CD-Review: Faal - Abhorrence of Salvation

Besetzung

Jan - Gesang
Ward Maaswinkel - Gesang, Schlagzeug
Alex - Gitarre
Pascal Vervest - Gitarre
Geert - Bass
Yara - Keyboard

Tracklist

01. 00:00
02. In my final hour of Grief
03. The Scent of withered Flowers
04. Perpetual Solitude


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Mir dünkt, die Doom-Wochen sind angebrochen. Erst überraschen Colosseum mit einem Ausbund an kunstvoll zelebrierter Trägheit und dann legen FAAL mit „Abhorrence of Salvation“ nach. Und dass auf diesem Tonträger nichts ganz Schlechtes drauf sein kann, lassen gleich zwei Indizien vermuten: 1. Faal kommen aus den Niederlanden und diese sind seid jüngerer Zeit ein echter Geheimtipp, was junge Bands der düsteren Ecke angeht. 2. Die Jungs (und das Mädel) sind bei Ván unter Vertrag. Spätestens bei diesem Satz könnte ich die Rezension zwar beenden und meine 9 Punkte abgeben, aber damit wären meine Redaktionskollegen wohl kaum einverstanden…

Die guten Vermutungen bestätigen sich: Faal nehmen den Hörer schnell mit Rhythmen gefangen, die sich für Doom-Verhältnisse in überraschend hohen Geschwindigkeitsbereichen bewegen und heavy voranmarschieren. Der Begriff „heavy“ schießt einem auch schnell bei den Leadgitarrenmelodien in den Kopf, die einen ziemlich traditionellen Touch haben und zumindest dem ersten Lied trotz tonnenschweren Gitarren und Grunzgesang einen leichten Black Sabbath-Touch verleihen.
Nach Opener, der mit „nur“ 7:35 Minuten das kürzeste Stück des Albums ist, geht’s dann aber um einiges finsterer und langsamer weiter. Auf der epischen Breite von über 13 Minuten, die fast alle der folgenden drei Lieder aufweisen, wird alles aufgefahren, was für eine würdige Suizidbeschallung dienlich ist: zähe Lavariffs, dramatische Leadgitarren, Streicherensembles, die am offenen Grab spielen könnten, wütend stampfende Midtempo-Brecher, traumhafte Ambient-Parts, ein Piano, das stark an das erste Lacrimosa-Album erinnert, cleane Gitarrenharmonien… und all das in jedem, ja wirklich jedem, der drei Lieder.

Es dürfte rübergekommen sein: Faal sind nicht so monoton, wie man es von Doom gewohnt ist. Ohne aus den Liedern verschachtelte Prog-Hymnen zu machen, geben sie ihnen allerlei verschiedene Akzente, etliche Höhepunkte, an denen man sich festbeißen kann, bis man den nächsten Part bestaunen kann. Hier gibt es viel zu entdecken, ja, dieses Album schreit geradezu danach, immer öfter angehört zu werden. Dank seiner Vielseitigkeit ist auch nach mehreren Durchläufen nicht zu befürchten, dass hier Langeweile aufkommt.

Die Betonung, die auf den Keyboards liegt, lässt die Band in manchen Ohren natürlich eventuell leicht in Richtung Kitsch rücken. Sei’s drum. Doom Metal ist emotionale Musik, und Emotionen werden nun mal am ehesten mit wehmütigen Streichern und behutsamen Klaviermelodien angesprochen. Das hier ist epische, melodramatische Musik, da passen große Arrangements mit neoklassischen Ansätzen ideal ins Bild – zumal hier Künstler am Werk sind, die ihre Musik nicht einfach mit Keys vollklatschen, bis sie traurig klingt, sondern wirklich ein Händchen für wohlüberlegt eingesetzte Keyboardspuren beweisen.

Um es kurz zu machen: Hier wurde einfach alles richtig gemacht. Vielschichtige Songaufbauten, wunderschöne Melodien, gelungene Einflüsse aus Gothic, Black und Heavy Metal, ein druckvoller, aber dennoch knarziger Sound und insbesondere die emotionale Größe, die jeden Funken Schwermut im Hörer heraufbeschwört, rechtfertigen die 9 Punkte, die ich schon am Anfang des Reviews in Aussicht gestellt habe. Ha, hätte ich doch nicht weiterschreiben müssen. Mist.

Bewertung: 9 / 10

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