DVD-Review: Faun - Ornament (DVD)

Besetzung

Oliver SaTyr - Gesang, Nyckelharpa, Harfe, Lauten, Cister
Elisabeth Pawelke - Gesang, Drehleier
Niel Mitra - Sampler, Synthesizer
Fiona Rüggeberg - Gesang, Sackpfeifen, Flöten, Dombra, Rebab, Pommer, Chalumeau, Oud
Rüdiger Maul – Perkussioninstrumente

Tracklist

Paganfolk Special 2006 (feat. Omnia)

01. Wind & Geige
02. Loibere Risen
03. Punagra
04. Asis

Totem Tour 2007

01. Gaia / Rad
02. Andro
03. Tagelied
04. 2 Falken
05. Rosmarin
06. Satyros
07. Wind & Geige
08. Tinta


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Über die letzten Jahre ist die Müncher Mittealterkombo FAUN zu einer festen Institution in der deutschen Mittelalterszene geworden. Nicht nur durch ihre ersten 4 Alben, sondern auch durch die erste DVD „Lichtbilder“ verhalfen die Münchner dem Paganfolk zu einer immer größeren Popularität in Deutschland und den Nachbarländern. Nur ein halbes Jahr nach der erfolgreichen Veröffentlichung des letzten Albums „Totem“ melden sich Oliver SaTyr und seine Band nun mit der 2. DVD-Veröffentlichung auf der (mittelalterlichen) Bühne zurück.

Die dreieinhalb Stunden Gesamtspielzeit umfassen zwei Tourblöcke: das Paganfolk Special zusammen mit Omnia aus dem Jahr 2006 und die aktuelle Totem-Tour aus dem Jahr 2007. Beide Auftritte wurden in der Heimatstadt der Band (München) in unterschiedlichen Lokalitäten gefilmt. Das Spectaculum Mundi war im Gegensatz zur Georg-Elser-Halle für den Mitschnitt eine unglückliche Wahl, so dass weite Teil des Konzerts frontal von vorne oder sehr schräg gefilmt wurden, was etwas unvorteilhaft und unpassend wirkt, da außerdem die Schnitte ab und an zu schnell für Auge und Ohr sind. Bei einem ruhigen Song darf ein Künstler meiner Meinung nach gerne längere Zeit im Bild bleiben, ohne dass direkt nach wenigen Sekunden hektisch auf andere Bandmitglieder geschwenkt wird.

Zusätzlich gibt es drei Stücke des aktuellen Albums in einer bisher unveröffentlichten Unplugged-Version: Unter „unplugged“ versteht man in diesem Fall Oliver SaTyr mit seiner Gitarre im Wald. Was zunächst für die meisten mit Sicherheit befremdlich klingt, erweist sich bei etwas genauerem Hinhören als durchaus melodisch und angenehm. Mehrmals sprach Oli in Interviews darüber, das so viele seiner Stücke entstanden sind und für Fans ist der Vergleich zwischen Ursprung und Endprodukt mit Sicherheit ein nettes Feature.

Als besonderen Höhepunkt enthält die DVD zudem ein bisher unveröffentlichtes Stück namens „O virtus sapientiae“ von Helga von Bingen, welches in einer Tropfsteinhöhle aufgenommen wurde und mit einem selbst für Faun einzigartigen Ambiente aufwartet. Wie schon bei Olis Akustikstücken ist es hier auch mehr der klangliche Genuss, der im Vordergrund steht.

Natürlich darf auch der obligatorische Blick hinter die Kulissen nicht fehlen, wobei sich die Faune in diversen Interviews und Segmenten von einer wirklich sehr persönlichen Seite zeigen. So wird zuerst die Vergangenheit und die Entstehungsgeschichte der Band an den jeweiligen Orten aufgerollt, bis die Vier schließlich erst über die Gegenwart und dann ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft sprechen. Hierbei bestätigt sich der verträumt-melancholische Eindruck (und der nicht ganz von der Hand zu weisende Einsatz von Genussmitteln), der sich auch in ihrer Musik widerspiegelt. Wer einmal die Möglichkeit hatte, mit Oli und Co. vor oder nach einem Konzert zu sprechen, wird hier sicherlich weniger Neues erfahren, doch für Neueinsteiger und Fans, die diese Gelegenheit noch nicht hatten, ist es durchaus informativ und ansprechend aufbereitet.
Grundsätzlich ist die optische Gestaltung von „Ornament“ sehr gelungen. Die Menüführung ist einfach, wenngleich die Schrift auf kleineren TV-Geräten ab und an etwas schwer zu lesen ist, und die Grafiken wurden von der Französin Martine Fassier mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Leider geht dies etwas auf Kosten der Geschwindigkeit, so dass die Ladezeiten der einzelnen Seiten doch moderat hoch sind.

Die ausgewählten Stücke der einzelnen Tourblöcke sind passend, wenngleich die 2. Version von „Wind & Geige“ nicht zwangsläufig nötig war. So fällt allerdings anhand dieses Liedguts der Vergleich zwischen Faun 2006 und Faun 2007 , der weit über die neuen weißen Kleider von Elisabeth und Fiona hinaus geht, besonders leicht und man merkt, dass die 2007er Ausgabe der Band etwas mehr in Richtung Elektro und sogar Dancefloor geht. Hier tragen die Münchner wohl ihrem steigenden Beliebtheitsgrad in der schwarzen Szene Rechnung. Zwischen den Stücken lockert Oli (der als „Frontmann“ untypisch ganz links auf der Bühne steht) die Stimmung immer mit kleinen amüsanten Geschichten und Ansagen auf. Die Highlights der ersten Hälfte sind meiner Meinung nach „Wind & Geige“, während beim Totem-Block „2 Falken“ einen noch besseren Eindruck als auf CD hinterlässt, wenngleich ich nicht hoffe, dass Faun den Anteil der elektronischen Elemente noch weiter erhöht, da man in dieser Hinsicht den Bogen schnell überspannen kann wie man an einigen anderen Genrevertretern sieht.
Leider sieht man bei den gesamten Aufnahmen auch etwas wenig Publikum, was allerdings weniger überraschend ist, wenn man bei den enthaltenen Konzerten aus München persönlich anwesend war. So geht es bei Faun im Gegensatz zu anderen Bands meistens eher ruhig zu und nur vereinzelt wiegen sich die Körper zu den Klängen im Takt, während man die meiste Zeit andächtig den sphärischen Klängen lauscht und sich davon treiben lässt.
Diesen Aspekt sollte jeder Käufer der DVD im Vorhinein gut bedenken, denn anders als bei vielen Vertretern des Genres steht bei Faun nicht die wilde Bühnenperformance, sondern die pure Musik im Vordergrund, so dass man vergeblich nach „Action“ und packenden Dudelsackrhythmen sucht, sondern vielmehr getragen wird von den Melodien und Olis einfühlsamer Stimme.

Bewertung: 7 / 10

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