Interview mit Wolkenstayn

Wie der Name ihres Albums „Zeitgefühle“ schon sagt, dreht es sich bei WOLKENSTAYN darum, dass der Zuhörer sich in die Zeit des 14. Jahrhunderts zurückversetzen kann und die Lebenslust, die damals von der treibenden Musik der Drehleiern, Dudelsäcke, Harfen, etc. ausging, nachempfindet. Dieser Aspekt geht über den durchschnittlichen Hörgenuss einer CD weit hinaus. Wer sich nun ebenfalls auf eine Zeitreise begeben will, kann dies entweder dadurch tun, dass er dieses Interview liest und/oder eine E-Mail mit Adresse und Betreff „Wolkenstayn“ an sigi@metal1.info schickt, um eine von drei WOLKENSTAYN-CDs zu gewinnen.

Beschreibt kurz euren musikalischen Werdegang: In welchen Bereichen liegen die Wurzeln der einzelnen Bandmitglieder?
Hallo erstmal! Na ja, als Band würde ich uns vielleicht nicht bezeichnen, eher als Ensemble.
Wir alle haben irgendwann eine klassische Musikausbildung oder gar Studium an Flöte, Rohrblattinstrumenten und elektronischer Orgel genossen, wobei damals natürlich noch keiner wusste, dass ihn sein musikalischer Weg einmal ins spannende Mittelalter führen wird.

Wie würdet Ihr „Neulingen“ mittelalterliche Musik erklären?
Mittelaltermusik – das ist ganz einfach erklärt: Die Wurzeln und Klänge unserer abendländischen Kultur musikalisch erforschen und in der Einfachheit und Eleganz der alten Weisen die Klangvielfalt der damaligen Instrumente zur Geltung kommen lassen

Wie kann man ihnen diese Art von Musik zugänglich machen außer durch moderne Einflüsse?
Nun, zum einen natürlich durch Wissen um bestmögliche Authentizität (was auch immer man unter authentisch versteht…); zum anderen, dass man dem Ganzen mit Lebendigkeit und Spielfreude und Klangvielfalt begegnet. So entsteht große Kraft, Fülle und Atmosphäre, die es auch heutigen Ohren leicht macht, Mittelalter zu konsumieren, ohne sich vorher selbst intensiv damit auseinandersetzen zu müssen.

Wo liegen die Unterschiede von Euch zu anderen Mittelalterbands und was sorgt für Widererkennungswert bei eurer Musik?
Von Beginn an war es uns wichtig, die Lebendigkeit in der Mittelaltermusik zu transportieren; traditionelle Aufführungspraxis modern arrangiert mit einer große Bandbreite des eingesetzten Instrumentariums von der kleinen gotischen Portativorgel bis zur Harfe und Schalmei ergänzen sich zu einem interessanten Ganzen. So spricht unser Wolkenstayn-Multimediaprogramm “Zeitgefühle” beispielsweise durch gezielten, verbindenden Einsatz von Projektionen und Texten alle Sinne des Zuhörers an.

Wodurch wird eure Musik am meisten beeinflusst (Vorbilder, Stilrichtungen, Kulturen, Religionen, usw.)?
Es ist uns stets daran gelegen, eigene Wege der Interpretation zu beschreiten.
Wenn wir von Vorbildern sprechen, so denke ich dann vor allem an die Musiker und Troubadours des Mittelalters, der Zeit der Gotik; was mögen diese Leute empfunden haben, wenn sich zu ihrem eigenen Instrument irgendwo auf dem Wag nach Italien ein anderer mit ganz anderem Instrument und Klangfarbe gesellte? Und noch einer. Was entstand da aus musikalischer Neugier? Und was, wenn bei dieser Session ein Sizilianer dabei war, ein spanischer Jude, Maure oder Araber? Das Mittelalter fand ja nicht nur in Europa statt.
Es war eine Zeit des Austauschs, des Voneinanderlernens. Das ist es, was uns fasziniert.

Wie erklärt ihr euch die wachsende Akzeptanz eurer Musik in Deutschland auf der einen Seite und die ablehnende Haltung der Radiostationen, TV Sender, etc. auf der anderen?
Na ja, wenn man sich die heutige Medienlandschaft, allen voran Funk und Fernsehen anguckt, da fragt man sich schon manchmal, wo denn eigentlich der öffentlich rechtliche Auftrag bleibt: Da müssen Quoten usw. erfüllt werden und folglich wird eben leider immer noch viel dem Mainstream unterworfen. Uns beschäftigt das aber nicht so sehr. Unser Debütalbum „Zeitgefühle“ hat eine tolle Resonanz nicht nur in der Mittelalter- und Gothicszene und ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir werden neuen Ideen im Ensemble gegenüber immer aufgeschlossen sein, uns aber sicherlich nicht verbiegen (lassen), nur um irgendeinen Markt zu bedienen.

Wie kann man allgemein und wie könnt ihr selbst Vorurteile wie z.B. Eintönigkeit und mangelnde Abwechslung gegenüber mittelalterlicher Musik widerlegen?
Na, einfach mal in unser aktuelles Album „Zeitgefühle“ reinhören oder auf eins unsrer Konzerte kommen!

Welche Zielgruppen sind eurer Meinung nach besonders geeignet für Drehleiern, Dudelsäcke, Geigen, Flöten, usw.?
Ich mag das abwertende Wort „Zielgruppe“ ja nicht so gern. Ich glaube, wir dürfen mit etwas Stolz sagen, unserem Publikum, all unseren Freunden, Fans und Zuhörern in einer Zeit des Wandels, der Globalisierungsängste und sozialen Unsicherheiten etwas von der (mittelalterlichen) Lebensfreude zurückzugeben, die heute so dringend nötig ist.
Und davon kann glaube ich jeder etwas mitnehmen!

Welches sind die größten Irrtümer, die man leichtfertig in Verbindung mit Mittelaltermusik bringt?
Ich weiß nicht. Ich hab einmal auf einem Mittelaltermarkt beim Bier am Lagerfeuer mit jemand gesprochen. Er wusste damals noch nicht, dass auch wir in diesem Musikgenre agieren und ließ irgendwann die Bemerkung fallen, Mittelaltermusik sei entweder langweilig oder laut…wir haben das nicht weiter diskutiert. Irgendwann spätnachts (oder war’s schon morgens) hab ich ihm beim Abschied eine CD von uns in die Hand gedrückt. Letztlich sah ich ihn mal wieder und er meinte, er müsse sich korrigieren: MA-Musik sei doch spannend und unterhaltsam…na dann! Vielleicht muss man ja irgendwo zwischen den Meinungen agieren?

Eure Meinung zu Mittelaltermärkten und Konzerten dort?
Nun, unsere Konzertprogramme „Zeitgefühle“ und „Kreuzblumen“ spielen wir zu verschiedenen Anlässen, meist natürlich in historischem Rahmen, in Kirchen und Schlössern, bei Festivals, historischen Hochzeiten usw. Gut gemachte Mittelaltermärkte mit klarem Themenbezug und ansprechendem Warenangebot, tollem Ambiente, bereichert durch diverse Künstler und Musik, sind ja zum Glück mittlerweile aus unserer Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Den Menschen dabei Platz zu schaffen für die “mittelalterliche Lebenslust”, dabei eine schöne und unbeschwerte Zeit zu erleben, ist dabei sicher Hauptziel. Ich denke, die meisten wissen, dass das Leben damals auch schwer sein konnte – gleichfalls aber sicherlich auch genügend Alltagsfreude vorhanden war! Und wenn man dazu seinen Teil beitragen kann, machen wir das gern! So gibt’s ja unser Programm “Movemento”: das ist mittelalterliche Tanzmusik zum Mittanzen! Wer es schon einmal erlebt hat, gemeinsam mit hunderten tanzbegeisterteen Menschen den fröhlichen, leicht zu erlernenden, rhythmusbetonten Tänzen vergangener Zeiten nachzuspüren, weiß unser Tanzprogramm mit Tanzanimation zu schätzen.Und “Foliada”, das ist “die andere” Mittelaltermusik als Bereicherung für historische Themenfeste!

Wortspiel (das erste, was euch zu folgenden Begriffen in den Sinn kommt):
Corvus Corax – Oft kopiert und nie erreicht
Schandmaul – Tolle Sache!
In Extremo – Ja…
Subway to Sally – Auch
Spielmänner und Spielmannsleben – Und nach Frauen fragt ihr nicht?
Tradition oder Fortschritt – Kein Fortschritt ohne Tradition
Plugged oder unplugged – Ja, gute Frage!
Tokio Hotel – Wieviele Sterne hat das? *g*


Geschrieben am 2. Oktober 2006 von Sigi Maier


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