H.I.M. w/ Biters

  • München
  • 05. Dezember 2017

Es kam doch für einige überraschend, als H.I.M. im März 2017 ihre Abschiedstournee bekanntgaben. Allerdings ist dies nach zwei Jahrzehnten auch legitim. Weniger überraschend war natürlich, dass die Tickets innerhalb von zwei Wochen komplett ausverkauft waren. Eventuell waren die gebuchten Hallen rückblickend auch zu klein für den riesigen Ansturm der Fans, wenn man bedenkt, wie viele Fans noch auf der Suche nach einer Karte für München waren.

Am 5. Dezember 2017 versammeln sich die glücklichen 2000 Besitzer eines Tickets vor der Tonhalle in München und müssen sehr strenge Personenkontrollen über sich ergehen lassen. So viel Zeit muss sein, dass man das Sicherheitspersonal dieses Abends einmal lobt. Obwohl jeder Besucher abgetastet wird und die Taschen genauestens durchsucht werden, geht es ratzfatz, weil auch einfach genügend Mitarbeiter hierfür abgestellt wurden.

Nachdem die Band BITERS aus Atlanta ihren Auftritt als Anheizer beendet haben, betreten gegen 21 Uhr H.I.M. die Bühne – und hemmungsloser Jubel bricht los. Sie legen mit „Buried Alive By Love“ los und haben das Publikum, welches alle Altersklassen abdeckt, sofort auf ihrer Seite. Doch im Vergleich zu den Konzerten vor 17 Jahren muss man leider auch sagen, dass es offensichtlich Sinn ergibt, aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Frontmann Ville Valo hat mit den Jahren zwar nicht sein Charisma verloren, aber doch einiges an Energie. Eher ungeduldig und fahrig kommt er auf der Bühne rüber und auch die Stimme hat gelitten (gut, eventuell spielt in dieser Jahreszeit auch eine Erkältung eine Rolle), denn die hohen Lagen klingen nicht mehr so rein und klar wie noch vor Jahren. Und auch die übersprühende Energie, die er damals noch auf der Bühne abrufen konnte, ist nicht mehr vorhanden. Nur ab und an tänzelt er leicht vor sich hin oder rockt im Takt mit. Die meiste Zeit ist er auf die Vocal-Performance konzentriert, während Lichtshow und Bandmitglieder für die Showeffekte sorgen müssen (unter anderem mit langen Gitarrensoli, wenn Ville eine Pause braucht).  Doch all das tut der Stimmung im Publikum keinen Abbruch. Man  nutzt die letzte Gelegenheit, um die Band noch einmal richtig zu feiern.

Die Setliste kann man als „Best of“ bezeichnen. Bis auf kleinere Überraschungen wie z.B. „Sigillum Diaboli“ (später „Stigmata Diaboli“) enthält sie wirklich all die großen Hits von H.I.M. Wenn die Fans die Setliste hätten zusammenstellen dürfen, hätte sie nicht sehr viel anders ausgesehen. Viele gothic-lastige Lieder wie „Gone With The Sin“ oder „Tears On Tape“ sorgen dafür, dass jeder in der Halle mitsingt oder zumindest summt, während die Rock-Klassiker a la “Poison Girl” oder “Right Here In My Arms” die meisten Fans zum abrocken bewegen, soweit das in der prall gefüllten Halle möglich ist. Besonders gut punkten kann Ville Valo natürlich bei Songs in tiefer Tonlage wie „Wicked Game“, was den Mädels offensichtlich auch heute noch Tränen in die Augen treibt. Es ist auch schön, mitzuerleben, dass genau wie in den Anfangstagen einige Songs von den Fans mit Gesang komplettiert werden, wenn die Band (natürlich absichtlich) nicht selbst weitersingt. Am intensivsten natürlich beim Allzeit-Klassiker „Join Me“ sowie dem melancholischen „In Joy And Sorrow“.

Ville wird im Laufe des Gigs lockerer und lässt auch ab und an eine kleine Rede an die H.I.M.-Fans vom Stapel, bzw. in diesem Fall zum Oktoberfest (zum Teil auf Deutsch) oder er reagiert auf Zurufe von Fans, die ihn als sexy bezeichnen und lässt sich sogar zu einem Schwank in Sachen „Gay Porn“ verleiten, als ihm ein Mann Komplimente zuruft. Natürlich dankt er auch seinen treuen Musikern, von denen vor allem Migé am Bass ordentlich am Posen ist und mit Hut und grauem Bart der einzige ist, dem man das Alter auch von weitem ansieht im stark gedämpften Bühnenlicht.

Nach fast anderthalb Stunden und 19 Songs ruft Ville dann „Gute Nacht“ ins Publikum, natürlich nur, um nach tobendem Applaus für die geplanten Zugaben zurückzukommen. H.I.M. rocken zum Cover von „Rebell Yell“ noch einmal ordentlich ab, bevor sie mit den zarten Klängen von „The Funeral Of Hearts“ den Abend gefühlvoll ausklingen lassen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sicher die richtige Entscheidung ist, in den besten Jahren aufzuhören, denn trotz Zuneigung zum Publikum, die man tatsächlich gespürt hat, ist die Luft ein wenig raus. Aber auch die Abschiedstour in kleinerem Rahmen ist ein schönes Dankeschön an die H.I.M.-Fans, denn deren Hingabe und Liebe war deutlich spürbar, und mit Sicherheit werden H.I.M. noch für einige Jahrzehnte einen besonderen Platz im Herzen ihrer alten und neuen Anhänger behalten.

Setlist H.I.M.

  1. Buried Alive By Love
  2. Heartache Every Moment
  3. Your Sweet Six Six Six
  4. The Kiss Of Dawn
  5. The Sacrament
  6. Tears On Tape
  7. Rip Out The Wings Of A Butterfly
  8. Gone With The Sin
  9. Soul On Fire
  10. Wicked Game
  11. Killing Loneliness
  12. Poison Girl
  13. Bleed Well
  14. Heartkiller
  15. Join Me (In Death)
  16. Sigillum Diaboli
  17. In Joy And Sorrow
  18. Right Here In My Arms
  19. The Funeral Of Hearts
  20. Rebell Yell
  21. When Love And Death Embrace



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