Eisenwahn Festival 2007

  • Obersinn
  • 27. Juli 2007

Freitag:

Endlich war es wieder so weit: Das Eisenwahn stand wie im letzten Jahr schon am letzten Juli-Wochenende vor der Tür, gleichzeitig mit dem Ferienbeginn in Bayern und Franken. Letzteres veranlasste uns zur Vermeidung längerer Staus, die es dann wohl doch nicht auf unserer Strecke gab, mit der guten alten Bahn zu anzureisen, vorbei an Würzburg und Gemünden, der Heimat des UFTGs, zum Obersinner „Bahnhof“. Erste Zweifel an dieser genialen Idee kamen beim „Aufstieg“ zum Festivalgelände daher, das sich um gefühlte 1000m Höhenmeter mehr als im letzten Jahr gen Himmel verlagert hatte. Glücklicherweise hat uns eine Helferin des Eisenwahn Festivals die Hälfte der Strecke dann mitgenommen – im Mercedes versteht sich. Dort angekommen wurden erstmal beide Zelte aufgebaut, doch noch fehlte etwas zum perfekten Festivalglück: Bier! Also nichts wie wieder hinab nach Obersinn, auch wenn eine Straße ironischer Weise „In der Ebene“ hieß und im örtlichen Getränkemarkt leckeren, schon gekühlten, unterfränkischen Gerstensaft besorgt. Mit einem Kraftstoffverbrauch von 3 Bier auf 1km waren wir natürlich nicht wirklich konkurrenzfähig, so dass wir wieder jemanden fanden, der für uns Taxi spielte. Danke nochmal!

Pünktlich um 14:45 ging es dann aber auf dem Festivalgelände los, das mir bereits vom letzten Jahr sehr vertraut vorkam und für das Eisenwahn dank einer Hanglage bestens geeignet ist. BURNING HORIZON versuchten ihr Glück als Opener und bekamen doch schon recht guten Zuspruch, auch wenn es viele vorzogen bei strahlenden Sonnenschein es sich sitzender oder liegender Weise auf der Wiese bequem zu machen. Die Bühne hatte man auch so gut im Blick und zu hören gab es soliden Melodic Death Metal mit einigen Core-Elementen. Eine sehr gute Mischung um die Anwesenden auf das Festival einzustimmen. Auch bei DEATH COURT, bei denen Mitorganisator Laudi die dicken Saiten zupfte, gab es nicht viel zu meckern. Die Songs, von denen mir leider nur „Headsplitterer“ näher bekannt war, wurden gut herüber gebracht, wobei mir vor allem der Wechselgesang zwischen Markus und Mathias gut gefallen hat. Soundtechnisch gab es hier, ebenso wie bei allen anderen Bands keinen Grund sich zu beschweren. Eher sollte sich so manches große Festival vom Eisenwahn eine richtig dicke Scheibe abschneiden, denn das was die Herren an der PA fabrizierten, konnte sich durchwegs hören lassen.

Davon profitierte mit BURDEN OF GRIEF auch die erste national bekanntere Band dieses Festivals, die zuletzt mit ihrem neuen Album „Death End Road“ auf sich aufmerksam machen konnten, von dem zusätzlich zum Intro „Vita Reducta“ mit „Swallow The Sun“, „Schitzophrenie“, „The Killer in me“, „The Game“ und „Running Scared“ stolze fünf Songs der langsam größer werdenden Meute präsentiert werden können, die sichtlich am schnörkellosen Melo Death der Warburger gefallen fanden. Schade, dass mir nur ihr aktuelles Album besser von Begriff war, denn auch die übrigen Songs machten ordentlich Druck und so werde ich wohl nicht herum kommen mich auch mit früheren Werken der seit 1994 bestehenden Formation auseinanderzusetzen. Auf SICKENING ART freute ich mich dann besonders und wurde sogar kurz vor dem Auftritt noch persönlich begrüßt. Deren Demo „Make Your Stand“ ließ mich vor kurzem aufhorchen und live klingt das ganze noch ein Stückchen besser. Die auch abseits der Bühne sympathischen Hessen gaben insgesamt 12 Songs zum Besten mit einem feinen Gespür für Melodie und gleichzeitig Brutalität, so dass die 45 Minuten ebenfalls nicht langweilig wurden. Das kleine Highlight zum Schluss war dann „N.D.K.I.V.D.K.“ (Nach dem Krieg ist vor dem Krieg), der aus der schon vorhandenen Anzahl guter Songs irgendwie nicht nur auf Grund des außergewöhnlichen Titels heraus sticht.

Eine glückliche Fügung des Schicksals brachte nun meinen Magen zum Knurren, so dass ich „leider leider“ VARG nicht ansehen konnte. Stattdessen wurde erstmal das viel interessantere kulinarische Angebot auskundschaftet, das neben den üblichen Verdächtigen so bezeichnetes Spessart- und Röhnbrot im Angebot hatte. Himmel, war das lecker – ein Essen für die Götter, wenn auch mit 4,50€ nicht ganz billig, doch der halbe mit Gyrosfleisch und leckerer Soße gefüllter Laib Brot ließ mir noch weitere zwei mal keine andere Wahl. Die ultimative Mahlzeit! Selten, dass es so etwas leckeres auf einem Festival gibt und ich freue mich jetzt schon auf den ersten Biss in ein Spessartbrot im nächsten Jahr. Da hätte man beinahe vergessen, dass DEBAUCHERY derweil die Bühne enterten. Diese erschienen standesgemäß blutverschmiert auf der Bühne, so dass es optisch eine wahre Freude war und auch live machen mir die Jungs Spaß, was ich so nicht ganz erwartet hätte, da ich deren Alben bisher immer für ziemlich belanglos hielt. Natürlich sind die Songs plötzlich keine neuen, und eher wird Sadam Hussein posthum der Friedensnobelpreis verliehen als dass DEBAUCHERY einen Kreativitätsaward bekommen, jedoch stört das live kaum, da es am nötigen Groove nicht fehlt, der sofort auf das deutlich angewachsene Publikum abfärbte. „Blood For The Blood God“ und „Kill Maim Burn“ funktionieren so einfach wunderbar, dass ich es auch verschmerzen kann, dass der Death Metal – Kuschler „Take My Pain“ nicht dargeboten wird. Es wäre auch zu schön gewesen.

Gute Vorarbeit also für THE EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, die auf ein aktives Publikum angewiesen sind, damit ihr Schlagerpümpelgrind auch richtig zündet. Trotzdem schlichen sich immer wieder kürzere, eher ungewollte Verschnaufpausen ein, auch wenn ein Großteil der Meute die Band ordentlich abfeierte. Mitsingen kann die Lieder sowieso auch bei 2 Promille und mehr fast jeder, denn irgendwie scheint jeder früher mal in die väter- oder mütterliche Schlagermangel genommen worden zu sein. Am deutlichsten zeigt sich das beim EAV-Hit „Vater Morgana“ mit lautstarker Unterstützung durch eine große Schar angetrunkener, aber deshalb – wie gesagt – nicht minder textsicherer Metalheads. Da verwundert es doch ziemlich, dass nach dem letzten regulären Song „Grindcore Out Of Hell“ plötzlich fast Totenstille herrschte und keine Zugabe gefordert wurde und das trotz halbnackter Tatsachen auf der Bühne. Schade – denn so gab’s weder „Mexicore“, „Es gibt kein Grind auf Hawaii“ noch „Wann spielt ihr endlich wieder Grindcore“.

Zeit dem lange nachzutrauern gab es dank SKYFORGER dann aber nur sehr wenig. Ehrlich gesagt rechnete ich mit eher verhaltenem Zuspruch des Publikums, da das Billing sehr Death / Thrash lastig gestaltet war, doch scheinbar war dies eine willkommene Abwechslung für viele und auch ich war gespannt, da ich sie beim Ragnarök 3 Festival vor zwei Jahren leider verpasst habe. Die Letten zeigten ab der ersten Sekunde Spielfreude, dass es einem direkt warm ums Herz werden konnte, zumal der Funke sofort auf das Publikum übersprang, das die Band mit „hej hej hej“-Rufen immer weiter anfeuerte, die dies freudig annahmen. Man hätte meinen können Sänger Peteris hätte Tränen in den Augen gehabt beim Ankündigen der Songs, die alle von nordischen Göttern und sämtlichen nur vorstellbaren Naturschauspielen handeln. Diese Freude über soviel Zuspruch vom Publikum konnte Bassist Edgars „Zirgs“ sogar noch toppen, der sichtlich berührt war. Es war eine Vergnügen dieser Band zuzusehen und machte bei mir sogar mal wieder etwas Lust auf Pagan Metal, denn die Musik der Letten passt wohl nicht nur zu kalten, verschneiten nordischen Wäldern, sondern auch zu lauen unterfränkischen Sommernächten. Verblüffend authentisch war hier auch der Fundus an altertümlichen Instrumenten, die eben nicht wie bei vielen Genrekollegen vom Band kamen, sondern selbst gespielt wurden. Man konnte sie sogar gut heraushören! Respekt hier an Band und abermals die Tontechniker, die SKYFORGER genau den Sound zauberten, den sie benötigten.

Als nun die Menge vor der Bühne immer größer wurde war klar, dass VADER, der Headliner des heutigen Abends, bald die Bühne entern würde. „Bald“ war hier jedoch eine Umbaupause von mehr als einer Stunde, da man es auf Seiten von VADER für nötig hielt neben Schlagzeug, was nachvollziehbar ist, auch die komplette Backline auszutauschen. Einen besseren Sound als die Bands zuvor hatte man trotzdem nicht, zum Glück aber auch keinen schlechteren. Sparen hätte man es sich trotzdem können, doch letzten Endes betrat das polnische Death Metal Urgestein um Piotr Wiwczarek die Bühne und zeigte ab dem ersten Song, dass man nicht vor hatte hier irgendwelche Gefangenen zu machen. Der Auftritt an sich war eines in erster Linie: Fehlerfrei – Death Metal in Perfektion. Die Show von VADER konnte sich wahrlich sehen lassen und bat natürlich die komplette todesmetallische Vollbedienung für das nun bestens gefüllte Festivalgelände, vom dem die Band gebührend gefeiert wurde. Ein wenig mehr Einbezug des Publikums hätte man sich trotzdem gewünscht, denn so schien es immer eine kleine, aber doch spürbare Distanz zwischen Band und Publikum zu geben, was die gute Stimmung jedoch nur wenig schmälerte. Vor allem „Helleluyah (God is Dead)“ vom aktuellen Album „Impressions In Blood“, das auf Deutsch mit „Gott ist tot“ (Nietzsche lässt grüßen) angekündigt wurde, und die komplett gespielte „The Art of War“ EP brachten den Hang zum Kochen, während man sich beim Rest der Setlist quer durch die Bandgeschichte arbeitete. Als es dann nach vollen 90 Minuten fast zu Ende war, ließ es sich die Band nach nicht verklingen wollenden „Vader“-Rufen nicht nehmen den schon vorher mehrmals geforderten Slayer-Klassiker „Raining Blood“ zu covern, bei dem die Stimmung noch einmal den Siedepunkt erreichte.
Wer noch wollte oder konnte, der hatte nun mit dem TRANSILVANIAN BEAT CLUB die Möglichkeit bei Gratisvodka für die ersten, nun deutlich gelichteten Reihen, ordentlich Party zu machen. Bei mir reichte es allerdings nur dazu den ersten Takten zu lauschen und für ein paar Bilder. Danach ging es ab ins Zelt um erstmal wieder die Nachteile der Hanglage am eigenen Leib zu erfahren. Isomatte und Schlafsack ist eben doch eine sehr rutschige Angelegenheit, doch mit etwas Kreativität konnte auch das gemeistert werden.

Samstag:
Die Nacht war dann allerdings zum ersten Mal schon um kurz vor sechs Uhr zu Ende, nachdem netter Weise „Aufstehen“ neben meinen Zelt gebrüllt wurde. Nach einem grenzdebilen „Nein, Mama verdammt nochmal!“ und der Erkenntnis gestern immernoch nicht genug getrunken zu haben um von so etwas nichts mit zu bekommen ging es nun in Phase 2, ehe es diesmal der Harndrang war, der mich aus meiner Behausung kriechen ließ. Löblich hier vor allem die Tatsache, dass bereits ab 6 Uhr preiswert Frühstück angeboten wurde und auf positive Resonanz stieß, ehe der Regen einsetzte. Also auf in Schlafphase 3, die dann bis 12 Uhr andauerte, genau pünktlich um bis zu ANTAGONIST wach zu werden, die den Tag eröffneten. Diese waren mir vorher noch kein wirklicher Begriff, doch was die Jungs aus Bremerhaven, die es schon seit Mitte der 90er Jahre gibt, ablieferten konnte sich wahrlich hören lassen. Wirklich guter Death / Thrash Metal, der mir zusammen mit einem Kaffee die Müdigkeit aus dem Gesicht prügelte. Hier wurde schon wieder deutlich, dass das Niveau im Underground einfach mittlerweile extrem hoch ist, so dass man sich oft nur wenig oder garnicht hinter den etablierten Label-Bands verstecken muss und fast immer mit ungebrochener Spielfreude glänzt. So auch ANTAGONIST, die leider keine CDs dabei hatten, da sich schon während des Auftritts bei mir dieses „Haben!!!“-Gefühl einstellte. Stattdessen „musste“ das Geld nun erstmal in Bier investiert werden und ein weiteres einfach leckeres Spessartbrot. Beim Bier hat man sich mittlerweile von Warsteiner im letzten Jahr zu immerhin schon bayerischen Löwenbräu entwickelt, jedoch sollte es doch beim nächsten Jahr bitte ein richtiges – also fränkisches – Bier sein. Soviel Lokalpatriotismus muss schon sein! Ungeachtet dessen machten sich RUSTED CHAINS ans Werk, von denen ich leider nur wenig in Erinnerung habe und so nur schreiben kann, dass sie wohl Opfer meiner Vorfreude auf die nun folgende Band waren und nichts anbrennen ließen.

Diese war PATH OF GOLCONDA, auf die ich mich seit Monaten schon so freute wie ein hungriger Pitbull auf einen Kinderspielplatz und für mich so etwas wie meinen persönlichen Headliner darstellten. Nachdem ich mich noch kurz mit Rüdiger unterhalten konnte, ging es endlich los und vor der Bühne freuten sich wohl auch noch einige andere auf die Oberhausener, die mit diesem Auftritt den ein oder anderen neuen Anhänger mit Sicherheit für sich gewinnen konnten. Mit zwei überragenden letzten Alben „The Threshold Diaries“ und „Destination: Downfall“ hatte man die besten Vorraussetzungen, bereits zu dieser viel zu frühen Uhrzeit, den Berg zu rocken. Zudem feierte Andrew als neuer Gitarrist hier seinen Live-Einstand, was jedoch auf Grund meiner sich bereits beim Opener „Metropolis Rotting“ sekündlich steigernden Begeisterung nur Nebenerscheinung war. Er mag es mir verzeihen. Bei „Catafalque“ und „A Cannibal Crusade“ war es so oder so längst um mich geschehen, so dass jegliche Schilderung meiner Extasezustände nur schwer möglich ist. Mit einem Wort: Geil! Die Auswahl der Songs hätte kaum besser sein können, einzig „Uncreation“ und „Stabbing Love Into Her“ vermisste ich, was aber „Foul Winds Through Utopia“ mit diesem wahnsinnigen Solo schon alleine wett machte. Zu schade, dass nach 45 Minuten PATH OF GOLCONDA Schluss sein musste, denn nicht nur ich hätte wohl kein Problem gehabt mit einer weiteren dreiviertel Stunde.

Auch wenn ich nun beruhigt hätte sterben können, suchte ich etwas Erholung bei JACK SLATER. Stop! Erholung und JACK SLATER? Mit nichten, denn die Bonner Brutal Death Metaller legten ebenfalls los wie ein Duracellhäschen auf Ecstasy. Genug der schlechten Vergleiche – zu meckern gab es auch hier nichts. Einzig das Wetter war immer noch nicht wirklich Festivaltauglich, was aber fast niemanden störte. Beim letzten Song war dann gemeinsames Gruppenkuscheln angesagt, was sicher für den ein oder anderen Nervenzusammenbruch Seitens der Techniker gesorgt haben könnte. Lustig sah es allemal aus mit gut 30 Leuten auf der Bühne. Die nun folgende, sehr spaßige Zeit im Path of Golconda-“Partyzelt“ sorgte leider dafür, dass ich von INK, THE UNCHALLEND und DEADBORN nur etwas am Rande mitbekommen habe. Schlecht war das ganze sicher nicht, doch „very fast somewhat spazmotic clapping“, ein Frisbeespiel quer über das Gelände und vor allem der einzig wahre Meister der Rock Musik Jon Bon Jovi, neu interpretiert von Path of Golconda, sorgte für mehr als nur einen Schmünzler. Es ist unglaublich mit welcher Ausdauer man Songs wie „Living On A Prayer“ oder „You Give Love A Bad Name“ singen kann und wie schwer sie nun, mehr als eine Woche nach dem Festival, wieder aus dem Kopf gehen.

Zur Abwechslung wurde auch mal ein wenig zu tief ins Guaranawein-Glas geguckt und ehe man sich versah stand mit SOUL DEMISE die nächste hervorragende Kapelle auf der Bühne. Schnörkelloser Death Metal war genau das, wonach mir und einigen anderen war, die sich trotzdem leider zu dieser Zeit nur spärlich vor der Bühne blicken ließen. Positiv hervorgehoben muss hier natürlich das T-Shirt des Sängers werden, das stolz verkündete „Iich moog Fränggisch“ – So muss das sein! Mit diesem Sympathiebonus machte die Band, die mit Micha und Jan zwei neue Gesichter in ihren Reihen hatte und ihre Live-Premiere feierten, gleich doppelt Spaß und hinterließ einen durchwegs positiven Eindruck. Danach wurde auf dem Campingplatz erst einmal standesgemäß Jesus gekreuzigt. Das Holzkreuz stand einfach viel zu friedlich am Tag zuvor bei unseren Zeltnachbarn herum, so dass dies eigentlich nur eine Frage der Zeit und des Alkoholpegels war. Garnicht christlich bettelte dieser dann jedoch nach Alkohol und Zigaretten, wohingegen er sich gegen zwei Mädels, die ihm seiner Hose entledigen wollten (und anscheinend durchaus auch zu mehr gewillt waren), doch erstaunlich stark wehrte.
Gerade rechtzeitig ging es dann zurück zur Bühne, wo zu diesem Zeitpunkt FINAL BREATH ihre Show begannen. Zum dritten Mal in drei Jahren wurde also die Bühne von der Gemündener Death / Thrash / Chaos – Institution gerockt und wie schon im letzten Jahr konnte man sich auf den Lokalbonus verlassen. Doch da aller guten Dinge drei sind zeigte man nun nicht nur erneut eine unheimliche Interaktion zwischen Publikum und Band, allen voran Frontmann Eumel, sondern holte auch noch einige Prominenz aus den vergangenen Bandjahren auf die Bühne. Die Setlist war zudem maßgeschneidert und konnte zuvor im Internet mitbestimmt werden. So wurden neben den extrem starken Songs vom noch aktuellen Album „Let Me Be Your Tank“, auch ältere Titel wie „Killing Machines“ gespielt. Ja, das machte nicht nur mir Spaß! Das hoffentlich im Winter erscheinende neue Album ist so gut wie gekauft und da die Band beim Eisenwahn als „Ausverkauf“ sämtliche Shirts für 6€ angeboten hatte, musste ich dort natürlich zuschlagen. Beide Daumen nach oben für FINAL BREATH!

Das wurde schwer für OBSCENITY dies zu toppen, da viele nach Final Breath erst einmal eine Pause einlegten und sich innerlich mit Alkohol oder äußerlich mit einer weiteren Lage Stoff gegen die nun deutlich kühleren Temperaturen zur Wehr setzten. Während ich also noch auf den Weg war die ideale Kombination aus beidem zu bestimmen legten die bereits 1989 gegründeten Oldenburger mächtig los. Nicht zum ersten mal an diesen zwei Tagen fragte ich mich warum ich von der gerade spielenden Band immer noch nichts im Regal stehen habe. Ihr Death Metal der härteren Gangart war die ideale Einstimmung auf Misery Index für mich und die nun wieder zahlreicher werdenden Menschen vor der Bühne.

Deutlich schneller als am Tag zuvor bei Vader machten es sich die Headliner des heutigen Abends MISERY INDEX auf der Bühne bequem. Diesen merkte man die vielen Auftritte zuvor und daraus resultierende Müdigkeit beim besten Willen nicht an. Bereits bei den ersten Sekunden dieses mit „Special Show“ angekündigten Auftritts hatte man das Publikum fest in der Hand und gab es für den Rest der 90 Minuten auch nicht wieder her. Die Amerikaner setzten eine Deathgrind-Dampfwalze in Bewegung, die alles nieder drückte und einfach nur begeistern konnte. Es war ein regelrechter Genuss Jason Netherton, Sparky Voyles und Mark Kloeppel in forderster Front beim zelebrieren ihrer Salven zuzusehen, richtig ins schwärmen konnte man aber geraten, wenn man beim kurzen Verschnaufen einmal auf Adam Jarvis hinter der Schießbudde achtete. Dieser Mann ist einfach der blanke Wahnsinn und braucht sich hinter Namen wie Hellhammer oder Frost nie und nimmer verstecken. Die Präzision und Geschwindigkeit hinter seinem Schlagzeugspiel ist einfach atemberaubend. Auch die Setlist konnte sich sehen lassen und bat so ziemlich alles, was die Jungs aus Baltimore seit 2001 hervorgebracht haben, so dass wohl niemand unzufrieden sein musste. Im Vergleich zu Vader fiel vor allem die unheimlich gute Interaktion mit dem Publikum auf, die ihren Höhepunkt erreichte, als vor „Retaliate“ für die ersten Reihen Bier verteilt wurde. MISERY INDEX erfüllten nicht nur meine Erwartungen an sie vollkommen und waren mehr als ein zufriedenstellender Headliner.

Die Aftershowparty schmissen dann die lokalen Covermetal-Helden FULLTANKED. Nichts Besonderes und leider sind Coverbands vor allem hier in Franken eine regelrechte Plage für kleine Bands, so dass ich das ganze lieber vom Bierstand aus noch ein wenig beobachtete, ehe es mich auf den Campingplatz zog, natürlich nicht ohne wohlvertraute Stimmen zu hören: „Shot through the heart, and you’re to blame – you give love a bad name!“.

Das Eisenwahn hat bei mir erneut einen absolut hervorragenden Eindruck hinterlassen. Im Vergleich zum Vorjahr hat man sich hinsichtlich der Organisation noch einmal gesteigert und vieles gezeigt, wovon man auf größeren Festivals nur träumen kann. Auch wenn die Besucherzahlen wohl nicht zugenommen haben, halte ich die Entscheidung sich musikalisch weg Pagan Metal hin zu Death und Thrash Metal zu orientieren für die einzig richtige. Irgendwelche rechtsradikale Idioten konnte ich jedenfalls nicht ausmachen und wurde nicht wie im letzten Jahr von Absurd geweckt. Neben dem unschlagbar günstigen Preis, den vom Opener bis zum Headliner einfach fast ohne jegliche Ausnahme hervorragend spielenden Bands, dem exzellenten Sound und natürlich dem leckerem Spessartbrot gibt es noch etwas positiv zu erwähnen: Die Stimmung und gute Laune der vielen Helfer ist einfach Klasse! Allen voran die von den Motorsportfreunden Sinngrund gestellten Securities. Man kann stolz darauf sein, was man hier auf die Beine gestellt hat. Es scheint so als ob ein ganzes Dorf geschlossen hinter dieser Veranstaltung stehe, denn ohne die vielen Helfer wäre das Eisenwahn sicher nicht möglich. Was gibt es da noch groß zu kritisieren? Vielleicht eine etwas bessere Ausleuchtung am Campingplatz, sonst fällt mir aber nichts ein. Rundum glücklich und zufrieden freue ich mich schon jetzt auf mein drittes Eisenwahn im nächsten Jahr!


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