In sieben Jahren kann sich sehr viel verändern: Seit SINSAENUM 2018 ihr zweites Album „Repulsion For Humanity“ veröffentlicht haben, ist SINSAENUM-Gründer Frédéric Leclercq bei DRAGONFORCE ausgestiegen und bei KREATOR eingestiegen – hat aber auch seinen Vater wie auch seinen Freund und Schlagzeuger Joey Jordison verloren. Im Interview gingen wir mit Leclercq der Frage nach, wie die Veränderungen und Verluste sein Leben und das neue SINSAENUM-Album „In Devastation“ geprägt haben.

Wir sprechen heute über SINSAENUM, aber man kann nicht über diese Band reden, ohne über Joey Jordison zu sprechen. Joey ist vor vier Jahren gestorben. Wenn du dich zurückerinnerst, wie hast du davon erfahren, was hast du gemacht, als du von seinem Tod erfahren hast?
Ich habe auf meinem Bett gelegen und ferngesehen, und mein Telefon hat angefangen, ständig zu piepen. Ich bekam eine Menge Nachrichten von verschiedenen Leuten. So habe ich davon erfahren. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es ist nie ein schöner Moment, wenn man vom Tod eines Menschen erfährt, und ich weiß nur noch, dass ich sehr traurig war.
Kam diese schlimme Nachricht für dich als Freund und langjährigen Bandkollegen überraschend, oder war sie aufgrund seiner Krankheit gewissermaßen abzusehen?
Sagen wir, es war absehbar, aber das war’s auch schon. Es ist nicht meine Aufgabe, darüber zu sprechen. Aber ja. Trotzdem ist es eine Tragödie. Er war jung…
„Er war einfach ein toller Mensch.
Er war in erster Linie ein Freund.“
Auf jeden Fall. Ich habe ihn 2018 auf der Tour mit SINSAENUM für ein Interview getroffen. Es war irgendwie furchtbar, weil er kaum laufen konnte – aber er hat trotzdem Schlagzeug gespielt. Sein Kampfgeist und seine Stärke waren einfach unglaublich. Was sind deine Erinnerungen an diese Tour mit ihm?
Es war großartig! Es war manchmal schwierig, aber wie du schon sagtest: sein Spirit war da, und er war immer sehr leidenschaftlich, wenn es um Musik ging, sehr enthusiastisch. Er war einfach ein toller Mensch. Er war in erster Linie ein Freund. Wir haben uns auf Tour kennengelernt, wir haben uns über die Musik kennengelernt, und das hat uns zusammengeschweißt. Wir teilten beide die gleiche Leidenschaft für MORBID ANGEL. Diese Tour hatte ihre Höhen und Tiefen, aber ich schätze die Zeit, die wir zusammen verbracht haben.
Es war unglaublich, ihn diese extrem brutalen Songs spielen zu sehen, und dass er es trotz seines körperlichen Zustands geschafft hat. Er sagte damals zu mir, dass er immer noch hofft, eines Tages zu SLIPKNOT zurückzukehren – aber ich schätze, er war die einzige Person, die wirklich an diesen Traum glaubte. Habt ihr auch darüber gesprochen?
Niemals. Ich habe dieses Thema nie angerührt, weil es mich einfach nichts angeht. Ich kenne die anderen Jungs auch, wir waren alle zusammen auf Tour, und was auch immer passiert ist … wie ich schon sagte: Ich war immer da, wenn er das Bedürfnis hatte, zu reden, aber ich hätte das Thema nie angeschnitten. Und wenn man mit einer Band zusammenkommt, muss man sich einfach darauf konzentrieren, sonst bringt man zu viele Dinge durcheinander. Wenn wir zusammen waren, waren wir also SINSAENUM, und es gab keinen Platz, um irgendetwas anderes anzusprechen.
Die Fans waren damals ziemlich überrascht, wie emotionslos SLIPKNOT auf seinen Tod reagierten. Später wurden sie von seiner Familie vor Gericht sogar der Lüge bezichtigt, sie hätten nur behauptet, mit der Familie kondoliert zu haben. Wie stehst du dazu?
Das geht mich nichts an. Es geht mich absolut nichts an. Trauer hat verschiedene Formen, und man muss nicht … man sagt, was man zu sagen hat, und ich bin sicher, dass jeder über Joeys Tod traurig war. Ich musste mir also nie ein Urteil über ihre Reaktion bilden.
Wie kam es überhaupt dazu, dass du mit ihm eine Band gegründet hast? Wie hat SINSAENUM zusammengefunden?
Ich wollte schon immer Death Metal machen. Ich liebe das Genre und ich wollte eine Band mit Leuten machen, die ich mag. Ich kenne ja eine Menge Musiker, also ist es für mich einfach, gute Leute zu finden. Ich habe einfach hier und da mit Menschen darüber gesprochen. Ich wollte etwas mit Stéphane von LOUDBLAST machen, er war der erste, der sagte: Ja, das könnte echt cool sein. Ich hatte Songs geschrieben, oder halbe Songs, aber nicht so richtig ernsthaft. Dann kam ich gerade aus Australien zurück, ich war dort auf Tour, und bekam eine Nachricht von Joey. Wir haben uns immer mit „MA“ gegrüßt, was für „MORBID ANGEL“ steht, weil wir beide Fans der Band waren. Er hat mich einfach so angeschrieben, und ich sagte: „Oh, das ist lustig, ich habe gerade an dich gedacht, denn ich habe da diese Songs, und sie klingen tatsächlich ein bisschen wie Morbid Angel. Wir hatten schon mal darüber gesprochen, und ich habe sie weiterentwickelt, möchtest du sie dir anhören?“ Und er sagte ja und hörte sie sich an, und dann meinte er nur: Das ist verdammt geil, wer ist der Schlagzeuger? Und ich sagte, na ja, ich weiß nicht … du? Und er antwortete: Yeah! – und das war’s dann! Von da an nahm alles eine andere, professionellere Wendung, weil ich mir dachte: OK, Joey ist an Bord, Stéphane ist an Bord, ich bin an Bord, ich würde gerne mit diesem und jenem Typen arbeiten und ich habe viele Türen geöffnet … und so kam eines zum anderen.
„Es ist mein Baby, aber Joey
hat sich den Namen ausgedacht“
Habt ihr den Fortbestand von SINSAENUM nach seinem Tod infrage gestellt – und wenn ja, wann habt ihr beschlossen, weiterzumachen?
Nun, wenn man einen Freund oder einen anderen Menschen verliert, kommt die Musik erst an zweiter Stelle. Ich habe also gar nicht an SINSAENUM gedacht, als ich es erfahren habe. Als ich dann mit den anderen Jungs Kontakt aufgenommen habe, mit ihnen geredet und Erinnerungen ausgetauscht habe, kam das Thema natürlich auf, und wir haben beschlossen, dass wir einfach weitermachen und ihm das nächste Album widmen werden. Das schien uns das Normalste der Welt zu sein. Wie ich schon sagte: Ich habe die Band gegründet, ich habe die Musik geschrieben, und es ist mein Baby, aber Joey hat sich den Namen ausgedacht, also ist das ein Teil von ihm, der durch das, was wir tun, weiterlebt, also macht es total Sinn – zumindest für uns.
Wann habt ihr dann die Bandaktivitäten wieder aufgenommen?
Ich hatte schon vor Joeys Tod und vor dem Tod meines Vaters angefangen, an neuen Songs zu arbeiten. Das war im Jahr 2019. Damals habe ich einen Großteil der Songs geschrieben. Zu der Zeit bin ich auch bei KREATOR eingestiegen, und es gab keinen Druck, keine Agenda, da war einfach die Idee, dass wir ein drittes Album machen und uns dafür Zeit nehmen. Ich hatte nicht erwartet, dass irgendetwas davon passieren würde. Der Verlust meines Vaters hat mich ziemlich leer zurückgelassen, was die Inspiration angeht, war da nichts mehr … und weniger als ein Jahr später haben wir Joey verloren.
Und wann habt ihr beschlossen, seinen ehemaligen Drum-Tech André Joyzi als neuen Schlagzeuger zu engagieren?
Als wir wieder anfingen, über die Band zu sprechen, wollte ich die Songs fertigstellen. Also haben wir angefangen zu überlegen, wer Schlagzeug spielen soll, und dabei wurde klar, dass es schön wäre, jemanden aus der Familie zu nehmen, und da Joyzi zur Familie gehört – wie du schon gesagt hast, war er der Schlagzeugtechniker auf der Tour für SINSAENUM, er war also die ganze Zeit mit Joey zusammen – ergab es einfach Sinn. Deshalb haben wir mit ihm weitergemacht.
„Es ist all denen gewidmet, die uns verlassen haben,
oder allen, die zurückgelassen wurden.“
Es gibt einen Song auf dem Album mit dem Titel „Last Goodbye“, der wohl ein sehr persönlicher Song für dich ist. Könntest du uns ein paar Einblicke in deine Gefühle für diesen Song geben und was war deine Idee dahinter?
Nun, es geht um Trauer, er ist also offenkundig meinem Vater gewidmet, Joey, und Fred, unserem Lichtmann, der letztes Jahr gestorben ist. Aber zuallererst geht es um Trauer. Es ist all denen gewidmet, die uns verlassen haben, oder allen, die zurückgelassen wurden, und es geht auch um den Schmerz, den man ertragen muss, wenn die Person, die man geliebt hat, nicht mehr da ist – davon handelt das Lied. Nicht gerade fröhlich …
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Nun, ich würde auf einer Death-Metal-Platte sowieso keinen fröhlichen Song erwarten, aber meistens ist Death Metal eher oberflächlich, mehr in Richtung Splatter und Gore, wenn es um den Tod als Thema geht. Das ist ja eine viel persönlichere Herangehensweise an dieses Thema, oder?
Das kommt darauf an – ich glaube, manche nehmen es schon sehr ernst. Die Tatsache, dass das Album diesen Menschen gewidmet ist, macht es schlagartig ernst und so … Aber die Realität ist: Nur ein Song befasst sich mit diesem Aspekt – aber weil ihnen das Album gewidmet ist, was ja durchaus Sinn macht, rückt es die ganze Sache in ein anderes Licht. Hätten wir nicht erwähnt, dass das Album ihnen gewidmet ist, würden die Leute das vielleicht anders wahrnehmen, also ist es auch die Macht von nur ein paar Worten, einfach die Tatsache, dass man es jemandem widmet.
„Mein Leben hat sich verändert, seit ich
Menschen verloren habe, die ich geliebt habe.“
SINSAENUM ist mein Baby, es ist sehr persönlich, und mein Leben hat sich verändert, seit ich Menschen verloren habe, die ich geliebt habe. Daher ist natürlich alles, was ich mache – nicht nur in Bezug auf die Musik – von diesen Verlusten beeinflusst. Das ist es, was für mich darin steckt, aber deswegen ist es nicht automatisch das, was die Leute fühlen müssen oder was sie bei einem Song wie „In Devastation“ fühlen, der ziemlich aufbauend ist! Oder „Shades Of Black“, oder irgendeiner der Songs auf dem Album … er ist ziemlich aggressiv und eingängig und hat eine Menge Melodie. Die Erwähnung, dass es eine Hommage an die Menschen ist, die wir verloren haben, könnte auch den falschen Eindruck erwecken, dass die Musik sehr depressiv ist. Sie ist sicher nicht fröhlich gemeint, schließlich ist es Death Metal. Aber es geht hier um mehr als nur einen Aspekt des Lebens oder des Todes.
Das Album ist auch musikalisch vielseitiger als die vorherigen Alben. Was hat dich inspiriert oder was hat dir das Vertrauen gegeben, das zu versuchen und SINSAENUM dieses Mal noch vielseitiger klingen zu lassen?
Der Mangel an Grenzen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich etwas tun muss. Das erste Album war das erste, es war auch mein Einstieg in das Genre, da will man alles richtig machen. Es ist ein Stil, den ich liebe, aber die Leute kannten mich als den Bassisten von DRAGONFORCE, also war mir klar, dass sie sagen würden: Oh, der Typ von der Power-Metal-Band spielt Death Metal? Daher musste es einfach richtig gemacht sein. Und außerdem war es einfach mein Liebesbrief an das Genre: Ich höre diese Musik seit vielen Jahren, ich wollte das perfekte klassische Death-Metal-Album machen.
Beim zweiten Album war ich von allem und jedem angepisst. Ich bin damals gerade 40 geworden, man hat also eine Midlife-Crisis … und ich war wütend! Es gab auch Anleihen an PANTERA, eine der bösesten, wütendsten und aggressivsten Bands, die ich kenne. Das war es, was ich im Sinn hatte. Und bei diesem Album jetzt dachte ich mir einfach: OK, ich habe zwei Alben gemacht, ich muss nichts mehr beweisen, die Band existiert, ich werde mir Zeit lassen – denn ich musste an einem DRAGONFORCE-Album arbeiten, ich musste an dem AMAHIRU-Album arbeiten, ich war gerade bei KREATOR eingestiegen. Es gab also keinen Druck, mein Plan war einfach: Ich werde Musik für SINSAENUM schreiben.
Ich hatte die Besetzung im Kopf, also wusste ich, dass die Stimme so sein wird, ich wusste, dass der Stil so sein wird … aber innerhalb dieser Parameter würde ich einfach tun, was ich verdammt noch mal will. Es kam also ganz natürlich, ohne dass ich mir irgendwelche Grenzen auferlegt habe, deshalb haben wir auch cleanen Gesang, denn ich fand einfach, dass dieser Song cleanen Gesang braucht, also los! Bei diesem Song wollte ich einen langen, melodischen Soloteil mit verschiedenen Parts und so weiter haben, etwas, das wir auf den vorherigen Alben schon angedeutet hatten, aber ich wollte es einfach noch weiter ausbauen. Dieser Part wäre cool mit einer Sitar. Na gut, scheiß drauf, lass uns eine Sitar benutzen. Und ein Cello. Ich möchte bei „Obsolete And Broken“ mit Sean singen und harmonieren, denn dieser Teil erfordert es, ruhiger zu werden … also machen wir das! So ist das alles entstanden.
„Dieses Album viel persönlicher
und frei von jeglichen Limitationen“
Die Shows mit SINSAENUM haben uns auch gezeigt, was die Leute mögen und was nicht, und welche Songs „funktionieren“. Das hat mich natürlich zu einem gewissen Grad beeinflusst. Es gibt Kategorien: Die Leute mögen „Army Of Chaos“ und „Final Resolve“, die sehr straight sind. Aber die Leute mögen auch „Inverted Cross“, das ziemlich technisch ist und so weiter. Ich denke, dass das in meinem Hinterkopf irgendwie zu dem geführt haben muss, was es ist. Aber wenn irgendwas, dann ist dieses Album viel persönlicher und frei von jeglichen Limitationen – in welcher Form auch immer. Ich habe einfach die Musik geschrieben, die ich machen wollte.
Ja, das hört man dem Album an. Du hast gerade erwähnt, dass du mehr als ein Jahrzehnt lang bei DRAGONFORCE gespielt hast. Inwieweit hat das deine Art, Musik zu schreiben, beeinflusst – vielleicht auch, was den Death Metal angeht?
Ja, es waren 13 Jahre. Aber ich glaube nicht, dass es meine Art, Musik zu schreiben, beeinflusst hat. Aber alles und jedes beeinflusst dich in gewisser Weise. Es ist nichts, was ich absichtlich mache. Es ist nicht so, dass ich eine Formel gefunden hätte. So nach dem Motto: Aha, das ist cool, was wir hier in DRAGONFORCE machen, ist toll. Das werde ich bei SINSAENUM anwenden. Aber mit DRAGONFORCE habe ich zum Beispiel gelernt, Pro Tools zu benutzen, quasi ein Heimstudio. Das habe ich also bei SINSAENUM benutzt. Mit DRAGONFORCE waren wir auf Tournee, ich habe mein Englisch verbessert … all das hat mich als Person verändert, und natürlich beeinflusst das wiederum mich als Person, und ich als Person wiederum beeinflusse die Musik von SINSAENUM.
„Ich mag es, Dinge in die richtigen „Schubladen“ zu stecken.“
Insofern glaube ich nicht, dass es irgendeinen musikalischen Aspekt gibt, den ich von DRAGONFORCE übernommen habe, den ich in eine der anderen Bands eingebracht habe. Ich mag es, Dinge in die richtigen „Schubladen“ zu stecken. Das ist das Bild, das ich immer benutzt habe. Aber so fühle ich eben: Etwas, das ich für SINSAENUM schreibe, würde zum Beispiel nie bei AMAHIRU landen, oder ein Melodieteil von KREATOR würde nicht bei LOUDBLAST landen und andersherum. Es hat mich also als Person verändert, und es war eine großartige Reise und eine unglaubliche Erfahrung. Aber ich kann nichts benennen, das die Musik von SINSAENUM aufgrund von DRAGONFORCE zu dem gemacht hat, was sie ist, abgesehen von äußeren Faktoren wie der persönlichen Entwicklung.
Ich finde deinen musikalischen Weg insofern sehr interessant, als viele Musiker mit Death Metal oder einer anderen extremen Form von Metal beginnen und später Projekte in melodischeren Genres gründen. Bei dir war es genau andersherum. Du kommst vom Power Metal und jetzt machst du die ganzen harten Sachen mit KREATOR und SINSAENUM.
Ich glaube, das ist einfach die Art und Weise, wie die Leute es zu der Zeit sehen. Ich habe diese Musik schon immer gehört, ich habe mit 12 Jahren angefangen, Heavy Metal zu hören, mit MANOWAR, IRON MAIDEN, MOTLEY CRUE, METALLICA … und dann führte METALLICA zu SLAYER, SEPULTURA, KREATOR und dann zu MORBID ANGEL und so weiter. Ich habe schon immer viele verschiedene Stile gemocht. Im Jahr 1998 war ich sehr angetan von SYMPHONY X und DARK FUNERAL.
„Die Leute kennen mich als diesen Power-Metal-Typen,
aber das war nie richtig.“
Mein Musikgeschmack war also immer breit gefächert, aber ich denke, wenn die Leute dich erst einmal mit einer bestimmten Band sehen und diese Band erfolgreich ist, dann ist es das für sie – du bist dieser Typ. Die Leute kennen mich also als diesen Power-Metal-Typen, aber das war nie richtig. Es ist ein Teil von mir, aber ich bin auch der SINSAENUM-Typ. Ich bin der KREATOR-Typ. Ich bin der Typ, der all diese MORBID-ANGEL-Shirts trägt und sich als Teenager ein umgekehrtes Kreuz in den Arm geritzt hat, wie ein Branding. (lacht) Also, ja, das war schon immer ein Teil von mir. Manchmal ist es wirklich anstrengend, dass man sich rechtfertigen muss und die Leute einen in eine bestimmte Kategorie stecken. Aber so ist es nun mal. In gewisser Weise bin ich froh, dass ich den umgekehrten Weg gehe, denn wie du schon gesagt hast, neigen die Leute dazu, mit zunehmendem Alter sanfter zu werden. Ich gehe einfach einen anderen Weg. Aber ich höre auch zu Hause sanftes Zeug, weißt du, ich habe auch ruhigen Kram! (lacht)

Ja, das ist cool. Wie wir schon angesprochen haben, ist das Line-Up von SINSAENUM ziemlich international und jeder von euch ist in einer Menge Bands involviert und hat einen vollen Terminkalender. Könntest du vielleicht kurz den Produktionsprozess des Albums umreißen?
Nun, heutzutage ist es einfach, Dateien und so weiter über das Internet zu verschicken. So haben wir schon früher gearbeitet, auch bei DRAGONFORCE lief das so ab. Man schickt sich Dateien und das ist gut so – vor allem, weil ich extrem viel mit KREATOR zu tun habe und auch extreme Depressionen habe. Aber ich bin die treibende Kraft in der Band, was bedeutet, dass alles von meinen Stimmungsschwankungen abhängt, und davon hatte ich ziemlich viele. Deshalb ist es gut, dass wir aus der Ferne einfach das Schlagzeug aufnehmen konnten. Wenn dann das Schlagzeug eingespielt ist, kann ich eine Pause machen, weil ich irgendwohin muss oder weil ich mich nicht gut fühle. Und dann kann ich irgendwann die Gitarren fertig machen.
Wenn ich mich einmal in etwas vertieft habe, wenn ich zum Beispiel mit den Rhythmusgitarren angefangen habe, höre ich nicht auf, bevor das fertig ist. Aber dann muss ich vielleicht auf Tournee gehen oder ich fühle mich etwas deprimiert und muss mir einfach Zeit lassen. So ist das gelaufen. Ich glaube aber nicht, dass man das dem Album anhört, denn jeder war motiviert und in der Lage, immer dort weiterzumachen, wo er aufgehört hat. Lasse Lammert, der das Album abgemischt hat, war auch sehr gut darin, dem Ganzen zu mehr Konsistenz zu verhelfen. Es hat also eine Weile gedauert, aufgrund von vollen Terminkalendern und Stimmungsschwankungen und so weiter, aber ich denke, das Endergebnis klingt sehr kompakt und ergibt Sinn. Und nur das zählt am Ende. Es spielt keine Rolle, wie lange es gedauert hat, einen guten Kuchen zu backen, solange er gut schmeckt!
„Er ist im Hintergrund und niemand weiß es …“
Aber abgesehen vom Offensichtlichen ist es die gleiche Besetzung wie auf dem letzten Album?
Ja. Abgesehen von Joey haben wir Sean [Zatorsky], Heimoth, Stéphane [Buriez] und Attila [Csihar] dabei. Nun, Attila kommt und geht immer. Er ist im Hintergrund und niemand weiß es … er ist auf dem Foto im Album, er ist nicht auf den Promo-Fotos … aber uns gefällt das so. Die Leute sind verwirrt das ziemlich. Aber es ist so: Attila ist sehr mit seiner eigenen Karriere beschäftigt, deswegen hatte er sich beim zweiten Album herausgehalten, aber er ist Teil der Familie. Es ist nicht einmal so, dass er ein Mitglied der Band ist, er ist einfach ein Mitglied der Familie. Und weil wir dieses Album gemacht haben und gesagt haben, dass wir es Joey widmen wollen, kam von ihm natürlich ein „Fuck yeah, ich bin dabei!“. Also ist er bei allen Songs zu hören. Er ist zwar nicht der Hauptsänger, aber er macht all diese Stimmen links und rechts. Er ist also mit an Bord, und abgesehen davon, dass [André] Joyzi der neue Schlagzeuger ist, ist es das gleiche Lineup.
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Und wie sieht es mit euren Plänen für Live-Auftritte aus? Habt ihr vor, mit dem neuen Album auf Tour zu gehen und wer wird dann mit an Bord sein?
Wir spielen ein paar Shows im Oktober, aber aus terminlichen Gründen nur eine kleine Tour. Ich musste erst herausfinden, wie der Zeitplan mit KREATOR aussieht, also ob ich frei bin oder nicht. Und als ich das in Erfahrung gebracht hatte, waren die meisten Venues schon ausgebucht. Es ist sehr schwierig, man muss das weit im Vorfeld organisieren. Aber wir werden im Oktober in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Portugal auftreten. Und dann werden wir sehen … das Album ist noch nicht draußen. Wir waren sieben Jahre lang weg.
„Hey, wir sind SINSAENUM.
Erinnert ihr euch an uns?“
Es ist also nicht einfach, den Ball ins Rollen zu bringen. Du rufst die Promoter an, du rufst sie spät an, und du sagst: Hey, wir sind SINSAENUM. Erinnert ihr euch an uns? Ja. Vor sieben Jahren. Wir werden ein neues Album herausbringen. Wir würden gerne eine Tournee buchen! – OK, gut, wie heißt das neue Album? Wie hört es sich an? – Kann ich dir nicht sagen, es ist noch nicht draußen! (lacht) Aber es fühlt sich trotzdem so an, als ob die Leute uns nicht vergessen hätten. Unser Name existiert immer noch. Und wir konnten auf den Streaming-Plattformen sehen, dass die Leute uns immer noch hören. Das ist wirklich ein gutes Gefühl. Und hoffentlich mögen die Leute die neuen Songs. Dann schauen wir weiter. Aber immer ein Schritt nach dem anderen.
Vorher bist du mit KREATOR auf der „Demonic Summer Tour“ …
Ja, wir sind gerade mittendrin. Wir waren beim Sweden Rock und beim Metal Fest in Tschechien – und am Freitag werde ich im Copenhell spielen. Das ist also dazwischen.
Die Setlist enthält einige Überraschungen, wie „Renewal“ und „Total Death“ – Songs, die die Band sehr lange nicht mehr gespielt hat. Was sind deine bisherigen Highlights der Setlist?
Die Setlist könnte sich noch einmal ändern, wir wissen es nicht. Wir werden sehen … wir werden sie weiter durchprobieren. Ich mag es, die alten Sachen zu spielen. Aber das Lustige ist: So sehr sich irgendwelche Old-School-Typen im Internet auch diesen oder jenen Song wünschen mögen, du weißt schon, die obskursten Lieder, die ihnen einfallen … wenn wir auf Festivals spielen, merkt man schnell, dass die Leute tatsächlich die neueren Sachen mögen. Das ist großartig für die Band, dass die Leute Songs wie „Enemy Of God“ wirklich mögen – die zwar auch schon alt sind, aber du weißt schon … Wenn man auf der Bühne steht, möchte man natürlich auch eine Reaktion der Leute sehen.
„‚Renewal‘, das ist meine Generation! „
Das ist schon interessant … denn wenn man sich nur auf die 10 oder 20 Leute im Internet verlassen würde, die sagen, bitte spiel dies, spiel das … wo sind die, wenn man auf der Bühne steht? Keiner von denen ist da. Die Leute lieben es einfach, zu „Phantom Antichrist“ oder dem Material der letzten Alben zu moshen. Davon abgesehen macht es mir aber wirklich Spaß, „Renewal“ zu spielen. Denn „Renewal“, das ist meine Generation! (lacht) Es erzeugt eine bestimmte Stimmung, es hat einen besonderen Vibe, und ich finde, es ist ein toller Song! Er weckt bei mir viele Kindheitserinnerungen, aber ich denke auch, dass er sich auf der Bühne gut umsetzen lässt. Deshalb bin ich froh, dass wir „Renewal“ spielen. Ich freue mich auch, dass wir „Ripping Corpse“ rausgekramt haben, denn „Pleasure To Kill“ ist ein verdammt cooles Album. Und ja, es werden noch mehr Songs hinzukommen. Wir probieren da immer noch herum.
Von den alten Sachen zu den neuen Sachen: Wie sieht es mit einem neuen Album aus? Soweit wir auf Instagram gesehen haben, waren KREATOR ja im Studio?
Ja, ja, ja … es ist in der Mache, aber wir werden zu gegebener Zeit darüber sprechen. Zuerst kommt der Film heraus, mit der Premiere und so weiter, und dann wird alles gleichzeitig verkündet. Es gab ja auch schon Andeutungen, dass wir in Deutschland proben oder in Schweden sind und Aufnahmen machen. Aber all das werden wir zu gegebener Zeit ankündigen!
Dieses Interview wurde per Telefon/Videocall geführt.


