lang und breit erklärt auf euerer Internetseite (anstatt einer Standard-Biografie ;)) finden kann?
Danke! Das ist das schönste Geschenk, das Du mir machen kannst!

Besser als Black Jack und Nutten?
Nichts ist besser als nicht nach der Bedeutung gefragt zu werden, haha!

Wie bekommt ihr momentan die Band und das alltägliche Arbeitsleben in Kombination in den Griff? Bei euch dürfte das teils doch recht stressig sein, inzwischen seid ihr ja auch alles andere als unbekannt.
Natürlich ist das stressig. Man tut, was man kann, und es bleibt leider nicht aus, dass am meisten das Privatleben darunter leidet. Meine Freundin hat fast gekotzt, als ich ihr offenbart habe, dass aus unserem ersten Urlaub seit wer-weiß-wie-vielen Jahren nichts wird, weil wir auf dem Bands Battle auftreten. Also mussten wir das kombinieren, so dass wir uns politisch-korrekt und vorbildlichst-unvereingenommen für einen Kurzurlaub in einer „No-Go-Area“ im Osten entschieden haben! Was tut man nicht alles, haha… aber am ärgerlichsten ist sicherlich, dass
wir zum Beispiel Tourpläne nur sehr zögerlich angehen können, weil es immer schwierig ist, für längere Zeit frei zu nehmen.

Warum um alles in der Welt hat man sich dazu entschlossen einen Path of Golconda – Regenschirm anzubieten? Im Gegensatz dazu gibt es Girlies, aber keine Shirts. So werdet ihr nie reich.
Ups, meinst Du, dass wir betriebswirtschaftlich wohl eher Nachholbedarf haben?! Hey, der Schirm war eigentlich nur ein Gag für das Benefizfestival für diesen Typen, der letztes Jahr auf dem Wacken gestorben ist. Die wollten etwas Besonderes für eine Verlosung… uns haben dann aber so viele Leute nach diesem Schirm gefragt, dass wir ihn nun offiziell anbieten. Komm, er ist schon schön! Dass T-Shirts aber auch gar nicht so schlecht sind, ist uns dabei durchaus klar, haha! Wir warten immer noch auf die Shirts zur neuen Platte – aber durch die WM scheinen sämtliche Druckereien Probleme zu haben, ausreichend Textilien ranzuschaffen. In nächster Zeit wird es aber definitiv endlich wieder Shirts geben!

Ich biete dir hier die einmalige und nie wiederkehrende Möglichkeit auf letzte abschließende Worte! Möchtest du diese Chance nutzen?
Danke! – Nicht nur für dieses angenehme Interview sondern auch für die Möglichkeit zu DIESEN abschließenden Worten!!! Ich hoffe, die Leute lieben das Album so wie wir es tun und, dass wir noch häufig miteinander zu tun haben werden, weil wir noch häufig CDs aufnehmen und Konzerte spielen werden! Und wenn Du noch mal schreibst, dass wir das Tempo gedrosselt haben, werde ich Dich beim nächsten Mal zwingen, uns im Studio zu besuchen und meine verschwitzten Shirts zu waschen, haha!


Geschrieben am 2. Juli 2006 von Stefan Popp


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