Schandmaul – „Unendlich“-Prelistening

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Und endlich Universal? Nach In Extremo, Eisbrecher, Unheilig, Faun und etlichen anderen sind nun auch die Münchner Folkrocker SCHANDMAUL bei einem Major Label angekommen. Mit ihrem ersten Best Of „15 Jahre – so weit so gut“ verabschiedete sich das Sextett von seinem bisherigen Labelpartner F.A.M.E. und heuerte beim neuen Branchenprimus an. Das achte Studioalbum „Unendlich“ wird dabei die erste Veröffentlichung unter neuer Flagge sein. Ab Januar 2014 soll der neue Silberling der Münchner in den Läden stehen.

schandmaulWir hatten als erstes und einziges Medium bereits jetzt die Gelegenheit zusammen mit Sänger Thomas Lindner in das vollständige Album reinzuhören und dabei interessante Details zu erfahren, ebenso wie exklusive Neuigkeiten zur Zukunft von Schandmaul. Wer dachte, dass 15 Jahre Folk’n’Roll genug sein könnten, wird sich wundern. „Wir arbeiten bereits an den Planungen für unser 20-jähriges“, verrät Thomas. Wo und wann dieses Großereignis stattfinden soll, steht aktuell noch in den Sternen.

Doch der Tatendrang des folkigen Sechsers ist ungebremst. Dies merkt man auch an „Unendlich“.
Insgesamt 15 Stücke mit einer Gesamtspielzeit von rund 60 Minuten befinden sich auf dem neuen Werk. Wer Sorge hatte, dass sich Schandmaul dank neuem Label anpassen oder gar verbiegen, darf sich getäuscht sehen. „Wir sind immer noch völlig autark“, stellt Thomas klar. Auch der Albentitel klingt ruhiger als das Gesamtwerk letztlich ist. Schlagerpop und andere Befürchtungen können Fans spätestens jetzt ad acta legen.
Die einzige Prämisse, die sich die Musiker für „Unendlich“ auf die Fahnen schrieben, lautete: mehr Geschichten. „Als „Traumtänzer“ entstand, waren wir alle grad frisch verliebt und jeder wollte seinen persönlichen Text dazu schreiben. Verliebt sind wir immer noch, aber wir müssen es nicht alle einzeln darlegen. Deswegen haben wir uns darauf geeinigt, dass wir wieder mehr Geschichten in unseren Songs erzählen wollen“, erklärt Thomas. Konsequenterweise flogen Lieder mit der gleichen Thematik nach dem demokratischen Bandprinzip raus.

So beginnt „Unendlich“ mit der Midtemponummer „Trafalgar“, einer Hommage an die Seeschlacht zwischen den Briten und dem Bündnis der Franzosen und Spanier. Gleichzeitig ist dies die erste der eben erwähnten Geschichten, die in den Texten des Frontmanns größtenteils in den Strophen erzählt werden. Der Refrain sieht Thomas als „freigestelltes Element“, welches die Strophen verbindet. Folk-rockige Ausrufezeichen setzen die Mäuler anschließend mit „Tippelbruder“ und „Kaspar“. Ersteres soll nicht auf das Schimpfwort für Obdachlose verweisen, sondern auf die ursprüngliche Bedeutung – nämlich Zimmermänner auf der Walz, wie Thomas verrät. „Kaspar“ ist hingegen die schandmaul’sche Geschichte vom Brandner Kaspar, der besonders in bayerischen Gefilden populär ist.

Deutlich klassischer, nämlich mit einer Tokkata von Bach, beginnt „In deinem Namen“. Insgesamt gerät dieses Stück ruhiger und weist im Refrain sogar ein lateinisches Element („E-Nomine“) auf. „Bunt und nicht braun“ ist hingegen die erste politische Botschaft in der Bandgeschichte. Besucher der 15-Jahre-Schandmaul-Festivität in Köln kennen den Song bereits live. Anders als Saltatio Mortis mit dem ironischen „Wachstum über alles“ wählen die Folkrocker eine klare Botschaft, um sich öffentlich gegen den seit mehreren Jahren anhaltenden Shitstorm im Internet zu wehren. „Die rechte Szene versucht seit geraumer Zeit, unser Genre zu okkupieren. Davon sind nicht nur wir betroffen. Wir wollten jetzt ein schandmaultypisches Zeichen setzen, dass wir intolerant gegenüber Intoleranz sind“, ergänzt Thomas. An die Deutschlandhymne hätten sich Schandmaul hingegen nicht herangewagt.
Müssen sie auch nicht.

schandmaul_unendlich_news_big„Mit der Flut“ führt die Szeneveteranen wieder zurück auf die See. Besonders prägnant ist hier der auffällig oft wiederholte Chorus bestehend aus dem Songtitel selbst. Mit unter drei Minuten zählt das Stück wiederum zu den kürzesten auf „Unendlich“. Anschließend greifen die Musiker in „Baum des Lebens“ die Nibelungenthematik erneut auf, dieses Mal allerdings als Prequel zur vorhandenen Trilogie rund um Drachentöter Siegfried. Genau wie später in „Mein Bildnis“ ist in „Baum des Lebens“ erstmals auf einer Studioplatte der Süddeutschen eine Harfe zu hören. Beide Songs fungieren an ihrer jeweiligen Stelle als Tempobremse. Apropos beide: Mit „Tangossa“ und „Little Miss Midleton“ befinden sich wieder zwei Instrumentals auf „Unendlich“. „Tangossa“ ist dabei – wie der Name nahelegt – eine Mischung aus einem Tango und Bossa, während sich „Little Miss Midleton“ erst in britischem Charme hüllt, um rund nach der Hälfte kräftig aufs Tempo zu drücken. Ein bisschen „Käptn Coma“ schwingt hier mit, nicht zuletzt da es sich bei Midleton um eine bekannte Whiskeysorte handelt. Bei „Tangossa“ dürften Metallica-Fans gegen Ende ein kleines Deja-Vu haben, so sie den Song „Orion“ kennen.
Verhältnismäßig spät befindet sich die erste Schandmaul-Single „Euch zum Geleit“ auf „Unendlich“. Der Text stammt hierbei von Gitarrist Ducky, der frei einen Brief rezitiert, den eine Verstorbene auf ihrer eigenen Beerdigung der Trauergemeinde vom Pfarrer vorlesen ließ. Selten wurde das Thema Tod (ohne es einmal beim Namen zu nennen) auf eine solch traurig-schöne Weise in Wort und Klang gekleidet, unter anderem mit Anna am Cello und Thomas am Klavier. Passenderweise werden Schandmaul dazu ein Video drehen, welches eine Feuerbestattung als Rahmenhandlung bietet.

Schandmaul_SoweitsogutFeurig bleibt es auch bei „Der Teufel…“: Beim Nachfolger vom gefeierten „Trinklied“ bewegen sich Schandmaul mit Unterstützung von Fiddler’s Green und Russkaja beinahe auf Feuerschwanz-Pfaden, erstmals mit englischsprachigem und russischem Refrain. Am Ende von „Unendlich“ werden die Mäuler schließlich episch und opulent zugleich: „Märchenmond“ ist die rund sechsminütige Adaption des WETO-Songs über die Bücher von Wolfgang Hohlbein. Hier hauen die sechs Musiker noch einmal alles raus, was ihre Instrumente zu bieten haben. Live dürfte es dieses Schauspiel nur in Ausnahmefällen zu hören bzw. zu sehen geben, selbiges gilt für die Cister in „Mittsommer“ und die bereits angesprochenen Harfen.
Wer nun neugierg auf „Unendlich“ ist, dem darf noch gesagt werden, dass die achte Schandtat in verschiedenen Editionen erscheinen wird: So wird es eine Version mit akustischen Voraufnahmen von Thomas und Ducky an der Gitarre, sowie eine weitere Fassung mit Demoaufnahmen geben. „Da sind einige Texte noch anders als in den Endversionen. „Mittsommer“ hat zum Beispiel seinen endgültigen Refrain erst im Studio bekommen“, sagt Thomas dazu.

Und was treiben Schandmaul sonst, wenn sie nicht im Studio sind? „Wir werden Ende 2014 eine Kinderplatte herausgeben. Diese ist seit rund einem Jahr fertig. Sie enthält zehn Songs, die wir zusammen mit Kinderbuchautor Dieter Winkler entwickelt haben. Dazu gibt es zehn illustrierte Geschichten zum Vorlesen, die ich gleichzeitig als Hörbuch eingesprochen habe“, verrät der frisch gebackene Vater. Das Werk wird den Titel „Schandmäulchens Traumreise“ tragen. Thomas abschließend mit einem Grinsen: „Und ich bin mir sicher, dass wir einige Songs davon wie z.B. „Pirat“ irgendwann auch in Wacken spielen werden – weil es die Leute wollen.“
Doch als erstes werden sich Schandmaul nun auf die eigene Reise begeben – mit neuem Label, neuer CD und immer noch viel Folk.

Schandmaul – Unendlich
Veröffentlichung: 24. Januar 2014

SONY DSCTrackliste:
01. Trafalgar
02. Tippelbruder
03. Kasper
04. In deinem Namen
05. Bunt und nicht braun
06. Mit der Flut
07. Baum des Lebens
08. Tangossa
09. Euch zum Geleit
10. Saphira
11. Mittsommer
12. Little Miss Midleton
13. Der Teufel…
14. Mein Bildnis
15. Märchenmond

8 Kommentare zu “Schandmaul – „Unendlich“-Prelistening”

  1. Birgit

    Hey, ich freu mich echt schon riesig auf euer neues Album, hört sich wie immer sehr vielversprechend an. Hoffe, ihr habt das Ganze dann auch auf buntem Vinyl, bzw, überhaupt auf Vinyl.

  2. Heiko braasch

    Na, das sind doch mal tolle News. Da lohnt sich die 3 monatige Wartezeit doch mal. Bin schon voller Erwartungen. Lg. Ein Fan der ersten Stunde

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