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» home / reviews 02.09.2010 - 22:14 Uhr  

 REVIEWS DURCHSTÖBERN
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 CD-Review: Evoken - Embrace The Emptiness (Re-Release)
Label:
Solitude

VÖ-Jahr:
2006

Spielart:
Doom Metal

Besetzung:
John Paradiso - Gesang, Gitarre
Nick Orlando - Gitarre
Steve Moran - Bass
Vince Verkay - Schlagzeug
Dario Derna - Keyboard

Internet:
zur Band-Webseite...
Tracklist:
01. Intro (Instrumental)
02. Tragedy Eternal
03. Chime the Centuries End
04. Lost Kingdom of Darkness
05. Ascend into the Maelstrom
06. To Sleep Eternally
07. Curse the Sunrise



Wir alle kennen sie, die lustigen Nachrichtenmeldungen, dass mal wieder ein Brief oder eine Postkarte auf ihrer Reise verloren ging und erst nach groben 64 Jahren endlich zugestellt wurde. Tja, unsere gute alte deutsche Post ist halt nicht unfehlbar, wie ich schon des öfteren feststellen musste und solche langen Lieferzeiten sind zwar Ausnahmen, aber doch passieren manchmal Dinge, die den Otto-Normal-Postempfänger verwundern. Zum Beispiel das hier: Als ich vor einiger Zeit eine Lieferung Promos von einem Kollegen erhielt purzelte mir unter anderem auch ein Scheibchen entgegen, das die Aufschrift EVOKEN und "Embrace The Emptiness" trug. Hatte ich noch nie was von gehört, aber gut, recherchierten wir mal ein wenig, denn einen Promoschrieb dazu gab es nicht (schade, die versüßen mir des öfteren den Tag). Dabei kam raus, dass es sich bei der Scheibe um das Debut der 1994 gegründeten US-amerikanischen Band handelt und diese schon im Jahre 1998 erschien. Allerdings wurde das Teil im Jahre 2006 vom russischen Doom Metal Label Solitude Productions neu aufgelegt. Okay, das macht die Sachlage schon etwas klarer, erklärt aber nicht, wieso ich dann zwei Jahre nach der Neuauflage ein Exemplar zum Rezensieren bekomme...

Egal, CD ist CD, schnurz ob sie nun gestern rauskam oder schon vor ewigen Zeiten, also frisch ans Werk, lauschen wir doch mal in das Werk der Knaben rein, das - so weit ich das sehe - quasi überall über den grünen Klee gelobt wird. Und tatsächlich findet sich auf der Scheibe so ziemlich alles, was eine gute Funeral Doom Metal Scheibe mit dezentem Doomdeath-Einschlag ausmacht: tief gestimmte Gitarren, walzende Riffs, finstere Growls, ein paar sehr fragile Melodien hier und da und und und, in den sieben überlangen Songs steckt theoretisch wirklich alles drin, was der Freund des gepflegten Leides in CD-Form sich nur wünschen kann und die siebzig Minuten Laufzeit sprechen dann auch noch arg für sehr gute Value-for-Money.

Wirklich reinrassiger Funeral Doom ist das hier - wie oben angedeutet - nicht, mehrfach verwischt man die Grenzen zum Doomdeath, den ich persönlich von allen Untergruppen des Doom Metals noch am Meisten verehre, dann wird etwas weniger kriechend und etwas fieser gezockt, ganz selten (wie bei "Lost Kingdom Of Darkness") schlägt man auch mal ein paar gotischere Töne an, dann werden die zerbrechlichen Melodiebögen ausgepackt um den Zuhörer zu verzaubern. Ja, das ist nett, das sind doch die Zutaten, aus denen man normalerweise eine gute Funeral Doom Metal CD kocht...

Kann mir dann bitte mal einer erklären, wieso ich "Embrace The Emptiness" nicht mag? Ich weiß, Kritiken sollen objektiv sein, aber irgendwie kann ich das im Augenblick nicht, denn die Scheibe dreht sich jetzt zum umpfzigsten Mal in meinem Player und aus irgend einem Grund, auf den ich selbst nicht ganz mit dem Finger zeigen kann, muss ich mich geradezu zwingen, nicht aufzustehen und irgend was anderes einzulegen. Ja, klar, jeder hat mal einen schlechten Tag, aber das geht mir jedes Mal so, wenn ich mich selbst wieder dazu überrede, die Scheibe in die Anlage zu schieben, weil ich ja noch ein Review drüber schreiben muss... Irgendwie will EVOKENs Debut nie meinen Nerv treffen, was um so verwunderlicher ist, denn wie oben gesagt, eigentlich stimmt hier ja alles. Was tatsächlich der Grund für meine Antipathie gegen die CD ist... ich kann nur Vermutungen anstellen.

Vielleicht ist es die etwas dünne Produktion, die das Gebotene allzuschnell von der Ebene des Bewußt zu hörenden in Hintergrundgedudel abdriften lässt, vielleicht sind es die Riffs, denen das letzte Quentchen zwischen "monotonem Gedudel" und "hypnotischer Kunst" abgeht, vielleicht ist es der einschläfernde Growlgesang von John Paradiso, der wirklich absolut keinerlei Modulation enthält, vielleicht ist es auch einfach die Tatsache, dass die CD mittlerweile zehn Jahre alt ist und von vielen meiner großen Helden dieses Genres als Inspiration genutzt wurde und so vieles, was ich hier vernehme, wie schon mal gehört klingt... Klar, geklaut haben die Anderen, aber da ich die zuerst hörte kann ich mich mit denen jetzt wesentlich mehr anfreunden, als mit dem, was EVOKEN mir hier bieten.

Dementsprechend wage ich es jetzt auch nicht, eine Wertung abzugeben, denn wie ihr schon merktet, ich kann einfach nicht objektiv an diese Scheibe herangehen, so sehr ich es auch versuche. EVOKENs Debutalbum "Embrace The Emptiness" mag eine nette Sache sein, mich konnte das Ding allerdings nicht fesseln, aber das mag wohl eher meine Schuld sein als die des Albums. Wer sich für Funeral Doom Metal interessiert und aus der Sparte noch nicht gar so viel gehört hat, für den könnte sie was sein, alle anderen sind angehalten mal einen Lauscher zu riskieren und besser keinen Blindkauf zu wagen.
 
Bewertung: -/10
Redakteur: Christian Heckmann (Profil)


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