
Mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung stehen DEEP PURPLE noch immer auf den großen Bühnen der Welt und wirken dabei erstaunlich unangestrengt. In der ausverkauften Musik Arena auf dem Tollwood-Festival in München präsentiert sich die britische Rockinstitution als lebendige Einheit, die ihre Klassiker mit sichtbarer Spielfreude und beeindruckender Routine zelebriert.
Als Support sorgen die ebenfalls aus Großbritannien stammenden THE HOWLERS für einen gelungenen Auftakt. Inzwischen als Duo unterwegs, präsentieren sie einen energiegeladenen Mix aus Blues, Rock und Alternative und nutzen den Auftritt zugleich, um ihr neues Album „Heavy“ vorzustellen. Kurzzeitig unterbrechen die beiden Musiker ihre Show, als ein Fan in der ersten Reihe mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, bevor es wieder lauter wird. Wer musikalisch Gefallen an der bunten Mischung findet, darf sich bereits auf ein Wiedersehen freuen: Im November kehren THE HOWLERS mit „Heavy“ für eine eigene Show nach München zurück.

Den Auftakt für DEEP PURPLE bildet eine kurze Einspielung von Gustav Holsts „Die Planeten“, begleitet von einer dezenten Projektion, ehe die Musiker ohne großes Brimborium die Bühne betreten. Mit „Highway Star“ setzen sie sofort ein Ausrufezeichen. Der Klassiker entfaltet vom ersten Takt an seine ganze Wucht und macht deutlich, warum die Band bis heute als eine der prägendsten Größen des Hard Rock gilt. Ian Gillan konzentriert sich ganz auf seinen Gesang. Sein markanter Stil hat über die Jahrzehnte zwar hörbar an Schärfe verloren, besitzt aber weiterhin Wiedererkennungswert und trägt die Songs souverän. Zwischen den Gesangspassagen zieht er sich oft in den Hintergrund zurück, greift gelegentlich zur Mundharmonika und überlässt seinen Mitmusikern das Rampenlicht. Ian Paice bestätigt einmal mehr seinen Ruf als Ausnahme-Schlagzeuger. Jeder Schlag sitzt, jede Füllung wirkt selbstverständlich und präzise. Seine entspannte Ausstrahlung kontrastiert angenehm mit der Energie seines Spiels. Ohne große Gesten hält er das gesamte Konzert zusammen und zeigt eindrucksvoll, weshalb er bis heute als einer der stilprägenden Drummer des Genres gilt.

Für zahlreiche Höhepunkte sorgt Keyboarder Don Airey: Der Nachfolger des legendären Jon Lord verbindet technische Brillanz mit einer guten Portion Humor. Während eines ausgedehnten Solos zu lässt er sich sogar ein Glas Rotwein reichen und baut spielerisch „In München steht ein Hofbräuhaus“ in seine Improvisation ein, was vom Publikum begeistert aufgenommen wird. Gerade solche Momente verleihen dem Konzert eine lockere, fast familiäre Atmosphäre. Auch Simon McBride zeigt eindrucksvoll, warum er längst mehr ist als nur der Ersatz für Steve Morse. Sein Gitarrenspiel verbindet technische Klasse mit eigener Handschrift. Zwar orientiert sich sein Sound nicht an Ritchie Blackmore, doch genau das wirkt erfrischend. McBride interpretiert die Klassiker respektvoll, ohne sie bloß zu kopieren.
Die Setlist bietet eine ausgewogene Mischung aus schnellen Rocknummern und ruhigeren Momenten. „Into The Fire“ sorgt für Tempo, während „When A Blind Man Cries“ die emotionale Seite der Band hervorhebt. Die Produktion bleibt dabei angenehm zurückhaltend, im Mittelpunkt stehen die Musiker und ihre Songs. Mit „Perfect Strangers“ oder „Woman In Tokyo“ hätte der Backkatalog von DEEP PURPLE noch einige Hits mehr hergegeben, doch diese Zeit investieren die Briten lieber in viele Solomomente und einige wenige neue Stücke vom aktuellen Album „Splat!“.

Natürlich darf zum Abschluss „Smoke On The Water“ nicht fehlen. Kaum erklingen die ersten Töne des ikonischen Riffs, singt die gesamte Arena mit. Der Evergreen verliert auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung nichts von seiner Wirkung und bildet den passenden (vorläufigen) Schlusspunkt eines Konzerts, das eindrucksvoll zeigt, weshalb DEEP PURPLE bis heute zu den bedeutendsten Bands der Rockgeschichte gehören. Im Zugabenblock machen die Rocklegenden die 100 Minuten Spielzeit u. a. mit „Hush“ und „Black Night“ dann voll. Statt sich auf ihrem Legendenstatus auszuruhen, liefern die Briten eine souveräne, spielfreudige Performance ab, die beweist, dass große Songs kein Verfallsdatum kennen.


Ich war dabei. Soooo mitreißend, cool, professionell. Beeindruckend was man in dem Alter noch leisten kann!.
the howlers wren auch gut.