Interview mit Dakkar von Narbeleth (Kuba)

Teil vier unseres Specials „Metallisierte Welt“ führt uns in die Karibik, genauer gesagt nach Kuba: Dakkar von NARBELETH berichtet über Black Metal im kommunistischen Inselstaat, die Metal-Szene in Havanna und seine ersten Erfahrungen auf deutschen Festivals.

Black Metal aus Kuba ist eine wirklich exotische Konstellation. Wie bist du auf den Geschmack gekommen? In Havanna dürfte es vermutlich kein CD-Geschäft mit Metal geben, von Metal-Konzerten ganz zu schweigen …
Tatsächlich ist NARBELETH nichteinmal die einzige Black-Metal-Band aus Kuba. Spontan fallen mir beispielsweise noch Blackult und Heretik ein. Aber du hast natürlich recht, es gibt hier keine Läden, wo man Metal-Shirts oder -CDs kaufen kann. Aber Konzerte gibt es. Wir haben einen Club hier, das Maxim Rock, in dem zumindest einmal im Monat Metal-Konzerte mit lokalen Bands oder Bands aus anderen Teilen des Landes stattfinden.

Wie lebt es sich auf Kuba als Black Metaller? Hat deine musikalische Vorliebe Auswirkungen auf deinen Alltag?
Nein, mein Alltag ist nicht negativ davon betroffen, dass ich Metalhead bin. Wie die Leute, oder sagen wir, die „normalen“ Leute über Metalfans denken, ist hier glaube ich nicht anders als andernorts. Man sieht nur einfach weniger Metalheads auf der Straße als beispielsweise in Deutschland oder Spanien.

Narbeleth 02Wie schwierig gestaltet es sich bei euch in der Praxis, Metal zu machen? Ist es beispielsweise schwer, an Instrumente oder sonstiges Equipment zu kommen?
Ja, tatsächlich ist das das Hauptproblem, wenn es darum geht, hier eine Band zu gründen. Musikinstrumente sind extrem teuer, und selbst wenn du das nötige Geld hast, findest du in den Läden längst nicht alles, was du brauchst. Equipment bekommt man deshalb vor allem gebraucht auf dem Schwarzmarkt, muss es aus anderen Ländern mitbringen oder jemandem abkaufen, der es hergebracht hat. In den offiziellen, staatlichen Geschäften hier kostet eine beliebige, qualitativ schlechte Gitarre aus China beispielsweise das gleiche wie in Europa eine gute ESP oder Jackson.

Wie hast du in diesem Kontext dein neues Album „Through Blackness And Remote Places“ aufgenommen?
Wie alle NARBELETH-Aufnahmen habe ich auch das neue Album daheim aufgenommen. Offizielle oder private Studios sind sehr teuer und es gibt dort keine Toningenieure, die wissen, wie man Metal aufnimmt. Abgesehen davon ist Black Metal meiner Ansicht nach ein sehr persönliches Genre, so dass man bessere Ergebnisse erziehlt, wenn man selbst die Kontrolle über alles behält.

Das Album erinnert mich an eine Kombination aus dem Stil der Norweger Kampfar und Bands wie den Österreichern Stormnatt. Kennst du diese Bands und wie stehst du zu diesem Vergleich?
Es ist tatsächlich das erste Mal, dass jemand meine Musik mit der von Kampfar vergleicht, aber ich bin tatsächlich gut mit deren Gitarrist Ole und ihrem Schlagzeuger Ask Ty befreundet. Ich weiß nicht, ob du das wusstest, aber Ask hat für den Song „Delivering The Very Soul“ sogar einen echt coolen Gastbeitrag als Sänger beigesteuert, was mich wirklich stolz macht. Was Stormnatt angeht, werde ich mich mal kundig machen, bisher habe ich von dieser Band nichts gehört.

Ganz generell klingt dein Album sehr „skandinavisch“. Welche Bands würdest du denn selbst als wichtige Einflüsse auf den Sound von NARBELETH nennen?
Bands wie Darkthrone, Judas Iscariot, Arckanum, Bathory, Burzum, Lord Belial, Moonblood oder Hellhammer würde ich als Einflüsse nennen. Insofern hast du recht, meine Musik ist vorwiegend von skandinavischem Black Metal inspiriert.

Narbeleth 03

Fühlt es sich nicht irgendwie schräg an, an einem sonnigen, warmen Ort wie Havanna Musik zu machen, die so extrem mit Nordeuropa, Schnee, Eis und Dunkelheit assoziiert ist?
Doch, das ist wirklich sehr gegensätzlich. Aber ich identifiziere mich nicht mit der kubanischen Populärkultur. Das sage ich in diesem Kontext, denn wenn schon das Wetter anders ist, ist es das Verhalten der Leute erst recht … die Lebensweise, die Gewohnheiten … Dinge, die ich nicht Teile.

Mittlerweile machen sich NARBELETH auch in Europa einen Namen. Wie bist du mit der hiesigen Szene in Kontakt gekommen, beispielsweise mit deinem Label, Folter Records?
Ich habe Folter Records vor ungefähr drei Jahren angeschrieben und ihnen meine Musik geschickt, weil ich unbedingt auf dem Under The Black Sun spielen wollte. Ich war damals zudem auf der Suche nach einem Label, das mein Album herausbringt, Folter mochten NARBELETH und so kam dann eines zum anderen.

Du hast auch schon mehrfach in Deutschland gespielt. War es schwierig, die dazu nötigen Visa zu bekommen?
Ich habe mittlerweile einmal auf dem Under The Black Sun und letzten August auf dem Barther Metal Open Air gespielt. Zum Glück habe ich eine doppelte Staatsbürgerschaft und einen spanischen Pass, deshalb brauche ich kein Visum, um nach Europa zu fliegen. Das große Problem ist eher das Geld für den Flug. Das ist für mich wirklich teuer.

Narbeleth 01Und welche Erfahrungen konntest du hier sammeln?
Die besten! Es war ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Für euch da drüben ist es ganz normal, zu solchen Events zu fahren, ihr seid die Atmosphäre dort gewohnt. Aber für mich war das etwas komplett neues. Ich habe eine Menge cooler Leute getroffen, gute Freunde, und großartige Bands gesehen. Außerdem haben NARBELETH vom Publikum wirklich gutes Feedback bekommen. Insofern bin ich sehr zufrieden und arbeite hart daran, dass NARBELETH öfter in Europa spielen können.

Spielst du unterdessen auch auf Kuba Konzerte?
In Havanna habe ich das letzte Mal 2013 gespielt. Natürlich will ich auch hier wieder spielen, aber ironischerweise habe ich hier keine Musiker um live zu spielen. Alle meine engen Freunde sind in andere Länder gezogen und ich brauche in der Band einfach Leute, denen ich vertrauen kann, die die richtige Einstellung zu dieser Kunstform haben und von denen ich weiß, dass sie Black Metal so fühlen und leben wie ich das tue.

Wie stehst du zur neuen Politik der Annäherung zwischen Kuba und den USA?
Ich denke, diese Entwicklung ist wie eine Lawine – das wird jetzt keiner mehr aufhalten können. Für die kubanische Regierung ist es ein zweischneidiges Schwert. Ich persönlich hoffe aber natürlich, dass sich hier alles schnell zum Besseren wendet. Das hoffe ich wirklich.

Vielen Dank für deine Zeit. Zum Abschluss unser traditionelles Metal1.info-Brainstorming:
Deutschland: Gutes Bier
Fidel Castro: Autokratie
Black Metal: Freiheit, Mystik
Zigarren: Geld
Barack Obama: Hat gute Ideen, ist am Ende trotzdem eine Marionette
Che Guevara: Kommunismus
Schnee: bald einmal
Immortal: Die perfekte Inszenierung des aufstrebenden Nordens.

Die letzten Worte gehören dir:
Vielen Dank für das Interview und die Unterstützung. An alle NARBELETH-Fans: Denkt daran, „Through Blackness And Remote Places“ steht bereits in den Läden! Bis Bald! Hail!

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