Die Metal-Szene in den USA ist nicht unbedingt für ihre Power-Metal-Bands bekannt. Natürlich kennt man das Genre auch in Übersee und hin und wieder schafft es auch eine der dortigen Bands, in Europa für Aufhorchen zu sorgen. So z. B. die aus Seattle stammenden GREYHAWK, die seit mittlerweile zehn Jahren aktiv sind. Nach einem Vertragsabschluss mit Cruz Del Sur hat die Truppe nun gerade ihr drittes Album „Warriors Of Greyhawk“ veröffentlicht, weshalb wir Bassist Darin Wall zum Gespräch baten.
Hallo, und danke, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst! Wie geht’s dir?
Überhaupt kein Problem! Wir sprechen immer gern mit der Heavy-Metal-Presse drüben in Deutschland! Mir geht’s super, danke!
Da GREYHAWK in unserem Teil der Welt noch nicht besonders bekannt sind: Erzähl uns doch ein bisschen über die Band und eure Geschichte!
Klar! Und wir hoffen, das zu ändern! (lacht) Die Grundlagen der Band entstanden 2016, als ich unseren Leadgitarristen Jesse Berlin kennengelernt habe. Damals war ich gerade nach Seattle, Washington gezogen und wollte eine neue Band gründen. Ich sah diesen Gitarristen auf YouTube Malmsteen- und RACER X-Cover spielen und dachte: „Ich muss sehen, ob dieser Typ mit mir Songs schreibt!“ Wir haben uns auf Anhieb verstanden, und nach einigem Suchen fanden wir eine stimmige Besetzung und schrieben und nahmen unsere erste EP „Ride Out“ auf. Diese EP bekam etwas Aufmerksamkeit und am Ende wurden wir für unser erstes Full-Length-Album „Keepers Of The Flame“ bei Fighter Records aus Spanien unter Vertrag genommen. Das brachte uns Festivalauftritte bei Events wie LEGIONS OF METAL, HELL’S HEROES, MAD WITH POWER und sogar bei einigen Festivals in Deutschland ein, wie HAMMER AND IRON in Essen und KEEP IT TRUE! Danach veröffentlichten wir noch ein weiteres Full-Length-Album, „Thunderheart“, aber leider konnten wir dafür nicht viel touren, weil unser alter Sänger ausgestiegen ist. Zum Glück haben wir sehr schnell unseren neuen Sänger Anthony Corso gefunden. Er war der Erste, der zum Vorsingen kam – manchmal IST es wirklich der erste Typ. Dann machten wir uns an die Arbeit, das neue Album „Warriors Of Greyhawk“ zu schreiben und aufzunehmen, was dazu führte, dass wir bei einem meiner Lieblingslabels, Cruz Del Sur Music, unterschrieben haben – und hier sind wir heute!
Ihr habt gerade euer drittes Album „Warriors Of Greyhawk“ veröffentlicht. Was kannst du uns über die Platte erzählen?
Ich bin unglaublich stolz auf „Warriors Of Greyhawk“! Für mich ist es ganz klar das beste Stück Musik, an dem ich je gearbeitet habe. Das Konzept des Titels hatte ich schon eine Weile im Kopf, aber es hatte sich bis jetzt nicht richtig angefühlt, es zu nutzen. Die Idee von „Warriors Of Greyhawk“ ist die von anhaltender Stärke und Durchhaltevermögen. Diese Band hat eine Menge Schwierigkeiten durchgestanden – Mitglieder, die gegangen sind, eine globale Pandemie, die uns Festivals und Touren gekostet hat, und sogar eine tatsächliche Schießerei bei einer unserer Shows, bei der einer von uns (ich) angeschossen wurde, und das anschließende juristische Verfahren plus noch mehr – und wir sind immer noch hier und spielen die Musik, die wir lieben. Die Botschaft ist: Wir sind alle „Warriors Of Greyhawk“, und wir alle haben diese gleiche Stärke in uns.
Inwiefern unterscheidet sich „Warriors Of Greyhawk“ von euren vorherigen Alben? Hat die Verpflichtung eines neuen Sängers der Musik eine neue Ebene hinzugefügt?
Ja, absolut. Als Songwriter, der melodische Musik macht, glaube ich: Wenn du deinen Sänger nicht so aufstellst, dass er glänzen kann, dann machst du es nicht richtig. Anthony hat eine ganz andere Stimme als unser alter Sänger, also bestand die Herausforderung darin, das Songwriting so zu drehen, dass es seiner Stimme entgegenkommt und trotzdem die meisten Elemente beibehält, wegen derer unsere Fanbase unsere Musik überhaupt von Anfang an mochte. Man sollte niemals vergessen, wo man herkomms, oder die Leute vergessen, die einen am Anfang unterstützt haben. Wir haben unser Bestes getan, beides zu schaffen. Die Formel ist dieselbe – wenn überhaupt, sind wir wieder zurück zu dem epischen Metal gegangen, den wir auf „Keepers Of The Flame“ gefahren haben -, aber wir haben ein paar schnellere Songs und ein paar Power-Metal-Elemente hinzugefügt, von denen wir finden, dass sie Anthonys Stärken hervorheben. Ich weiß, manche Leute werden es mögen, manche nicht. Hoffentlich mögen es die meisten!
Wie funktioniert der Songwriting-Prozess bei GREYHAWK?
Meistens bringt einer von uns eine Idee in Form eines Demos ein. Manchmal ist das ein fertiger Song, manchmal ein Riff, manchmal ein Rhythmus, manchmal eine Melodie, manchmal ein textliches Konzept! Danach steuert jeder seinen Input bei und schreibt seine Parts – dann schreiben wir Pre-Production-Demos. Der Sinn dabei ist, alles zu verfeinern und die kleinen Details zu klären, bevor wir anfangen, für Aufnahmezeit zu bezahlen. Wir versuchen, zu jedem Zeitpunkt, wenn wir uns darauf vorbereiten, ein Album abzuliefern, 20-30 Song-Demos zu sammeln. Dann sitzen wir alle um einen Tisch, mit reichlich Bier, hören und diskutieren, welche Songs es schaffen und welche nicht. Ich kann euch sagen: Diese Diskussionen werden leidenschaftlich. Es bleibt natürlich respektvoll, aber es sind leidenschaftliche Debatten.
2026 markiert nicht nur die Veröffentlichung eures dritten Albums, sondern auch das zehnjährige Jubiläum von GREYHAWK. Habt ihr das beim Machen der Platte in irgendeiner Weise berücksichtigt? Oder habt ihr sonst etwas geplant, um das zu feiern?
Wow, du hast recht, daran habe ich gar nicht gedacht! (lacht) Wahrscheinlich nicht dieses Jahr, aber wenn unsere erste Veröffentlichung von 2018 zehn wird, müssen wir definitiv etwas machen, um das zu feiern. Wir haben dieses Jahr so viel geplant, was Shows, Videos und verschiedene andere Ideen angeht. 2026 wird locker unser geschäftigstes Jahr werden, und hoffentlich trägt sich das dann auch in 2027 hinein. Wir sind bestens vorbereitet und bereit!
Ich habe beim Hören eures neuen Albums das Gefühl, sehr klar zu erkennen, welche Bands GREYHAWK inspirieren. Aber ich würde es gern von dir hören: Welche Bands und Stile beeinflussen eure Musik?
Wir kommen alle aus sehr unterschiedlichen Hintergründen. Aber es gibt ein paar Bands, die uns grundsätzlich verbinden. DIO ist immer das gemeinsame Band zwischen uns. Wir lieben Ronnie und ziehen so viel aus seiner Musik. Aber bei diesem neuen Ding – da ist es je nach Song wirklich eine Vielfalt. Für „Ascension“ waren unsere Freunde in VISIGOTH der Haupteinfluss. Als ich „Land Of Ashes“ geschrieben habe, habe ich versucht, einen Song zu machen, der das Shredding von UNLEASH THE ARCHERS mit der Geschwindigkeit und Energie von RIOT verbindet. Ihr werdet oft Malmsteen und RACER X in der Leadgitarrenarbeit hören. Wir lieben auch AOR- und Hair-Metal-Bands wie DOKKEN, RATT usw. Ich denke, das kommt in einigen der Songs durch.
Für „Warriors Of Greyhawk“ habt ihr einen Deal mit Cruz Del Sur Music, einem etablierten Label aus Italien, unterschrieben. Wie ist es dazu gekommen?
Cruz Del Sur ist seit langer Zeit eines meiner Lieblingslabels. Ich verfolge sie seit den frühen/mittleren 2000ern, als sie Alben von Bands wie SLOUGH FEG und ANTIQUUS veröffentlicht haben. Ich wollte schon immer, dass eines unserer Alben auf Cruz erscheint, weil ich finde, dass das Label so viel Integrität hat und ständig fantastische Releases rausbringt, die Metalheads hören wollen. Und sie geben diesen großartigen Bands eine stabile Plattform, die ein Majorlabel nicht bieten würde. 2020 haben wir versucht, „Keepers Of The Flame“ auf Cruz herauszubringen, und ihr Labelchef Enrico wollte das auch machen, aber wegen einiger Business-Situationen ging es nicht. Dann, 2024, habe ich Enrico zum ersten Mal beim KEEP IT TRUE Festival an seinem Stand im Metal Market getroffen, und wir kamen ins Gespräch. Er sagte, er hätte sich gewünscht, er hätte dieses Album herausbringen können. Und ich sagte: „Naja, es gibt ja immer die Zukunft.“ Als wir dann anfingen, „Warriors Of Greyhawk“ herumzureichen, war das Angebot von Cruz mit Abstand das beste, das wir bekommen haben. Also war es angesichts dessen und der Vorgeschichte der richtige Schritt, bei Cruz del Sur zu unterschreiben. Es gab andere Labels, die uns sehr professionell angesprochen haben, und ich kann über sie nur Gutes sagen. Aber am Ende war Cruz für uns der richtige Schritt.
Power Metal wird oft eher als „europäisches Ding“ wahrgenommen. Wie sieht die Szene in den USA aus? Gibt es ein großes Publikum für eure Art von Musik?
Die meisten der besten Power-Metal-Bands kommen aus Europa, das ist unbestreitbar. Aber die Szene hier drüben für Power Metal ist in den letzten zehn Jahren stark gewachsen. Bands wie HAMMERFALL, BLIND GUARDIAN und HELLOWEEN touren jetzt durch Nordamerika in großen Hallen und verkaufen sie entweder aus oder sind knapp davor. Wir haben Power-Metal-Festivals wie MAD WITH POWER in Wisconsin, PROG POWER in Atlanta, und jetzt hat LEGIONS OF METAL in Chicago umgesteuert und lädt mehr Power-Metal-Bands in ihr Line-up ein, weil die Szene hier so stark ist. Ich würde sagen, es gibt hier drüben immer noch einen Mangel an Bands, die Power Metal spielen, aber das wird sich wahrscheinlich auch ändern.
Wenn man bedenkt, dass GREYHAWK jetzt seit einem Jahrzehnt existieren: Welchen Rat hast du für Bands, die gerade erst anfangen?
Habt Spaß, macht Musik, die ihr liebt, und spielt Musik mit Leuten, mit denen ihr gern zusammen seid. Wenn die Stimmung in der Band gut ist, dann ist auch die Stimmung um die Band herum gut. Ihr werdet nicht zu viel eingeladen werden, wenn ihr ein Haufen Arschlöcher seid. Seid nett zu anderen Bands. Seid nicht konkurrenzgetrieben oder neidisch. Wenn eure Kollegen Erfolg haben, freut euch für sie, und statt neidisch zu werden, schaut euch die Dinge an, die sie machen und die ihnen Erfolg bringen, und seht, ob ihr das auf eure eigene Band anwenden könnt. Engagiert eine Promo-Agentur, wann immer ihr irgendwas veröffentlicht. Sachen nur euren Facebook-Freunden zu zeigen erzeugt eine permanente Echokammer, und ihr wachst nie. Und: geht auf die Straße und tourt. Ja, am Anfang werdet ihr Geld verlieren, aber wenn ihr Ziele und Ambitionen habt, außerhalb eurer Heimatstadt zu spielen, müsst ihr es selbst machen. Die 80er sind vorbei und es wird niemals ein A&R-Typ von einem großen Label zu euren Heimatstadt-Gigs kommen, um euch zu unter Vertrag zu nehmen. Und außerdem, um Himmels willen, holt euch keinen Manager, bis ihr wirklich einen braucht.
Wie sieht es mit euren Tour-Aktivitäten aus? Werden wir GREYHAWK in absehbarer Zeit in Deutschland sehen können?
Ja! Wir werden 2026 viel unterwegs sein. Wir haben gerade eine Kanada-Tour mit ALESTORM und TWILIGHT FORCE angekündigt, auf die wir uns wahnsinnig freuen. Diese Tour wird uns durch den größten Teil des Landes führen, von Montreal bis Vancouver. Außerdem haben wir viele Termine im pazifischen Nordwesten der USA, ein paar Festivals und andere spaßige Sachen geplant. Stand jetzt haben wir keine Bookings in Deutschland, aber ich mache es mir zum Ziel, das zu ändern! Deutschland ist mein Lieblingsland, um Heavy Metal zu spielen (aber verrat’s keinem anderen Land, okay!)
Möchtest du noch etwas hinzufügen?
Ich will einfach allen danken, die die Band in den letzten zehn Jahren unterstützt haben. Egal, ob ihr ein digitales Album auf Bandcamp gekauft habt, zu einer Show gekommen seid, uns ein Bier gekauft habt, unser Album rezensiert habt, uns gebucht habt – was auch immer es war – unsere Dankbarkeit ist ewig. Wir können das ohne die Unterstützung von allen auf Grassroots-Ebene nicht machen. Ich möchte auch EUCH für dieses Interview danken und der gesamten unabhängigen Metal-Journalismus-Szene. Ihr macht so viel, um uns Bands zu helfen, und GREYHAWK liebt und schätzt euch dafür wirklich.
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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