Eisenwahn Festival 2012

  • Obersinn
  • 27. Juli 2012 - 28. Juli 2012


Das EISENWAHN-FESTIVAL geht in die neunte Runde – und schockiert seine Fans und treuen Wegbegleiter bereits im Vorhinein mit der Ankündigung, dass nach der 10. Auflage im kommenden Jahr vorerst Schluss sein wird.
Das allein dürfte für den ein oder anderen Grund genug gewesen sein, auch 2012 nach Obersinn zu fahren – doch auch das Lineup kann in diesem Jahr durch nie dagewesene Vielseitigkeit und jede Menge Hochkaräter aus den verschiedensten Genres punkten.
Wie bereits in den vergangenen Jahren waren wir auch dieses Jahr wieder mit von der Partie – als Organisatoren des Autogrammstandes, aber auch als Redakteure und Photographen, um euch einen ausführlichen Bericht vom Festival liefern zu können. Viel Freude beim Lesen!
[Moritz Grütz]

Freitag, 27.07.12:
Die Ehre, das Eisenwahn 2012 zu eröffnen, wird der jungen Band WITHIN DEPARTURE aus Rödermark zuteil. Das Quintett mit einem Altersdurchschnitt von circa 16 Jahren macht seine Sache dann auch mehr als ordentlich: Geboten wird konventioneller Melodic Death Metal mit einigen Thrash-Einlagen und wie bei so vielen Nachwuchs-Band heutzutage finden sich auch eine Handvoll Breakdowns in den Songs wieder. Obgleich die Darbietung natürlich weder überragend noch äußerst originell ist, finden WITHIN DEPARTURE, die offensichtlich auch ihre eigene lokale Fangemeinde mitgebracht haben, beim Publikum eine Menge Zuspruch und nutzen ihre 30 Minuten Spielzeit gebührend aus.
[Pascal Stieler]

Mit VISIONARY 666 spielt bereits an zweiter Stelle die erste aus dem Ausland angereiste Gruppe auf der Eisenwahn-Bühne. Die Holländer gingen gerade erst im Januar getrennte Wege mit ihrem Gründungsmitglied Mario und mussten somit sowohl den Bass- als auch den Gesangsposten neu besetzen. Sven van Dijk, der neue Mann am Mikro und Tieftöner, hat sich offenbar gut in die Band eingelebt und frontet das Quartett resolut, das seinen brutalen Death Metal auf die Festivalwiese feuert und dabei eine abwechslungsreiche Mischung aus Groove-Walzen und Blast-Parts bietet. Vor der Stage scheint das jedoch nur eine Handvoll Gäste wirklich zu begeistern, die lässig auf dem Gitter lehnen, die restlichen Besucher genießen lieber noch eine Erfrischung im Schatten – alles in allem ein routinierter Gig, mehr aber auch nicht.
[Markus Frey]

Wie in den vergangenen Jahren ist auch 2012 wieder ein Knüppelkommando aus Finnland am Start: Waren das letztes Jahr die Irrsinns-Slam-Deather Kraanium, wird diese Aufgabe 2012 den Finnen von INFERIA zuteil. Diese hämmern beinahe ebenso gnadenlos eine Mischung aus Death Metal und Grindcore auf die Bühne, die nicht selten an Napalm Death erinnert. Neben groovenden Midtempo-Krachern und dem üblichen Blastbeat-Gemetzel tut sich dabei gerade Basser Sammi Tikkanen ein ums andere Mal mit überragenden Slapping-Gewittern hervor, die durch den gut abgemischten Sound perfekt zur Geltung kommen. Bereits zu dieser frühen Zeit wird der ein oder andere Circle-Pit gestartet, bevor INFERIA letztendlich mit zufriedenem Applaus von der Bühne verabschiedet werden.
[Pascal Stieler]

2008 tauchten DER WEG EINER FREIHEIT wie aus dem Nichts auf und sorgten ein Jahr später mit ihrem gleichnamigen Debüt für ordentlich Wirbel: Auf der einen Seite standen dabei die fast durchgehend phänomenal positiven Album-Kritiken, auf der anderen Seite wurden vielfach Stimmen laut, welche die Art, wie die Formation um Bandkopf Nikita ihre Musik zelebrierten, harsch unter Beschuss nahmen: Black Metal ohne Pandabemalung, ohne Grimmig-Bös‘-Posing-Attitüde. Sieht man die Jungs auf der Straße, würde man sie eher an Omas Kaffeetischchen vermuten als klirrend-kalte Salven auf der Bühne schraddelnd. Drei Jahre sind seitdem vergangen und man kann retrospektiv klar konstatieren: DER WEG EINER FREIHEIT haben nicht nur damals im Underground eingeschlagen wie eine Bombe, sie haben sich ihren Status auch erhalten, eine kontinuierlich wachsende Fanbase aufgebaut und sind diesen Tages somit die ersten, die eine nennenswerte Ansammlung von Publikum vorzuweisen haben – ganz zu schweigen von den vielen Jubelzurufen vor, während und zwischen der Show. Ein wenig schade, dass das Set bei hellem Tage gespielt werden muss, aber selbst bei 30 °C im Schatten kommt noch deutlich mehr Atmosphäre auf als bei den meisten anderen Bands – ja, auch ganz ohne metalmäßige Kriegsbemalung. Nachdem die anfänglichen Soundprobleme in den Griff bekommen sind, kann man sich über einen für Festivals ansehnlichen Sound freuen und wer bis jetzt noch keine Gelegenheit dazu hatte, in das jüngste Werk „Unstille“ reinzuhören, bekommt mit Songs wie „Lichtmensch“ gleich eine Kostprobe – ohne dass die Lieblinge des Erstlings unter den Tisch gekehrt würden. So oder so ist der Band der Beifall gewiss.
[Diana Muschiol]

Nachdem mit Der Weg Einer Freiheit Black Metal auf dem Programm stand, geht es bei WARBRINGER mit echtem Oldschool-Thrash weiter. Als einer der wohl bekanntesten Aufsteiger in diesem Genre haben sich die Amerikaner durch unzählige Shows auf Touren und Festivals schnell einen Namen als Garant für gute Unterhaltung gemacht. Auch der heutige Auftritt der jungen Truppe macht da keine Ausnahme: Obwohl Sänger John Kevill zunächst etwas enttäuscht dreinschaut, da trotz des guten Wetters noch verhältnismäßig wenige Festivalbesucher vor der Bühne stehen, legt er sich voll ins Zeug. Von so viel Energie mitgerissen, kommt auch das Publikum schnell in Fahrt – neben ersten Moshpitversuchen macht sich auch der erste Crowdsurfer auf den etwas wackligen Weg nach vorne. Die Begeisterung der Fans wird von der Band dankbar angenommen, so dass auch diese relativ zufrieden wirkt, als sie nach 30 Minuten reinstem US-Thrash-Metal die Bühne verlässt.
[Moritz Grütz]

Um 18:35 Uhr, auf dem Höhepunkt der freitäglichen Hitze, treten die Italiener von FLESHGOD APOCALYPSE auf den Plan, um mit ihrem symphonischen Death Metal dem Eisenwahn einzuheizen. Einheizen ist ein gutes Stichwort: Der Band selbst dürfte schon beim Betreten der Bühne warm gewesen sein, ließen sie sich doch auch von Temperaturen deutlich über 30 °C nicht davon abhalten, mit Kapuzenpullis ihren Soundcheck zu bestreiten. Das Intro „Temptation“ wird gefolgt vom temporeichen „The Violation“, in dem FLESHGOD APOCALYPSE gleich die gesamte Bandbreite ihres Könnens darlegen: Bombastische Streicher, unendlich schnelle Tremolo-Picking-Riffs und Blastbeats, gepaart mit den kehligen, bösen Vocals von Sänger Tommaso Riccardi, der die Menge sogleich energetisch wie immer zum Abgehen ermuntert. Leider ist der Sound nicht immer optimal – das ist bei der instrumentalen Mischung aber zu verschmerzen. Showmäßig passt bei den Italienern wieder alles wie die Faust aufs Auge: Die Gesangsparts von Basser Paolo Rossi sitzen perfekt, die melodischeren Songs der Band sorgen für gehörige Stimmung und einzig und allein die Tatsache, dass das schwarze und dunkle Ambiente eines dreckigen Kellergewölbes wohl besser zur Musik von FLESHGOD APOCALYPSE passt als heiter Sonnenschein, stellt einen winzigen Wermutstropfen dar.
[Pascal Stieler]


Auch als um 19:30 KEEP Of KALESSIN die Bühne betreten, ist der Hang vor der Bühne überraschend dünn mit Fans besetzt. Woran das liegt, ist eigentlich unerklärlich, werden die Temperaturen doch so langsam angenehmer, und bieten die Norweger mit ihrem gitarrenlastigen Black Metal doch eine eigentlich willkommene Abwechslung im ansonsten recht „brutal“ gehaltenen Tages-Billing. Als Ersatz für die abgesprungenen Schweden Naglfar gebucht, dürften die Norweger dem ein oder anderen vielleicht zu soft sein – immerhin war die Band zuletzt mit ihren Auftritt beim Eurovision Song Contest mit dem fast schon als Power Metal einzuordnenden Song „The Dragontower“ in Erscheinung getreten. Auf diesen Song verzichtet die Band heute, wohl um nicht allzu sehr aus dem Rahmen zu fallen – wirklich zu begeistern vermag die Band dennoch nicht. Zum einen mag das am hier etwas unglücklich gemischten Sound liegen, welcher merklich zu schlagzeuglastig abgemischt ist, zum anderen vielleicht auch an der Band selbst, welche einen Zacken zu routiniert und etwas zu wenig publikumsbezogen ihr Ding durchzieht. Kein schlechter Gig, mitreißend sieht dennoch anders aus.
[Moritz Grütz]

Die Sonne geht langsam unter und der Abend nähert sich spürbar mit angenehm absinkenden Temperaturen – genau richtig, um sich mit GRAND MAGUS und einem kühlen Bier auf „The Hunt“ zu begeben und den „Hammer Of The North“ zu schwingen. Anfangs noch etwas leicht besetzt, füllen sich die Publikumsreihen doch ziemlich rasch, um die Band zu feiern, die an diesem ersten Abend mit der Mischung aus klassischem Doom und Heavy Metal wohl am meisten aus der Reihe tanzt. Ein grooviger, dabei schön laut abgestimmter und knarziger Bass, präzise Schlagzeugsalven, eine etwas im Hintergrund röhrende Gitarre und der gnadenlos großartige Gesang eines gut aufgelegten Janne Christoffersson… GRAND MAGUS könnten kaum besser klingen. Auch die Songauswahl der klassischen Drei-Mann-Combo weiß zu gefallen: Neben dem Übersong „Valhalla Rising“ aus dem aktuellen „The Hunt“ und dem großartigen Rausschmeißer „Ravens Guide Our Way“ wird die Hymne „Hammer Of The North“ vom gleichnamigen Album zum Publikumsliebling. Durchgehende Ooohoohoo-Chöre sorgten da für Mitsingpotential, selbst wenn man zwecks mangelnder Liederkenntnis nicht gerade textsicher ist. Man kann es nicht bestreiten: GRAND MAGUS feuern auf ihrem Gig die größte Party des bisherigen Tages ab, die nur noch von den folgenden Entombed überboten werden kann.
[Steffen Eschmann]


Denn nachdem sich Grand Magus über den bisher größten Publikumszuspruch freuen durften und für eine eher im Heavy-Bereich beheimatete Band in einem Extreme-Metal-Billing überraschend frenetisch abgefeiert wurden, schaffen es ihre Landsmänner von ENTOMBED, noch einen draufzusetzen. Pünktlich um 22 Uhr entern die Schweden die Bühne und sind durch die einsetzende Dunkelheit die erste Gruppe des Abends, die ihre Performance mit einer Lichtshow gelungen unterstützen kann. Mit einem Kracher starten die mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen, aber immer noch beinhart agierenden Herren in ihr Set und haben das Publikum gleich auf ihrer Seite. Die Skandinavier treten während des Gigs vorwiegend aufs Vollgas, lassen jedoch hier und da auch etwas Platz für ihre rockigeren Death’n’Roll-Stücke, anstatt sich auf klassischen Schwedentod zu beschränken.
Sänger L.G. Petrov zeigt sich motiviert und in Feierlaune und sucht nicht nur bei den Ansagen die Nähe zum Publikum, sondern animiert dieses auch während der Songs zum Mitmachen. Die Fans, die bei ENTOMBED dichter denn je vor der Bühne drängen, lassen sich nicht zweimal bitten, bejubeln die Szene-Veteranen gebührend und bringen die Stimmung zum Kochen. Petrov hoppelt zufrieden grinsend von einem Bühnenrand zum anderen, und auch ein Kurzbesuch von Grand-Magus-Sänger JB mit einer Flasche Whiskey wird vom drolligen Sympathieträger am Mikro, der wenig später zum größten Moshpit des Festivals aufruft (aber kein Circlepit – die sind nix für true Headbangers), freudig begrüßt. Zum Ende hin sammelt der Fünfer noch mal all seine Kraftreserven und packt in die letzten sieben Minuten Spielzeit ganze drei Abrissbirnen, ehe er nach einem makellosen und gelungenen Konzert die Bühne für den letzten Act des Abends wieder freimacht.
[Markus Frey]

Was zunächst wie eine kollektive Bier- und Pinkelpause aussieht – die Reihen vor der Bühne lichten sich zügig, sowie Entombed die Stage verlassen haben – bestätigt sich spätestens beim Intro von TRIPTYKON: Nach zwei Bands, die für überschwängliche Partylaune unter den Festivalgästen gesorgt haben, will niemand mehr so recht Lust haben auf die schweren, zähflüssigen Riffs von Tom Warrior und Co. Dass die Sonne den ganzen Tag über seit den frühen Morgenstunden erbarmungslos am Himmel brannte und so mancher Besucher, der seit mittags anwesend war, nun einfach auch genug hat, kommt dabei als erschwerender Umstand hinzu.
So bleibt der Platz vor der Bühne vorerst löchrig wie ein Schweizer Käse, als die Gruppe mit der mittlerweile wohlbekannten, ultradoomigen Live-Version von „Procreation (Of The Wicked)“ in ihre Show einsteigt. Enttäuschend eigentlich, handelt es sich hier doch schließlich um den Headliner des ersten Festivaltages. Auch Warrior, der lieber die Musik für sich sprechen lässt, anstatt in den Pausen zwischen den Songs große Reden zu schwingen, bemerkt dies und kann sich nach der dritten Nummer ein sarkastisches „Etwas müde, nicht?“ Richtung Publikum nicht verkneifen, bevor er unbeirrt weitermacht. Die Celtic-Frost-Klassiker wie etwa der Opener halten sich dabei die Waage mit den neueren Werken, sprich: Material vom Frost-Reunion-Album „Monotheist“ und dem TRIPTYKON-Debüt „Eparistera Daimones“. Die Setlist an sich wurde in der Form auch schon auf Konzerten vor zwei Jahren gespielt, das fällt jedoch nicht weiter ins Gewicht.
Nach und nach wagen sich doch noch mehrere Fans nach vorne, um die atmosphärische, düstere Darbietung andächtig zu verfolgen und bei den heftigeren Passagen sogar ein wenig zu moshen. Das Eis scheint stellenweise gebrochen, die Zuschauer wieder etwas aufgetaut, nichtsdestoweniger spielt hier eine ganz große Band vor einem ganz kleinen Publikum – und zwar eine im Grunde einwandfreie Show, die mit einem brachial guten Sound aufwartet. Ob es nun an der Erschöpfung der Besucher oder mangelnder Sympathie für das Quartett liegt, dass TRIPTYKON so schwach besucht waren, bleibt ungeklärt, auch wenn der ein oder andere überflüssige Zwischenruf eher für Letzteres sprechen mag. Tatsache ist, dass es nicht nur dem aufziehenden Gewitter geschuldet ist, dass die Festivalwiese bereits beim Outro wieder wie leergefegt daliegt und viele die Unwetterwarnung des Veranstalters auf der Bühne nur noch von weitem mitbekommen.
[Markus Frey]

Setlist TRIPTYKON:
01. Procreation (Of The Wicked)
02. Goetia
03. Circle Of The Tyrants
04. Descendant
05. Babylon Fell
06. Necromantical Screams
07. Abyss Within My Soul
08. Dethroned Emperor
09. Synagoga Satanae
10. The Prolonging

Samstag, 28.07.12:


Obersinn am Samstagmittag um 13:45 Uhr. Während sich die Vielzahl der Metaller auf dem Eisenwahn-Camping-Ground nochmal im Zelt umdreht oder sich die Zeit mit Bier trinken vertreibt, betritt mit BÖSEDEATH der Samstags-Opener die Bühne. Wer die Band kennt, weiß, was einen erwartet: Spaß-Deathgrind der abgefahrenen Sorte. Da ist es völlig egal, dass der Sound nicht optimal ist, die Einsätze nicht immer stimmen, die Band sich mehr gewollt als unfreiwillig regelmäßig zu verspielen scheint und sowieso alle Musiker (mit Ausnahme von Sänger Böse Dän, der ebenso böse guckt) permanent am Grinsen zu sein scheinen. Wer Sinn für Humor hat, kommt bei BÖSEDEATH, die neben Songs von der neuen „Gaahl Lagerfeld“-EP, unter anderem „Panzer Multiplikation Bösedeath“ und „Anus Satanus (Destroy Your Ass For Satan)“ typisch sinnfreie Titel wie „No Gnade“ spielen, auf seine Kosten. So sind es auch BÖSEDEATH, die den Lacher des Festivals auf ihrer Seite haben. Zitat: „Wir spielen jetzt einen neuen Song… ihr wisst ja, es hat in letzter Zeit viel Gerede und eine Serie über diese Kreaturen mit den langen Zähnen gegeben…deswegen haben wir ihnen einen Song gewidmet: „Vampire Diarrhea.“
[Pascal Stieler]

Nachdem sich die Reihen nach Bösedeath wieder etwas gelichtet haben, rollen die Hamburger von DEVASTATOR an, um als zweite Band des zweiten (und glücklicherweise viel kühleren) Tages mit ihrem durchgeprügelten Death Metal die wenigen Metalheads zu plätten, die noch stehen können. Die fast durchgehend auf Highspeed peitschende Doublebass hat dabei zu Beginn durchaus ihre Momente, allerdings kann man hier Melodieschnipsel an einer Hand abzählen und auch Groove gibt es nur recht selten – relativ eintönig, die ganze Sache. Dass der Sänger dann während des gesamten Auftritts so unglaublich „evil“ dreinschauen muss, macht die Sache auch nicht gerade besser – sympathisch ist dann allerdings das Angebot, sich mit der Band nach dem Auftritt noch auf einen Plausch zu treffen und über das Dargebotene zu diskutieren. Alles in allem ein guter Auftritt mit viel Geballer, der zumindest mal Lust drauf macht, der Band auf Album einen Durchlauf zu gönnen.
[Steffen Eschmann]

Den dritten Slot des Tages belegen UNBREAKABLE HATRED aus dem kanadischen Québec. Vor der Bühne haben sich nur eine Handvoll Fans und Neugierige eingefunden, um sich das Trio aus der ersten Reihe anzuhören, die restlichen Festivalgäste auf dem zu dieser Zeit noch spärlich besuchten Gelände ziehen es vor, die Show aus einer gesunden Distanz zu begutachten. Die Kanadier zocken ihren technischen Death Metal mit Grind-Schlagseite konsequent und gekonnt, nennenswerte Publikumsreaktionen lösen sie damit jedoch nicht aus. Das liegt zum einen natürlich an der Tageszeit, zu der die meisten noch auf dem Zeltplatz trinken und feiern, zum anderen an dem quasi nicht vorhandenen Bekanntheitsgrad der Truppe aus Nordamerika. Auch dadurch, dass sich Sänger und Bassist Sim bei seinen Ansagen auf die Ankündigung des nächsten Liedtitels beschränkt und die Jungs insgesamt nicht durch Stage-Acting glänzen, will der Funke nicht überspringen. Als dann beim Song „Natural Disaster“ wieder der erste Regen einsetzt, ist der Dreier glücklicherweise schon fast durch mit seinem Set, das zu späterer Stunde und bei sonnigerem Wetter sicherlich etwas mehr Begeisterung ausgelöst hätte.
[Markus Frey]

Richtig Pech scheinen nun die Schweden DEMONICAL zu haben: Stehen während des Soundchecks sowieso schon nicht eben viele Fans vor der Bühne, beginnt es kurz vor der Stagetime kräftig an zu schütten, so dass bis auf wenige hartgesottene Metaller zunächst das komplette Publikum unter den Dächern der Verkaufsstände Schutz sucht. Die Veranstalter scheinen jedoch Mitleid mit der Death-Metal-Band zu haben und gewähren ihnen eine Verzögerung um 10 Minuten. Als die Band schließlich anfängt, hat sich der Regen tatsächlich (vorerst) verzogen, so dass von Song zu Song mehr Fans aus den Löchern gekrochen kommen. Und diese werden nicht enttäuscht – bieten die Skandinavier doch äußerst engagiert ein abwechslungsreiches Set dar, welches wohl allen Fans traditionellen Death Metals ein seliges Grinsen ins Gesicht gezaubert hätte – hätten sich diese nicht offensichtlich zum Großteil dafür entschieden, lieber am Campground zu sitzen als vor der Bühne. Schade, diese Band hätte definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.
[Moritz Grütz]


Als die Band, die kurzfristig für Prostitute Disfigurement einspringen konnte, sind es LENG TCH’E aus Belgien, die mit einem extrem harten Grindcore-Sound für so einige Überraschungen sorgen können: Nicht nur, dass der gnadenlos auf Knüppel getrimmte Extreme Metal so ziemlich alles wegfegen kann, der Sänger schafft es auch durchgehend, das komplette Publikum in die Show mit einzubinden. Ziemlich oft rauscht er an der vorderen Reihe vorbei, streckt das Mikro in die Menge und lässt ebenjene hineinbrüllen – ob das dann immer den Texten entspricht, sei mal dahin gestellt, unterhaltsam ist’s aber allemal. Als die Band dann einen Herren im Hasenkostüm auf die Bühne lässt, hat sich wohl auch der Spaßfaktor der Truppe auf dem verschlafenen Festivalgelände rumgesprochen: Die Reihen füllen sich! Den sprichwörtlichen Vogel schießen die Jungs dann mit zwei Stage Invasions ungefähr in der Mitte beziehungsweise gegen Ende des Konzerts ab. Die Bühne steht plötzlich voller Menschen, die über den Sicherheitszaun steigen durften, das Mikro geht reihum, die Band feiert mit den Fans, dass es schlicht und ergreifend einfach großartig ist. Dass der Sound dabei, abhängig davon, wo man gerade steht, eher Matsch ist, rückt dabei fast in den Hintergrund. Und was will man bei einer solch unterhaltsamen Show schon meckern.
[Steffen Eschmann]

Als „die Band der Bands im Ein-Mann-Sektor“ wurde dem Eisenwahn-Besucher PUTRID PILE im Vorfeld angepriesen. PUTRID PILE, das ist der Amerikaner Shaun LaCanne, der, einzig und allein mit seiner Gitarre bewaffnet, seit zwölf Jahren auf die Bühne geht, um die Zuschauer mit fiesem Slam-Geprügel zu befeuern. Alleine schon weil es so grotesk ist, einem amerikanischen, etwas pummelig erscheinenden Mittvierziger, der genauso gut Bankangestellter sein könnte, dabei zuzusehen, wie er mit Brille auf die Bühne klettert, um Songs wie „Strangulation Is The Only Answer“ zu performen, lohnt es sich, PUTRID PILE eine Chance zu geben. Nach circa der Hälfte des Sets wird es zwar zunehmend eintönig, der monotonen Blastbeat-Maschine, die sich eher anhörte wie ein getriggerter Pong-Sound, und den Pig-Squeal-Orgien von LaCanne zuzuhören. Das macht der jedoch durch unheimlich viel Selbstironie, Spielfreude und komische Ansagen wett, zumal einige Songs äußerst brutal daherkommen und das Spielfeld von PUTRID PILE in diesem Jahr auch sonst nicht so weitläufig beackert wird. Sehenswert.
[Pascal Stieler]

Beim keltisch anmutenden Folk Metal der Düsseldorfer von SUIDAKRA kann man ja grundsätzlich nichts verkehrt machen. Das letzte Album „Book Of Dowth“ hatte jedenfalls so viel auf dem Kasten, um bei Metal1 knapp an der Höchstwertung kratzen – und die hätte man auch nach dem Auftritt auf dem Eisenwahn zücken können. Mit einer ordentlichen Songauswahl, die vor allem beim Publikum gut ankommt, einem anfänglich zwar etwas vernieselten Wetter, aber trotzdem unheimlich viel Spaß und Sympathie im Gepäck, feuern SUIDAKRA einen keltischen Death-Hammer nach dem nächsten ins geneigte Headbanger-Publikum. Mit Gastsängerin Tina haben SUIDAKRA außerdem eine Überraschung auf Lager, die den positiven Gesamteindruck noch mehr hebt. Dass der Sound an einigen Stellen etwas matschig rüber kommt, ist schlicht und ergreifend abhängig davon, wo man gerade steht – ganz vorne bekommt man jedoch die perfekte Druckbeschallung, die man sich von einem so gelungenen Auftritt wünscht. Die Jungs werkeln momentan übrigens an einem neuen Album. Wir sind jedenfalls gespannt!
[Steffen Eschmann]


Wer kennt sie nicht, die wohl technischste Band der Welt mit dem gefühlt kleinsten Bassisten der Welt: ORIGIN. Die Vorfreude auf die Amerikaner war groß, da es generell wenige Bands gibt, die in Sachen technischer Finesse und Speed ähnlich viel drauf haben. Von der ersten Sekunde an springt der Funke von der Bühne auf das Publikum über, welches sowohl die Songs vom neuesten Album „Entity“ als auch die von den älteren Werken „Antithesis“ und „Echoes Of Decimation“ frenetisch abfeiert. Der ein oder andere schlägt dabei durchaus über die Stränge, wie der Fan, der den Musikern minutenlang auf der Bühne auf die Nerven geht, bevor ihn Sänger Jason Keyser ebenfalls minutenlang überreden muss, die Bühne zu verlassen (und man ihm mit jeder Sekunde mehr ansieht, wie sehr er sich ein „Verpiss dich endlich“ verkneifen muss). Ansonsten gibt es nämlich an dem 40-minütigen Non-Stop-Geballer nichts auszusetzen: Bassist Flores und Gitarrist Paul Ryan lassen mit ihrer unmenschlichen Instrumentalarbeit reihenweise Kinnladen klappen, die Fans vor der Bühne starten einen Pit nach dem anderen und als am Ende kein Staubkorn mehr auf dem anderen liegt, verlässt auch Keyser mit einem zufriedenen Grinsen die Bühne.
[Pascal Stieler]


Wer bei Origin noch nicht genug bekommen hat, kriegt nun mit DECAPITATED eine weitere volle Ladung technischen Death Metal vor den Latz geknallt. Das Quartett hat sich in seinen 15 Jahren Bandgeschichte mittlerweile zu einem der großen Acts der polnischen Metalszene hochgespielt, und das schlägt sich auch im Publikumsaufkommen vor der Bühne nieder: Die Reihen sind gut gefüllt, als die vier Jungs die Bretter entern und ihre 50-minütige Prügelorgie beginnen. Auch die Dämmerung setzt langsam wieder ein und die Besucher sind inzwischen wieder voll in Feierstimmung. Wenn auch teils sehr übersichtlich und fast schon gesittet, wird ein Circlepit nach dem anderen gestartet, während Sänger Rafal Piotrowski die noch etwas unmotivierteren Festivalgänger mit ausladenden Gesten und aus voller Brust zum Mitmachen anstachelt, nach den Songs mit einem artigen „Danke Fucking Schön!“ aber auch die Etikette nicht vergisst. Ohnehin bietet der Frontmann mit seinen umherwirbelnden meterlangen Dreadlocks einen eindrucksvollen Anblick und schafft es, seine ungezügelte Energie zumindest auf die vorderen Reihen zu übertragen. Unterm Strich ein starker Auftritt, der zurecht im drittletzten Slot des Abends positioniert wurde.
[Markus Frey]

RAGE haben als vorletzte Band des Festivals echten Exotenstatus inne: Nicht nur, dass das Gespann um Peavy Wagner musikalisch als einzige Band des Tages grob im traditionellen Heavy Metal angesiedelt ist („Sehe ich das richtig, dass wir die einzige Band auf diesem Festival sind, wo der Sänger zumindest ansatzweise versucht, zu singen?“) – die Truppe schafft es damit auch noch, den Platz vor der Bühne wirklich vollzubekommen. Eine gute Voraussetzung für eine gute Show, doch in meinen Augen entfalten sich RAGE heute nicht wirklich. Zwar hält Peavy durchweg Kontakt mit dem Publikum und bringt dabei die ein oder andere mehr oder weniger witzige Ansage, aber das an und für sich natürlich hochklassige Material mag nicht so recht zünden. Mit Ausnahme natürlich vom epischen „Higher Than The Sky“, bei welchem die Band es dann wirklich schafft, einen amtlichen Fan-Chor auf die Beine zu stellen, was in diesem Umfang am gesamten Festival ohne Beispiel war. Und dennoch bleibt ein etwas schaler Beigeschmack, bleibt die ganz große Party doch selbst bei dieser dafür eigentlich prädestinierten Band aus.
[Marius Mutz]

Nachdem das Eisenwahn 2012 ansonsten bisher reibungslos nach Zeitplan abgelaufen war, gibt es diesbezüglich ausgerechnet bei KATAKLYSM, dem finalen Headliner des Festivals, Probleme, so dass sich der Konzertbeginn um fast eine halbe Stunde verschiebt. Schade ist das vor allem für alle Fans unter 18, welche im Vorhinein nochmals darauf hingewiesen wurden, dass sie das Gelände bitte um 24:00 Uhr zu verlassen hätten – fünf Minuten also, nachdem die KANADIER es dann doch auf die Bühne geschafft hatten. Diese legen dann auch gleich ziemlich stark los und die Zeichen stehen gut, dass das Eisenwahn 2012 mit einem wahren Konzert-Highlight zu Ende geht… Songs wie „To Reign Again“ oder „The Resurrected“ gleich zu Beginn lassen jedenfalls Großes erhoffen.
Spielerisch liefern KATAKLYSM im Folgenden, wie man es von der Band gewohnt ist, eine routiniert-perfekte Show ab, welche durch den perfekten Sound wirklich mächtig aus den Boxen drückt – dass die Setlist im weiteren Verlauf dabei leider so manchen Hit missen lässt und statt dessen mit einigen nur selten gespielten Nummern aufwartet, mag den eingefleischten Fan vielleicht begeistern – verleiht dem Konzert in meinen Augen jedoch eher einen etwas schalen Beigeschmack, finden eben diese Songs doch nicht ohne Grund beim Erstellen der Setlist nur selten Beachtung.
Dass Maurizio zwischendurch ein kleines Kind, das in Begleitung seiner Eltern auf das Konzert gekommen ist, auf die Bühne holt und von der Menge feiern lässt, verschafft ebenso wie seine Ansage, dass er heute so viel Spaß hätte, dass KATAKLYSM so lange spielen würden, bis sie von der Bühne geschmissen würden, Sympathiepunkte… allein gerade letztere Ansage erweist sich – wie der Großteil der restlichen, teils eher wirren Ansagen – im Folgenden als vollkommen inhaltsleeres Geschwafel: Bereits nach 80 Minuten Spielzeit verabschiedet sich die Band ein erstes Mal von der Bühne. Dass eine Zugabe folgt, ist natürlich obligatorisch – dass die Show am Ende dann jedoch gerade einmal 85 Minuten dauert, ist gerade mit eben erwähnter Ansage im Hinterkopf doch ebenso peinlich wie die Ansage, KATAKLYSM seien so Fan-nah, dass sie sich regelmäßig die Facebook-Posts der Fans durchlesen würden, um in Kontakt mit ihnen zu bleiben… bedenkt man, dass die Band kurz zuvor die von vielen Fans freudig erwartete Autogrammstunde abgesagt hatte.
[Moritz Grütz]

Setlist KATAKLYSM:
01. To Reign Again
02. The Resurected
03. Soulless God
04. Prevail
05. Iron Will
06. Face The Face Of War
07. Taking The World By Storm
08. Awakener
09. The Night They Return
10. Where The Enemy Sleeps
11. At The Edge Of The World
12. Bound In Chains
13. Crippled And Broken
14. As I Slither
15 Push The Venom
16. Blind Saviour

17. In Shadows & Dust

Auch 2012 präsentiert sich das EISENWAHN als eines der sympathischsten Klein-Festivals der deutschen Extreme-Metal-Szene: Eine ansprechende Location, reibungslose Abläufe im Spielplan und der restlichen Organisation sowie ein in diesem Jahr vielseitigeres Billing als je zuvor in der Geschichte des Festivals sprechen für sich. Dass das EISENWAHN nach der Auflage im Jahre 2013 Geschichte sein soll, ist in diesem Kontext umso schmerzlicher – jedoch dafür umso mehr Grund genug, auch 2013 nochmal nach Obersinn zu kommen.
[Moritz Grütz]

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