Interview mit The Sandsacks

Nachdem sie sich einen zusätzlichen Bassisten an Bord geholt haben, sagten sich die Berliner THE SANDSACKS: „Irish Folk oder Mittelalter – wir spielen beides!“ Diverse Banderfahrungen haben alle Mitglieder in jeweils gut 10 Jahren gesammelt, bevor nun unter neuer Flagge das erste Album „Telling the truth“ erschien, das noch am ehesten mit einer Mischung aus Corvus Corax und Fiddler’s Green zu vergleichen ist.

Beschreibt kurz euren musikalischen Werdegang: In welchen Bereichen liegen die Wurzeln der einzelnen Bandmitglieder?
Wir kommen vor allem aus der Rock bzw. Metal Richtung und haben außerdem alle viel Erfahrung in Bands wie Thanateros, Ars Moriendi, Spilwut, Tipelklimper, Villons Erben uvm. sammeln können.

Wie würdet Ihr „Neulingen“ mittelalterliche Musik erklären?
Die Musik ist archaisch, echt und voller Energie. Und vor allem handgemacht!

Wie kann man ihnen diese Art von Musik zugänglich machen außer durch moderne Einflüsse?
Einfach eine Burg oder eine mittelalterliche Ruine in der Abenddämmerung aufsuchen und dann diese Musik hören – das ist wie eine Zeitreise.

Wo liegen die Unterschiede von Euch zu anderen Mittelalterbands und was sorgt für Widererkennungswert bei eurer Musik?
Wir achten sehr auf klare Strukturen in den Songs, abwechslungsreiche treibende Rhythmen und gut aufeinander abgestimmte Melodieinstrumente. Mit wenig Mitteln (Musikern) wollen wir so viel wie möglich erreichen. Vor allem hebt uns aber die Tatsache ab, dass wir auch Irish Folk Konzerte geben. Dies wird immer wichtiger und der Erfolg gibt uns dabei auch Recht.

Wodurch wird eure Musik am meisten beeinflusst (Vorbilder, Stilrichtungen, Kulturen, Religionen, usw.)?
Keine großen Einflüsse. Beim Folk die Dubliners.

Wie erklärt ihr euch die wachsende Akzeptanz eurer Musik in Deutschland auf der einen Seite und die ablehnende Haltung der Radiostationen, TV Sender, etc. auf der anderen?
Nicht kommerziell genug. Die Radio bzw. TV Sender hinken doch eh immer hinterher. Sie erkennen erst etwas, wenn es direkt vor Ihnen steht. Außerdem ist diese Musik keine Idee von irgendwelchen geldgeilen Mediengurus. Es kommt nicht aus den Staaten. Warum hören wir fast nur englische Musik in der deutschen Radiolandschaft? Gibt es keine anderen Sprachen?

Wie kann man allgemein und wie könnt ihr selbst Vorurteile wie z.B. Eintönigkeit und mangelnde Abwechslung gegenüber mittelalterlicher Musik widerlegen?
Die Frage stell ich mir eher bei einigen anderen Musikrichtungen! Was ist mit Soul oder HipHop, Techno etc.?

Welche Zielgruppen sind eurer Meinung nach besonders geeignet für Drehleiern, Dudelsäcke, Geigen, Flöten, usw.?
Ich denke, diese Art der Musik ist generationsübergreifend und beschränkt sich nicht auf einige Gruppen. Vor allem, weil es unsere Ursprünge sind und unsere Geschichte beinhaltet, gerade hier in Europa.

Welches sind die größten Irrtümer, die man leichtfertig in Verbindung mit Mittelaltermusik bringt?
Wir leben nicht in Höhlen ;-)

Eure Meinung zu Mittelaltermärkten und Konzerten dort?
Die großen Konzerte haben die Märkte verändert. Sie haben viel von der ursprünglichen Atmosphäre zerstört. Es wird immer lauter und hektischer – die Neuzeit hält Einzug.

Wortspiel (das erste, was euch zu folgenden Begriffen in den Sinn kommt):
Corvus Corax – laut
Schandmaul – kein Mittelalter
In Extremo – kenn ich
Subway to Sally – waren früher besser
Spielmänner und Spielmannsleben – viel unterwegs
Tradition oder Fortschritt – kann man verbinden
Plugged oder unplugged – beides
Tokio Hotel – was ist das ;-)


Geschrieben am 28. September 2006 von Sigi Maier

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