Interview mit Veitstanz

Mit VEITSTANZ erhält die erste Band aus der Schweiz Einzug in das Mittelalterspezial. Trotz leichter sprachlicher Barrieren ergab sich am Ende ein kleines aber feines Gespräch, das das Spektrum der verschiedenen Meinungen zu unterschiedlichen Themen noch erweitert. Lesefaule Einsteiger könnten hier eventuell einen Blick riskieren.

Beschreibt kurz euren musikalischen Werdegang: In welchen Bereichen liegen die Wurzeln der einzelnen Bandmitglieder?
Nun, wir haben schön früh begonnen, zusammen Musik zu spielen. Zuerst waren da die Metal-Bands, wo wir fleißig waren und bis hin zu progressiver experimenteller Art Musik entstehen ließen. Dann kam die Lust, freiheitstreibende Musik des Mittelalters nachzuempfinden.

Wie würdet Ihr „Neulingen“ mittelalterliche Musik erklären?
Leidenschaftliche Interpretation authentischer Musik, die sehr in die Beine geht und zum Tanzen animiert. Natürlich im passenden Gewand und den Schnabelschuhen.

Wie kann man ihnen diese Art von Musik zugänglich machen außer durch moderne Einflüsse?
Am besten ist es, sie würden ein Konzert oder einen mittelalterlichen Markt mit Ritterspielen und Gauklern besuchen.

Wo liegen die Unterschiede von Euch zu anderen Mittelalterbands und was sorgt für Widererkennungswert bei eurer Musik?
Ich wage zu behaupten, dass wir vielseitiger sind, was die Tempi und die Melodien anbetrifft. Wir sind dafür nicht so pathetisch und schwer.

Wodurch wird eure Musik am meisten beeinflusst (Vorbilder, Stilrichtungen, Kulturen, Religionen, usw.)?
Ich glaube, dass wird der Freiheitsdrang sein, der in uns bebt – zu tun und lassen, was man will, frei nach Spielmannsweise, verehrt und doch verachtet, natürlich auch Naturverbundenheit und die Freude, den Menschen ein bisschen Freisein ins Herz zu spielen.

Wie erklärt ihr euch die wachsende Akzeptanz eurer Musik in Deutschland auf der einen Seite und die ablehnende Haltung der Radiostationen, TV Sender, etc. auf der anderen?
Die Menschen brauchen und wollen wieder Wurzeln. Archaisches und Wildes steckt in jedem von uns und es ist sicher nicht das Ziel von Fernsehanstalten, dies zu fördern.

Wie kann man allgemein und wie könnt ihr selbst Vorurteile wie z.B. Eintönigkeit und mangelnde Abwechslung gegenüber mittelalterlicher Musik widerlegen?
Es gibt viele Möglichkeiten so genannte „Bordunmusik“ oder “Eintonmusik“ interessant und raffiniert zu gestalten. Es ist doch so, dass man denkt, alle Chinesen sehen gleich aus, wenn man sie nicht kennt. Genau so verhält es sich mit Mittelaltermusik.

Welche Zielgruppen sind eurer Meinung nach besonders geeignet für Drehleiern, Dudelsäcke, Geigen, Flöten, usw.?
Es gibt sehr unterschiedliche Interessengruppen: Von Rollenspieler über Mittelalterfreaks bis hin zu Gothicfans, Punks, Metalfans und Leuten aus der alternativen Szene.

Welches sind die größten Irrtümer, die man leichtfertig in Verbindung mit Mittelaltermusik bringt?
Oft denkt man, dass es nur sakrale Musik gab, die in den Kirchen gespielt wurde. Man vergisst dabei gerne, dass da noch die Welt der Straßenmusiker und -gaukler war, die dem so genannten fahrenden Volke zugeschrieben waren.

Eure Meinung zu Mittelaltermärkten und Konzerten dort?
Die Kleider werden vom Leibe gerissen und es herrscht ein Verfall in exstatische Zustände. Wir machen dazu die passende Musik.

Wortspiel (das erste, was euch zu folgenden Begriffen in den Sinn kommt):
Corvus Corax – Kolkrabe (lat.)
Schandmaul – Politiker
In Extremo – Garagenpunk
Subway to Sally – Highway to Hell
Spielmänner und Spielmannsleben – Das Beste, was es gibt
Tradition oder Fortschritt – Fortschritt mit Tradition
Plugged oder unplugged – …ist eine Frage der Größe des Saals
Tokio Hotel – Sakeshot


Geschrieben am 21. November 2006 von Sigi Maier

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