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» home / reviews 31.07.2010 - 02:04 Uhr  

 REVIEWS DURCHSTÖBERN
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 CD-Review: Steve Hackett - Wild Orchids
Label:
InsideOut

VÖ-Jahr:
2006

Spielart:
Stilübergreifend

Besetzung:
Steve Hackett – Gitarren, Harmonica, elektrische Sitar, Psaltery, Optigan, Gesang
Roger King – Keyboards, Rhythmusgitarre
Nick Magus – Keyboards
John Hackett – Flöte
Colin Clague – Trompete
Richard Stewart - Cello
Chris Regate – Oboe, Cor Anglais
Christine Townsend - Geige
Rob Townsend – Saxophon, Flöte, Tin Whistle, Bassklarinette
Dick Driver – Double Bass
Gary O’Toole – Schlagzeug, Gesang

Internet:
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Tracklist:
01. A Dark Night In Toytown
02. Waters Of The Wild
03. Set Your Compass
04. Down Street
05. A Girl Called Linda
06. To A Close
07. Ego And Id
08. Man In The Long Black Coat
09. Wolfwork
10. Why
11. She Moves In Memories
12. The Fundamentals Of Brainwashing
13. Howl



Steve Hackett – ein Meister seines Faches, ein musikalisches Genie, die Vielseitigkeit in Person! Neben seinem überaus wichtigen und einflussreichen Spiel bei Genesis startete er Mitte der 70er bereits seine Solokarriere, die bisher um die zwanzig unterschiedliche Alben umfasst. Dabei wechselt er stets Sound, Blickwinkel und Einflüsse, während die unglaubliche Ausdrucksstärke und magische, irgendwie unfassbare Aussagekraft über alle seine Veröffentlichungen hinweg erhalten blieb. Von Neueinspielungen großer Genesis-Songs, über reine Rockalben, bis hin zu Klassikausflügen mit Kammerorchester-Sound, über einen wilden Stilmix beider Richtungen bis hin zu völlig Unfassbarem finden wir in seinem Katalog so ziemlich alles.

Nach dem Klassikalbum „Metamorpheus“ folgt nun mit „Wild Orchids“ ein Album, das sich als Synthese aus Klassik und Rock versteht. Hierbei liegt die Betonung bei den meisten Songs klar auf ersterer, der Opener „A Dark Night In Toytown“ beweißt aber mit seinen ungewöhnlichen, aber gerade deshalb eindringlichen Melodien auch das Gegenteil. Der Großteil des Materials bewegt sich deshalb im Balladengebiet, wobei Hackett stets bemüht ist, unverwechselbar und variantenreich, vor allem aber tiefsinnig und intellektuell zu klingen, ohne das seine Musik den Hörer nicht emotional anspricht. Aber sie tut dies eben auf eine sehr unauffällige, unscheinbare Art und Weise, mit der Klassikhörer sicherlich viel mehr anfangen können werden, als das Rockpublikum. Für eine Rockplatte im eigentlichen Sinne halte ich „Wild Orchids“ jedenfalls nicht, auch ist sie keineswegs vergleichbar mit anderen Klassik meets Rock-Experimenten. Steve Hackett legt viel mehr Wert auf wirklich klassische Arrangements, die Luft zum Atmen bekommen und nicht vom Rock erdrückt werden oder die „zweite Geige“ spielen. Hier merkt man einfach, das Hackett aus der Zeit des symphonischen Progrocks kommt.

Bei aller Eleganz und Spannung, die die 13 neuen Songs, die Hackett mit einer großen Menge an verschiedenen Musikern aufnahm, ausstrahlen, fehlt mir auf seinem neuesten Werk dennoch so etwas wie der rote Faden, ein durchgehendes Element. Ruhige Balladen wie „Set Your Compass“ stehen neben groovigen, leicht seltsam und skurril anmutenden Rockern wie „Down Street“, die mit Sprechgesang aufwarten. „A Girl Called Linda“ klingt nach Sommerwiese, Liebe, Harmonie und wird vom spacigen Gesang etwas entfremdet, während die akustische Leitmelodie in „To A Close“ wiedermal stark an die großen Momente des California Guitar Trio erinnert, während klassischer Gesang den Song zeitgleich in eine ganz andere Ecke rückt. Im späteren Verlauf wird die Melodie der Gitarre im Song „She Moves In Memories“ vom Klassik-Ensemble wieder aufgenommen. „Ego And Id“ hingegen ist ein wirrer, aber irgendwie auch straighter Rocker mit schroffen Leadvocals, wohingegen das nur 30-sekündige „Why“ nichts anderes als ein Soundschnipsel mit Erzählung ist. "Man In The Long Black Coat" lässt sich am ehesten als ein typischer Dire Straits-Songs beschreiben, was vorallem an Hacketts tiefen, rauhen und recht eintönigen Vocals liegt. Immer deutlich erkennbar sind jedoch Hacketts Fähigkeiten an der Gitarre, er nutzt das Instrument äußerst vielseitig und lässt es für sich selbst sprechen. Seine Soli sind dabei immer wieder ein Ohrenschmaus. Und so stehen viele irrwitzige, oftmals geniale, aber auch ungeordnete Ideen hier nebeneinander. Ein Mix aus Genie und Wahnsinn, den nur ein ganz bestimmtes Klientel mögen wird, die gebildeten, genießenden Klassikhörer, die vielleicht auch früher mal Genesis-Fans waren.

Insgesamt also höchst gewöhnungsbedürftig, aber ebenso absolut einzigartig – das ist „Wild Orchids“! Ein Werk, dass vermutlich aber so intelligent und musikalisch durchdacht ist, dass ich schlicht nicht dahintersteige. Definitiv aber zeigt es Hackett als das, was er wirklich ist: Ein genialer Musiker, mit großem Einfluss und Mut, und vor allem mit einer Ausdruckskraft, die ihresgleichen sucht.

PS: Das Album erscheint auch als Special Edition mit vier Bonustracks und anderer Songreihenfolge.
 
Bewertung: -/10
Redakteur: Sebastian Mack (Profil)


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