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» home / reviews 31.07.2010 - 02:02 Uhr  

 REVIEWS DURCHSTÖBERN
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 CD-Review: Jolly - 46:12
Label:
Gaileo/Progrock

VÖ-Jahr:
2009

Spielart:
Progressive Rock / Metal

Besetzung:
Anadale – Gesang, Gitarre
Mike Rudin – Bass
Louis Abramson – Schlagzeug
Joe Reilly – Keyboards

Internet:
zur Band-Webseite...
Tracklist:
01. Escape From DS-3
02. Renfaire
03. Peril
04. Red Sky Locomotive
05. We Had An Agreement
06. Downstream
07. Carousel Of Whale
08. Solstice
09. Inside The Womb



JOLLY sind eine neue New Artrock-Band aus New York City. Auf ihrem Debütalbum „Forty Six Minutes, Twelve Seconds Of Music“ oder kurz: "46:12" präsentieren sie neun Songs, die nicht besser in dieses Genre passen könnten. Prog nach Maß für die junge Generation? Vielleicht.

Doch eine Besonderheit haben sich die vier Jungs ausgedacht: Binaurale Töne. Ihr versteht nur Bahnhof? Um kurz Licht ins Dunkel zu bringen: Im Prinzip versteckt sich dahinter nichts anderes als zwei gleichzeitig abgespielte Töne, die sich nur gering in ihrer Frequenz unterscheiden. Beim Hören nehmen wir nicht diese tatsächlich gespielten Töne war, sondern einen dritten Ton, der in unserem Gehirn entsteht und der Differenz der Frequenzen entspricht. Das ganze funktioniert nur mit Stereokopfhörern. Diese binauralen Töne können Teile unseres Gehirn stimulieren, die nichts mit dem eigentlichen Hörvorgang zu tun haben. Das Ergebnis ist eine Reaktion des Körpers: Je nach Frequenz können Effekte wie Konzentrationssteigerung, Entspannung, Luzidträume und Angst auftreten. Wer es genau wissen möchte, lese hier: de.wikipedia.org/wiki/Binaurale_Beats. Der kurze Selbsttest mit dem heimischen Kopfhörern fiel allerdings recht ernüchternd aus: Außer starker Gänsehaut an der einen oder anderen Stelle, ist mir nichts Besonderes aufgefallen.

Aber binaurale Töne hin oder her: Die Musik von JOLLY weiß auch ohne dieses Gimmick zu überzeugen. Düstere, entrückte Ambient-Soundflächen treffen auf druckvolle Gitarren, verspieltes Schlagzeug und eindringlich-introvertierten Gesang. Atmosphärische Gitarrensoli heiraten perlendes Piano. Herz, Hirn und Bein werden gleichermaßen angesprochen und die emotionale Kraft, die den Kompositionen inneliegt, entfaltet sich Stück für Stück. Dabei scheuen sich JOLLY auch nicht, einmal gradlinigere Grooves einzustreuen, wie z.B. in den Strophen des dritten Tracks „Peril“, die beinahe nach Gothic-Poprock Marke „Him“ klingen; es fehlen nur die Riffgitarren.

Insbesondere Fans von Oceansize sollten sich die Band auf dem Einkaufszettel notieren, denn stellenweise („Downstream“) kommen Anadale (Gesang, Gitarre), Joe Reilly (Keyboards), Mike Rudin (Bass) und Louis Abramson (Schlazeug) der Stimmung und Atmosphäre der Engländer recht nahe, ohne ganz so wild und ungestüm zu sein. Desweiteren erinnert mich die Kapelle in ihren härteren Momenten an die Schweden Wolverine, die auf ihrem letzten Machwerk „Still“ teilweise ähnliche Stimmungen gezaubert haben. Aber auch Anhänger von Riverside, alten Pure Reason Revolution, Porcupine Tree oder Demains sollten gefallen an dem melodisch-kraftvollen Material von „Forty Six Minutes, Twelve Seconds Of Music“ finden.

Das stimmungsvolle Artwork geht genauso in Ordnung wie die differenzierte Produktion der Platte, auch wenn die Songtexte demnächst gern leserlicher layoutet werden dürfen: Alle Lyrics ohne Zeilenumbrüche hintereinander weg zu schreiben, regt nicht grad zum Studieren derselben an.

Anhänger des New Artrocks wissen also, welche Band sie als nächstes antesten sollten. Es scheint allerdings einen allgemeinen Trend zur Verschmelzung von Prog und Alternative zu geben; viele der frisch aufkommenden Acts zelebrieren diesen sogenannten New Artrock, der auch von den einschlägigen Rockmedien allerorts gehypt wird. Es gibt zwar zweifellos üblere Trends, dennoch ist auffällig, wie ähnlich diese Bands doch klingen. Und so fehlt auch JOLLY bei all den positiven Eindrücken, die die Platte hinterlässt, ein wenig ein eigenes Gesicht. Sollte dem New Artrock-Nachwuchs etwa schon nach wenigen Jahren das Schicksal des uniformierten Progmetals blühen? Das wäre bei der Fülle an neuen Bands doch schade.
 
Bewertung: 8/10
Redakteur: Sebastian Mack (Profil)


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