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Alcest - Les Voyages De L'âme - CD Review bei Metal1.info
     
 

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» home / reviews 25.05.2013 - 11:00 Uhr  

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 CD-Review: Alcest - Les Voyages De L'âme
Label:
Prophecy

VÖ-Jahr:
2012

Spielart:
Post-Rock / Metal

Besetzung:
Neige – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard
Winterhalter – Schlagzeug

Internet:
zur Band-Webseite...
Tracklist:
01. Autre Temps
02. Là Où Naissent Les Couleurs Nouvelles
03. Les Voyages De L'Âme
04. Nous Sommes L'Emeraude
05. Beings Of Light
06. Faiseurs De Mondes
07. Havens
08. Summer's Glory





Wer von sich behauptet, „Black Metal, aber mehr so Richtung Avantgarde... nich' dieses Geknüppel, sondern mehr mit Melodie und Gefühl, bisschen proggy und so“ zu hören, der kommt an ALCEST eigentlich kaum vorbei – wird das Projekt des Franzosen Neige derzeit doch derart gehyped, dass man mit dem Namen sogar einem Nicht-Black-Metaller vermitteln kann, wie exquisit doch der eigene Musikgeschmack ist.
Nachdem die Franzosen, von dieser Hype-Welle getragen, nun nahezu die komplette Welt bereisen und Chinesen wie Südamerikaner lehren, was „emotional“ auf französisch bedeutet, kommt nun das mittlerweile dritte Album der Band in die Läden: „Les Voyages De L'âme“, die Reise der Seele.

Wusste mir schon das Artwork des Vorgängers, „Écailles De Lune", zu gefallen, ist das Kunstwerk, das „Les Voyages De L'âme“ ziert, bereits jetzt ein heißer Kandidat für das Cover des Jahres: Ein Pfau durchschreitet einen Torbogen sanften Grüns, tritt aus dem Dunklen hinaus in eine Welt getaucht in gleißendes Licht und lädt den Betrachter durch seine mit dem Weg selbst Eins gewordenen Schwanzfedern subtil ein, ihm zu folgen...
Wie schon beim letzten Cover, ist es auch hier der Balance-Akt auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und Kunst, zwischen verspielt und verträumt, der das Bild so außergewöhnlich, vor allem aber so passend macht. Denn wer die bisherigen Werke von ALCEST kennt, weiß, dass selbiges uneingeschränkt auch für die Musik gilt: Kitschig, ja, aber mit Niveau.
An diesem Grundprinzip ändert sich auch auf „Les Voyages De L'âme“ zunächst wenig, so dass das Album getrost als lückenlose Fortführung des vorangegangenen Langspielers angesehen werden kann: Erneut setzt Neige alles auf die Karte der in sich geschlossenen, dichten Atmosphäre, erneut kreiert er diese durch gefühlvolle Gesänge, gedankenverlorene Gitarrenmelodien und melancholische Kompositionen, auf die das Wort „emotional“, so ungern es der gemeine Metaller auch in den Mund nimmt, schlichtweg perfekt zu passen scheint.
Ganz stehengeblieben ist ALCEST dabei jedoch nicht: So ist „Les Voyages De L'âme“ ein gutes Stück ruhiger ausgefallen als der Vorgänger. Wirkliche Black Metal-Passagen sucht man hier lange, und findet man sie dann, wirken diese, wie in der Mitte von „Being Of Light“, fast ein wenig hilflos: Selbst Zerrgitarrenshredding und Doublebass-Einsatz vermögen den verträumten Eindruck, den „Les Voyages De L'âme“ erweckt, nicht zu untergraben.
Verliert man sich so also in den gut 50 Minuten schlichtweg wunderschöner Musik, und lässt sich nach Beendigung eines Durchlaufs von den süßen Klängen all zu oft dazu verleiten, erneut auf Play zu drücken, wird einem schließlich doch noch ein Makel des ansonsten mit konkreter, objektiver Kritik nur schwer angreifbaren Albums bewusst. Auf Dauer verlieren sich die vielen Höhepunkte nämlich doch ein wenig im vielleicht einen Tick zu kohärenten Albumfluss: Wirklich herausstechende Songs oder auch nur Passagen, die sich merklich vom Albumtenor abheben, sucht man hier vergebens, und auch die relativ typische „Klangschmiede Studio E“-Produktion begünstigt den Umstand, dass „Les Voyages De L'âme“ irgendwann eben doch vor sich hin zu plätschern beginnt.

Schlechtzumachen vermögen diese Kritikpunkte das Album freilich nicht, und wer ALCEST bisher mochte, wird auch „Les Voyages De L'âme“ lieben. Ja, vielleicht mag der ein oder andere in Neiges drittem Album auch die Krönung seines bisherigen Schaffens sehen, bringt der Franzose hier doch vielleicht so konkret wie nie zuvor auf den Punkt, worum es ihm in seiner Musik geht. Und doch liegt vielleicht genau darin auch ein wenig das Problem des Albums: Denn statt bloß einem roten Faden zu folgen, hangeln sich ALCEST dabei an einem straff gespannten, musikalisch-konzeptionellen Tau entlang durch die von ihnen erschaffene Traumwelt – leider jedoch ohne dabei auch nur einmal den zugegebenermaßen riskanten, dafür aber umso spannenden Blick in die dunklen Abgründe unter ihnen zu wagen.


 
Bewertung: 8/10
Redakteur: Moritz Grütz (Profil)


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