The Exploited w/ The Adicts, Al And The Black Cats

THE EXPLOITED are back in town – Pflichttermin für mich, der ich durch diese Band erst zum Metal gekommen bin und auch heute noch viel Freude an Meilensteinen des Punk wie “Troops Of Tomorrow” oder natürlich “Punk’s Not Dead” habe…

Weit nach dem eigentlich angekündigten Konzertbericht beginnt das Trio AL AND THE BLACK CATS aus Michigan und eröffnet den Konzertabend im Backstage Werk, das zu diesem Zeitpunkt noch so leer ist, dass man sich fragt, ob die Veranstaltung nicht nur deshalb in der größten der drei Backstage-Hallen abgehalten wird, weil die beiden anderen schon mit anderen Konzerten belegt sind…
Doch den widrigen Bedingungen zum Trotz schaffen es die drei aufgekratzten Musiker recht schnell, das Publikum für ihren Punk-Rock zu begeistern und vor die Bühne zu holen: Egal, ob Gitarrist und Sänger Tony ein ums andere Mal die Base-Drum bespringt oder Bassist Hugh, auf seinem Kontrabass stehend spielt oder diesen wild um sich wirbelt – die Band weiß, wie man ein Publikum unterhält und verbreitet so eine knappe Stunde lang gute Laune im Werk, wofür sie mit verdientem Applaus belohnt werden. Ein gelungener Start in den Abend…

Nach einer – dem Anlass gemäß am Bierstand zugebrachten – Umbaupause sind THE ADICTS an der Reihe – die nach eigenen Angaben dienstälteste noch in Originalbesetzung aktive Punk-Band überhaupt.
Seit 1975 rockt sich die Mannschaft um Keith „Monkey“ Warren durch die Weltgeschichte – und hat dabei so einiges an Erfahrung gesammelt, wovon auch die heutige Show profitiert: Routiniert, als hätten sie nie etwas anderes gemacht (was vermutlich sogar stimmt), wissen THE ADICTS, wie man ein Publikum erobert. Während die Musiker sämtlich ganz in weiß gekleidet auftreten, zieht Paradisvogel Warren mit seinem Harlekins-Makeup und entsprechend kunterbuntem Pailletten-Kostüm zunächst alle Aufmerksamkeit auf sich (und erinnert mich dabei, ohne dass ich es begründen könnte, an Freddy Mercury).
Da mir die Band bislang offensichtlich immer entgangen ist, kann ich an dieser Stelle nicht mit Songnamen oder gar einer Tracklist aufwarten – doch gerade hierin zeigt sich, dass die Band zu recht so viele Jahre überdauert hat – kann ihre Musik auch dann begeistern, wenn man nie zuvor auch nur einen Song davon gehört hat.
Doch die an sich schon astreine musikalische Darbietung wird dabei von der Show, die die Herren abziehen, in den Schatten gestellt… ist diese, zumindest für einen Metalhead wie mich, durchaus mal was Anderes: Dem Harlekin-Kostüm des Sängers entsprechend besteht diese nämlich darin, die komplette Show über allerlei Karnevals-Artikel wie Luftschlangen, Girlanden, Konfetti und last but not least mindestens drei komplette Kartenspiele über Bühne, Pressegraben und Publikum zu verteilen. Begleitet von einer unablässig feuernden Seifenblasenkanone und schließlich auch noch unzähligen Wasserbällen aller Größen und Farben, die über die mittlerweile beachtlich angewachsene Menge vor der Bühne wandern, ist so nicht nur für Heiterkeit gesorgt, sondern auch dafür, dass die Roadcrew nach dem Auftritt ordentlich etwas zu fegen hat, wollen THE EXPLOITED nicht auf der Bühne in Party-Utensilien ersticken.

Nach diesem Fest der guten Laune wirken THE EXPLOITED, die die Bühne zum obligatorischen Eine-Minute-Intro-Schrei von ihrem immernoch aktuellen Album “Fuck The System” betreten, fast schon wie ein Kontrastprogramm – mit der Partylaune ist es nämlich schnell vorbei, als Punk-Legende Wattie mit seiner mittlerweile wohl 100. EXPLOITED-Besetzung die Bühne betritt… denn das unbeständige Lineup von THE EXPLOITED ist der harmloseste Unterschied zu den ADICTS:
Statt Party-Mucke gibt es jetzt Hardcore-Punk satt, und das absolut ohne Kompromisse.
Unter Kompromisse ist in diesem Fall zu verstehen: Jegliche Form von Schnickschnack wie Bühnenshow, Ansagen oder auch guter Sound. Doch wer THE EXPLOITED hört, sollte wissen, worauf es ankommt und was ihn erwartet, wenn er die 25€ für das Ticket hinblättert (tja… auch Punk-Rocker lassen sich ihren Star-Status offensichtlich gut bezahlen). Und so kann ich jedem, der nach Ende des Konzertes Sätze wie “THE ADICTS waren live halt richtig geil, haben ne Show gemacht und so, und THE EXPLOITED halt einfach live scheiße” vom Stapel ließ, nur sagen, dass er sich offensichtlich schlicht den falschen Zeitvertreib aus dem prallen Münchner Nachtprogramm herausgepickt hat, wenn er von THE EXPLOITED irgendwelchen Kokolores erwartet hat.
Statt dessen rocken die Schotten um den wohl legendärsten Irokesen der Rockgeschichte das Haus auf ihre Art: Mit einem Hitfeuerwerk, das kein Auge Trocken und keine Stimmband ungequält lässt: Egal, ob Klassiker wie “The Massacre”, “Troops Of Tomorrow”, “Exploited Barmy Army” oder “Punks Not Dead” oder die neueren Nummern wie “Beat The Bastards”, “Fuck The System” oder der Kracher “Was It Me” – hier bleibt quasi kein Wunsch unerfüllt…
Wattie wirkt dabei äußerst gut gelaunt und akzeptiert sogar den ein oder anderen Crowdsurfer auf der Bühne, ohne ihn, wie man es sonst von ihm kennt, von der Bühne zu treten oder schlagen… Statt dessen wirkt der Brüllwürfel richtiggehend zufrieden und kann sich das ein oder andere schelmische Grinsen in den kurzen Pausen zwischen den Songs, während denen er wie ein Kugelblitz über die Bühne wetzt, nicht verkneifen.
Als nach über einer Stunde fünfzen erstmal Schluss ist, holt Schlagzeuger Willie Buchan diverse Fans auf die Bühne, um die herrlich dumme Mitgröl-Hymne “Sex & Violence” anzustimmen… Hirn ausgeschalten und mitgeschrien heißt die Devise – und auch die Band holt das Letzte aus sich heraus und feiert mit den Fans auf und vor der Bühne, bevor Wattie ein letztes Mal eben jene entert und den Song nochmal “gescheid” in die Halle feuert.

Fünf lange Jahre hat das Münchner Publikum sich gedulden müssen, bis THE EXPLOITED sich wieder hier haben blicken lassen – und all die Jahre offensichtlich nur darauf gewartet, wieder in die Rolle der “Barmy Army” zu schlüpfen. So ist der Gig für THE EXPLOITED ein absolutes Heimspiel – trotz starker Vorbands und eines nicht immer 100% optimalen Sounds haben die Herren an diesem Abend mit einem mitreißenden und kraftvollen Auftritt vor allem eines eindrucksvoll bewiesen:Punk’s not dead at all!


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