Interview mit Olli von Sycronomica

Und wieder einmal hatten wir das Vergnügen, mit Sycronomica-Olli sprechen. Diesmal geht es neben – natürlich – dem neuen Album “Gate” um Männergetränke und schwule Wikinger.

Hey Olli. Danke für ein weiteres Interview mit Metal1.info. Wie geht es dir nur?
Mir geht’s ganz gut soweit. Seit Sommer war es ziemlich stressig bezgl. der ganzen Aufnahmen, grafischen Dingen, Promoterminen, usw. Aber nun hat ja alles geklappt und der Silberling ist endlich veröffentlicht.

Herrje, fast zwei geschlagene Jahre sind seit dem letzten Interview vergangen. Die Zeit vergeht viel zu schnell, findest du nicht auch? Keine Angst, hier kommen gleich auch noch ernsthafte Fragen.
Tja, die Zeit vergeht immer schneller je älter man wird…

Euer neues Album ist jetzt wohl draußen. Bist du zufrieden mit dem, was dabei rausgekommen ist? Gibt’s schon etwas, wovon ihr wisst, dass ihr es besser machen wollt?
Wie immer ist man selber am kritischsten und natürlich gibt es die ein oder andere Kleinigkeit, die hätte besser werden können. Aber wenn’s nicht so wäre, könnte man sich ja auch schlecht zum nächsten Album hin steigern. Die meisten Dinge aber hört sowieso wohl nur einer von uns oder unsere Studioleute… Jedenfalls sehen wir „Gate“ als logische Weiterentwicklung zum Vorgängeralbum „Paths“, sowohl musikalisch als auch produktionstechnisch. Wir sind mit dem Ergebnis hoch zufrieden!

Der Spaß wird diesmal über Armageddon und nicht mehr durch Black Attakk veröffentlicht. Warum der Wechsel? Wart ihr in irgendeiner Weise mit Black Attakk unzufrieden (wie Equilibrium)?
Ich versuche es mal kurz zu halten. Klar gab’s Probleme, sonst wären wir nicht gewechselt. Trotz mündlicher Zusage wurde von seitens BA die nötige Option für ein weiteres Album nicht vertragskonform gezogen, wir waren also offiziell vertragsfrei. Aus dem Grund haben wir uns nat. umgesehen und haben Bewerbungen an die verschiedensten Labels versendet. Mit Armageddon kam ich durch ein interessantes Gespräch mit Sabina Classen (Holy Moses + A&R bei Armageddon) auf ‘nem Moses-Konzert in Kontakt. Sie wollte unsere damals aktuelle Scheibe haben und der Kontakt ist geblieben. Interesse war da und so kam eines zum anderen. Ein absoluter Glücksfall!!!

Armageddon ist ja Mitveranstalter in Wacken, kann man also – wenn’s gut läuft – mit einem Auftritt von euch rechnen?
Tja, wir werden sehen… ;) Jedenfalls waren wir dieses Jahr schon in „offizieller Mission“ mit der Band in Wacken und haben im Pressezelt Backstage vor Journalisten ne Pre-Listening Session absolviert. War ne tolle Sache und sehr interessant mal hinter die Kulissen eines solch großen Festivals zu blicken. Der Wacken-Urlaub für nächsten Jahr ist auf alle Fälle schon mal genommen – ob wir dann auch spielen wird sich zeigen!!!

Eure Kollegen von Equilibrium haben jetzt ja auch den großen Wurf geschafft und sind beim ultimativen Majorlabel Nuclear Blast gelandet. Was hältst du davon? Könntest du dir vorstellen, einen Plattendeal mit Nuclear Blast aus “moralischen Gründen”( ;-) ) abzulehnen?
Da wir ja guten Kontakt zu „Effibrilium“ pflegen, René auch zu den Helion-Studios gehört und bei „Gate“ maßgeblich am Mischpult etc. beteiligt war, wussten wir, dass mit Blast bereits schon länger. Klar gönnen wir das den Jungs und Mädls und wir hoffen für sie, dass alles so läuft, wie sie sich das vorstellen. Selber habe ich mich mit dem Gedanken noch nicht wirklich befasst und bin zur Zeit froh, eine gute Zusammenarbeit mit Armageddon zu haben.

Okay, dann kommen wir mal zum eigentlichen Teil des Interviews. Wie aus meiner Review hervorgeht, bin ich von eurem neuen Werk nicht ganz so angetan wie damals von “Paths”, obgleich man euch keinen Schritt rückwärts vorwerfen kann, was das Songwriting angeht, eher das Gegenteil. An welchen Stellen habt ihr absichtlich gefeilt und was habt ihr bewusst geändert?
Jaja, ich hab dein Review schon gelesen. Den Sprung von 10 Punkte für „Paths“ zu 6,5 Punkten für „Gate“ kann ich zwar nicht ganz nachvollziehen, aber das ist ja auch deine Beurteilung. Ich weiß ja auch nicht, wie oft du dir das Album angehört hast, aber ich denke es entwickelt sich erst nach mehrmaligen Durchläufen. Und das war auch mit ein Ziel von uns, um es einfach interessanter für den aufmerksamen Zuhörer zu machen – eben immer wieder ein neues Detail zu hören. Geändert zum ersten Album hat sich die Tatsache, dass wir mit zwei Gitarren diesmal arbeiten konnten und die Keys nicht mehr ganz so dominant sind. Ebenso ist das Material in einem Zeitraum von zwei Jahren entstanden. Bei „Paths“ haben es ja die – unserer Meinung nach – besten Stücke aus fast sechs Jahren Bandgeschichte aufs Album geschafft, was dann aus unserer Sicht nicht so homogen klang wie jetzt bei „Gate“.

Mir fehlt stellenweise irgendwie die ohrwurmige und eingängige Naivität; die Songs versuchen öfter durch etwas anspruchsvollere Strukturen zu trumpfen, was aber erst nach vielen Hördurchgängen so wirklich möglich ist und selbst dann hat man das Gefühl, dass das Beste am Album immer viel zu kurz kommt. “Paths” konnte man einmal durchhören und dann entweder “Geil!” oder “Scheiße!” sagen. Wolltet ihr von vornherein etwas komplexeres machen?
Das ist kurios, da viele Schreiberling und Kollegen das ganz anders sehen als du. Also ich denke schon, dass die ein oder anderen „ohrwurmvergleichbaren“ Melodien vorhanden sind. Bin mir da eigentlich sogar sicher! Meist sind es die Alben, die sich wie angesprochen erst nach mehreren Rotationen wirklich entfalten. Und von diesen Scheiben hat man dann auch länger etwas. So geht’s mir jedenfalls. Klar ist es toll, wenn man sofort merkt „Top“ oder „Flop“, aber ganz so einfach ist das bei uns eben nicht. Wir legen schon wert auf Komplexität, feilen lang an den einzelnen Sequenzen der Songs und müssen uns auch aufgrund dessen öfters sagen lassen, das unsere Stücke zum Teil überladen an Ideen sind, und das weniger mehr gewesen wäre (ähnlich wie bei dir!). Andererseits wird genau diese Tatsache wiederum geschätzt. Also ist es schwer, das ultimative Rezept zu finden. Wir versuchen eben unsere Musik so zu gestalten, dass in erster Linie wir selber nicht den Anspruch an uns verlieren.

Diesmal sind ganze drei deutschsprachige Songs auf dem Album vertreten, auf “Paths” nur ein einziger. War auch das beabsichtigt oder eher Zufall? Wann zieht ihr die deutsche Sprache der Englischen vor und aus welchem Grund?
„Durch das Geäst“ war der einzige auf deutsch gehaltene Song auf „Paths“ und auch einer der wenigen Songs, die nicht von meiner Feder stammten. Mittlerweile habe ich für mich gemerkt, dass ich gewisse Thematiken und Geschichten eher in meiner Heimatsprache ausdrücken will, weil sich bei mir da eben alles im Kopf auf deutsch abspielt. Das wird auch in Zukunft so sein. Ich merke beim hören neuer Parts oder Strukturen in den jeweiligen Proben sehr schnell, für welche Sprache ich mich entscheiden will. Und außerdem ist doch Deutsch eh die Sprache der Dichter und Denker, wie es unserer ehemalige Bassist Max immer ausgedrückt hat. Und damit hat er einfach recht!

Habt ihr jemals darüber nachtgedacht, statt den Synthesizerparts echte Instrumente zu verwenden oder ist das bereits geschehen und wenn ja in wie weit?
Tja, wenn du uns die Kohle für ein Orchester leihst, dann machen wir das gerne beim nächsten Mal. Im Ernst, auf „Gate“ ist ja z.B. eine echte Geige zu hören. Ursprünglich hatten wir auch vor, den einen oder anderen weiteren Gastmusiker mit an Bord zu holen, aber aus zeitlichen Gründen hat das diesmal leider nicht weiter funktioniert. Mittlerweile ist aber die Software in den Studios schon soweit, dass man recht nahe ans Original rankommt. Fast eben.

Mein Kollege Nicolai meinte, du meintest auf dem Eisenwahn, dass das Label meinte, lieber kürzere CDs zu veröffentlichen als – wie ihn eurem Falle mit 50 Minuten – längere CDs. Kannst du das etwas genauer erläutern?
Meinte ich das!!! ;) Naja, sieh es doch mal aus der kommerziellen Sicht. Lieber in vier Jahren drei Alben mit 40 Min rausbringen als in der gleichen Zeit zwei Alben mit je 60 Min. So wird das von dem ein oder anderen Label gesehen und dementsprechende Vorgaben bekommt man dann. Unser Album ist ja knapp 50 Min lang. Also vollkommen ok würd\’ ich sagen. Die über 60 Min. bei „Paths“ waren damals value for money, da wir so viel Material eben hatten und es dem Label egal war.

Euer Bassist Max ist ausgestiegen und macht jetzt mit Helfahrt weiter. Gibt es da genauere Hintergründe, die du uns erzählen kannst? Habt ihr bereits (potentiellen) Ersatz gefunden?
Ob das jetzt der Max gerne hört oder nicht, kann ich nicht sagen, aber eigentlich wurde er „ausgestiegen“. Es gab halt einen Zeitpunkt, wo sowohl er als auch wir gemerkt haben, dass man nicht mehr unbedingt am gleichen Strang zieht und es war deutlich für jeden Beteiligten zu spüren, wo seine Prioritäten lagen – eben bei Helfahrt – und so wirklich verübeln tut ihm das keiner von uns. Aber trotzdem war der Tag gekommen, an dem man sich entscheiden musste, und letztendlich haben wir eben final entschieden, was für Sycronomica das bessere ist. Trotzdem hat das an dem Verhältnis zwischen Max und uns trotz anfänglicher Schwierigkeiten nichts geändert. Wir sind ja schließlich alle alt genug. Ich halte Helfahrt für eine sehr talentierte Band von der man sicherlich auch noch so einiges hören wird. Wir teilen uns in München einen Proberaum und von daher werden wir immer guten Kontakt zu Max und Helfahrt haben. Offiziell einen Nachfolger am Langholz gibt es noch nicht, allerdings ist es logisch, dass wir uns den ein oder anderen Bewerber schon angesehen haben. Anfang Dezember werden wir für ein paar Tage mit den Apoklyptischen Reitern touren und für diese Zeit und eventuell auch für folgende Live-Auftritte danach haben wir einen Session-Basser mit an Bord.

Werdet ihr das nächste Pagan Nights Open Air mit eurer Anwesenheit beehren?
Leider finden diese ja nicht mehr statt (ich glaube aus Problemen mit der Location), aber ich freue mich, dass die Veranstalter um unsere bayrische Freunde und Kollegen von Wolfchant nun die eigentlich gestorbenen Walpurgis-Metal-Days übernehmen, das in der gleichen Region stattfinden wird. Zu sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird man uns da auch „livehaftig“ bewundern dürfen. Mindestens als Besucher wird man uns vor Ort aber in jedem Fall sehen.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass ihr Schlingel mit einer Jägermeisterflasche die erste Reihe auf Konzerten zum Alkoholismus bekehren wollt! Wie und wann ist diese Tradition entstanden?
Ja, das stimmt! Das ist an einem Wochenende Anfang 2005 entstanden, als wir ein paar Tage mit „Gayquilibrium“ unterwegs waren. Der Helge von „Equilirium“ verteilt ja bei „Met“ immer selbigen ins Publikum. Und da wollten wir halt mit \’nem „Männergetränk“ kontern. War ein lustiger Spaß, vor allem weil Helge und ich dann auch zusammen die jeweiligen „Alkohol fürs Volk“-Lieder gesungen haben. Er bei Sycronomica und ich bei „Effibrilium“. War eine rießen Gaudi und das haben wir dann irgendwie beibehalten.

Jetzt bist du schon mal da, da können wir auch noch ein bisschen Brainstormen. Ich hoffe, du hast dein Wörterbuch mitgebracht!
Hammerfall: Leck haben wir die 2002 oder 2003 auf dem Wacken im Suff mit dem Besitzer von nem Crèpes-Stand abgefeiert. Ich glaube, wir sind im Ringelrei um seine Bude getanzt!!!!!!!
Stoiber: Unser Ede! Toller Mann und so ausdrucksstark und wortgewandt!!!!
Austin Powers: In Waynes World war Mr. Myers kultiger, oder MiniMe?
Starcraft und Black Metal (Disiplin): Auf was will er hier bloß hinaus, mmhhhhh….!
Jon Nödtveidt & The Gang: Genie und Wahnsinn! Anfänglich Genie, später wahnsinnig!!!
H.R. Giger: Ich stehe eigentlich überhaupt nicht auf SciFi, drum geben mir seine Werke, Bilder und Skulpturen auch nicht wirklich viel. Ich bin mehr so der „Malen nach Zahlen“-Typ, wenn’s um solche Kunst geht.
Leberknödel: Ich habe keine Ahnung auf was du anspielst!!!!!!
Metal1.info: Gastgeber der Leberknödelschlacht auf dem Ragnarök 2006, muahaha!

Ok, das wars dann auch schon wieder. In zwei Jahren werden wir sicher wieder hier stehen und unsere Haare im Wind wehen lassen. Zwischendrin sehen wir uns aber erstmal auf dem 4. Ragnarök. Supi! Jetzt darfst du sogar noch was sagen, wenn du willst. ;-)
Dann sage ich mal artig Dankeschön an dich, Moritz und das Metal1.info Team, und hoffe, dass sich der ein oder andere beim Ragnarök mit dir vor die Bühne verirrt. Werden da unseren Videoclip zu „Beyond The Gate Of Light“ drehen und würden uns über ein paar Freaks in denn ersten Reihen sehr freuen. Cheerz!


Geschrieben am 29. November 2006 von Moritz Krüger

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