CD-Review: Flower Kings - The Sum Of No Evil

Besetzung

Roine Stolt – Gitarre, Gesang
Hasse Fröberg – Gitarre, Gesang
Tomas Bodin – Keyboards
Jonas Reingold – Bass
Zoltan Csörsz – Schlagzeug

Tracklist

01. One More Time
02. Love Is The Only Answer
03. Trading My Soul
04. The Sum Of No Reason
05. Flight 999 Brimstone Air
06. Life In Motion


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Herrje, was ist nur aus den Blumenkönigen und ihren blühenden Blüten geworden? Die Mannen um Roine Stolt gehörten zusammen mit Spock’s Beard im letzten Jahrzehnt zur Sperrspitze des Retroprogs. Alben wie „Retropolis“, „Space Revolver“ und „Unfold The Future“ waren Meilensteine in der Diskographie der Band und sprühten nur so vor musikalischer Kreativität, Variantenreichtum und interessanten Arrangements. Die Flower Kings waren nie die ganz großen Rocker, auch wenn sie mal eine Phase hatten, in denen man dem Hardrock im Prog-Soundkosmos mehr Raum gab, ebenso gab es zweifelsohne sehr jazzige Werke im Katalog, die überzeugen konnten.

Doch seit dem Release von „Adam & Eve“, auf das der Doppeldecker „Paradox Hotel“ und nun Anno 2007 das neue Werk „The Sum Of No Evil“ folgt, ist irgendetwas anders im Hause der FLOWER KINGS. Mit „Adam & Eve“ hat man sich erstmalig wieder dem reinen symphonischen Prog der ersten Alben wie „Back In The World Of Adventures“ oder „Retropolis“ zugewandt, ohne die oben genannten Ausflüge einzubauen. Auch der Nachfolger präsentierte größtenteils eher auf Fan-Sicherung getrimmten Sympho-Overkill mit großartiger Instrumentalarbeit, aber den immer gleichen Sounds und Strukturen. Und nun kommt also „The Sum Of No Evil“, das eigentlich schlicht „Love“ heißen sollte, aber umbenannt wurde, weil die Beatles bereits ein Album mit diesem Namen veröffentlich hatten. Und das Rezept bleibt das gleiche wie bei den beiden direkten Vorgängern. Auf diesem Album gibt es in der Tat absolut nichts Neues. Das Album ist wieder weit über 70 Minuten lang; diese Spielzeit verteilt sich auf gerademal sechs Songs, von denen vier Longtracks sind: Es gibt dreimal 13 Minuten und einen 24-Minüter. Dazwischen haben sich mit „Trading My Soul“ und dem Instrumental „Flight 999 Brimstone Air“ zwei kürzere Nummern eingeschlichen.

Beim Hören des Albums macht sich vor allem die Erkenntnis breit, dass Roine Stolt & Co. in den letzten Jahren einfach zu viel Musik veröffentlich haben. Es fällt mir mittlerweile schwer, die ganzen Epics der Band auseinander zu halten, allem voran deshalb, weil markante Parts und Melodien Mangelware geworden sind. Es bleibt völlig unergründlich, warum ausgerechnet „Love Is The Only Answer“ nun 24 Minuten lang ist und nicht etwa einer der drei anderen Monstertracks. Alles wirkt zusammengeklebt, künstlich verlängert und einfach beliebig und ist kaum auseinander zu halten. Es bleibt nichts übrig, was den Hörer überrascht, wachrüttelt oder gar verzaubert. Es ist schon einen ganz besonderen Award der Langweile wert, dass auf „The Sum Of No Evil“ tatsächlich jeder der sechs Tracks mit einem ruhigen Gesangspart und Roine Stolts nuscheligem Säuselgesang beginnt. Eventuell befindet sich davor noch ein mehr oder weniger ausgedehnter Instrumentalpart, den es so in etwa schon mindestens auf drei weiteren Alben der Band gegeben hat. Hinzu kommt, dass im Laufe der Platte allerhöchstens in einigen wenigen, kurzen Momenten von „Love Is The Only Answer“ mal beherzt gerockt bzw. zumindest etwas gerifft wird. Das ganze Album versinkt in gähnender Langeweile und eintönigem Sound. Roine Stolts bei Transatlantic oftmals geäußerter Wunsch, die Songs der Supergroup gern dynamischer gestaltet zu haben, löst sich beim Hören dieser Werke hier von selbst in Wohlgefallen auf. Von Dynamik ist hier keine Spur. Der Leitspruch, unter dem dieses Album entstand war laut Stolt „Flower Kings to the max“. Meiner Ansicht nach hat er genau das Gegenteil erreicht: “Flower Kings minimized“ oder so.

Klar, schöne Keyboardsounds und Gitarrensoli finden wir auch hier, aber neu ist davon gar nichts und spannend ist es auch nicht. Gesanglich übernimmt wie neuerdings üblich der Zweitgitarrist Hasse Fröberg mehr den je das Ruder, was dem Album wieder einmal einen überdeutlichen Yes-Anstrich gibt, von dem sich die Band nie lösen können wird. Hervorzuheben ist auch, dass Drummer Zoltan Csörsz, der nach „Adam & Eve“ ausgestiegen war und für ein Album von Marcus Liliequist mehr schlecht als recht ersetzt wurde, nun wieder an Bord ist. Leider bleibt seine Leistung auf dem Album „Unfold The Future“ bis zum heutigen Tage unerreicht, dagegen trommelt er hier auch recht blass. Das Kurioseste an seiner Wiederkehr: Noch vor dem Release von „The Sum Of No Evil“ hat die Band bekannt gegeben, dass Zoltan Csörsz wieder ausgestiegen ist, nun wohl entgültig. Auf der kommenden Tour werden die Schweden auf den King Crimson-Drummer Pat Mastelotto zurückgreifen. Ein absoluter Glücksgriff, möchte ich meinen, ich hoffe, Herr Mastelotto wird sich bei den Blumenkönigen nicht langweilen und mit ihrem Humor klarkommen.

Wo wir gerade bei Humor sind: Was auch immer die Herren geraucht oder geschluckt haben, um dieses Coverartwork (und auch die Cover der beiden Vorgänger) zu verwenden und lustig zu finden, mir wird ewig verborgen bleiben, was dieses Image mit der Ausnahme, dass es zum Bandnamen passt, an positiven Aspekten mitbringt. Wer braucht einen VW-Bus mit einer Fischflosse und einem „Findet Nemo“-Gesicht mit irgendwelchen Buddhafiguren im Hintergrund. Seltsam. Seltsam ist auch die Produktion, bei der der sonst immer so überdeutlich präsente Bass von Jonas Reingold diesmal ziemlich unhörbar nach hinten gerutscht ist.

Was letztendlich nach dem Hören dieses Albums überbleibt? Der Eindruck, dass hier geniale Musiker mal eine Pause machen sollten und das die Fähigkeit ein Instrument zu beherrschen eben nicht bedeutet, ein spannendes und neuartiges Album aufzunehmen. Der ein oder andere Instrumentalteil mag gefallen, die eine oder andere Melodien durchaus mitsing- und ohrwurmkompatibel sein. Doch die Zeiten von solch gradiosen Nummern wie „I Am The Sun“, „The Truth Will Set You Free“ oder „Devil’s Playground“ sind wohl leider entgültig vorbei. Fans der Band mag das alles dennoch gefallen. Sie sollten auf jeden Fall reinhören. Hierzu möchte ich nur anmerken, dass es eine Phase gab, in der ich mich auch als Fan der Band geoutet habe. Nun gut, das ist heute leider nicht mehr so. Da hier trotzdem insgesamt recht solide musiziert wird, möchte ich auch nicht unter die Sechs-Punkte-Grenze gehen.

Übrigens: Das Album kommt auch als Limited Edition mit Bonus-CD.

Bewertung: 6 / 10

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