Interview mit Mariusz Duda von Riverside

Im Rahmen der „Second LIVE Syndrome“-Tour von RIVERSIDE hatten unsere Redakteure Sebastian Mack und Daniel Hinrichsmeyer die Gelegenheit, mit Sänger und Bassist Mariusz Duda zu sprechen. Nach dem Gig in belgischen Verviers erfuhren sie einiges über die Band und ihre zukünftigen Pläne.

Hi Mariusz! Danke, dass du dir kurz Zeit nimmst, um dieses Interview mit uns zu führen.
Kein Problem, das gehört dazu, wenn du Musiker bist.

Erstmal möchten wir euch zu dem fantastischen Gig gratulieren! Hat wirklich eine Menge Spaß gemacht! Wie war die Tour bisher? Wie habt ihr euch auf der Bühne gefühlt? Geht das Publikum ordentlich mit?
Unsere „Second LIVE Syndrome“-Tour ist ja in Polen gestartet. Wir haben dort dreizehn Shows gespielt. Es waren eine ganze Menge Leute da. Wir sind beinahe etwas geschockt, weil wir nicht damit gerechnet haben, dass wir schon nach der Veröffentlichung unseres zweiten Albums vor so vielen Zuschauern spielen. Außerhalb von unserem Heimatland ist es genauso. Bei unseren zwei Deutschland-Konzerten waren jeweils 300 Leute. Gestern in Holland waren sogar 700. Der Laden war echt voll! Das Publikum heute war auch echt enthusiastisch!

Eure Tour scheint in der Tat sehr gut zu laufen!
Ja, jetzt wissen wir „das etwas begonnen hat“. Ich denke wir müssen uns jetzt in jeder Hinsicht weiterentwickeln. Als erste Konsequenz haben wir entschieden, unsere Jobs zu kündigen. Wir machen jetzt seit 5 Jahren zusammen Musik und nun ist der Moment, in dem wir diese Entscheidung gefällt haben. Und es ist auch entgültig. Unser Gitarrist hat schon gekündigt, ich werde dies Ende Mai tun. Es ist sehr schwierig, die Band und einen alltäglichen Job zeitlich unterzubringen. Ich denke wir haben jetzt eine Chance, noch bekannter und größer zu werden, und die sollten wir nutzen! Dann haben wir Zeit für allerlei Dinge, insbesondere natürlich für die Aufnahme unseres dritten Albums.

Eure steigende Bekanntheit habt ihr doch vor allem InsideOut Music zu verdanken, oder? Ich denke, sie haben euer Album wirklich gut promotet. Da hat sich der Labelwechsel für euch doch gelohnt. Ihr scheint so etwas wie „die neue Hoffnung für Progrock“ zu sein. Ist es schwer für euch, mit dem Erfolg umzugehen? Ist die Entscheidung, eure Jobs zu kündigen, eventuell sogar ein Ergebnis dieses Erfolgs?
Ein bisschen ganz bestimmt. Aber es ist das Ergebnis von allem. InsideOut hat sicherlich einen großen Teil zum Erfolg beigetragen. Aber die Reaktionen des Publikums sind die Antworten auf unsere Fragen, und wir müssen unsere Schlüsse daraus ziehen.

Habt ihr festgestellt, dass die Leute, die zu euren Konzerten kommen, nicht nur Progfans sind, sondern auch aus ganz anderen musikalischen Lagern kommen?
Das ist völlig richtig. Es ist schon seltsam, 15-jährige Mädchen im Riverside-Shirt zu sehen, die mit ihren Eltern kommen. Das ist großartig!

Ja, bei euch sind eine Menge mehr Mädels, als auf klassischen Prog-Konzerten…
Ja, endlich!

Wie würdest du jemandem eure Platte „Second Life Syndrome“ beschreiben, der noch nie einen eine Ton von euch gehört hat?
Ich sage immer, dass die Musik von Riverside durch Kontraste lebt. Es gibt bei uns Traurigkeit, Spaß, Geflüster bzw. leise Passagen und Schreie bzw. aggressive Elemente. Das sind die vier Wörter, die am besten beschreiben, wie wir spielen.

Und wie würdest du Progressive Rock generell beschreiben?
Es ist sehr schwer, Musik zu spielen, die frisch und neu klingt. So gut wie alles ist schon mal da gewesen. Wir vereinigen in unserer Musik neue und frische Impulse von Bands wie Opeth und Porcupine Tree und Einflüsse von den klassischen Progbands der 70er Jahre. Das Publikum scheint das zu mögen! Wenn wir komponieren, treffen die Ideen von vier verschiedenen musikalischen Welten, von uns vier Köpfen, aufeinander. Und jeder von uns muss das, was wir machen, auch mögen, z.B. unser Schlagzeuger, dem eher Death Metal gefällt. Es ist schwer, hier die beste Lösung zu finden. Wir suchen immer den Weg, der uns alle zufrieden stellt.

Eure Musik ist zwar sehr technisch, doch Emotionen scheinen bei euch noch eine größere Rolle zu spielen…
Wir bevorzugen es, weniger Töne zu spielen, diese dafür aber ganz hervorragend. Nicht diesen technischen Kram, wie es zum Beispiel Dream Theater tun.

Aber es gibt bei euch trotzdem solche Passagen, wie z.B. die drei „Reality Dream“-Instrumentals…
Natürlich. Wir mögen es, Spaß mit den Drums und den Rhythmen zu haben. Aber für Riverside sind die Melodien das Wichtigste. Wir versuchen immer, gute Melodien zu finden. Es hat sich etwas in der Musikwelt verändert in den letzten Jahren. Denkt zum Beispiel an Techno, da geht es nur um Rhythmus. Und die Musik klingt immer gleich. All diese Bands spielen die gleiche Musik! Und wir wollen anders klingen als alle Bands da draußen, vor allem aufgrund unserer Melodien.

Wenn Melodien für eure Musik so wichtig sind, denkst du, dass ein „guter“ Song nur entstehen kann, wenn er viele Emotionen in der Melodie transportiert?
Ja, Emotionen sind sehr wichtig. Wir versuchen immer, emotionale Songs zu schreiben.

Während der Show ist uns aufgefallen, dass ihr wirklich auch in eurer eigenen Musik versinkt, eure Augen schließt und mitfüllt. Verarbeitet ihr Persönliches in euren Songs und Lyrics?
In all unseren Songs haben die Emotionen eine sehr persönlichen Hintergrund. Wenn wir auf der Bühne stehen, wollen wir sozusagen auch erklären und zeigen, wie wir uns bei unserer Musik fühlen. Wir spielen nur unsere Musik und sind wir selbst. Das ist genau der Grund, warum ich auf der Bühne keine seltsamen Dinge trage oder mein Gesicht bemale.

Das du eben darüber sprachst, dass Riverside eine Band voller Kontraste ist, ist eigentlich ziemlich interessant. Eure Musik ist oft sehr traurig und zurückhaltend, aber wenn man euch auf der Bühne sieht, habt ihr auch eine Menge Spaß.
Ja, das stimmt. Ich denke, Riverside hat zwei Gesichter. Man muss die Alben und die Konzerte auseinanderhalten. Auf der Bühne sind wir immer etwas härter und transportieren mehr Energie.

Du hast eben schon kurz angesprochen, dass ein paar deiner Bandkollegen früher in Death- oder Doommetal-Bands gespielt haben. Dieser Einfluss hat ja auch den Weg in eure jetzige Musik gefunden, z.B. in deinen Growls. Werden diese Elemente zukünftig einen noch größeren Raum in eurer Musik einnehmen?
Es kann sein, dass das auch eine weitere Antwort auf die Frage ist, wie wir jetzt noch bekannter wurden. Ich denke, dass liegt auch an unserem Schlagzeuger. Denn manchmal passt sein Stil nicht wirklich zu progressiver Musik. Er spielt manchmal, als sei er in einer Deathmetal-Band. Und ich denke, unsere Kombination aus diesem Schlagzeugstil und den typischen Gitarren und Prog-Keyboards, die zum Beispiel klingen wie….äh…..Emerson, Lake & Palmer, ist sehr frisch. Aber wir werden sehen, was wir zukünftig für Einflüsse in den Riverside-Sound einbringen, vielleicht machen wir ja auch ein paar Blastbeats! Wer weiß!

Du hast bereits gesagt, dass du Opeth magst, da klingt das nicht so unlogisch…
Ja, aber wir wollen nicht klingen wie Opeth. Die Musik von Opeth beinhaltet enorme Kontraste: Es gibt sehr sehr softe und auch brachial-harte Parts. Und wir wollen unsere eigene Lösung, unsere eigene Mischung finden. Aber vielleicht wird es härtere Elemente geben.

Eure ersten beiden Alben sind Konzeptalben. Was ist die Story, die sich in den Texten versteckt?
Das ist richtig. Unser Konzept heißt „Reality Dream“-Trilogie. Wir haben entschieden, drei verschiedene Alben aufzunehmen, die auch unterschiedlich klingen. Und das ist dann eine ganze Geschichte, über einen Held, der sich selbst zu finden versucht. Wir haben jetzt zwei Alben und planen, das die dritte Platte so um den April / Mai 2007 zu veröffentlichen. Also müsst ihr euch noch ein bisschen gedulden!

Wenn du den Unterschied zwischen eurem Debüt „Out Of Myself“ und dem Zweitling „Second Life Syndrome“ beschreiben müsstest, was würdest du sagen?
Ich denke unser zweites Album ist eine ganze Ecke düsterer und härter. Unser erstes Album war recht melodiös, die Melodien erinnern fast an ein Popalbum. Es hat sich dem Hörer schnell erschlossen. Du hast es nur einmal gehört und gesagt „das klingt aber nett“. „Second Life Syndrome“ hingegen musst du einige Male hören, bist du weißt, was wir damit ausdrücken wollten. Ich hab gehört, dass es viele Leute nach dem ersten Hören nicht sonderlich mochten und komisch fanden, nach drei bis vier Durchlaufen aber erkannten, dass es doch ein gutes Album ist! Ich weiß nicht, wie genau unser drittes Album klingen wird, aber ich hoffe natürlich, dass es das Niveau der beiden Vorgänger halten wird.

Wann hast du explizit begonnen, dich für Musik zu interessieren und ein Instrument zu spielen?
Bevor wir mit Riverside angefangen haben, hat jeder von uns Erfahrungen in eigenen Bands gesammelt, vielleicht für so etwa 10 Jahre. Riverside gibt es jetzt seit 5 Jahren. Also haben wir das erste Mal vor ca. 15 Jahren darüber nachgedacht, Musik zu machen. Wir sind schon dreißig und alte Kerle, wir haben also schon etwas Erfahrung! Als wir dann begannen, uns mit Riverside zu beschäftigen, haben wir erkannt, dass unsere Musik vielleicht auch anderen Leuten gefallen könnte. Wir dachten, lass uns mal anfangen, vielleicht gibt es ja in Zukunft einige Leute, die mit unserer Musik glücklich sind und denen sie etwas bedeutet. Und nun ist etwas passiert, einfach so, und es wächst noch weiter….und wir sind wirklich richtig shockiert…! Und das ging alles sehr schnell! Als wir letztes Jahr hier im „Spirit Of 66“ gespielt haben, waren hier nur 60 Leute.

Mit ungefähr so vielen Leuten hatten wir heute auch gerechnet. Wir waren echt überrascht!
Ja, heute waren es etwa 300 Zuschauer. Das sind großartige Neuigkeiten!

Gibt es denn irgendwelche Künstler oder Bands, mit denen ihr mal gerne auf Tour gehen würdet?
Eigentlich nur bedingt. Wobei wir natürlich schon gern mal mit einer richtig großen Band touren würden, z.B. Pink Floyd, Rush oder Tool.

Ich hatte den Wunschtraum, dass ihr mit SAGA auf Tour kommt. Die sind ja jetzt auch bei InsideOut und auch gerade auf Tour. Und obwohl eure Musik vielleicht sogar noch komplexer ist, wäre das doch eine tolle Möglichkeit für euch gewesen, vor einem größeren Publikum zu spielen (sm).
Wir haben jetzt Chancen mit ein paar Bands zu spielen. Vor ein paar Jahren, konnten wir nur Musik aufnehmen. Jetzt träumen wir natürlich davon mit Bands zu spielen, an die man nur schwer rankommen kann. Deshalb auch Pink Floyd.

Wobei es schon ein Wunder wäre, wenn Pink Floyd überhaupt wieder Konzerte spielen würden! Zusammen mit Riverside wäre das natürlich traumhaft!
Ja. Wir werden dieses Jahr auch ein Festival spielen: „Masters Of Rock“ in Tschechien mit Bands wie Kreator, Halloween und ähnlichem. Aber auch The Gathering sind dabei. Und eben Riverside.

In Deutschland gibt es eine Band namens Sylvan, kennst du die Gruppe? (sm)
Ja, wir haben schon zwei Konzerte zusammen gespielt. Die sind sehr nett. Ich hab gehört, sie haben jetzt auch ihr neues Album aufgenommen. Hast du es schon gehört?

Ja, „Posthumous Silence“. Ich hab es seit einer Woche und liebe es! (sm)
Du trägt ja auch ein Sylvan-Shirt! Wir mögen ihr Album „Artificial Paradise“ wirklich sehr.

Abgesehen vom Debütalbum sind eigentliche alle Alben von denen sehr gut. Das erste war mit zu sehr im typischen Marillion-Neoprog-Stil (sm)
Wir mögen „Artificial Paradise“ vor allem, wie ich schon sagte, weil wir auf gute Melodien achten. Deswegen haben wir sie eingeladen, mit uns zu spielen. Wer weiß, vielleicht spielen wir ja schon bald wieder zusammen.

Das würde mich sehr freuen! (sm) Ich denke, damit sind wir auch so gut wie fertig. Der letzte Teil unserer Interviews bei Metal1.Info ist immer eine Art Brainstorming. Sag einfach, was du spontan denkst, wenn du folgende Begriffe hörst:

USA: Wir haben gerade unsere Visas bekommen und werden in die USA fliegen, um dort auf dem Nearfest zu spielen. Die Karten für dieses Festival waren in 30 Minuten ausverkauft. Das ist ein riesiges Progfestival. Da werden 10000 Zuschauer sein! Die Ozric Tentacles werden dieses Jahr auch da sein. Das wird ein großes Abenteuer.
Sonntag: Schlafen! Ja, im Bett schlafen!
Stanley Kubrick: Ich bin ein großer Fan von Stanley Kubrick. Sein Film „Clockwork Orange“ mit Malcolm McLaren hat mir sehr gut gefallen.
Polnische Traditionen: Eine komische Frage. Wenn wir jemanden zu uns einladen, haben wir immer einen Tisch voller Köstlichkeiten. Gastfreundschaft wird bei uns groß geschrieben.
Liebe: Eine sehr wichtige Sache. In all den traurigen Momenten in unserer Musik singen wir über Liebe.
Tool: Ich möchte unbedingt ihr neues Album hören. Ich bin sehr gespannt drauf!
Religion: Eine sehr wichtige Sache.
Drogen: Nehme ich nicht.
Lebensmotto: Sei du selbst! Das gilt auch für Riverside. Wir werden nie eine Porcupine Tree-Coverband sein, wir sind Riverside! Auch, wenn es Probleme mit unserem Label oder unseren Fans geben sollte, die gerne ein anders klingendes Album von uns hören würden. Wir werden immer wir selbst bleiben.
Metal1.Info: Wenn ich nach Hause komme, werde ich die Seite besuchen. Habt ihr auch was in Englisch?

Wie immer überlassen wir unserem Interviewpartner das letzte Wort!
Ja, ich würde gern allen Metal1.Info-Lesern „Hallo“ sagen!

Also, damit bedanken wir uns bei dir für dieses Interview! Alles Gute für eure weiteren Konzerte.
Ja, danke euch. Kommt gut nach Hause!


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