Interview mit Mr. Hurley, Buckteeth Bannock, der Einäugige Morgan und Pegleg Peggy von Mr. Hurley und die Pulveraffen

In unserem letzten Interview vor zwei Jahren haben sich Mr. Hurley und die Pulveraffen erstmals auf bei Metal1 präsentiert. Knappe 24 Monate später, kurz nach dem Release des neuen Albums „Leviathan“, sprachen wir erneut mit den sympathischen Piraten aus dem hohen Horden, die inzwischen weiter durchgestartet und vom Trio zum Quartett gewachsen sind. Was alle vier Bandmitglieder zur aktuellen Veröffentlichung, steigender Popularität und dennoch ewiger Dankbarkeit zu sagen haben, lest ihr hier.

Ahoi ihr Vier! Rund zwei Jahre ist es her, seit „Tortuga“ erschienen ist. Seit letzten Freitag steht „Leviathan“ in den Läden. Wie würdest du die letzten 24 Monate zusammenfassen?
Buckteeth Bannock: Der Tortuga-Zyklus war eine unglaublich intensive und turbulente Zeit. Vor allem geprägt durch hunderte von Livekonzerten. Zudem war es natürlich ein wichtiger Schritt, dass im April 2018 Peggy am Bass die Bandbesetzung komplettiert hat.

Ihr seid mit „Tortuga“ auf Platz 5 der deutschen Albumcharts eingestiegen. Hat sich dieser Erfolg auf die Entstehung von „Leviathan“ ausgewirkt? Schielt ihr ein bisschen auf das Erfolgsrezept des Vorgängers?
Morgan: Die Chartplatzierung der Tortuga hat uns wahnsinnig gefreut und überrascht, da dies natürlich signalisiert, dass den Leuten das eigene künstlerische Schaffen gefällt. Viel wichtiger ist uns aber die unglaubliche Stimmung auf unseren Livekonzerten.

Fühlt ihr euch immer noch „frei“ in eurer Musik oder inzwischen auch unter Druck, bestimmte Ziele damit erreichen zu müssen?
Mr. Hurley: Wir haben schon viel mehr erreicht, als wie jemals erreichen wollten oder zu hoffen gewagt hätten und das, ohne uns jemals in unserem Schaffen einzuschränken oder zu verdrehen. Oder vielleicht auch grade, weil wir uns nie verstellt haben.

Mr. Hurley, du bist einer der Musiker, der auf dem MPS oder auch bei Festivals gerne unter die Leute geht. Ist das in letzter Zeit – mit steigender Popularität – schwieriger für dich geworden?
Mr. Hurley: Man wird schon häufiger erkannt, aber das ist ja nichts Schlimmes. Wir freuen uns immer, mit Fans zu reden, weil uns der Fankontakt auch sehr wichtig ist. Das einzige, was schade ist, dass man manchmal nicht die Zeit hat, jeden Fan so viel Aufmerksamkeit zu schenken, wie man es gerne würde.

Gerade auf dem MPS zählt ihr mit den Pulveraffen zu den festen Institutionen: Was hat sich für dich persönlich gerade bei dieser Veranstaltungsreihe mit wachsender Bekanntheit und dadurch auch mehr Fans verändert?
Peggy: Man hat, wie in der letzten Frage bereits erwähnt, leider nicht mehr so viel Zeit für jeden einzelnen Fan, wir sind aber schon darauf bedacht, dass jeder Fan, der ein Foto oder ein Autogramm möchte, auch eines bekommt. Und auch wenn die Publikumsgröße auf dem MPS inzwischen deutlich größer ist als noch vor einigen Jahren, bleiben die Konzerte vom Gefühl her immer noch sehr familiär.

Man kann sagen, dass ihr zusammen mit Saltatio Mortis, Faun, Fiddler’s Green und Versengold speziell in den letzten Jahren immer erfolgreicher geworden seid, nicht nur durch Deals mit Major-Labels. Wie hat sich das auf das Verhältnis der Bands untereinander ausgewirkt?
Buckteeth Bannock: Mit all den genannten Bands verbindet uns ein sehr inniges, freundschaftliches Verhältnis, was sich in den letzten Jahren auch nur ins Positive verändert hat, da man durch ähnliche Erfahrungen im Musikgeschäft immer mehr gemeinsame Gesprächsthemen findet.

Kommen wir zu „Leviathan“: Der Name des Albums ist genau wie „Voodoo“ und „Tortuga“ wieder sehr kurz und prägnant gehalten. Was steckt dieses Mal dahinter? Auf Anhieb wirkt „Leviathan“ nicht unbedingt wie der gemeinsame Nenner eurer neuen Piratengeschichten…
Morgan: In den letzten Zügen der CD-Produktion ist uns aufgefallen, dass im Vergleich zur „Tortuga“ der Großteil der erzählten Geschichten auf See spielt. Viele davon behandeln düsterere Themen oder Gefahren auf See  wie „Unser Untergang“, „Hol uns der Teufel“ oder „Affentotenkopp“. Daher finden wir den Titel „Leviathan“, wenn man ihn als Metapher für Bedrohungen aus dem Meer versteht, sehr treffend. Durch das Hörspiel haben wir das Thema der Platte nochmal vertieft.

Ihr habt bereits mit Klezmer- und Bluesrock-Arrangements herumexperimentiert. Was gibt es nun Neues auf die Ohren?
Mr. Hurley: Mit „Santa Sangria“ haben wir zum ersten Mal einen kubanisch angehauchten Latin-Song herausgebracht. Außerdem haben wir beim Songwriting die Chance genutzt, dass wir, seitdem wir ein Klavier auf der Bühne haben, noch etwas vielfältiger im Instrumentarium sind. So hat Buckteeth auf der Platte mehrere Songs am Piano, einen sogar auf einer Kirchenorgel, eingespielt.

Bei der Produktion und Co. scheint ihr größtenteils auf ein eingespieltes Team zu setzen. Sehnt ihr euch nicht manchmal nach anderen Meinungen und vielleicht auch neuen Einflüssen von außen?
Peggy: Wir sind mit unserem Produzenten Tobi und dem Docmaklang Studio sehr zufrieden! Allerdings haben wir bei der „Leviathan“ erstmals für zwei Titel („Affentotenkopp“, „Unser Untergang“) auch mit Vincent Sorg in den Principal Studios gearbeitet, was ebenfalls großen Spaß gemacht hat und nochmal eine andere Sichtweise eröffnet hat.

Buckteeth Bannock ist vor wenigen Wochen Vater geworden, darüber geht euer Song „Der Kodex (kein Versprechen)“. Würdest du sagen, dass ihr euch auch persönlich thematisch weiterentwickelt habt, eben weil sich auch eure eigenen Lebensumstände zum Teil signifikant geändert haben?
Buckteeth: Wir haben bereits in der Vergangenheit Songs geschrieben, die einen persönlichen Hintergrund haben oder ernstere Themen ansprechen. Jedoch werden wir darin immer selbstbewusster, da wir merken, dass unsere Fans auch solche Songs abseits von Piratenklamauk von uns hören möchten. Das gilt auf „Leviathan“ neben „Der Kodex (kein Versprechen)“ auch z.B. für „Scherenschnitte“.

Pegleg Peggy hat sich von eurer Animateurin über Teilzeitsängerin bis zur Bassistin entwickelt. Auf „Leviathan“ ist sie kaum mehr am Mikrofon zu hören. Ist Peggy nun primär für den Tieftöner zuständig?
Morgan: Peggy ist zwar bei keinem Song Leadsängerin, aber sie ist schon in jedem Lied auch im Backgroundgesang vertreten. Sie ist also nicht „nur“ für den Bass zuständig. Das ist also deutlich mehr als früher. Bisher hatte sie gesangstechnisch live nur den Kinderchor in „Schlechtes Vorbild“ übernommen.

Wie hat Peggy euren Sound beeinflusst und sich in ihrer neuen Funktion als Bassist auf „Leviathan“ eingebracht?
Mr. Hurley: Sie war bei dieser CD auch erstmals aktiv beim Songwriting beteiligt. Und der Bass komplettiert unseren Livesound, bei dem wir die tiefen Töne bisher nur mit dem Akkordeon bedienen konnten.

Bei eurem Hörspiel „Blakes Walfahrt“ wirkt der Szene-YouTuber Der dunkle Parabelritter mit. Auf dessen Sternenklang Festival seid ihr im Juni aufgetreten. Wie ist die Zusammenarbeit entstanden und sind weitere gemeinsame Projekte geplant?
Buckteeth: Mr. Hurley und der Parabelritter sind sich irgendwann im Backstage des Summer Breeze in die Arme gelaufen, sind ins Gespräch gekommen und daraus entwickelte sich schließlich eine Freundschaft, aus der sich diese Zusammenarbeit ergab. Wir sind uns sicher, dass wir auch in Zukunft gemeinsame Projekte haben werden, etwas Konkretes ist jedoch noch nicht geplant.

Neben dem Titeltrack zählte „Unser Untergang“ zu den ersten Songs von „Leviathan“, die ihr online vorab vorgestellt habt. Verfolgt ihr die Kommentarspalte auf sozialen Medien? Wenn ja, hattet ihr mit den Reaktionen gerechnet oder wart ihr auch überrascht?
Morgan: Selbstverständlich verfolgen wir die Kommentare so gut es uns möglich ist. Wir freuen uns natürlich über die weit überwiegend positiven Reaktionen.

Die zweite Ausgabe von „Plankrock“ liegt als Bonus der „Captain’s Edition“ von „Leviathan“ bei. Inklusiv Hörspiel und Intro umfasst euer Album bereits 19 Stücke. Mutet ihr euch insgesamt nicht ein wenig zu viel zu?
Morgan: Es ist keine Zumutung, solange es Spaß macht. Wir mussten im Endeffekt sogar noch Stücke aussortieren.

Ihr seid auf Wacken oder beim Summer Breeze regelmäßig zu Gast und habt euch Stück für Stück im Billing nach oben gearbeitet. Sind diese Shows auf den größten Metal-Festivals inzwischen etwas Normalität für euch geworden oder haben diese Auftritte noch immer den Reiz des ersten Mals?
Mr. Hurley: Von Normalität kann eigentlich bei keinem Konzert die Rede sein, egal ob großes Metalfestival oder winzig kleiner Club. An das Gefühl, wenn Menschen unsere Lieder mitsingen, werden wir uns nie gewöhnen, egal ob es nun 10 oder 10.000 sind. Inzwischen ist es allerdings „nur noch“ freudige Aufregung und man stirbt nicht mehr tausend Tode, bevor man eine große Festivalbühne betritt.

Vor eurer Tour im Herbst spielt ihr erneut einige Kajüten-Konzerte in ganz Deutschland. Was war das besondere an den ersten Shows, dass ihr wieder auf dieses Konzept zurückgegriffen habt? In kleinen bis größeren Clubs tretet ihr inzwischen ja zur Genüge auf…
Buckteeth Bannock: Mittlerweile werden bei unseren eigenen Touren auch die Clubs größer, bei den Kajüten-Konzerten hingegen sind wir so nah an den Fans, wie es näher kaum denkbar ist. Das gemeinsame Schwitzen, Trinken und Feiern schweißt Band und Fans auf einer ganzen anderen Ebene zusammen.

Kommen wir am Ende nochmals kurz und knackig auf den Punkt. Würdet ihr bitte noch die folgenden Sätze vervollständigen?

– Ich traue es mir fast nicht zu sagen, aber ich wollte schon immer eine Buddel Rum mitCocktailschirmchen“ trinken
– Neben seinem Bart bewundere ich an Buckteeth Bannock besondersseine Empathie und Gelassenheit.“
– In diesem Winter werden Mr. Hurley und die Pulveraffenfrieren.“
– Am karibischen Osnabrück schätzen wir am meistenunser eigenes Bett.“

Die letzten Worte gehören wie immer Euch…
Wenn wir die Möglichkeit haben, möchten wir diese immer dazu nutzen, unseren Fans für ihre stetige Unterstützung und Piratenliebe zu danken. Danke!

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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