Interview mit Michael Rankine von Départe (Tasmanien)

Der Begriff „Australien“ ist abgeleitet vom lateinischen „terra australis“, was „südliches Land“ bedeutet. Noch südlicher jedoch liegt Tasmanien. Michael Rankine von den Black-Metallern DÉPARTE berichtet über Metal-Szene in Hobat und Umgebung.

Vervollständige doch bitte folgenden Satz: Black Metal in Tasmanien ist…
…klein, aber definitiv mit Qualität an den Stellen, an denen Quantität fehlt. Es ist düster, doomig und dröhnt bis deine Knochen zu Staub zermahlen sind. Laut und erdrückend!

Wie steht es mit Metal in Tasmanien generell? Gibt es eine lokale Metalszene mit entsprechenden Bars und Konzerten in Hobart?
In Hobart gibt es nur eine Handvoll Bars, in denen Metal läuft und wo sich regelmäßig Metalfans treffen. Die Szene selbst ist recht klein aber an der Schwelle, innerhalb der australischen Szene größer zu werden, da einige Bands aus Tasmanien im Rest Australiens Beachtung erfunden haben, im ganzen Land coole Dinge machen und sich einen Namen erarbeiten.

Wie viel Metalheads gibt es deiner Schätzung nach in Tasmanien?
Ich muss raten, aber wenn ich es in Zahlen fassen müsste, wären es tausende. Ich hoffe diese Anzahl, wie groß auch immer, wird weiter wachsen und hält die Szene am Leben. Es gibt eine Menge guten Metal, der aus Tasmanien und Australien allgemein kommt.

Wie bist du persönlich mit Metal in Kontakt gekommen?
Bei mir war es mein älterer Bruder, der mich mit Metal in Kontakt brachte. Ich hörte CDs oder Kassetten, die er hörte, er gab sie an mich weiter, einige seiner Freunde gaben mir Musik und ich hörte regelmäßig Radio und „Rage“ (ein Musiksender im Fernsehen).

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Wie sieht es mit Sachen wie CDs und Merchandise aus? Gibt es da Läden oder bestellt ihr das über das Internet?
Es gibt Läden! Wir haben ein paar verborgene Schätze in Hobart, ein es darum geht harte Musik und entsprechendes Merchandise zu kaufen. Zudem gibt es die großen Musikläden, die heutzutage eine tolle Vielfalt an modernen harter Musik und natürlich auch viele alte Sachen haben.

Du spielst selbst in einer Black-Metal-Band, DÉPARTE. Würdest du sagen, dass die Herkunft einer Band in Zeiten des Internets noch eine wichtige Rolle spielt? Würdest du es als Nachteil ansehen, aus Tasmanien zu kommen?
Beides. Es ist für Bands aus Tasmanien auf jeden Fall schwer, sich einen Namen zu erspielen. Wird sind halt schon sehr abgeschnitten vom Rest Australiens und der Welt. Da war das Internet immer sehr hilfreich, auch wenn man in keinem so abgeschnittenen Teil der Welt lebt. Du musst Risiken eingehen, dich der Öffentlichkeit aussetzen und dich in der Szene durchsetzen, um zu wachsen. Das kann finanziell recht anstrengend sein, aber das ist Teil des Risikos. Versuch es einfach weiter und spiel weiter. Wenn du aber einmal einen Fuß in er Tür hast und erwähnst, dass deine Band aus Tasmanien kommt, kann sich exotisch anhören und das Interesse an deiner Band steigern, da Tasmanien kein Ort ist, von dem die Leute oft hören. So gesehen kann es auch seine Vorteile haben und dir Aufmerksamkeit verschaffen.

Was oder welche Bands haben dich am meisten inspiriert selbst eine Band zu gründen?
Das waren Bands wie Deathspell Omega, Ruins, Mgla und Immortal.

som393-departe-1500x1500px-300dpi-rgbDas Artwork eures neuen Albums ist sehr ausdrucksstark – was war die Idee hinter diesem Bild und was sehen wir eigentlich?
Unsere Intention war in etwa, einzufangen, was Verzweiflung, Leid und Verkommenheit definiert. Etwas hartes, das mit dem begleitenden Sound Hand in Hand geht. Wir haben uns ein bisschen umgesehen und uns viele Bilder angeschaut. Danach dachten wir, wir machen was mit graphischem Design oder eine Mischung aus Fotografie und graphischem Design, etwas digital manipulierte, doch nichts hat sich aufgedrängt. Nichts war so ausdrucksstark wie eine natürliche, unbearbeitete Fotografie. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und denken, dass wir all das perfekt eingefangen haben.

Du hast die Band als Ørannis gegründet, was nach einer Hommage an die nordeuropäischen Länder klingt. Warst du jemals in Skandinavien, der Heimat des Black Metals?
Keiner aus unserer Band ist bisher in diesen Teil der Welt gereist, aber wir haben auf jeden Fall vor, das eines Tages zu realisieren – sei es mit der Band oder nur als Urlaub. Die Landschaft ist absolut atemberaubend und natürlich liegen dort die Wurzeln des Black Metal.

Worum geht es in eurem Album „Failure, Subside“?
Die Texte erkunden Bereiche wie Trauer, Depression und Einsamkeit, aber mit einer „Licht am Ende des Tunnels“-Attitüde, anstatt sich nur darin zu suhlen.

Vermutlich kommen die meisten amerikanischen und europäischen Bands nicht nach Tasmanien, wenn sie in Australien spielen, oder? Hat das zur Folge, dass die Leute dementsprechend ihren lokalen Bands verbundener und dankbarer sind, als das in Ländern der Fall ist, wo es quasi wöchentlich Liveshows gibt?
Es kommt tatsächlich selten vor, dass internationale Bands Tasmanien in ihren Tourplan aufnehmen, wenn sie nach Australien kommen. Das ist einfach eine finanzielle Frage, da es eine Menge kostet und die Zuschauerzahlen hier nicht so groß sein können wie im Hauptteil Australiens. Hin und wieder kommt eine große Band in unsere Provinz, aber nicht aus dem Metal-Sektor. Es kommt zwar vor, aber eben eher selten. Wenn es aber passiert und die Band Interesse generieren kann, dann sind die Leute unheimlich dankbar, sie kommen wie die Holzwürmer aus dem Gebälk, haben Spaß und unterstützen die Band.

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Andersherum betrachtet könnt ihr nicht einfach mit dem Auto in die nächstgrößere Stadt fahren, sondern müsst meist fliegen. Ist das etwas, was euch als Band einschränkt?
Es kann ein Hindernis sein, keine Frage. Um deine Band hier der Öffentlichkeit vorzustellen, musst du viel mehr dazu bereit sein, dich komplett der Band zu verschreiben – auch finanziell. Du musst Risiken eingehen, wie ja eigentlich bei jedem Unternehmen. Du musst sparen und es einfach versuchen – wenn es nicht klappt, versuchst du es wieder und sammelst dabei Kontakte.

Wann wart ihr als Band das erste Mal in Australien? Was war dabei die beeindruckendste Erfahrung?
Die meisten von uns waren in der Vergangenheit schon öfter mit anderen Bands drüben, aber mit DÉPARTE waren wir vor vier oder fünf Jahren das erste Mal dort. Der Erfolg hängt stark vom Wochentag ab, an dem du spielst und natürlich auch davon, mit wem du auftrittst. Gogruts zu supporten, war beeindruckend: Die haben richtig viele Leuten gezogen, die auch uns und unsere Musik an diesem Abend sehr zu schätzen wussten.

Da Metal in Australien schon relativ groß ist, zieht es auch viele internationale Bands für Auftritte dort hin. Das gibt wiederum lokalen Bands die Chance, sich selbst als Vorband zu zeigen. Da es in Australien aber vermutlich weniger Bands gibt, als beispielsweise in Europa, könnte man annehmen, dass es einfacher ist, an diese Supportslots zu kommen. Ist zumindest das ein Vorteil daran, aus diesem Teil der Welt zu kommen?
In gewisser Weise, ja. Aber du wärst überrascht, wie viele lokale Bands es hier tatsächlich gibt! Es gibt als jede Menge Auswahl, wenn es darum geht, diese Supportslots für internationale Bands zu besetzen. Das ist auf jeden Fall keine leichte Aufgabe für die Manager und Promoter.

Nur wenige Bands aus Australien bekommen die Chance, in Europa auf Tour zu gehen – fühlt man sich da ein wenig einsam oder abgeschnitten?
Gelegentlich schon, klar. Da geht es ja primär um die finanzielle Belastung, die es mit sich bringt, einmal um die Welt und zurück zu reisen, wenn du drei bis sechs Bandmitglieder hast und wahrscheinlich 100 – 200 Kilogramm Equipment. Es ist aber definitiv leichter geworden, da es von der Regierung Förderungen gibt. Hauptsächlich geht es darum, deinen Fuß in die Tür zu bekommen und das Risiko einzugehen, um bekannter zu werden.

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Wie ist es generell für eine Band in Hobart – ist es einfach einen Probenraum, ein Aufnahmestudio oder Auftrittsmöglichkeiten zu finden?
Proben kann schwierig sein, wenn keines deiner Bandmitglieder ein Haus hat, das groß genug ist, um dort proben zu können. Glücklicherweise haben wir mitten in der Stadt einen Probenraum, den wir uns mit vier bis fünf anderen befreundeten Bands teilen und gemeinsam gemietet haben. Damit hat jeder einen Abend in der Woche, an dem er da proben kann und man kann seine Ausrüstung dalassen.  Studios gibt es einige, das ist also kein Problem. In Hobart gib es zwei, drei größere, in denen wir unsere Alben aufnehmen könnten. Da die Szene hier recht aktiv ist, sind auch Auftrittsmöglichkeiten kein Problem. Alles von Pop bis Metal findet eigentlich wöchentlich irgendwo statt und unter der Woche gibt es immer in irgendwelchen Pubs Musikevents.

Wie offen sind die Leute in Tasmanien, wenn es um Metal geht? Wie reagieren „normale“ Leute, wenn sie mit Metal konfrontiert werden?
Seit dem Erfolg von Psychroptic hat Metal in Tasmanien auf jeden Fall an Akzeptanz gewonnen. Dazu trug auch das Kunstevent „Dark Mofo“ bei. Das hat eine ganze Menge nationale und internationale Aufmerksamkeit in unsere Provinz gebracht. Viele Tasmanier schätzen Metal mittlerweile.

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten, zum Abschluss ein Brainstoming:
Australien:
Riesig.
Satan: Nicht so cool, wie er sich selbst findet. Schrecklich schlechter Geschmack bei Klamotten und Fashion allgemein.
Tasmanische Teufel: haarige Freunde.
MONA-FOMA-Festival: Eine fantastische und spannende Geschichte – es lohnt sich auf jeden Fall zu investieren und es auszuchecken.
Deutschland: Ein faszinierendes Land, die nettesten Leute und köstliches Essen – natürlich auch eine inspirierende Musikszene.
Haie: Grau und spitz zulaufend.
Black Metal: Pure Exzellenz.

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