Festivalbericht: 30 Jahre In Extremo Jubiläumsfestival

04.09.2025 - 06.09.2025 St. Goarshausen. Loreley

Zwei Jahre Vorbereitung bedurfte es: Mit ihrem eigenen Jubiläumsfestival lassen IN EXTREMO die vergangenen 30 Jahre Revue passieren und laden zum dreitägigen Fest auf die Loreley – freilich nicht alleine, sondern mit Unterstützung langjähriger Bekannter, Weggefährten und Freunde. Zu Gast sind unzählige Fans – die Drei-Tages-Tickets waren restlos ausverkauft, um die Barden gehörig zu feiern.

Am Donnerstag öffnen sich die Pforten. Das Areal füllt sich rasch. Trotz des Andrangs verläuft das Einordnen der Fahrzeuge erstaunlich reibungslos und koordiniert. Der eingerichtete Campground ist zu dieser Zeit bereits voll. Allerdings fällt die teilweise komisch anmutende Schieflage mancher Zelte und Pavillons auf und lässt die Frage aufkommen, wie man es vermeiden könnte, des Nachts im Schlaf ins Tal zu rollen.

Zwischen Einlass und erster Band bleibt genügend Zeit für die Bändchenjagd, einen Abstecher zum Merch und dem Besuch des vom Fanclub initiierten „In Extremo Museums“, das Bühnenoutfits, Dekorationen, einen Videoclip aus den Anfangstagen und einem Bildband zur Schau stellt und so manchen Besuchenden in die Vergangenheit reißt. Auch der abseits des Geländes (und damit ohne Ticket zugängliche) Mittelaltermarkt kann sich sehen lassen, zumal sich dort ebenfalls eine Bühne befindet, die bespielt wird. IRDORATH, FABULA und THEATRUM DIABOLI haben hier ihre Auftritte und als kleines Schmankerl geben sich IN EXTREMO die Ehre, an ihre Anfangstage angelehnt, vor kleinem Publikum unangekündigt aufzutreten.

Donnerstag, 04.09.

Micha und Thomas Jensen auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
Micha und Thomas Jensen auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Bevor METAKLAPA die Bühne betreten, leiten IN EXTREMO-Frontmann Micha Rhein und WACKEN-OPEN-AIR-Gründer Thomas Jensen das Jubiläum mit einem großen Dank an die Fans ein. Dann übernimmt die A-cappella-Metalband METAKLAPA die Bühne und nehmen das Publikum mit auf eine mehrstimmige Reise in die Gefilde von IRON MAIDEN – begleitet vom Publikum selbst, das sich wie zu erwarten sehr textsicher gibt. Während Micha Rhein von der Bühnenseite das Geschehen verfolgt, zeigt er sich beim Cover von „Ave Maria“ sichtlich gerührt.

  1. Aces High (Iron Maiden Cover)
  2. Hallowed Be Thy Name (Iron Maiden Cover)
  3. Wasted Years (Iron Maiden Cover)
  4. Ave Maria (In Extremo Cover)
  5. Fear Of The Dark (Iron Maiden Cover)
  6. Run To The Hills (Iron Maiden Cover)
SCHANDMAUL auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
SCHANDMAUL auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Nach kurzem Umbau zeigt sich Thomas Lindner, ehemaliger Sänger von SCHANDMAUL, bis über beide Ohren grinsend und richtet einige dankbare und erklärende Worte an das Publikum, bevor sein Nachfolger Till Herence das Mikrofon übernimmt. Die gesamte Band zeigt sich spielfreudig und spornt das Publikum zum Mitmachen an, um bspw. bei „Tatzelwurm“ in einer Polonaise umherzutänzeln. Thomas begleitet, sichtlich in seinem Element, mit Klavier und Gitarre. Till ist derweil sehr interaktiv mit dem Publikum und sucht unter anderem zu „Bunt Und Nicht Braun“ die erste Reihe auf, um mit dieser zu singen, während er die Flagge mit dem bunten SCHANDMAUL-Banner von Fan zu Fan reicht, bevor das Publikum zur Wall Of Love aufgerufen ist – was angesichts der Stufen in der Loreley nicht einfach zu sein scheint.

  1. Königsgarde
  2. In Der Hand
  3. Tatzelwurm
  4. Der Pfeifer
  5. An Der Tafelrunde (Dartagnan Cover)
  6. Teufelsweib
  7. Dein Anblick
  8. Der Teufel…
  9. Bunt Und Nicht Braun
  10. Knüppel Aus Dem Sack
  11. Walpurgisnacht

Ruhe und eher mystisch angehauchte Gediegenheit bringen FAUN im Anschluss – und kommentieren das auch mit gewisser Selbstironie. Passenderweise leiten FAUN mit der „Walpurgisnacht“ so ein, wie SCHANDMAUL kurz vorher aufgehört haben. Der Sound ist unterdessen grandios und fährt den zahlreichen Menschen vor der Bühne druckvoll in die Glieder, ohne zu übersteuern. Die Gruppe rund um Frontmann Oliver Satyr setzt einen guten Kontrapunkt über den gesamten Auftritt hinweg, bevor sich alle Musiker:innen berührt und sichtlich zufrieden zu „Wenn Wir Uns Wiedersehen“ verabschieden.

FAUN auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
FAUN auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
  1. Baldur
  2. Walpurgisnacht
  3. Nacht Des Nordens
  4. Nimue
  5. Andro II
  6. Odin
  7. Gwydion
  8. Iduna
  9. Galdra
  10. Rhiannon
  11. Wenn Wir Uns Wiedersehen

FEUERSCHWANZ machen der Mystik und Ruhe schnell ein Ende, indem sie mit „SGFRD Dragonslayer“ direkt in die Vollen gehen – inklusive Pyrotechnik und aller Energie, die in diesen Einstieg gesteckt werden kann. Die gesamte Show über nehmen sie den Fuß nicht vom Gas und fahren weiter großes Arsenal auf. Das Publikum dankt es, und es entsteht eine grandiose Dynamik zwischen Band und einer Crowd, die sich hat mitreißen lassen. Der „Schubsetanz“, „Berzerkermode“ und auch das „Dragostea Din Tei“ tun ihr Übriges. Den letzten Song ihrer Setlist, „Das Elfte Gebot“, widmen FEUERSCHWANZ dann IN EXTREMO mit einer tiefen Verbeugung. Besser angeheizt hätten sie ein Publikum kaum übergeben können.

FEUERSCHWANZ auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
FEUERSCHWANZ auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
  1. SGFRD Dragonslayer
  2. Memento Mori
  3. Untot Im Drachenboot
  4. Bastard Von Asgard
  5. Knightclub
  6. Ultima Nocte
  7. Schubsetanz
  8. Kampfzwerg
  9. Berzerkermode
  10. Highlander (English Version)
  11. Dragostea Din Tei (O-Zone Cover)
  12. Valhalla
  13. Das Elfte Gebot
  14. Gangnam Style (PSY Song)
IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Zum ersten Mal auf diesem Festival heißt es: „Bühne frei für IN EXTREMO!“, die ihr Set mit „Troja“ eröffnen. Noch bevor Sänger Micha das Wort an das Publikum richten kann, wird die Gruppe immer wieder von Sprechchören willkommen geheißen, was sich durch den gesamten Auftritt zieht, an mancher Stelle aber auch forciert wirkt. Zwischen reichlich verdientem Applaus und zahlreichen und innigen Danksagungen für all die Jahre durch den Micha führen IN EXTREMO das Publikum das volle Spektrum der Emotionen – das entstehende Lichtermeer zu „Siehst Du Das Licht“ unterstreicht das.

Zu „Weckt Die Toten“ gibt es eine weitere Überraschung, als sich RAUHBEIN-Frontmann Henry unter tosendem Applaus auf die Bühne gesellt. Der Song scheint wie gemacht für dieses Duett und entwickelt eine mitreißende Dynamik.

IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

„Beeindruckend“ scheint das Wort der Stunde, denn die Präsentation kann sich buchstäblich sehen lassen: viel Pyrotechnik, gut ausgewähltes und stimmungsvolles Licht sowie thematisch passende Hintergrunde auf den Backscreens und stimmige Bühnenelemente (wie den brennenden Galgen zu „Werd Ich Am Galgen Hochgezogen“) runden die Show ab, auch wenn die Animation zu „Küss mich“ eher an AEROSMITH als an IN EXTREMO erinnern will.

IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Die Songauswahl ist sehr gelungen – gerade für den ersten Tag – da dadurch sowohl Fans älterer wie neuer Stücke angesprochen werden. Das eingewobene Akustikset gegen Ende des Auftritts stellt dabei mit „Frei Zu Sein“ und „Nur Ihr Allein“ ein Highlight dar, das gerade in dieser Kulisse seine Wirkung entfalten kann. Die für 2026 angekündigte neue Akustik-Tour lässt damit viel hoffen. Das schunkelbare „Sternhagelvoll“ leitet das feurige Finale ein, bevor ,wie in den letzten Jahren üblich, das Set mit „Pikse Palve“ und von Seiten des Publikums mit frenetischem Jubel endet.

  1. Wintermärchen (Intro Version)
  2. Troja
  3. Vollmond
  4. Werd Ich Am Galgen Hochgezogen
  5. Herr Mannelig
  6. Erdbeermund
  7. Unsichtbar
  8. Kompass Zur Sonne
  9. Siehst Du Das Licht
  10. Küss Mich
  11. Krummavísur
  12. Vänner Och Frände (With In Extremo Feat. Oliver Satyr Von Faun)
  13. Feine Seele (With In Extremo Feat. Oliver Satyr Von Faun)
  14. Sängerkrieg
  15. Albtraum
  16. Weckt Die Toten (With Rauhbein)
  17. Nymphenzeit
  18. Himmel Und Hölle
  19. Villeman Og Magnhild
  • —
  1. Frei Zu Sein (Acoustic)
  2. Nur Ihr Allein (Acoustic)
  • —
  1. Sternhagelvoll
  2. Feuertaufe
  3. Pikse Palve

Freitag, 05.09.

Den Einstieg in den zweiten Festivaltag gestalten SEASONS IN BLACK und YE BANISHED PRIVATEERS, wobei erstere stimmlich von IN EXTREMO-Frontmann Micha Rhein unterstützt werden. Beide Bands setzen stilistisch unterschiedliche Akzente: Während SEASONS IN BLACK mit düsterem Groove für die erste Headbanger-Stimmung sorgen, bringen die schwedischen Freibeuter von YE BANISHED PRIVATEERS mit maritimem Folk-Punk eine Prise Seemannsgarn und augenzwinkernde Unterhaltung auf die Bühne – ein gelungener Auftakt.

MANNTRA auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
MANNTRA auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

MANNTRA sind kein Geheimtipp mehr und auch außerhalb ihrer kroatischen Heimat fest etabliert. Das sich zahlreich einfindene Publikum unterstreicht das. Frontmann Marko Sekul macht in seiner Danksagung deutlich, wie viel davon IN EXTREMO zu verdanken ist, die sie dahingehend gefördert und begleitet haben. Von Beginn an legen sich MANNTRA voll ins Zeug und überzeugen auf ganzer Linie durch ihre sympathische und bodenständige Art.

Dass der Barren King im stufigen Amphitheater beim Crowdsurfen bergauf und -ab nicht vom Board fällt, dürfte wohl auch am Sympathiebonus liegen. Die diebische Spielfreude aller Bandmitglieder, die unterhaltsamen Ansprachen zum Publikum und untereinander sowie die Pyrotechnik hinterlassen dabei mächtig Eindruck.

  1. Titans
  2. Teuta
  3. Ori Ori
  4. Barren King
  5. In The Shadows
  6. Slave
  7. Unholy Water (Voda)
  8. The Heart Of The Storm
  9. Nightmare
FIDDLER'S GREEN auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
FIDDLER’S GREEN auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Für FIDDLER’S GREEN ist es daher ein Leichtes, die ausgelassene Stimmung aufzugreifen. Dass Gitarrist Pat aufgrund der Fingerverletzung noch nicht wieder an der Gitarre ist, fällt durch den exzellenten Ersatz kaum auf. Gekonnt und hochprofessionell ziehen die Speed-Folker ihre Show durch, wobei deren eigene Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Eingebaute Showelemente wie eine dampfende Drehorgel oder das Wasser auf dem Drumkit von Schlagzeuger Frank Joss runden die Show ab und erzeugen eine grandiose Stimmung auf und vor der Bühne. Der Abschluss mit „The Night That Pat Murphy Died“ wird zum Selbstläufer.

  1. Shanghaied In Portsmouth
  2. A Night In Dublin
  3. Down
  4. Bottoms Up
  5. A Good Old Irish Bar
  6. Raise Your Arms
  7. The Bog
  8. Yindy
  9. Victor And His Demons
  10. One Fine Day
  11. The Night Pat Murphy Died

Auch VERSENGOLD gelingt es durch „Niemals Sang- Und Klanglos“ im Anschluss an die Stimmung der Vorband anzuknüpfen.

In einer sehr persönlichen und ausführlichen Einleitung gibt Sänger Malte noch Hintergründe zur Entstehung des Songs „Haut Mir Kein‘ Stein“, der im Anschluss großen Widerhall im Publikum findet, bevor mit „Thekenmädchen“ und „Kobold Im Kopp“ (und dessen „Danceversion“) wieder Leichtigkeit einkehrt. Das mittlerweile obligatorische Auftreten von Malte und Bassist Eike direkt im Publikum darf nicht fehlen und trägt buchstäblich zur Nahbarkeit der Norddeutschen bei.

Mit ihrem A-capella-Stück „Abgesang“ gelingt der Band am Ende ihres Sets noch ein sympathischer Coup und dürfte für ein gesteigertes Interesse an Merch und Platten gesorgt haben.

VERSENGOLD auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
VERSENGOLD auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
  1. Niemals Sang- Und Klanglos
  2. Verliebt In Eine Insel
  3. Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken
  4. Klabauterfrau
  5. Haut Mir Kein‘ Stein
  6. Thekenmädchen
  7. Kobold Im Kopp / Cobolds In Your Head
  8. —
  9. Die Letzte Runde
  10. Butter Bei Die Fische
  11. —
  12. Abgesang

Wie auch am Vortag wird die – in diesem Fall durch VERSENGOLD initiierte – Gemütlichkeit schnell und massiv verschoben und weicht dem satten Bass von EISBRECHER. Die Anlage ist entsprechend gut abgemischt, sodass der Brachialsound wirken kann. Fronter und Bandgesicht Alex Wesselsky hat seine „Inextremisten“ mit Songs wie „Everything Is Wunderbar“ schnell im Griff und freut sich, dass „insgesamt wenig Leute ins Handy glotzen“.

Songs wie „Waffen, Waffen, Waffen“, währenddessen er ein Plakat mit dem Peacezeichen besprüht, oder auch „1000 Narben“ verfehlen ihre Wirkung nicht und bringen viel Bewegung ins Publikum. Auch er sucht die Nähe zur Crowd und lässt es sich nicht nehmen, gegen Ende der Show ein Selfie mit einem Fan zu machen – unter der Prämisse, es alsbald auf Social Media zu sehen, und sich hoffentlich bewusst seiend, dass er sich damit selbst das Handy vor die Nase hält.

EISBRECHER auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
EISBRECHER auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
  1. Everything Is Wunderbar
  2. Himmel, Arsch Und Zwirn
  3. So Oder So
  4. Kaltfront
  5. Waffen Waffen Waffen
  6. 1000 Narben
  7. Sturmfahrt
  8. This Is Deutsch
  9. FAKK
  10. Zwischen Uns
  11. Was Ist Hier Los?
  12. Verrückt

Ein weiteres Mal an diesem Wochenende betreten IN EXTREMO als Headliner die Bühne – und eröffnen den Abend mit „Sängerkrieg“ in feuriger Manier. Die Pyrotechnik unterstreicht den kraftvollen Einstieg, der nahtlos in „Nur Ihr Allein“ übergeht – diesmal nicht in der akustischen Version, sondern in voller Albumdynamik. Es folgt mit „Vollmond“ ein weiterer Klassiker, der das Publikum sofort mitreißt. Auch heute dankt es das Publikum immer wieder mit zahlreichen und ausführlichen „In Ex!“-Sprechchören, die die Band sichtlich genießen und teilweise zur kopfschüttelnden Fassungslosigkeit bringen. Neben den Danksagungen in Richtung Publikum richtet sich Frontmann Micha heute explizit auch an langjährigen Tourleiter und Bandfreund Dirk Verseck und stelt ihn dem Publikum vor.

IN EXTREMO und Dirk Verseck auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
IN EXTREMO und Dirk Verseck auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Wie bereits am Vortag wird auch diesmal „Weckt Die Toten!“ von einem Gast begleitet: Henry von RAUHBEIN wird erneut mit lautem Beifall empfangen und bringt spürbare Energie auf die Bühne. „Singapur“, „Störtebeker“ oder das archaische „Merseburger Zaubersprüche II“ sorgen im Anschluss für eine ausgewogene klangliche Mischung.

Während Dr. Pymonte sich an diesem Abend über weite Strecken im Hintergrund hält, gelingt es mit „Horizont“, ihn ins Rampenlicht zu rücken. Nach „Rasend Herz“ folgt ein weiterer Überraschungsmoment: Bei „Frei Zu Sein“ übergibt Drummer Specki sein Schlagzeug an Gast Axel Schmitt und nutzt die Gelegenheit, mit einer großen 30-Jahre-Flagge quer über die Bühne zu rennen – zur Freude des Publikums. Generell zeigt sich die Band sehr ausgelassen und spielfreudig, Micha recht redsam, nahbar und dem Publikum verbunden, das sich über seinen Besuch in der ersten Reihe freut.

Das kurze Akustikset – bestehend aus „Lebensbeichte“ und „Feuertaufe“ – unterbricht das energiegeladene Programm stimmungsvoll. Die Bühne wird dafür warm ausgeleuchtet, eine Feuerschale unterstreicht das intime Setting. Vor allem „Feuertaufe“ entfaltet in dieser reduzierten Version eine eindrucksvolle Ruhe und emotionale Tiefe.

IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Im letzten Teli des Sets folgt mit „Liam“ eine gälisch gesungene Nummer, bevor „Belladonna“ die Menge noch einmal zum Tanzen bringt. Mit dem finalen „Pikse Palve“ endet nicht nur das Konzert, sondern auch der Abend würdig und unter großem Jubel.

  1. Sängerkrieg
  2. Nur Ihr Allein
  3. Vollmond
  4. Omnia Sol Temperat
  5. Spielmannsfluch
  6. Quid Pro Quo
  7. Küss Mich
  8. Gaukler
  9. Weckt Die Toten (With Henry M. Rauhbein)
  10. Merseburger Zaubersprüche II
  11. Singapur
  12. Störtebeker
  13. Horizont
  14. Rasend Herz
  15. Frei Zu Sein (Featuring Axel Schmitt On Drums)
  16. Ai Vis Lo Lop
  17. Sternhagelvoll
  • —
  1. Lebensbeichte (Acoustic)
  2. Feuertaufe (Acoustic)
  • —
  1. Liam (Gälische Version)
  2. Belladonna
  3. Pikse Palve

Samstag, 06.09.

RAUHBEIN mit Micha Rhein auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
RAUHBEIN mit Micha Rhein auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Dass Samstag ist und sich Besuchende nicht extra freinehmen müssen oder wollen, merkt man schnell: Der Zugang auf das Gelände ist erstmals an den Tagen voll, und an der Schleuse staut es sich bald. Dass RAUHBEIN den Tag eröffnen, tut sein Übriges. Die Gruppe rund um Frontmann Henry zieht viel Publikum, und so bespielt die Band ein volles Areal. Das Publikum zeigt sich bei den markigen Texten sehr sicher – und vor allem lautstark.

Schon ab dem ersten Klang von „Rauhbein“ ist es dabei, lässt nicht nach und interagiert passend und breit grinsend bei „Was Ihr Uns Alles Könnt“. Am Ende des halbstündigen Sets revanchiert sich IN-EXTREMO-Sänger Micha Rhein für die stimmliche Unterstützung durch Henry an den Tagen zuvor durch seine Beteiligung.

  1. Rauhbein
  2. Adrenalin
  3. Wir Sind Eins
  4. Die Laute Und Schnelle Musikkapelle
  5. Was Ihr Uns Alles Könnt
  6. Typen Wie Wir
  7. Auf Die Freundschaft

TANZWUT liefern eine energiegeladene Show, die Mittelalter-Rock mit einer Prise industrieller Härte vereint. Frontmann Teufel, tags zuvor noch als Puppenspieler auf dem Mittelaltermarkt im Einsatz, zeigt sich auch auf der Hauptbühne bestens aufgelegt.

Mit „Feuer In Der Nacht“ und „Neues Spiel, Neues Glück“ gelingt der Einstieg in ein abwechslungsreiches Set, das zwischen Party, Pathos und Provokation pendelt. Besonders „Achtung Mensch“ und „Freitag Der 13.“ sorgen für Bewegung vor der Bühne, während „Noch Eine Flasche Wein“ zur kollektiven Feier einlädt. Auch die Kooperation mit Robin Biesenbach (besser bekannt als „Luzi das L“ und ehemals am Dudelsack bei SALTATIO MORTIS) bei „Pack“ bringt eine gelungene Abwechslung.

Ein echter Blickfang ist Bassist Zwilling, der nicht nur musikalisch, sondern durch seine ausdrucksstarke Bühnenpräsenz auffällt und damit einen starken Kontrast zu Teufels kontrollierter Theatralik bildet. Gemeinsam formen sie das Zentrum einer Band, die nach wie vor weiß, wie man ein Festivalpublikum erreicht.

TANZWUT auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
TANZWUT auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
  1. Feuer In Der Nacht
  2. Neues Spiel, Neues Glück
  3. Achtung Mensch
  4. Bis Zum Meer
  5. Freitag Der 13.
  6. Noch Eine Flasche Wein
  7. Pack (With Robin Biesenbach)
DRITTE WAHL auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
DRITTE WAHL auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Musikalisch reißen DRITTE WAHL das Ruder wieder in eine andere Richtung und steigen mit „Der Himmel Über Uns“ launig ein. Nach „Störung“ ist spätestens bei „So Wie Ihr Seid“ viel Bewegung vor der Bühne, bevor das Publikum „Zu Wahr Um Schön Zu Sein“ fast eigenständig (mit)singt.

Zwischen den Songs gelingt es Frontmann Gunnar immer wieder, die Laune des Publikums hochzuhalten – etwa, indem er erklärt, dass neue Songs eh immer schlecht seien und diese ausgebuht gehörten („Panama“), oder mit „Zusammen“ das „wichtigste und bedeutsamste Lied, das jemals geschrieben wurde“ ankündigt.

Wer DRITTE WAHL kennt, weiß: Zu „Zeit Bleib Stehen“ darf das Basssolo von Stefan keinesfalls fehlen – und ein DRITTE-WAHL-Konzert ist erst dann komplett, wenn „Fliegen“ gespielt wurde. So auch dieses Mal. Wie üblich wird der Refrain von „Fliegen“ zum Dank lange und laut von der Crowd getragen.

  1. Der Himmel Über Uns
  2. Störung
  3. So Wie Ihr Seid
  4. Zu Wahr Um Schön Zu Sein
  5. Panama
  6. Zusammen
  7. Wo Ist Mein Preis?
  8. Runde Um Runde
  9. Zeit Bleib Stehen!
  10. Fliegen

Die Crossover-Veteranen von CLAWFINGER überzeugen im Anschluss auf ganzer Linie und legen eine Energie an den Tag, die man bei manch jüngerer Band vermissen könnte. Vor allem Frontmann Zak Tell und Bassist André Skaug sind kaum zu halten.

Das Set hält neben aktuelleren Songs wie „Scum“ auch einige Klassiker parat – etwa „Out To Get Me“ (2001), „Rosegrove“ und „Warfair“ (beide 1993). Zak springt dabei kreuz und quer über die Bühne, erklettert die Anlage, sucht die Crowd auf und singt mit ihnen.

Das Set von insgesamt zwölf Songs ist bei dieser mitreißenden Show viel zu schnell vorbei und kulminiert in einer grandiosen Darbietung von „Do What I Say“. Hätte es nicht eine so enge Zeitplanung gegeben, man hätte CLAWFINGER wohl buchstäblich von der Bühne ziehen müssen, um sie zum Aufhören zu bewegen… Chapeau!

CLAWFINGER auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
CLAWFINGER auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Zahlreiche Bandshirts ließen bei CLAWFINGER schon erahnen, dass einige ihr Augenmerk auf die italienischen Spaßzwerge von WIND ROSE gelegt hatten – auch die aufblasbaren Pickel in der ein oder anderen Hand konnten Hinweise liefern.

WIND ROSE auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
WIND ROSE auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Entsprechend euphorisch wird die Band empfangen, als sie mit „Of Ice And Blood“ loslegt und sich das Publikum sofort in ihre theatralisch-fantastische Welt hineinziehen lässt. Mit Songs wie „Dance Of The Axes“, „Fellows Of The Hammer“ oder dem immer wieder gefeierten „Drunken Dwarves“ beweisen WIND ROSE ihr Gespür für mitreißende Live-Stimmung. Spätestens bei „Mine Mine Mine!“ und dem Publikumsliebling „Diggy Diggy Hole“ ist kein Halten mehr – Arme, Äxte, Pickel und Schwerter in der Luft, textsichere Gesänge und ausgelassene Party-Stimmung vor der Bühne.

Zum Abschluss folgt mit „I Am The Mountain“ ein epischer Rausschmeißer, der noch einmal alles bündelt, was den Auftritt ausgemacht hat: Spaß, Wucht, Fantasie – und ganz viel Charme.

  1. Of Ice And Blood
  2. Dance Of The Axes
  3. Fellows Of The Hammer
  4. Drunken Dwarves
  5. Mine Mine Mine!
  6. Rock And Stone
  7. Diggy Diggy Hole (The Yogscast Cover)
  8. I Am The Mountain
ASP auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
ASP auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Mit ASP schlägt die Stimmung zur einsetzenden Dunkelheit auf der Loreley eine deutlich düstere Richtung ein. Der Auftritt setzt auf dichte Atmosphäre und präzise inszenierte Dramatik, getragen von ASP und seiner markanten Stimme. Songs wie „Die Letzte Zuflucht“, „Ich Bin Ein Wahrer Satan“ und „Ich, Der Teufel Und Du“ prägen das Set ebenso wie das „Duett“.

Besonders eindrucksvoll ist der Einschub von „Loreley“, der am Originalschauplatz des Liedes für einen Gänsehautmoment sorgt. Den emotionalen Höhepunkt bildet allerdings der Abschluss mit „Ich Will Brennen“, das von der gesamten Bühne und dem Publikum mit großer Intensität getragen wird – freilich nicht ohne die passende Pyrotechnik.

  1. Raise Some Hell Now!
  2. Die Letzte Zuflucht
  3. Ich Bin Ein Wahrer Satan
  4. Duett (Das Minnelied Der Incubi)
  5. Loreley (Kurzhaar-Schnitt Version)
  6. Schwarzes Blut
  7. Ich, Der Teufel Und Du
  8. Denn Ich Bin Der Meister
  9. Ich Will Brennen

Zum großen Finale betreten IN EXTREMO ein letztes Mal die Freilichtbühne – begleitet von spürbarer Wehmut darüber, dass das Ende dieses aufwendig vorbereiteten Jubiläums bereits erreicht ist. Wie bereits eingangs erwähnt, ist die Besucherzahl beeindruckend. Das Areal scheint seine Kapazitätsgrenze erreicht zu haben – umso glücklicher die Wahl des Veranstaltungsorts: Dank des Amphitheateraufbaus bietet auch der hintere Bereich eine gute Sicht auf die Bühne.

IN EXTREMO mit Joey Kelly auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
IN EXTREMO mit Joey Kelly auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo

Besondere Akzente setzen erneut die Gastbeiträge: Joey Kelly greift bei „En Esta Noche“ zur Gitarre, während ASP bei „Wind“ für ein stimmungsvolles Duett sorgt – beide Momente verleihen dem letzten Abend eine besondere Note.  Mit „Blutmond“, das wie durch Zufall genau am Vorabend einer erneuten Mondfinsternis ins Set eingebettet ist – fast wie 2018.

Das Set umfasst erneut über 20 Songs und lässt die zwei Stunden wie im Flug vergehen. Für sich genommen ist die Auswahl stimmig, abwechslungsreich und dramaturgisch gut aufgebaut. Dennoch bleibt bei mehrtägigen Gästen ein gewisser Wiederholungseffekt nicht aus: „Weckt Die Toten!“ wird zum dritten Mal in Folge gespielt – und auch wenn Henry von RAUHBEIN erneut mit voller Energie agiert, wäre hier etwas mehr Variation wünschenswert gewesen. Ähnliches gilt für „Sternhagelvoll“ – ein Stimmungsgarant für Tagesgäste, aber am dritten Abend nicht mehr ganz so überraschend.

Etwas überraschend fällt auch der Verzicht auf das Akustikset aus, das an den Vortagen für eine besondere Atmosphäre sorgte. Als Ausgleich folgt nach dem abschließenden „Pikse Palve“ ein aufwendig inszeniertes Feuerwerk, das den finalen Abend würdig beschließt – und damit ein dreitägiges Festival voller Höhepunkte, Emotionen und unvergesslicher Momente.

IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
  1. Ólafur
  2. Spielmannsfluch
  3. Hiemali Tempore
  4. Wolkenschieber
  5. Weckt Die Toten (With Henry M. Rauhbein)
  6. Katzengold
  7. Palästinalied
  8. Ave Maria
  9. En Esta Noche (With Joseph J. Kelly)
  10. Feine Seele
  11. Sängerkrieg
  12. Blutmond
  13. Mein Rasend Herz
  14. Lieb Vaterland, Magst Ruhig Sein
  15. Wind (With Alexander Spreng)
  16. Rotes Haar
  17. Liam (Gälische Version)
  18. Belladonna
  19. Störtebeker
  20. Moonshiner
  • —
  1. Sternhagelvoll
  2. Feuertaufe

Das Jubiläum von IN EXTREMO war in vielerlei Hinsicht ein voller Erfolg: bestens besucht, vom Wetter – mit nur wenigen Ausnahmen – begünstigt und geprägt von einer mitreißenden Atmosphäre. Dass die Band nicht nur an allen drei Tagen jeweils ein mehr als zweistündiges Konzert spielte, sondern zusätzlich auch bei Auftritten befreundeter Bands als Gäste auf der Bühne stand, verdient Respekt und Anerkennung.

Trotz der durchweg positiven Eindrücke fällt auf: Bei einem Drei-Tages-Ticket für 180 Euro wäre eine stärkere Variation in den Setlists eine schöne Zugabe gewesen. Zwar hielten sich die Überschneidungen insgesamt in Grenzen – dabei sticht „Weckt Die Toten!“ allerdings hervor. Bei Mehrtagesbesuchern stellte sich mitunter ein Gefühl von Wiederholung ein, wobei die Band selbst zugab, dass „Hits“ Teil des Sets sein müssen. Angesichts eines umfangreichen Repertoires aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte wäre hier mehr Abwechslung durchaus möglich, was im Angesicht des Dargebotenen aber Kritik auf hohem Niveau ist. Auch bei der Preisgestaltung darf in Zukunft gern über ein etwas ausgewogeneres Verhältnis nachgedacht werden – insbesondere mit Blick auf die kostenpflichtigen Zusatzangebote.

Abseits dessen lief die Organisation reibungslos. IN EXTREMO haben mit diesem Festival nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Fans ein eindrucksvolles Geschenk gemacht. Die große Fannähe, zahlreiche Gastauftritte befreundeter Künstler und ein atmosphärisch eingebundener Mittelaltermarkt ergeben ein rundes Gesamtbild. Dass sich so viele Weggefährten einfinden und auf der Bühne stehen, spricht für das Standing von IN EXTREMO in der Szene – und macht Lust auf das nächste Jubiläum.

IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
IN EXTREMO auf dem 30-Jahre-Jubiläumsfestival von In Extremo
Andreas Brückner

Publiziert am von

Andreas Brückner

Fotos von: Andreas Brückner

Ein Kommentar zu “30 Jahre In Extremo Jubiläumsfestival”

  1. Hallo
    Heute möchte ich einen Kommentar zum Jubiläumorganision geben .
    Die Einweisung der Ordnungsgkräfte waren nicht besonders gut. Wir haben am Donnerstag zwei mal die Runde gedreht , um dann endlich den befestigten Parkplatz für schwer geh behindert zu finden . Die folgenden Tage waren ähnlich nur das wir dann direkt zum Parkplatz gefahren sind. Auch haben wir durch Zufall erfahren dass wir das Parkticket nur in der Info freischalten könnten.
    Ansonsten war die Organisation bestens
    mfg Bernd Eisenkolb

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