CD-Review: Bleeding - Behind Transparent Walls

Besetzung

Haye Graf – Gesang, Keyboards
Marc Nickel – Gitarre, Bass
Jörg von der Fecht – Gitarre, Bass
Marc Kriese – Bass
Michael Leska – Schlagzeug

Tracklist

01. Behind Transparent Walls
02. Fading World
03. Humanoluminiscene
04. Symbol Of The Sun
05. Madness
06. Inifinite Jest
07. Solitude Pt. 1
08. Solitude Pt. 2


Voilà, da ist es – das erste kleine Highlight des noch jungen Jahres 2015. Trotz der Veröffentlichung einer EP 2012 hatte ich die Prog-Metaller von BLEEDING überhaupt nicht auf dem Schirm – umso größer ist jetzt natürlich der Überraschungseffekt, den ihr Debüt „Behind Transparent Walls“ bei mir auslöste. Scheinbar aus dem Nichts schickt sich hier eine bis dato ziemlich unbekannte Band an, das Genre „Prog Metal“ in den nächsten Jahren maßgeblich mitzugestalten. So meine Prognose, so meine Hoffnung.

Nun ist es nicht so, dass die fünf Musiker, die sich unter dem Namen BLEEDING zusammengefunden und allesamt schon einige Jahre als Musiker hinter sich haben, das Genre-Rad neu erfinden würden. Man bewegt sich auf bekannten Pfaden, die vor den Norddeutschen bereits von Bands wie Psychotic Waltz, Anacrusis oder, gerade wenn es etwas härter zur Sache geht, Nevermore beschritten wurden – aber lange habe ich diese Musik nicht mehr mit so viel Können, so viel Kreativität und so unprätentiös gespielt gehört. BLEEDING gelingt der Balanceakt zwischen spielerischer Souveränität und kompositorischer Frische. Anders formuliert: Das Quintett weiß genau, was es tut, aber tut es völlig unverkrampft.

Das Resultat, eingefangen in eine wunderbar transparente und druckvolle Produktion, sind acht Songs von absolut überdurchschnittlicher Qualität, die zugleich eine eigene Handschrift erkennen lassen. Zu letzterem trägt vor allem die Stimme von Sänger Haye Graf bei, dem es gelingt, den Stücken ihre eigene Atmosphäre zu verleihen. Angst, Wut, Überdruss, all das legt er mit seiner Stimme in und über die Musik, die dadurch im Erscheinungsbild zwischen Zerbrechlichkeit und geradliniger Härte changieren kann. Dazu gesellt sich ein weiterer, echter Glücksfall: die Texte. Versehen mit einem durchaus sozialkritischen Einschlag und in den genutzten Bildern teils nahe am Poetischen, kann man auf die etymologische Nähe von Lyrics und Lyrik pochen – und zwar ohne sich zu blamieren. Wem die Texte generell egal sind, den mag dies kaum kümmern; alle anderen werden mit Erleichterung und Begeisterung die Texte von „Madness“, „Infinite Chest“ oder dem alles überragenden „Solitude“ zur Kenntnis nehmen.

Kurz und gut: „Behind Transparent Walls“ darf als Pflichtprogramm für all jene verstanden werden, die ein Faible für etwas vertrackteren, aber trotzdem melodischen und eingängigen Prog Metal haben. Man darf jedenfalls BLEEDING zu diesem auffallend überzeugenden Debüt gratulieren.

Bewertung: 9 / 10

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