Nachmittags im beschaulichen Familienbetrieb Metal1. Popp kommt mit einem Paket nach hause, randvoll gefüllt mit neuen Promos. "Was hättet ihr denn gerne?" heißt es wie immer, und wie jedes Mal stürzt sich die Meute der Hobby-Redakteure begierig auf das neue Material, welches dem Fußvolk noch halbe Ewigkeiten verwehrt bleiben sollte. Manche Platten sollten das vielleicht für immer bleiben, in diesen Regionen bewegen wir uns heute...ich jedenfalls wurde beim Namen Samael hellhörig. Zumindest früher sollen die wohl sehr Black Metal-lastig gewesen sein, Fenriz lobpreist ihre alten Werke durchgehend und ich kannte ein ganz nettes Lied vom letzten Album. Viele Schwarzmetaller entfernen sich im Laufe der Jahre vom Genre, aber "so schlimm kann es ja nicht werden", denkt man sich. Was ich davon habe - lest selbst.
Beim Eröffner "Moongate" wird man direkt einmal in die Badewannen-Szene aus "American Beauty" zurückversetzt, ehe die Gitarren einsetzen. Der Gesang erinnert mich dann auffällig an den Toilettendienst im Bielefelder McDonalds - ist das afrikanisch oder hören sich Schweizer beim Anwenden der englischen Sprache immer so an?
Instrumental kann ich aber gar nicht unbedingt meckern, zwar nichts was mich irgendwie begeistert, trotzdem geht das Stück ganz gut nach vorne und ist nicht überladen. Doch was zum Teufel passiert bereits beim nächsten Titel? Bereits beim Namen "Inch' Allah" verzieht sich meine Augenbraue nahezu automatisch, dann fängt's mit der Elektronik an. Im Ernst, Leute. Ich habe nichts gegen elektronische Klänge. Von Varg's Ambient-Kram über Neptune Towers über Orbital über The Prodigy kann ich mir da wirklich viel anhören, die neue Red Harvest hat ja auch gezeigt, wie man's richtig macht - aber was man hier auf die Ohren gedrückt bekommt, geht gar nicht. Das hier ist tatsächlich der beste Beweis dafür, wie sehr "toleranter, grenzenloser Metal" doch in die Hose gehen kann.
Wäre das ein Ausrutscher wäre natürlich alles halb so wild, aber scheinbar ist das hier wirklich passiert, nach dem langweiligen "High Above" beweist das bereits das Titelstück wieder. Nach einem Pillenwerfer-Anfang schwankt das Stück irgendwo zwischen langsameren Children of Bodom und Europe, wobei der Unterschied da ja auch nicht frappierend ist...nach etwa 2:30 entscheidet man sich aber doch noch einmal zum gewagten Stilmittel des guten Riffs. Da dieses spekulativ gesagt aber zu gewöhnlich für die Herren sein dürfte, verzichtet man im Verlauf wieder darauf und schwankt zwischen ermüdendem Mid-Tempo ("On Earth") und immer gleich klingendem Gitarren-Elektro-Mischmasch. Bei Songs wie "As the Sun" warte ich dann eigentlich nur noch auf den Rap-Part, am Anfang erinnerte mich das an "Walk this Way" - nur in scheiße eben.
Wie erwartet wird es auch im letzten Viertel nicht mehr besser. Was soll ich nun noch groß sagen? Meine massive Abneigung dürfte man nicht nur zwischen den Zeilen vorgefunden haben, doch ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass mir hier so ziemlich nichts gefällt. Die Gitarren sind verdammt langweilig, der Gesang langweilig und dazu noch auf seine ganz eigene Art und Weise penetrant und speziell das Schlagzeug ist - ratet mal. Ein extrem störender Faktor ist, auch das dürfte bereits durchgeklungen sein, die Elektronik. Manche können's, viele nicht. Auch ohne die ganzen Spielereien würde mir "Reign of Light" wohl nicht gefallen, da sie aber präsent sind, ist alles noch viel, viel schlimmer. Zugegeben war das hier eine der Scheiben, wo ich nach dem ersten Durchhören sagen konnte - das ist nichts, dementsprechend musste ich mich zu jedem weiteren Durchhören wirklich zwingen. Da ich die alten Samael-Sachen nicht kenne kann ich zur Entwicklung der Gruppe nichts sagen, sollten sie sich aber schon immer in etwa so angehört haben, kann ich die positiven Resonanzen auf keinen Fall nachvollziehen. Sami Yli-Sirniö von den mächtigen Kreator kann auch nichts mehr retten, ist aber auch nur an der Sitar vertreten.
"Reign of Light" gewinnt jedenfalls keinen Blumentopf und ist das mieseste Album, das ich dieses Jahr bewerten "durfte".