German Metal Attack (Grave Digger, w/ Majesty, Wizard, GunBarrel)

  • Hamburg, Markthalle
  • 25. Januar 2013


Eine ordentliche Ladung klassischen Heavy Metal verspricht die „German Metal Attack Tour“, die momentan um den Globus reist. Bei ihrem Halt in der Hansestadt Hamburg haben wir es uns nicht nehmen lassen, nachzuschauen, was genau der Veranstalter eigentlich mit „German Metal“ meint. So viel sei vorweggenommen: Der Besuch hat sich gelohnt!


Eröffnet wird der Abend von GUN BARREL. Mindestens der traditionelle Metal-Bash-Gänger von uns hat Rheinländer schon das eine oder andere Mal live gesehen, doch die Erwartungshaltung ist nicht astronomisch. Umso schöner, dass der Opener der „German Metal Attack“ mit einer ansprechenden Leistung aufwartet. GUN BARRELs schnörkelloser und rotziger Heavy Metal schallt glasklar durch die Markthalle, die sich für die erste Vorband schon ganz ordentlich gefüllt hat.

Nicht nur uns sagt der Sound gut zu, es recken sich bereits einige Hände und die Band sonnt sich im Zuspruch. Posen können insbesondere Sänger und Gitarrist wie die Großen, aber wir haben es ja auch nun wirklich nicht mit blutigen Anfängern zu tun. Aus zeitlichen Gründen können wir GUN BARREL nur wenige Minuten folgen, denn bald empfängt uns Chris Boltendahl zum Interview. (jl)


Nach diesem gelungenen Opening Act wird es Zeit für eine ordentliche Ladung True Metal. Die beiden nächsten Bands stehen in dem Ruf, genau diesen zu liefern. Den Anfang machen dabei WIZARD, die inzwischen auf eine 24-jährige Bandgeschichte und neun reguläre Alben verweisen können – genügend Stoff also, um die 40 Minuten Spielzeit zu füllen. Und obwohl der Kollege und ich den Anfang der Band verpassen, weil wir noch im Interview steckten, verstehen wir nach 30 Sekunden, wie der Hase läuft: Hier gibt es die volle handgemachte True-Attacke. Topfit und gutgelaunt prügelt sich die Band durch ihre Setlist und hat durchaus Zeit für den einen oder anderen dummen Spruch zwischendurch. Erfreulich breit spiegelt sich in der Liedauswahl des Abends die Geschichte der Band wieder, sodass mit einer Ausnahme alle Alben nach 2000 bedient werden. Warum es kein Song von den ersten drei Alben auf die Bühne geschafft hat, ist fraglich, aber bei der kurzen Spielzeit muss man wohl Abstriche machen.

Das Publikum in der nunmehr knapp halb gefüllten Markthalle goutiert die Musik jedenfalls zunehmend und zahlreiche Menschen beginnen, mindestens ein bisschen mit dem Kopf zu wippen. Gegen Ende des Sets bringen WIZARD aber auch in der hinteren Hälfte der Halle ein paar Matten zum Schwingen, als Sänger Sven D’Anna selbstbewusst einen Song ankündigt, der „noch aus einer Zeit, als wir jünger und mein Bauch kleiner war“, stammt. Auf das dazugehörige Flashen des Bierbauches hätten wir sicher gut verzichten können, auf das folgende „Head Of The Deceiver“ hingegen keinesfalls – ein ordentliches Brett, das zeigt, dass die Band früher mal deutlich schneller war. Mit dem vor Klischees triefenden „Defenders Of Metal“ beendet die Band schließlich einen Gig, der ihr sichtlich Spaß gemacht hat und auch in der Markthalle für steigende Stimmung gesorgt hat, wie das begeisterte Mitsingen des Refrains beweist.
(ml)

Setlist WIZARD:
Midgard’s Guardian
Betrayer
Messenger of Death
Hall Of Odin
Bluotvarwes
Head Of The Deceiver
Children Of The Night
Defenders Of Metal


Nun ist es an der Zeit für die letzte Vorband des Abends – MAJESTY, die inzwischen wieder unter ihrer alten Flagge segeln und ihr MetalForce-Experiment zu den Akten gelegt haben. Für die früher die „deutsche Antwort auf Manowar“ genannten True Metaller um Tarek Maghary kommt diese Tour zum perfekten Zeitpunkt. Nicht nur ist die Rückbenennung noch nicht so lange her, noch dazu hat die Band als einzige des Abends ein taufrisches Album im Gepäck. „Thunder Rider“ hatte nicht nur in der Szene anerkennende Worte gefunden, sondern der Band gelang damit Mitte Januar sogar der deutsche Charteinstieg auf Platz 55 – wenn das mal keine Motivation ist.

Entsprechend wenig lassen sich MAJESTY von der immer noch nur zur Hälfte gefüllten Halle beirren und liefern etwas ab, was man fast als kleine Headliner-Show bezeichnen könnte. Von der ersten Note an zeigt die Band sich hoch motiviert und stellt ihre jahrelange Bühnenerfahrung unter Beweis: Gezieltes Posing, synchronisiertes Gitarrenballett und die richtigen verkniffen-ernsten Gesichtsausdrucke vermitteln das typische Gefühl des True Metals, das irgendwo zwischen „erhaben“ und „hoffentlich selbstironisch“ oszilliert. Dass die Band dabei mit einem Ersatzbasser und neuem Livegitarristen spielt, die relativ kurzfristig rekrutiert wurden, merkt man der Performance übrigens nicht einen Moment an.

Die Setlist des Abends ist logischerweise auf die Promotion des neuen Albums ausgerichtet, aber auch die relevanten Bandhymnen werden zur Freude der Fans gespielt. Die Resonanz ist hervorragend, auch im mittleren Hallenbereich wird gebangt, was das Zeug hält. Mit etwas mehr Distanz betrachtet, zeigt sich hier wieder, was für True Metal so oft gilt: In seiner simplen und direkten Art, wie MAJESTY ihn spielen, ist er zwar von unglaublich vorhersehbarem Songwriting und klischeebeladenen Texten geprägt, funktioniert live aber ganz hervorragend. Ob die Menschen in der Halle die Songs wirklich kennen oder einfach nur in Lage sind, nach dem ersten Refrain mitzusingen, sei dahingestellt. Jedenfalls wird in der Markthalle gefeiert, was das Zeug hält. Zum Abschluss dieses gelungenen Auftritts haben sich MAJESTY zudem was Nettes einfallen lassen: Zu „Metal Union“ kommen Mitglieder der anderen Vorbands mit auf die Bühne und der Song wird in großer Gruppe von allen Sängern gemeinsam vorgetragen – schön, das macht Laune! (ml)

Setlist MAJESTY:
Metal Law
Make Some Noise
Into the Stadiums
Thunder Rider
Fields of War
Sword and Sorcery
Metal Union


Kurz vor halb 11 ist es dann Zeit für den Headliner und Initiator der „German Metal Attack“. Wenig überraschend ertönt vom Band das Intro des aktuellen Albums „Clash Of The Gods“, doch der Titelsong als erste Klänge von GRAVE DIGGERs Auftritt ist eine kleine Fehlzündung. Der Midtempo-Stampfer kommt nicht richtig aus den Puschen, eine schnellere Nummer hätte unserer Ansicht nach zur Einstimmung besser funktionieren. Doch die Veteranen müssen sich freilich nicht besonders anstrengen, um die Fans im Griff zu haben. Mit Leichtigkeit spielen sich GRAVE DIGGER durch ihre Bandhistorie und bedienen die meisten ihrer 15 Studioalben mit mindestens einem Song. Allzu viel Gewicht liegt nicht auf dem aktuellen Release, viereinhalb Stücke gibt es von der „Clash Of The Gods“ nach dem Intro zu hören.

Bemerkenswert ist nicht unbedingt viel an diesem Auftritt. Die Band rund um den graugelockten Chris Boltendahl ist gut aufgelegt, wie man sie kennt. Einzig ein Medley „quer durch die Jahrzehnte“ mag etwas überraschen. Optisch hat die Band sich zudem eine Video-Slideshow gegönnt, die die gespielten Songs atmosphärisch, aber minimalistisch unterstreicht. Einen großen Teil davon kann man zwar nicht sehen, weil die Bühnenaufbauten im Weg sind, aber stören tut die Show keineswegs und man hat zwischendurch ein paar optische Ablenkungen. Richtig gut funktioniert sie allerdings nur bei „Home At Last“, wo es Ausschnitte des dazugehörigen Videos zu sehen gibt, und bei „Yesterday“, wo alte Bandfotos parallel projiziert werden. Ein Lob hingegen verdient die Lightshow, die sehr stimmungsvoll geraten ist und mit verschiedenen Farbtönen und Richtstrahlen für weitere Stimmung sorgt. Besonders in den ruhigeren Passagen (zugegeben, nicht viele), ist die Wirkung sehr gelungen.


Einen ersten Höhepunkt erreicht der Abend bei „Ballad Of A Hangman“, dessen Sing-a-long-Part von zahlreichen Kehlen angestimmt wird. „Zahlreich“, indes, ist relativ, denn die Markthalle ist auch beim Headliner allenfalls zur Hälfte gefüllt. An einem Freitagabend bei humanen Eintrittspreisen verwundert uns das schon. Doch diejenigen Fans, die da sind, lassen von der Sangesleistung her ebenso wenig anbrennen wie die routinierte Band.

Nach dem obligatorischen und gebührend zelebrierten „Rebellion (The Clans Are Marching)“ ist das reguläre Set von GRAVE DIGGER zu Ende. Es folgt ein kleiner Zugabenblock mit dem akustischen „Yesterday“ und – noch einmal so obligatorisch – der Rausschmeißer „Heavy Metal Breakdown“. Den einen oder anderen Song mehr hätten wir uns vielleicht noch gewünscht, doch wir wollen einer Band, die zusammen ein Vierteljahrtausend alt ist, auch ihre Ruhe gönnen.
(jl)

Setlist Grave Digger:
Charon (Fährmann des Todes)
Clash Of The Gods
Death Angel And The Grave Digger
Hammer Of The Scots
Ballad Of A Hangman
Killing Time
The House
Medusa
Excalibur
Medley (Call Of The Sirens/The Reaper/Baphomet)
We Wanna Rock You
Knights Of The Cross
The Round Table
The Dark Of The Sun
Home At Last
Rebellion

Yesterday (Akustisch)
Highland Farewell
Heavy Metal Breakdown

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