CD-Review: Avantasia - Ghostlights

Besetzung

Tobias Sammet - Gesang, Bass, Keyboard
Sascha Paeth - Rhythmus-Gitarre, Lead-Gitarre, Bass, Keyboard
Oliver Hartmann - Lead-Gitarre
Felix Bohnke - Schlagzeug
Michael Rodenberg - Keyboard, Orchestrationen

Gastmusiker:
Bob Catley – Gesang
Dee Snider – Gesang
Geoff Tate – Gesang
Herbie Langhans - Gesang
Jorn Lande – Gesang
Marko Hietala – Gesang
Michael Kiske – Gesang
Ronnie Atkins – Gesang
Robert Mason – Gesang
Sharon Den Adel – Gesang
Bruce Kulick - Lead-Gitarre

Tracklist

01. Mystery Of A Blood Red Rose
02. Let The Storm Descent Upon You
03. The Haunting
04. Seduction Of Decay
05. Ghostlights
06. Draconian Love
07. Master Of The Pendulum
08. Isle Of Evermore
09. Babylon Vampyres
10. Lucifer
11. Unchain The Light
12. A Restless Heart And Obsidian Skies
13. Wake Up To The Moon


Man muss vermutlich nicht allzu viele Worte verlieren, wenn eine neue Veröffentlichung von AVANTASIA ansteht, bürgt allein der Name des Projekts rund um Mastermind Tobias Sammet schon für Qualität. Tatsächlich könnte sich das nach dem letzten Release „The Mystery Of Time“ jedoch ein wenig geändert haben. Der Vorgänger des nun erschienen „Ghostlights“ war zwar das finanziell erfolgreichste Album der Band jedoch auch das musikalisch streitbarste. Vielen Fans der Band fehlte einfach das besondere Etwas.

Gewissermaßen ist „Ghostlights“ jedoch eine Fortsetzung des letzten Albums, zumindest bezogen auf das lyrische Konzept. So erzählen die Songs die Geschichte eines Zirkels von Wissenschaftlern, die dem Größenwahn erlegen sind und durch Manipulation des menschlichen Zeitempfindens die absolute Kontrolle erreichen wollen. Auf der anderen Seite steht ein junger Wissenschaftler und Agnostiker, welcher zwischen die Fronten von Wissenschaft und Moral geriet, sodass er beginnt sich Fragen zu Spiritualität, der Geschwindigkeit und den wesentlichen Aspekten des Lebens zu stellen. Trotz der großen übergeordneten Thematik, gibt es jedoch kein Storytelling wie zum Beispiel bei Ayreons „The Theory Of Everything“.

Eine Sache hat „Ghostlights“ dann aber doch mit dem letzten Ayreon-Werk gemeinsam, denn zu den zahlreichen illustren Gästen zählt dieses Mal auch Marko Hietala (Nightwish). Überhaupt kann man immer wieder nur staunen, welch eine Schar von Musikern für AVANTASIA an Land gezogen werden. Neben alten Bekannten wie Jorn Lande (Jorn, Ex-Masterplan) und Michael Kiske (Unisonic, Ex-Helloween) sind auch einige neue Musiker, wie beispielsweise Bruce Kulick (Ex-Kiss, Ex-Meat Loaf), Dee Snider (Twisted Sister), Geoff Tate (Ex-Queensryche) oder eben Marko Hietala (Nightwish), dabei.

Allein die aufgezählten Namen machen aber noch kein gutes Album und so bleibt die große Frage, welchen Weg gehen AVANTASIA nach der letzten Scheibe? Die Antwort kann man kurz und knapp beantworten. Ihren eigenen. „Ghostlights“ überzeugt dabei vor allem mit einer Qualität, die dem Vorgänger ein wenig fehlte, nämlich der Vielfalt und den damit verbundenen Überraschungsmomenten. Sicherlich ist dies eine Kritik auf sehr hohem Niveau, jedoch muss sich Tobi, als alleiniger kreativer Kopf, genau dem auch stellen. Der zweite große Unterschied zum Vorgänger ist das fehlende Orchester. Zog „The Mystery Of Time“ viele seiner bombastischen Momente noch aus dessen Präsenz, gehen AVANTASIA hier wieder einen deutlich subtileren Weg, um besondere Momente zu kreieren.

Bereits der Opener „Mytery Of A Blood Red Rose“, mit welchem AVANTASIA ja bekanntermaßen zum Vorentscheid für den ESC antreten, gibt einen Hinweis auf die Qualität des Albums. Der Song ist eine schöne, getragene Rocknummer im Stile von Meat Loaf und überzeugt nicht nur mit seinem eingängigen Refrain, sondern vor allem durch die gelungene Piano-Begleitung und den starken Gesang von Tobi Sammet. Wer nun befürchtet, dass die Musik zu „poppig“ geraten ist, der darf sich gleich wieder beruhigen, denn mit „Let The Storm Descent Upon You“ folgt nicht nur die längste Nummer des Albums, sondern auch der gewohnte Bombast kehrt zurück und das Stück steigert sich in seinem Verlauf zu einer richtig eindrucksvollen Melodic-Metal-Nummer. Mit Jorn Lande, Ronnie Atkins und Robert Mason dürfen zudem gleich drei weitere Sänger ihre Parts beisteuern.

Es wirkt tatsächlich, als hätte Herr Sammet beim Schreiben der einzelnen Stücke schon genau im Kopf, wen er dafür an Bord holen will. Die Arrangements und Gesangslinien sind den einzelnen Mitstreitern wie auf den Leib geschrieben. Nummern wie das bombastisch düster stampfende „Seduction Of Decay“, das an Helloween erinnernde Titelstück „Ghostlights“ oder auch das flotte „Unchain The Light“ würden ohne Michael Kiske definitiv nicht so gut funktionieren und beim aggressiven „Master Of The Pendulum“ könnte man glauben, dass die Herren Sammet und Hietala mal kurz Rücksprache mit Nightwish-Mastermind Tuomas Holopainen gehalten haben. Die heimliche Überraschung ist jedoch das an The 69 Eyes erinnernde „Draconian Love“.

Tobias Sammet beweist einfach ein unglaubliches Gespür für das Songwriting und den Einbau neuer Elemente in das bekannte Klangbild von AVANTASIA. Es gibt schöne Piano-Passagen auf der einen Seite und dezente elektronische Einflüsse auf der anderen Seite. Dazu gesellen sich immer wieder bekannte Trademarks wie die Chöre, hervorragende Gitarrenmelodien und die genau aufeinander abgestimmten Gesangslinien.

„Ghostlights“ ist definitiv ein weiterer Meilenstein in der Geschichte von AVANTASIA und eines der besten Alben in Sachen Melodic Metal.

Bewertung: 10 / 10

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2 Kommentare zu “Avantasia – Ghostlights”

  1. Marvin

    Also eines muss ich Ihnen ja lassen Herr Ilius. Rezensionen schreiben können Sie ja. Und auch wenn ich dem nicht zu 100% zustimmen kann, so kann ich doch behaupten, dass die Rezension sehr gut gelungen ist und wirklich auch zu 85% meine Meinung widerspiegelt. Das Album ist wirklich großartig geworden und gehört meiner bescheidenen Ansicht nach zu den besten Machwerken von Herrn Sammet. Ganz großes Kino.

    1. Christoph Ilius Post Author

      Vielen Dank. Es ist schön zu hören, dass das Review dir gefällt. Tatsächlich kann ich dir sagen, ich habe lange überlegt, ob die 10 Punkte gerechtfertigt sind. Hätte ich nach den ersten 2-3 Durchläufen eine Wertung abgeben müssen, wäre sie wohl etwas geringer ausgefallen, aber nach mehr und mehr Rotationen war die Entscheidung für die 10 klar.

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