CD-Review: Farsot - IIII

Besetzung

10.XIXt – Gesang
3818.w – Gitarre
Pi:1T 5r – Gitarre
v.03/170 – Bass
R 215k – Schlagzeug

Tracklist

01. Thematik: Hass
02. Hass – Angst
03. Thematik: Angst
04. Angst – Tod
05. Thematik: Tod
06. Tod – Trauer
07. Thematik: Trauer


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„IIII“ – so der Name des Debütalbums von FARSOT und zugleich auch der Titel eines Erstlings, von dem die Masse viel erwartet und ganz ehrlich auch viel erwarten darf. „042103Freitod“ schürte hohe Erwartungen, da jene Demo eben eine gewisse Klasse besitzt und im Übrigen schön aufgemacht zu erwerben ist. Nun ist „IIII“ wohl zweifellos eine Art Konzeptalbum, was vorab schon auf einiges hoffen ließ. Inwiefern da eine Thematik verwirklicht worden ist, werde ich im Hauptteil erläutern, wobei die Liedtitel dies ja eigentlich schon nahe legen.

„IIII“ ist zuallererst ein Werk, welches genügend Freiraum braucht, um sich entwickeln und um wachsen zu können. Natürlich tönt das Debüt auch beim ersten Hörgang nicht schlecht, doch dieser reicht freilich nicht, um alle Facetten und das ganze Klangerlebnis erfassen zu können. Wie dem auch sei, es gibt auf dem vorliegenden Album vier respektive drei konventionelle Stücke (je nachdem, wie man das 20 Minuten-Lied „Thematik: Trauer“ werten möchte). Es geht los mit „Thematik: Hass“, welches mit düsteren, furchterregenden Luftschwingungen beginnt, bevor dann letztlich der Sturm in Form eines Black Metal-„Angriffs“ beginnt. 10.XIXt krächzt und kreischt in einer sehr dunklen Tonlage, wie man sie hauptsächlich von temporeichem und blastlastigem Black Metal kennt. Höher wird seine Stimme nur, wenn die Klimax eines Gefühls erreicht ist und die Leidenschaft völlig ausbricht. Diese Szenerie wird immer wieder abgeändert beziehungsweise es wird mit ihr gearbeitet. So verfeinert so manch bizarrer Ton die Atmosphäre. Außerdem kommen die Gitarren wunderbar zur Geltung, sie brillieren mit einer Vielzahl an verschiedenen Riffs, welche die Stimmung gut wiedergeben und noch flirrend nachklingen, wirklich sehr schön. Den Übergang „Hass – Angst“ nimmt man zunächst schleichend wahr, bevor man sich dieser Sache dann schlagartig und im Inneren aufgewühlt bewusst wird. Daran orientiert sich natürlich das nachfolgende Lied „Thematik: Angst“, welches schon mit den ersten Riffs die neue Ausgangslage skizziert. Es geht nun nicht mehr so durchweg schnell zur Sache wie im ersten Track, sondern hier und da werden nachdenkliche sowie schleppende Sequenzen eingebaut, welche jedoch in einem wahren Emotionsausbruch münden; der Hass schimmert eben doch noch durch.

„Angst – Tod“ wartet mit einer kalten, sterilen und einsamen Atmosphäre auf, man kommt sich vor wie jemand, der im Dunkeln eine verlassene Ruine eines vielleicht Krankenhauses durchwandelt. Man erblickt die Reliquien von nicht mehr existentem Leben, ein eisiger Schauer überkommt den Reisenden. „Thematik: Tod“ drosselt das Tempo erneut, nun darf sogar der Bass richtig bewusst auf den Hörer einwirken. Im weiteren Verlaufe arrangieren sich die verschiedenen Parts wirklich sehr gut, für mich ist „Thematik: Tod“ das bis dato beste und reichhaltigste Lied des Albums. Spätestens gegen 3 ½ Minuten verliert man sich in der Musik, welche zu diesem Zeitpunkt aus einsamen Leidgekrächze besteht und voller Melancholie ist. Dies scheint aber zugleich eine Art Wendepunkt innerhalb der Musik zu sein, da das Quintett hiernach schneller und frischer agiert; ganz so, wie das letzte Aufbäumen des Lebens, wenn es sich ein letztes Mal energisch gegen den Tode stemmt, aber letztlich nach relativ kurzer Dauer verliert. „Tod – Trauer“, darauf folgend, ist ein Requiem und damit wäre auch schon alles gesagt. Liebliche Frauenstimmen besingen den Toten und leiten über in „Thematik: Trauer“ – den eingangs erwähnten 20 Minuten-Brocken. Langsam und paralysiert stapft man lustlos durch die Ödnis, die Gedanken noch fest im Griff der Trauer um den jüngst Verstorbenen. Man ist zu keiner Reaktion auf dieses Ereignis fähig, zu frisch die Wunde und zu ohnmächtig der Geist. Doch nach und nach kann man den Tod verarbeiten, ist zu Gefühlsregungen fähig und schreit das eigene Leid, die Trauer aus sich heraus, befreit sich von dem grauen Mantel der Besinnungslosigkeit, welcher einen niederdrückt. Doch damit sind wir längst nicht am Ende, die Reminiszenzen – seien es auch nur gedankliche – des Verstorbenen beschäftigen einen, wecken Erinnerungen und lassen kein Schließen der klaffenden Wunde zu. Doch all das ebbt irgendwann ab, wenngleich ein gewisser Rest immer in einem selbst verweilen wird.

FARSOT haben ein wirklich geniales Album erschaffen. Durchgehend wird virtuos agiert, außerdem wurde ein Rahmenkonzept erstellt, was sehr gut passt und somit vortrefflich gewählt worden ist. Als Hörer kann man sich da nur zurücklehnen und die Szenerie sowie die Transformation genießen. „Solide verwurzelt im düsteren Black Metal gelingt es FARSOT, musikalische Kontraste so unvermittelt zu inszenieren und damit den Hörer zu fesseln […]“. Joa, so (Zitat stammt von dem Infoblatt von Lupus Lounge) kann man „IIII“ wohl auch beschreiben.

Bewertung: 8.5 / 10

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