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» home / reviews 02.09.2010 - 22:15 Uhr  

 REVIEWS DURCHSTÖBERN
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 CD-Review: Dekadent - The Deliverance Of The Fall
Label:
Pentacle

VÖ-Jahr:
2008

Spielart:
Melodic Black Metal

Besetzung:
Artur Felicijan – Gesang, Gitarre, Orchestrierung
Boštjan Ivan?i? – Gitarre
Andrej Bohnec – Bass
Andraž Krpi? – Schlagzeug, Perkussion
Alen Felicijan – Keyboard
Katja Kodelja – weiblicher Gesang
Justin Felicijan – Waldhorn, Wagnertuba

Internet:
zur Band-Webseite...
Tracklist:
I. The Deliverance Of The Fall
01. Legates Of Blackness (Prologue)
02. Path Of Lamentation
03. Last Valediction
04. A Cry Of Revolt
05. Covet The Encounter
06. Breaking The Wall
07. The Hand Of Truth
08. Call Of Deliverance
09. Epilogue
II./10. The Renaissance Of Purity (Bonustrack)



Episch [lateinisch], die Epik betreffend; erzählerisch, erzählend; sehr ausführlich (berichtend); nichts auslassend, alle Einzelheiten enthaltend.

Der Begriff „episch“ wird heute oft falsch verwendet, bei viel zu vielen Bands. Mit ihrem zweiten Full-Length-Album „The Deliverance Of The Fall“ aber verdienen die Slowenen DEKADENT diese Bezeichnung wie kaum eine zweite (Black) Metal Band. Dabei werden sie die Meinungen der Hörer sicherlich spalten, von der gähnenden Langeweile bis zum genialen atmosphärischen Meisterwerk sollte alles vertreten sein, aber so ist das ja nun mal mit den ganz großen Werken immer.

Dabei ist „The Delieverance Of The Fall“ als ein einziger, 37 Minuten langer Track zu verstehen. Er erzählt eine Geschichte voller Hoffnungslosigkeit, ob klischeehaft oder nicht, sei mal dahingestellt. Um eine packende Stimmung aufzubauen, bedarf es Zeit. Diese nehmen sich DEKADENT zur Genüge, so dass die ersten elf Minuten rein instrumental mit düsteren, melancholischen, bedrückenden Klängen daherkommen. Streicher, Tuben und weitere Orchestrierungen inklusive. Erst „A Cry Of Revolt“ bringt den melodischen Black Metal ins Spiel, Artur Felicijan faucht verzweifelt, wütend und absolut passend „can you taste the bitterness, of tears frozen in despair“ ins Mikrophon und schafft in diesem Moment ein Kunststück, dass nicht allzu selten misslingt: Der Einsatz der metallischen Parts und das erstmalige Auftauchen des Gesangs zerstören die bereits bombastische Stimmung mitnichten, sondern vertiefen sie von der ersten Sekunde an und ergänzen das bisher aufgebaute Klangbild perfekt.

Aufgrund des Verlaufs der Geschichte geht es aber nicht durchgehend nur tiefst bedrückend zur Sache, es gibt auch Lichtblicke, Momente der Hoffnung und positiven Gefühlslage, die durch die Orchestrierung, majestätische Melodien, weiblichen und wehmütigen Klargesang und den schwarzmetallischen Aspekt so umgesetzt werden, dass man bei aufmerksamen Hören direkt mit dem Protagonisten mitfühlen kann, auch wenn man den Text mal nicht mitverfolgt. Der Text übrigens ist im Booklet als durchgehende Lyrik abgedruckt, die einzelnen Lieder nur durch kleine Kreuze als dem neuen Track zugehörig abgegrenzt. Ein Indiz darauf, dass „The Deliverance Of The Fall“ nur als Ganzes funktioniert und funktionieren möchte, ein einzelnes Lied herauszuheben ist schlicht nicht möglich. Kleinere Mängel, die vielleicht ab und an auffallen, sind aber schnell wieder vergessen und fallen obgrund des opulenten Gesamtwerkes schlicht gar nicht ins Gewicht.

„The Renaissance Of Purity“ ist am Ende des Werkes ein fünfeinhalbminütiger Bonustrack, der vom eigentlichen Hauptteil klar abzugrenzen ist, setzt er doch vermehrt auf die Black Metal-Komponente. Eine Bonus-DVD liegt dem ganzen auch noch bei, bei dieser wird, man höre und staune, die komplette „The Deliverance Of The Fall“ als 42-minütiger Film visuell umgesetzt. Als „Black Metal-Film“ angepriesen kann man sich das Teil sicherlich einmal ansehen, mehr als ein stimmungsvolles und überlanges Musikvideo aber ist es dann doch nicht geworden. Meiner Meinung nach wirkt das Album auch ein wenig besser, wenn man sich zur Musik seine eigenen Bilder im Kopf bildet und diese nicht „vogegeben“ werden, wobei diese Vorgabe eben auch gar nicht schlecht ist.

DEKADENT sind atmosphärisch ähnlich packend, mitreißend, fesselnd und episch (!) wie Agalloch oder Summoning. Ein Album für die gewissen Stunden (bzw. eben Dreiviertelstunden) in denen man einfach abschalten und in einer wundervoll stimmigen Klangwelt versinken möchte.
 
Bewertung: 9.5/10
Redakteur: Stefan Popp (Profil)


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