Black Pudding & Evoke

  • München, Jugendhaus Taufkirchen
  • 27. Mai 2006

Am 27. Mai machte die „Metal meets Grunge“-Tour endlich auch für mich in akzeptabler Entfernug halt, nachdem sie zuvor schon 2 Monate in und um München am Laufen war. Die Hauptprotagonisten des Abends: EVOKE und BLACK PUDDING, welche, wie der Tourname schon unmissverständlich verkündet, zwei Musikstile miteinander verbindet, die, wie man nach dem Konzert merken sollte, garnicht weit außeinander liegen müssen. Die Location: Das Jugendhaus Taufkirchen, welches mit Platz für ca. 100 Zuschauer leider schon keine guten Voraussetzungen für eine richtig erfolgreiche Show bot, was die Lautstärke diverser Mitsingparts anging.

Trotzdem kamen wir frohen Mutes an und leerten noch das ein oder andere Horn Met, während sich im Inneren bereits eine Punkband die Ehre gab, deren Name mir aber entfallen ist. Nachdem man sich dann noch etwas mit dem BLACK PUDDING-Gitarristen über diverse Debauchery-Shirts („Chainsaw Masturbation“) sowie Carpathian Forest und Nattefrost unterhalten hatte, ging es dann auch schon los. EVOKE kamen auf die Bühne, und machten sich auf, die 4€ Eintritt lohnenswert zu machen. Es wurde mit einem instrumentalen Intro begonnen, das dann auf „Buried Alive“ überleitete. Was unbedingt gleich positiv ins Auge stach: Der Death Metal, der dargeboten wurde, war gut bangbar, ging gut ab und war, zumindest was die Gitarren und das Schlagzeug anbelangte, auf technisch sehr akzeptabler Ebene. Speziell die Leadgitarre wusste desöfteren zu gefallen, die über die komplette Setlist hinweg bei Songs wie „Burning In the Flames of Hell“, „Evoke“, „Funeral of Church“ oder „Insane“ durchaus oft zum Einsatz kam. Die Performance war in Ordnung, zwar war von Stageacting nicht wirklich viel zu sehen, dafür gab es aber auch keine für meine Ohren hörbaren Verspieler. Auch der Sound konnte sich einigermaßen hören lassen, und so bleibt eigentlich nur zu bemängeln, dass man vom Bass so gut wie überhaupt nichts zu hören bekam, wobei man auch hierüber vielleicht unter dem Aspekt hinwegsehen konnte, dass der Bass vom Sänger bedient wurde, der diesen nach Ausstieg des alten Bassisten erst vor knapp drei Wochen in die Hand genommen hatte. So blieb dieser eben etwas auf der Strecke, es wurden zwar einzelne Noten mal gespielt, im Grunde hätte man ihn jedoch ganz weglassen können, sodass sich der Sänger vielleicht ganz auf seine Stimme hätte konzentrieren können, die einen weiteren Kritikpunkt darstellt: Kommt sie bei der Ballade „Wanna Forget“, wo sie noch im klaren Bereich angesiedelt ist, noch relativ gut, fällt bei den anderen Songs einfach auf, dass sie weder besonders Death Metal-like tief, noch irgendwie besonders durchdringend oder aggressiv ist, was dann ja immerhin Black Metal-typisch wäre. Da muss man noch dran arbeiten, was auch die ultimativ klischeehaften Texte betrifft, und die Band hat dazu sicherlich noch genug Zeit, sind alle Protagonisten doch zwischen 16 und 18 Jahre alt. Für eine derart junge Band war die Leistung insgesamt also allemal schwer in Ordnung, speziell Drummer Timo zeigte in zwei Schlagzeug-Soli auf eindrucksvolle Weise sein Können, während die ganze Band mit dem „Drunken Sailor“-Cover „Drunken Metaller“ auch Humor bewies. Man schloss mit einem weiteren Mal „Danger“, bevor kurz umgebaut wurde, worauf dann BLACK PUDDING loslegen sollten.

Der ungute Eindruck was das Publikum angeht bestätigte sich leider auch bei BLACK PUDDING, waren schon bei EVOKE nur ungefähr 20 Leute im Raum, wuchs die Fanzahl bei BLACK PUDDING um gerade 10 Leute an, was auch für solch eine junge, eher unbekannte Band, sehr schade ist. Wie auch immer, losgelegt wurde mit „Echinococcus“ und „Tapeworm“, zwei bisher unveröffentlichten Songs, und dem ein oder anderen geneigten Grunge-Hörer sollte schon bei diesen Beiden ein gedankliches Stirnrunzeln beim Gedanken an den Tournamen entfahren. Denn was hier dargeboten wird, hatte kaum mehr etwas mit dieser Musikrichtung zu tun, höchstens Anleihen in dieser Richtung mögen noch vorhanden sein, doch im Großen und Ganzen wurde hier schlicht Alternative Metal gespielt, der weder an den Instrumenten, noch am Gesang, an Härte vermissen ließ. So hat sich gerade Sänger und Gitarrist Patty seit dem „Sick Sad World“-Album der Band extrem verbessert, die überwiegend geschrieenen Texte fräsen sich besser denn je ins Ohr. Doch auch der Klargesang kommt nicht zu kurz bei BLACK PUDDING, und auch diesen beherrscht Patty recht gut, was vor allem beim folgenden „Light in Darkness“ deutlich wurde. Das als ruhigerer, poppigerer Song angekündigte Lied entpuppte sich als tolle Mitgröhl-Nummer, tatsächlich kommt im Publikum hier endlich einmal Stimmung zustande, die sich davor in vielleicht 8, 9 bangenden Leuten nicht gerade glanzvoll offenbart hatte. Zwei weitere recht schwere Brocken waren „Sick Sad World“ und „Black Halo“, bei welchen vor allem zweiteres instrumental, wie alle vorangegangen Songs auch, einen sehr guten Eindruck hinterließ.“Make Me Sick“, war dann ein ganz neuer Song, der der Band während dem Soundcheck wohl auch noch Probleme bereitete, live dann aber tadellos dargeboten wurde und gegen Ende sogar eine nette Überraschung bereithielt: Nach Timo von EVOKE zuvor präsentierte nun auch Stefan von BLACK PUDDING sein Können am Schlagzeug. An Nummer 7 in der Setlist stand dann „Beautiful Place“, bei welchem der starke Grunge-Touch der heute in veränderter, härterer Form gespielten Album-Songs noch am ehesten zu hören war, zumal der Song auch durchweg ruhig bleibt und eigentlich auch als bisher einzige richtige Ballade der Band zu bezeichnen ist.Nach „Black Plague“ dann mein persönlicher Lieblingssong der Band, „From Alpha to Omega“: Schon auf dem Album aggressiv dargeboten, ist er heute mit verändertem Intro ein ziemlicher Brecher, zwar nie besonders schnell, walzen einen die Riffs dieses Songs, wenn auch minimalistisch, doch ziemlich nieder. Außerdem der zweite Song, bei dem sich das Publikum dauerhaft zum Mitsingen verleiten ließ. „Equilibrium“ als Abschluss der regulären Setlist und „Big Red“ als Zugabe beendeten das Konzert dann schließlich, es wurde noch reichlich Applaus gespendet, bevor dann die Umbauarbeiten für eine weitere Band begonnen wurde, die ich mir wegen Zeitmangels jedoch auch nicht mehr ansehen konnte.

Alles in allem waren beide Bands die 4€ mehr als wert, beide lieferten eine sehr ordentliche Performance ab, legten Spielfreude an den Tag und zeigten, dass der Münchner Metal-Nachwuchs doch nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht ist, da auch bei BLACK PUDDING kein Bandmitglied älter als 18 ist. Zu bemängeln bleibt das Publikum, das quasi nicht vorhanden war, wofür die Bands aber unmittelbar auch nichts können, und da der Sound in Ordnung ging freue ich mich auf das nächste Konzert in der Umgebung.


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