Interview mit Torsten "Todd" Lang von Sceptor

Mit „Rise To The Light“ ist SCEPTOR nach dem 2012er Debüt „Take Command!“ und zwischenzeitlicher Auflösung ein starkes Comeback gelungen. Was es mit der langen Durststrecke auf sich hatte, wie das neue Line-up zustande kam, die Arbeit am zweiten Album ablief und warum es wichtig ist, mit sich selbst und seinen Mitmenschen achtsam und respektvoll umzugehen, erzählt uns Bandkopf Torsten „Todd“ Lang im Interview.

Logo der Heavy Metal Band Sceptor

Hallo, Todd und danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst! Alles gut bei dir?
Es ging mir niemals besser, danke für die Anfrage und für die tolle Möglichkeit, die Band zu präsentieren. Es ist eine große Ehre für mich, diese Band mit diesem Lineup zu präsentieren. Das war wirklich harte Arbeit, aber nun sind wir am Ziel. Ich bin unglaublich dankbar dafür!

Seit eurem ersten Album „Take Command!“ sind fast zehn Jahre vergangen. Was war in dieser Zeit bei euch los?
Du stellst Fragen … okay, ich hatte ’nen Burnout und keinen Sinn mehr für Musik. Ich habe mir Zeit genommen. Das kann ich euch da draußen absolut raten. Hört auf euch. Macht das, was euch gefällt. Mittlerweile kann ich damit umgehen, aber ich weiß, dass es viele von unseren Fans betrifft, bitte passt auf auch auf!

Bei SCEPTOR ist inzwischen nicht nur der ehemalige Hammer-King-Bassist K. K. Basement, sondern auch Bobby Mitchell, der einst bei den US-Metallern Attacker sang, aktiv. Wie kam diese Besetzung zustande?
K. K. war schwer zu überreden, aber danach war er ein wunderbarer Grill-Partner. Weißt du, wir grillen viel, das ist irgendwie ’n Ritual geworden. Ich habe ihn niemals abgeworben … manche behaupten das, aber es stimmt nicht. Bob kenne ich seit über 20 Jahren, wir haben uns damals bei einem Gig im Headbangers Ballroom in Hamburg kennen gelernt. Da haben unter anderem auch Rival performt.

Mit „Rise To The Light“ ist gerade euer zweites Album erschienen. Was kannst du uns über die Platte erzählen?
Da gibt’s nicht viel zu erzählen. Die ist meiner Meinung nach großartig geworden. Wie könnte sie auch besser ausfallen mit so tollen Musikern wie Bob, Timo, Flobo und K.K.?

Torsten "Todd" Lange, Bandkopf von SCEPTORWie liefen das Songwriting und die Aufnahmen zu „Rise To The Light“ ab? Spielt Distanz eine Rolle? Zumindest ein Bandmitglied lebt ja in Amerika …
Ich mache das schon ein paar Jahre. Bin gelernter Tontechniker. Somit habe ich Handwerkzeug dabei. Die Distanz ist kein Problem. Ich wünschte mir manchmal aber, dass ich ihn live im Studio hätte. Das sollte aber demnächst fürs dritte Album machbar sein. Dann geht’s eben in die USA oder er kommt her. Mal schauen … Im Allgemeinen ist es so, dass wir die Songs schreiben und Bob singt drauf, aber alles hier zu beantworten, das würde den Rahmen sprengen.

Worum geht es in euren Texten? Fantasy oder Geschichten aus dem Leben?
Es geht um dies und um das, meistens um zeitgenössisches Geschehen. Die Texte schreibt Bob und der macht es je nach Stimmung. Er sagt immer, dass jeder für sich selbst interpretieren kann.

„Rise To The Light“ erscheint bei Pure Steel Records. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Ich kenne (Geschäftsführer) Andreas (Lorenz – Anm. d. Red) schon eine Ewigkeit. Und um gleich etwas vorwegzunehmen, er macht nix für Kumpels. Da muss das Label schon überzeugt sein. Anscheinend haben wir ’nen Punkt getroffen. Ich bin unglaublich dankbar für die Chance. Liebe Grüße an Markus und Andi, by the way.

Welche Bands und Stilrichtungen würdest du als Vorbilder anführen?
Da gibt’s so viele. Savatage, Maiden, Mercury Rising, U2, Genesis, da könnten wir ewig sprechen …

Macht ihr bereits Tourpläne für die Zeit, in der Konzerte wieder einigermaßen problemlos möglich sind?
Na klar, ich gehe davon aus, dass 2022 wieder viel möglich sein wird, sofern gewisse Faktoren stimmen. Es wäre töricht zu glauben, dass alles so bleibt. Wir müssen nach vorne sehen.

Das Cover von "Rise To The Light" von SceptorIn diesem Zusammenhang: Wie steht ihr zum Thema Einlassbeschränkung? 3G, 2G oder free for all?
Das ist sehr schwer zu beantworten. Wenn sich jeder testen lässt … alles okay. Es gibt Menschen, die sollten sich nicht impfen lassen, aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie schwanger sind. Alles nachzuvollziehen. Aber diese verfickten Leugner machen die Sache nurmehr kompliziert, daher könnten wir in Deutschland schon viel weiter sein. Was sind das überhaupt für Zeiten, in denen jeder an sich denkt? Du musst die Leute mit Partys und Bratwurst locken, damit sie sich spritzen lassen. Leute, ihr macht das nicht primär für euch, denkt an die Gesellschaft! Von daher würde ich wahrscheinlich zu 3G tendieren.

Die Coronapandemie trifft natürlich alle Bereiche des Lebens, aber es scheint, als wäre kaum ein Sektor härter getroffen worden als Clubs und tourende Bands. Wie geht es euch nach all dieser Zeit damit?
Wir haben keine hundertprozentigen Verlässlichkeiten beziehungsweise es steht alles auf wackeligen Beinen. Es war die vergangenen Jahre schon schwer, an Gigs zu kommen. Clubs haben zum Teil dichtgemacht oder sind komplett überrannt. Flüge gehen ja zum Glück wieder, mal abwarten, wie sich das alles im Jahr 2022 entwickelt. Wie oben schon gesagt, es bleibt wahrscheinlich nicht so und es gibt ja momentan einen positiven Trend. Was die Truppe angeht, als Band sind wir eine Einheit, aber wenn du dich nicht mit den Jungs treffen kannst, dann fehlt irgendwas. Zum Glück konnten wir online viel machen und getroffen haben wir uns, als es wieder ging, mit Abstand. Wir sind alle geimpft und somit stand dem Album nichts im Wege.

Besten Dank für Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein Brainstorming: Was fällt dir spontan zu folgenden Begriffen ein?
US-Metal: Helstar, Rival, Virgin Steele, Savatage, …
Tourbus: Eng, stickig, keine Privatsphäre.
Pay to Play: Es kotzt mich an.
Konzeptalbum: Irgendwie hat man doch immer ein Konzept.
GEMA: Muss man überdenken im Zeitalter des Streamings.
SCEPTOR in zehn Jahren: Alte fette Säcke, die Blues machen.

Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Wie schon erwähnt, macht etwas für die Gesellschaft und leugnet nicht. Bleibt von diesen unsäglichen YouTube-Kanälen fern und fragt lieber euren Arzt. Ansonsten bleibt kritisch und hinterfragt, aber tut verdammt nochmal etwas für unseren Zusammenhalt. Nehmt Rücksicht aufeinander und helft alten Leuten über die Straße. Ich kann es nicht mehr mit ansehen, wie unsere Gesellschaft auseinanderdriftet. Schaut euch an, wenn ihr miteinander sprecht. Dieser ganze Facebook-Müll ist Gift. Würdet ihr jemandem genau das Gleiche ins Gesicht sagen, was ihr da schreibt?

Gruppenfoto der Band Sceptor

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

Publiziert am von und

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.