CD-Review: Trollfest - Villanden

Besetzung

Trollmannen - Gesang
Mr. Seidel – Gitarre
PsychoTroll - Bass
TrollBANK – Schlagzeug

Gäste:

Per Speleman - Gitarre
Manskow – Akkordeon, Banjo

Tracklist

01. Wo bin ich jetz aufgewacht?
02. Der JegerMeister
03. Uraltes elemente
04. Villanden
05. Per, Pål og Brakebeins Abenteuer
06. Der Uhr ist skandaløst schändlich
07. God Fart
08. Festival
09. En Ny Erfaring
10. Trinkenvisen
11. Die Kirche undt der Mache


„Villanden“ ist das dritte Album der norwegischen Humppa-Institution TROLLFEST. Ich habe dein Eindruck, das Quartett versucht sogar den Humppa Metal, der hauptsächlich durch Bands wie Finntroll bekannt wurde, zu perfektionieren. Die Musik ist durchgehend äußerst schwungvoll und lädt förmlich dazu ein, zu tanzen, zu bangen, Bier und Hochprozentigeres zu vernichten, angeheitert weitertanzen und irgendwann fröhlich und betrunken in die Ecke zu kippen.

TROLLFEST holen sich ihre folkloristischen Anleihen nicht nur aus dem skandinavischen Raum, sondern auch aus großen Teilen Osteuropas. Rein von den Melodien fühlt man sich zuweilen in Länder wie Ungarn, Bulgarien oder die Ukraine versetzt. Schwarzmetallische Anteile, wie bei vielen Vertretern des Humppa-Pagan-Genres, findet man bei TROLLFEST dagegen eher schwerlich. Lediglich in Sänger Trollmannens Gekeife und Gekreische verbergen sich noch einige Überreste. Ansonsten fahren die Jungs überwiegend auf der Folk-Metal-Schiene und lassen gelegentlich sogar den Metal außen vor.
So zum Beispiel beim sehr atmosphärischen und eher besinnlichen Opener „Wo bin ich jetz aufgewacht“, der außerdem noch ein wenig griechisches Flair rüberbringt. Auch „Per, Pål og Brakebeins Abenteuer“ ist ein rein folkloristisches Zwischenstück, und beim äußerst trinkgeselligen „En Ny Earfaring“ übernehmen lediglich Akkordeon und Bass den instrumentellen Part.
Songs wie „Der JegerMeister“, das kurze und sehr schnelle „God Fart“ (hehe) und „Festival“ sind dagegen Prachtstücke des Humppa Metal mit flottem Foxtrott-Takt, Polka-Stimmung und hymnischen Gesängen. Das Ganze natürlich mit entsprechend druckvoller metallischer Darbietung. Die Melodien gehen hervorragend ins Ohr, machen Laune und regen ganz unwillkürlich zum Mitwippen an.
Stücke wie „Uraltes Elemente“ oder „Die Kirche undt der Mache“ verwursteln dann ganz gut die stimmungsvollen Rhythmen mit etwas komplexeren Arrangements östlicher Folklore. Trotzdem geht der entscheidende Aspekt des Easy-Listening nicht verloren. Dazu gibt es gelegentlich auch noch sehr ulkige Passagen, wie das Quacken der bandeigenen Teufelsente beim Titeltrack „Villanden“.

Bei den Texten verwenden die trollischen Chaoten einen Mischmasch aus norwegisch, englisch und deutsch, wobei die Sprachen – wie man in der Tracklist ganz gut erkennen kann – verstümmelt werden und Grammatik ebenfalls kaum von Bedeutung ist. Wie man es von Trollen nun mal erwartet.
Der Spaß auf „Villanden“ dauert zwar nur 37 ½ Minuten, aber ich denke, danach hat man von der Mucke erst mal genug und das Bedürfnis, sich etwas ganz Anderes reinzuziehen. Dennoch empfehle ich „Villanden“ jedem, der am Humppa-dominierten Pagan bzw. Folk Metal seine Freude hat. TROLLFEST gehen ins Extrem, aber man kann ihnen durchaus ein gelungenes Werk attestieren. Ich hatte beim Hören meinen Spaß und werde „Villanden“ bestimmt mal wieder einlegen, um meine Laune aufzuheitern. Denn dafür ist das Album mit seiner schwung- und stimmungsvollen Atmosphäre einfach prädestiniert.

Bewertung: 8 / 10

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