
>> Zu Tag 1 …
… unter anderem mit GOETHES ERBEN und ASP!
>> Zu Tag 2 …
… unter anderem mit QNTAL und WIND ROSE!

Zu Beginn des Abschlusstages des 16. FESTIVAL-MEDIAVAL wird der Goldene Zwerg in der Rubrik „Folk“ vergeben. Wie gewohnt treten mit PYRSCH, RAGNARÖK und WHIZBOW insgesamt drei Bands an. Und im Vergleich zu vielen anderen Jahren hätten alle drei Bands den Contest verdient gewonnen. Nur haben PYRSCH und WHIZBOW (leider) das falsche Jahr erwischt: Die beiden Italiener von RAGNARÖK spielen in 30 Minuten die Theaterbühne in Grund und Boden. Mit ihrem Mix aus Traditionals, einem MIRACLE-OF-SOUND-Cover von „Valhalla Calling“ und Songs aus der Welt von „The Witcher“ oder „Skyrim“ erobert das Duo die Herzen der Zuschauer und sichert sich neben der überwältigenden Mehrheit aller Stimmen auch weitere Bookings hierzulande im Sommer 2026. Ein komplett ausverkaufter Merchandise-Stand spricht am Ende für sich. Dass die beiden Musiker dafür nur wenig mehr als Nyckelharpas und ihren Gesang brauchen, sorgt für einen nachhaltigen Eindruck.

SPP UND DIE 7 GENERÄLE sind in diesem Jahr endgültig dort angekommen, wo sie hingehören: auf eine große Bühne. Zu diesem Anlass fährt die Truppe nun mit satten 16 Musiker auf – im Vorjahr waren sie zu fünft – und verwandelt den Auftritt in ein ausgelassenes, hochgradig ansteckendes Spektakel. Die Songs sind genauso eingängig wie beim Contest im Vorjahr, Refrains laden zum Mitsingen ein, und trotz der Enge auf der Bühne, die größere Bewegungen unmöglich macht, gleichen SPP dies mit liebevollen Kostümen, mehrstimmigem Gesang und spürbarer Spielfreude mühelos aus. Schelmisch zetteln SPP kleine Schlägereien im Publikum an und schicken die Menge auf Polonaise. Dass die Band im vergangenen Jahr noch den tragischen Suizid einer Mitmusikerin verkraften musste, merkt man dem Auftritt nicht an – bis sie mit „1000 Meilen“ eine so tragisch-schöne Homage an die Verstorbene singen, dass nicht nur auf der Bühne kein Auge trocken bleibt. Den Dreh zurück zur Heiterkeit finden SPP dennoch geschickt und kündigen augenzwinkernd ihr neues Bandmitglied an: Niemand anderes als der ehemalige MEDIAVAL-Chef Blacky fungiere nun als neuer Bandmanager – das FESTIVAL-MEDIAVAL zu organisieren sei ihm einfach zu anspruchslos geworden. Ein Auftritt, der gleichermaßen lustig, herzlich und mitreißend ist.

Mit DELVA und Frontfrau Johanna Krins kehren bekannte Gesichter zum MEDIAVAL zurück. 2023 trat die Combo noch beim tschechischen Ableger des Festivals auf, dieses Jahr spielt die Combo neuformiert erneut am Goldberg. Mit Schlagzeuger Andy Horst (LETZTE INSTANZ) und Bassist Marco Pflamminger ist das Ensemble mittlerweile von einem Akustik-Trio zu einem Folk-Projekt mit mehr Rock-Anteil gewachsen. Das nimmt DELVA etwas vom Alleinstellungsmerkmal der akustischen Anfangszeit, gleichzeitig profitiert die Darbietung speziell auf der größeren Schlossbühne von mehr Druck. Den einzelnen Stücken wie „Im Nebel“, „Verlassen“ oder „Die Spur“ steht sowohl das alte wie auch das neue Gewand gut zu Gesicht. Besonders spannend wird es, als DELVA sich von ihren deutschsprachigen Kompositionen lösen und mit „Oculto“ durch ein spanisches Stück überraschen. Am Ende spielt die Band nach rund einer Stunde mit „Columbus“ zurecht eine Zugabe.

END OF GREEN interpretieren den Gothic-Aspekt dunkelrockiger als alle anderen Bands an diesem Wochenende. Wer in den insgesamt zwölf Songs etwas Positives sucht, wird zumindest lyrisch enttäuscht. Nicht umsonst tragen diese Titel wie „Sad Song“ oder „Nice Time To Die“. Mit „Twinfinity“ haben END OF GREEN dieses Jahr ihrem Erstlingswerk „Infinity“ von 1996 eine Frischzellenkur verpasst, davon zu hören gibt es bis auf das bereits angesprochene „Nice Time To Die“ allerdings nichts. Stattdessen bedienen sich die Stuttgarter aus ihrer weiteren Diskografie, die mehrheitlich über zehn Jahre auf dem Buckel hat. Das merkt man den Kompositionen allerdings nicht an, denn die Stücke sind allesamt gut gealtert und passen trotz ihrer allgegenwärtigen Schwere als Kontrastpunkt gut in das Nachmittagsprogramm. Sänger Michelle punktet dazu mit seinen Ansagen: Obwohl er keine Politik machen möchte, wirft er spontan 80.000 Euro Gehalt als Richtschnur für eine 10-Stunden-Woche in den Raum. Garniert mit genügend Freibier wären die meisten der anwesenden Festival-Besucher bereits überzeugt.

Auch DIARY OF DREAMS nutzen ihre 75 Minuten Spielzeit an der Burgbühne, um Lust auf mehr zu machen. Die rockige Future-Pop-Combo um Sänger Adrian Hates war in den letzten Jahren fleißig: Nach dem letzten Studiowerk „Melancholin“ erschienen 2024 unter dem Titel „Under A Timeless Spell“ einige Neuinterpretationen bekannter Klassiker. Mit „Dead End Dreams“ steht das neueste Werk mit der gleichnamigen Tour im Herbst/Winter bereits in den Startlöchern. Ihre Show beim MEDIAVAL nutzen Hates und Co. für einen bunten Querschnitt durch das eigene Schaffen und ein letztes Hurra der Festival-Setlist des diesjährigen Sommers. Das Ergebnis findet Anklang und überzeugt vor allem durch viele starke Kompositionen, die auch nach drei Festival-Tagen für ordentlich Bewegung im Zuschauerraum sorgen. Die Musik ist ebenso nahbar wie Hates selbst, der sich glaubwürdig dankbar dafür zeigt, zum ersten Mal hier spielen zu dürfen. Seine Ausstrahlung und Stimme funktionieren sowohl bei den schnelleren als auch den langsameren Nummern. „Traumtänzer“ darf am Ende auch am Goldberg nicht fehlen und DIARY OF DREAMS verabschieden sich schließlich unter großem Applaus.

Manchmal ergeben sich auf dem FESTIVAL-MEDIAVAL spannende Symbiosen: so auch im Falle des Sonntags-Headliners VNV NATION. Die englische-irische Future-Pop-Band rund um Mastermind Ronan Harris beschließt das diesjährige MEDIAVAL. Während der ersten Stücke wie „Space & Time“ oder „Chrome“ entpuppt sich Harris wie gewohnt als der kontaktfreudige, sympathische und energiegeladene Frontmann, der seine Musik mit spürbarer Freude und Hingabe transportiert. Das (für seine Musik) spezielle Setting nimmt er Stück für Stück immer weiter an – und verinnerlicht es schließlich. Mag VNV NATION aus musikalischer Sicht nicht den Geschmack von allen treffen, so ist Ronan aus menschlicher Sicht ein voller Gewinn: Immer wieder hält er zwischen den Stücken kurz inne, lauscht der Menge und genießt die Atmosphäre. „Close To Heaven“ und „Gratitude“ passen vom Titel her wunderbar in dieses Stimmungsbild. Die Kinder in vorderster Front haben es dem Bühnenveteranen besonders angetan: Allerdings ist er sich auch der Gefahren bewusst und pausiert sein Set, solange bis ein Kleinkind ohne Kopfhörer den Bühnengraben verlassen hat. Am Ende des Sets ist Ronan Herris genauso beseelt wie die verbliebene Menge, die mit ihm gemeinsam lautstark feiert. Während WIND ROSE und andere Bands an diesem Wochenende einfach ein weiteres Festival gespielt haben, sind VNV NATION und die Festivalbesucher mit einem ganz anderen Auftritt zum Schluss belohnt worden. Die Magie des Goldbergs hat hier vor und auf der Bühne wieder einmal ins Schwarze getroffen.
Gefühlt war es ein long shot, doch das Gothic-Special am Goldberg geht überraschend gut auf. Mit der thematischen Reise über Genregrenzen hinweg findet das Festival nicht nur Anklang bei den Stammgästen, sondern auch neues Publikum, das das Gelände nun zum ersten Mal für sich entdeckt – und vielleicht auch wiederkehrt. Nächstes Jahr wird es mit dem Thema „Legends“ aber zurück zu den Wurzeln gehen: Unter anderem IN EXTREMO, FAUN, CORVUS CORAX und SUBWAY TO SALLY mit einer „Nord Nord Ost“-Sondershow werden die Fans des Festivals begeistern. So bleibt das FESTIVAL-MEDIAVAL auch unter neuer Führung ein vielfältiges, facettenreiches und grundsympathisches Event.



