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Nightwish - Century Child - CD Review bei Metal1.info
     
 

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» home / reviews 22.05.2013 - 22:36 Uhr  

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 CD-Review: Nightwish - Century Child
Label:
Spinefarm

VÖ-Jahr:
2002

Spielart:
Symphonic Metal

Besetzung:
Tarja Turunen - Gesang
Tuomas Holopainen - Keyboard
Emppu Vuorinen - Gitarre
Marco Hietala - Bass, Gesang
Jukka Nevelainen - Schlagzeug

Internet:
zur Band-Webseite...
Tracklist:
01. Bless The Child
02. End Of All Hope
03. Dead To The World
04. Ever Dream
05. Slaying The Dreamer
06. Forever Yours
07. Ocean Soul
08. Feel For You
09. The Phantom Of The Opera
10. Christlabel



Es gibt Tage, im Verlauf derer das Schicksal mehr oder weniger kräftig zugreift und unser Leben verändert. So geschehen bei mir vor einigen Tagen. Gut, ich gebe zu, das ist etwas übertrieben und es hat mein Leben auch nicht verändert, nein, der passendere Ausdruck wäre vielleicht "bereichert". Ich bekam an jenem wieder einmal verregneten Sommertag den Auftrag, doch bitte mal einkaufen zu fahren--herrlich. Also fuhr ich, den Einkaufszettel in der Tasche zu der örtlichen Filiale einer großen Supermarktkette, deren Namen ich aufgrund wettbewerblicher Fairness hier nicht nennen werde, um meinen Auftrag zu erfüllen. Nachdem ich alles, was auf der Liste stand, hatte und gerade zur Kasse gehen wollte, kam ich an der CD-Abteilung des Hauses vorbei. Ich beschloss, noch ein wenig länger Gast dieses Konsummekkas zu bleiben und schaute mich in eben jener Abteilung um-weniger in der Hoffnung, etwas zu finden, da wir ja alle wissen, wie es um die Musikauswahl der deutschen Supermärkte bestellt ist, sondern einfach um zu wissen, was diese Woche wieder "in" ist (mein ehemaliger Deutschlehrer bezeichnete eine vergleichbare Aktion einmal als "Feindbildaufklärung", jedoch ging es bei ihm um das Lesen von Frauenzeitschriften wie "Brigitte" und Co.). Wie dem auch sei, ich durchstöberte also gerade die Albumabteilung, eine Ansammlung von unterschiedlichsten CDs mit immer gleicher Musik, gelegentlich unterbrochen von kleinen aber feinen Hightlights wie diverse Pink Floyd-Alben, die sich aber leider schon alle in meinem Besitz befanden. Doch plötzlich schlug das oben erwähnte Schicksal zu: Ich erblickte zwischen Tittney Spears- und Scooteralben versteckt das neueste Werk meiner aktuellen Lieblingsfinnen Nightwish (wechseln sich mit HIM ab, je nach Klasse der aktuellen Werke)-der Tag war gerettet. Nichts hielt mich mehr an diesem Ort. Nachdem ich mich durch verschiedene Schichten Einkaufender gezwängt, die Kassiererin mit Kleingeld genervt und diverse rote Ampeln ignoriert habe (ich war mit dem Fahrrad unterwegs), war ich endlich soweit, meine Anlage mit dem neuerworbenen Kleinod zu beglücken. Das Cover und das Booklet versprachen schonmal großes, also "Play".

Der Opener Bless The Child empfängt mich mit Tarjas altbekannter Stimme, die eine mehrstimmige Vokallinie singt, untersetzt von Streichern, die, wie die Chöre auf der CD übrigens auch, von einem richtigen Orchester und einem richtigen Chor eingespielt, bzw. eingesungen wurde. Über dieses Fundament gepaart mit Bass, Gitarre und Drums legt sich eine beruhigende, mystisch angehauchte Männerstimme, die eine Art Intro des Albums erzählt, das sich in den Lyrics konsequent fortsetzt: Im großen und ganzen geht es auf "Century Child" wie der Name schon andeutet um die Geburt, den Tod und die Wiedergeburt Christi, betrachtet von Nightwish Mastermind Tuomas Holopainen (Keyboard and Piano) aus einer melancholisch düsteren Sicht. Bless The Child selber ist eher eine Midtempoballade die zum Ende hin nochmals etwas an Gitarrenhärte zulegt. Das ganze Stück hat etwas tragendes, melancholisches an sich, was wohl an der wunderschönen Gesangslinie liegt, die Tarja über das Metalfundament legt. Auch die sehr gut komponierten Orchesterparts tragen ihren Teil dazu bei, halt typisch Nightwish, aber es wirkt trotzdem reifer und erwachsener als die älteren Werke der Band. Für einige mag das Stück für einen Opener zu ruhig sein, aber es ist im Endeffekt perfekt, um das kommende anzukündigen und einfach ein wunderschöner Song zum träumen, an den Sich nahtlos "End of all Hope" anfügt. Hier werden gleicher im Intro härtere Töne angeschlagen und als Gothicmetaller fühlt man sich hier sofort zuhause. Eine der größten Stärken des Songs ist das interessante Arrangemant der ersten Strophe. Gut, sowas hat man schon öfter gehört, aber "End of all Hope" hat halt den Nightwishtypischen Melodievorteil. Der Refrain fährt mal wieder einen Bombasteffekt auf, der einfach gut rüberkommt und zum steten mitwippen irgendwelcher Körperteile animiert. Auch auf ein gut auskomponiertes, dennoch recht kurzes Gitarrensolo darf man sich freuen, wie auch auf einen Mittelteil, der den Song nochmal richtig pusht. Meine Diagnose: Erstklassige Arbeit beim Songwriting und bei der Umsetzung. Der dritte Song "Dead To The World" ist ein richtiger Metalsong und könnte in einschlägigen Clubs für volle Tanzflächen sorgen. Schon im Intro zeigt vor allem Keyboarder Tuomas, was er drauf hat und dann die Strophe....doch halt, irgendwas stimmt da nicht...richtig, männlicher(!) Leadgesang. Tarja hält sich im Hintergrund und übernimmt die melodisch ruhigeren Parts sowie einige "Zwischenparts" und teilt sich den Refrain mit der Männerstimme. Aber wie kommt Nightwish, die bei den letzten Tourneen vorhandene Teile männlichen Gesangs aus der Konserve durch die Lautsprecher jagten, dazu einen ganzen Song so zu spielen? Des Rätsels Lösung liegt in einer LineUp Veränderung, bei der der Bassist ausgetauscht wurde, für Sami Vänskä kam mit Marco Hietala ein Bassist, der auch über ein sehr gutes Stimmorgan verfügt und das auch einsetzt. Der Song ist sowas wie ein Experiment, und das ist durchaus gelungen. Der Track gehört zu meinen absoluten Lieblingen auf "Century Child", und das ist bei dem Album eine echte Leistung. Besonders angetan hat mir der Trugschluss, der in eine Bombastversion des ohnehin schon genialen Refrains endet. Ein echtes Highlight, nicht nur des Albums, sondern der gesamten vergleichbaren Musik, obwohl es da ja nicht soviel gibt.

"Ever Dream" ist wieder ein Midtemposong mit einem leicht balladesken Touch, das macht schon das Piano/Gesangsintro deutlich. Doch im Endeffekt beschränkt sich das ruhigere des Songs auf das Intro und auf die Strophe, vor allem die erste ist mit der cleanen Gitarre noch recht ruhig. Ab dem ersten Refrain kommen dann die Liebhaber melodischer Gitarrenriffs auf ihre Kosten. Die zweite Strophe ist zwar genauso aufgebaut wie die erste, doch die Energie aus dem Refrain kann noch mit rübergerettet werden und lässt die folgende Strophe dadurch ungleich flotter erscheinen. Von da an findet sich in "Ever Dream" ein wirklich guter Metalsong mittleren Tempos, sogar ein längeres Solo lässt sich finden, mit einem wirklich gelungenen Übergang zu einer Streicher/Gesangsversion des Refrain. Am Ende fügt sich auch noch Marcos Stimme in den Chorus und auch durch das starke Schlagzeug wird der Song zum Schluss noch mal richtig Heavy.

Im Anschluss kommt eine der echten Überraschungen des Albums. "Slaying the Dreamer" ist wohl der härteste Song, den Nightwish je aufgenommen haben. Ist jedoch bei dem harten Gitarrenintro für den eingefleischten Fan noch eine Kulturschockwarnung angesagt, wirkt Tarjas Stimme in der Strophe wieder als eine Art Weichspüler und man fühlt sich wieder wohl. Doch im Chorus kommt der Song wieder mit einer guten Portion Metal zurück und der Zwischenteil ist für jeden Heavymetaller eine Wohltat. Doch seine wahre Power entfaltet der Song erst nach dem letzten Refrain, da sich hieran astreines Heavyriffing anschließt. Wenn dann auch noch Marco als der (lyricmäßig) wütende Gott seine Aggression ins Mikro schreit und Zwischendurch der Song Speedmetalmäßige Formen annimmt, fehlen einem einfach die Worte. Ganz am Ende steuert dann auch noch Tarja ihren Teil zum Heavyteil bei. Für mich "der" Song überhaupt auf dem Album, auch wenn ich verstehe, wenn Hardcore-Nightwish Fans meine Meinung nicht Teilen. "Slaying the Dreamer" ist halt ganz anders als alles, was man von Nightwish kennt--und das ist auch gut so.

Nach diesem Trip durch so ziemlich alle harten Metalrichtungen wird man von "Forever Yours" wieder in melancholische Sphären entführt, denn die einzige Ballade auf "Century Child" ist der perfekte Song, wenn man die ganze Welt um sich herum einfach vergessen will und er kann selbst an einem warmen, sonnigen Tag jedes Gemüt traurig stimmen. Die Hingabe mit der "Forever Yours" gesungen wird, jagt einem glatt Schauer über den Rücken und der Part, in dem das Orchester die Führung übernimmt und eine Flöte die Melodie übernimmt ist einer der schönsten, die ich je in einer Ballade gehört habe. Die einzige Frage, die sich mir stellt lautet: "Was muss ein Mensch erlebt haben, um ein solches Stück Musik zu schreiben?" Denn das Toumas hier seine Seele in den Song gelegt hat, ist kaum zu überhören.

"Ocean Soul" knüpft mit seinem traurigen Intro da an, wo "Forever Yours" aufgehört hat, doch wo bei letzterem das Orchester führend war, übernehmen hier wieder Gitarre und Bass den dominierenden Part und so kommt vielleicht "der" typische Nightwishsong auf "Century Child" zustande, denn auch wenn der Refrain von Selbstzweifel und verzweifelter Hoffnung erzählt und der Gesang einen traurig stimmen könnte ist das musikalische Fundament doch zu deutlich um die Stimmung zu vermiesen. So kommt auch durch den Übergang zum Chorus noch echtes Gothicmetal-Feeling auf und "Ocean Soul" erweckt den Eindruck, "Forever Yours" und "Bless the Child" miteinander kombinieren zu wollen und am Ende kommt dann noch mal richtig Laune auf.

Der Titel "Feel For You" scheint wieder ideal zu einer Ballade zu passen und so irritiert das Bassintro und die dazu passenden Streicher, die nicht gerade eine romantische Atmosphäre erzeugen doch etwas. Auch wenn die anschließende Strophe doch recht ruhig ist, dominiert doch der Bass und dienach dem Gesang einsetzende Gitarre kommt für das Tempo ziemlich kompromisslos rüber und die Linie, die sie im zweiten Teil der Strophe spielt, macht richtig Laune. Wenn dann der Chorus einsetzt, gesungen mal wieder von Marco, schlägt Nightwishs Gespür für alles, was bombastisch macht, voll zu, denn dieser Refrain hat echten Ohrwurmcharakter und schwirrt einem noch lange später im Kopf herum. Was nach dem Chorus folgt ist mal wieder ein geniales Beispiel für perfektes Songwriting...besser ein perfektes Beispiel für geniales Songwriting, das trifft es eher. Trotzdem ist der Song ziemlich kurz und man hätte gerne mehr von dem erstklassigen Refrain gehört.

Die nächste Nummer ist eine doch recht ungewöhnliche Coverversion. Obwohl Nightwish wohl die perfekte Kapelle ist, um Andrew Lloyd Webbers "Phantom Of The Opera" zu adaptieren und zu einer Metalversion umzuschreiben. Da trifft es sich ja gut, das man endlich auch einen männlichen Sänger in der Band hat und so duellieren sich Tarja und Marco auf gesanglicher Ebene, während Gitarrist Emppu Vuorinen einige interessante Riffs um das Hauptthema herum gefunden hat und so zusammen mit Jukka Nevalainen für den nötigen Drive sorgt. Das sich Toumas am Keyboard hier mal ordentlich austoben kann, war ja von vorneherein klar, dennoch hält er sich die meiste Zeit über dezent im Hintergrund um der Version nicht die nötige Härte zu nehmen. Mir persönlich hat diese Nummer sehr gut gefallen, da ich das Musical schon mehrmals gesehen habe und auch denn Soundtrack mein eigen nenne. Es wirkt, als hätte Mr. Webber dieses Musical nur für Nightwish geschrieben.

Den krönenden Abschluss von "Century Child" bildet das zehn Minuten Epos "Beauty of the Beast", das eigentlich aus den Stücken "Long Lost Love", "One more night to live" und "Christabel" besteht. "Long Lost Love"strotzt nur so von Keyboards und hat das Tempo, was ich als den Inbegriff von "Midtempo" bezeichnen würde. Durch den starken Refrain hat der Part von "Beauty of the Beast" doch noch etwas tragendes, alleine stehend würde ich aber sagen "Long Lost Love" ist der schwächste Track des Albums. "One more night to live" ist dagegen wieder ein ideales Beispiel für Orchestralen Metal und erinnert durch den starken Orchestereinsatz an Metallicas "S&M"-Album, selbstverständlich nur in den Parts, wo Tarja stillschweigt :)
Im Ernst, die Kombination aus großem Orchester und lauter E-Gitarre hat sich ja nun schon mehrmals bewährt und auch bei "One more night to live" macht das Zuhören Spass, da hier auch ein wirklich guter Instrumentalteil, gelegentlich von Gesang unterbrochen, der von einem atemberaubenden Drumming untersetzt ist, zeigt, aus was für guten Musiker Nightwish sich zusammensetzt. Eine wirklich großartige Nummer, die auch prima für sich alleine stehen könnte. "Christabel" dagegen ist sowas wie der logische Abschluss des ganzen Albums und über einem Nighwishtypischen Instrumentalfundament kommt wieder die von "Bless The Child" bekannte Stimme, die den Kreis schließt.

Fazit: "Century Child" ist für mich eines der besten Alben meiner Sammlung. Der Tiefgang der Songs, die Eingängigkeit der Refrains, die Hintergründung, intelligenten Lyrics, die die Stimmung des Songs schon beim Lesen vermitteln, die Art, wie die Songs zusammenpassen, all das macht "Century Child" zu einem Muss für jeden Metallfan, der etwas für gute Melodien übrig hat. Denn Nightwish schlagen nicht zuletzt durch "Slaying the Dreamer" ihre Zelte in so vielen Stilrichtungen auf, dass mir gar keine passende Bezeichnung für die Art von Musik einfällt. Nennen wir es einfach....Nightwish!
(Sören)
 
Bewertung: 10/10
Redakteur: Gastredakteur


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